Corina Schnitzler, Peter Martin: Schlafstörungen bei Menschen mit neuronalen Entwicklungsstörungen
Rezensiert von Prof. i.R. Dr. Hans Michael Straßburg, 03.07.2026
Corina Schnitzler, Peter Martin:Schlafstörungen bei Menschen mit neuronalen Entwicklungsstörungen. Diagnostik und Therapie. Psychosozial-Verlag GmbH & Co. KG (Gießen) 2024. 99 Seiten. ISBN 978-3-8379-3375-8. D: 19,90 EUR, A: 20,50 EUR.
Reihe: Mensch und Medizin.
Thema
Die Autor:innen Corina Schnitzler und Peter Martin sind langjährige Mitarbeiter:innen der Paul Séguin-Klinik im Epilepsiezentrum Kehl-Kork und spezialisiert für die Behandlung von Menschen mit schweren Entwicklungsstörungen und neurologisch bedingten Behinderungen.
Autor
Schlafstörungen sind bei Kindern und Erwachsenen ein häufiges Gesundheitsproblem. Bei Patient:innen mit Entwicklungsstörungen und Behinderungen lassen sie sich in bis zu 80 % nachweisen und spielen eine wichtige Rolle für die Lebensqualität dieser speziellen Gruppe.
Entstehungshintergrund
Bei der Diagnostik von Schlafstörungen bei Menschen mit neuronalen Entwicklungsstörungen muss an eine Vielzahl zugrunde liegender Ursachen gedacht werden, die oft nur durch differenzierte Untersuchungen mit Berücksichtigung anamnestischer Hinweise, der klinischen Untersuchung und speziellen Laboruntersuchungen festgestellt werden können. Bei vielen Patient:innen ist eine ausführliche Polysomnographie sinnvoll, d.h. eine gleichzeitige, längerdauernde Ableitung der elektrischen Hirnströme (EEG) zusammen mit Augenbewegungen, Muskelaktivitäten, Atemfluss und anderen biologischen Parametern während des Schlafens. Dadurch lassen sich vielfältige Aussagen zur Schlafqualität und zu verschiedenen Anomalien der Hirnaktivität, vor allem bei Epilepsien, Krankheiten mit Störungen der muskulären Bewegungen und der Atemregulation machen. Nach einer allgemeinen Darstellung wichtiger Befunde wird auf spezielle Krankheiten wie Trisomie 21, Rett-, Angelman‑ oder Prader-Willi-Syndrom sowie auf Besonderheiten bei Epilepsien, der Narkolepsie, dem Restless-Legs-Syndrom oder Sehstörungen gesondert eingegangen. Zur Therapie werden verhaltenstherapeutische Maßnahmen, pflanzliche Sedativa und einige operative und kieferorthopädische Maßnahmen kurz empfohlen. Auf die Gabe des Hormons Melatonin wird besonders hingewiesen.
Aufbau und Inhalt
Trotz seines knapp gehaltenen Textes wird die Bedeutung einer guten medizinischen Betreuung von Schlafstörungen bei der im Fokus stehenden Gruppe von chronisch kranken Menschen eindrucksvoll belegt und die große Erfahrung der Autor:innen bei der Vielfalt möglicher Erklärungen kommt deutlich zum Ausdruck. Die Aussagen werden nicht durch polysomnographische Registrierungsbeispiele illustriert. Es fehlen spezielle Erklärungen für Schlafstörungen bei Säuglingen und Kleinkindern, und die Bedeutung der Chiari-Fehlbildung bei Patient:innen mit Meningomyelocele (Spina bifida) wird nicht erwähnt. Bei der Liste der Antiepileptika fehlt das oft verordnete Sultiam. Die Informationen zu dem häufig eingesetzten Melatonin sind nicht auf dem aktuellen Stand.
Diskussion
Eindrucksvoll sind die ca. 240 Literaturangaben, allerdings fast ausschließlich aus angloamerikanischen Publikationen. Die Autor:innen beziehen sich auch überwiegend nur auf Leitlinien der Gesellschaften für HNO und Neurologie. Deutschsprachige Monographien und Übersichtsarbeiten zur Schlafmedizin, z.B. von Jürgen Zulley und vielen anderen oder Publikationen zur pädiatrischen Schlafmedizin von Ekkehardt Paditz oder Alfred Wiater, werden ebenso nicht erwähnt wie die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin, die für die Akkreditierung der über 300 Polysomnographie-Standorte in Deutschland zuständig ist. Es gibt auch kein Stichwortregister.
Fazit
Das Büchlein dient allenfalls als Hinweis für die Bedeutung der Polysomnographie bei der Betreuung von Patient:innen mit neuronalen Entwicklungsstörungen in spezifischen Einrichtungen, z.B. einem Sozialpädiatrischen Zentrum oder einer Spezialklinik – eine umfassende Information zu dem Thema kann es nicht bieten.
Rezension von
Prof. i.R. Dr. Hans Michael Straßburg
Universität Würzburg
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