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Katja Wagner, Maximilian Hauer et al.: Klima und Kapitalismus

Rezensiert von Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer, 05.12.2025

Cover Katja Wagner, Maximilian Hauer et al.: Klima und Kapitalismus ISBN 978-3-89657-645-3

Katja Wagner, Maximilian Hauer, Maria Neuhauss: Klima und Kapitalismus. Plädoyer für einen ökologischen Sozialismus. Schmetterling Verlag GmbH (Stuttgart) 2025. 200 Seiten. ISBN 978-3-89657-645-3. D: 12,00 EUR, A: 12,40 EUR.
Reihe: Theorie.org.

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Die Klimakrise ist Heute

Die ideologische Auseinandersetzung darüber, ob die globalen Klimaveränderungen naturgegeben – und damit nicht abzuwenden und zu verändern – oder menschengemacht – und deshalb veränderbar und kontrollierbar – sind, beherrscht aktuell den Menschheitsdiskurs.  Während die ersteren Auffassungen – gar die, dass es keine Klimakatastrophe gäbe – auf den Misthaufen des kakofonen Denkens gehören, lohnt es, über die zweiten nachzudenken: nämlich, dass Ursache und Auswirkung der Klimakrise nicht im Humanum grundgelegt sind, sondern durch die Denk– und Handlungsweisen des Kapitalismus entstehen.

Entstehungshintergrund und Autorenteam

Klimaleugner sind egozentristisch,  populistisch denkende Menschen, denen es nicht um Fakten  und Wahrheiten geht, sondern um  Rechthaberei  und Macht. Gesellschaftskritisches, sozioökologisches Bewusstsein entsteht, wenn dem  kapitalistischen, menschenverachtenden  Streben nach dem egoistischen Immer-Mehr, Postwachstums-Alternativen entgegengesetzt werden. Die Leipziger Wissenschaftler*innen und Autor*innen Katja Wagner, Maximilian Hauer und Maria Neuhauss legen eine Studie vor, in der sie Theorien und Praxen eines demokratischen Ökosozialismus formulieren. Sie fordern nicht mehr und nicht weniger als einen individuellen und kollektiven lokal- und globalgesellschaftlichen Paradigmenwechsel, wie ihn bereits die Weltkommission „Kultur und Entwicklung“ 1995 empfohlen hat: „Die Menschheit steht vor der Herausforderung umzudenken, sich umzuorientieren und gesellschaftlich umzuorganisieren, kurz: neue Lebensformen zu finden“. 

Aufbau und Inhalt

Das Autorenteam gliedert die Studie in acht Kapitel. Im ersten zeigen sie auf, dass der Klimawandel menschengemacht ist. Weil die Menschheit nur eine Erde hat, bedarf es der Achtsamkeit und Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass Leben von Menschen, Tieren und Pflanzen in einem artengerechten Klima möglich ist. Wir leben im Anthropozän, einem  Erdzeitalter, das geprägt ist vom Kampf gegen die Natur, oder von der Übereinstimmung mit ihr. Im zweiten Kapitel werden „Natur und Gesellschaft im Kapitalismus“ thematisiert: Die materialistische Gesellschaftsauffassung  wird historisch, existenziell, technologisch und faktisch dargelegt. Es werden „Rifts“ (Risse) und „Shifts“ (Verlagerungen) zur Sprache gebracht. Die Lösung aus dem Dilemma der Ungerechtigkeiten und  Unmenschlichkeiten ist nur im Klassenkampf möglich. Der „fossile Kapitalismus“, als Ursprung der kapitalistischen Produktion, entstand mit dem Hunger nach billiger Energie. Die Nutzung der natürlichen Kräfte (Sonne, Wasser, Wind) wurde im Kapitalismus abgelöst durch den Abbau von Kohle und Verwertung von Öl und Gas. Klimapolitisch  (Kapitel 4) wurden nationale und internationale Maßnahmen und Absichten vereinbart, wie z. B. in den UN-Klimakonferenzen, die  CO²-Emmissiomen zu reduzieren, mit dem Emissionshandel mehr Gerechtigkeit  zu schaffen und mit „Climate Engineering“ neue Methoden und Techniken zu entwickeln; doch die Systemfrage wurde nicht gestellt. Wir sind bei der Frage, wie es gelingen könne, grundlegende Veränderungen zu bewirken. Die „Klimabewegung“ (Kap. 5) ist ein differenzierter Zusammenschluss von Befürwortern und Kämpfern, die den „Kipppunkt“ verhindern wollen: „Fridays for Future“, „Extinction Rebellion“, „Letzte Generation“, u.a., setzen sich politisch, gewaltfrei und gewalttätig dafür ein, den Klimawandel zu bewältigen. Die Herausforderung bleibt, zu reflektieren, welche Interessen dem Klimaschutz entgegenstehen. „Green New Deal“ (Kap. 6) will soziale Gerechtigkeit und Ökologie miteinander verbinden und den radikalen und konsequenten Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energien. Das ist ohne Wechsel vom kapitalistischen zum sozialistischen System nicht möglich. Die Grenzen des Wachstums sind erreicht! „Degrowt“ (Posatwachstum) ist gefordert“ (Kap. 7). In einer Gesellschaft, in der gemeinsam, gerecht, gleichberechtigt und demokratisch darüber entschieden wird, dass jeder Mensch das Recht auf ein gutes, menschenwürdiges Dasein hat, ist der Perspektivenwechsel angesagt: Der „ökologische Sozialismus“ (Kap. 8) bietet die Möglichkeit dazu, mit Gemeinwohl, sozialer Gerechtigkeit, Menschenwürde.              

Diskussion

In einer sozialen, gleichberechtigten Gesellschaft sind Konzepte, wie der „New Green Deal“ durchaus richtungsgebend und zielführend (Jeremy Rifkin, Der globale Green New Deal, 2019, www.socialnet.de/rezensionen/26434.php; Ann Pettifor, Green New Deal, 2020, www.socialnet.de/rezensionen/27787.php); sie reichen jedoch nicht aus, um konkret  einen Paradigmenwechsel herbeizuführen,  „Anything goes“, wie „Hans-guck-in-die-Luft“ sind hilfreiche  Argumente und Einstellungen. Es sind Fragen der Macht, die nicht mächtig, sondern intellektuell  zu beantworten sind (John Holloway, Die Welt verändern, ohne die Macht zu übernehmen, 2010, www.socialnet.de/rezensionen/10535).

Fazit

Ein demokratischer Ökosozialismus könnte eine humane Antwort auf die Krisen und Katastrophen in der Welt sein.

Rezension von
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Es gibt 1733 Rezensionen von Jos Schnurer.

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ISSN 2190-9245