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Carsten C. Schermuly: Die Psychologie der Macht

Rezensiert von Wolfgang Schneider, 12.08.2025

Cover Carsten C. Schermuly: Die Psychologie der Macht ISBN 978-3-689-51048-0

Carsten C. Schermuly:Die Psychologie der Macht. Wie sie uns und das Zusammenleben prägt. Psychologische Prozesse hinter Machtdynamiken in Organisationen und Gesellschaft verstehen und positive Machtstrukturen etablieren. Haufe-Lexware GmbH & Co. KG (Freiburg) 2025. 240 Seiten. ISBN 978-3-689-51048-0. D: 24,00 EUR, A: 24,70 EUR.

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Thema

Immer mehr Menschen sind bereit, immer mehr Macht in die Hände von immer weniger Menschen zu legen. Besonders in unserer von Krisen und Unsicherheiten geprägten Zeit scheinen sich viele nach starken Führungspersönlichkeiten zu sehnen. Doch Macht kann bei denjenigen, die sie innehaben, geradezu euphorisierend wirken und ein Suchtpotenzial auslösen. Deswegen geben viele sie ungern wieder ab. Sie kann aber auch eine Metamorphose auslösen, die viele Menschen impulsiver, weniger empathisch und korrupter werden lässt. Carsten C. Schermuly ist überzeugt, dass ein guter Umgang mit Macht notwendig und möglich ist, wenn man versteht, wie sie psychologisch funktioniert. Sein Buch ist ein Appell im gesellschaftlichen Alltag, in Organisationen und Zusammenarbeit von Menschen, mit Macht sensibler und verantwortungsvoller umzugehen. Er erklärt uns, wie Macht auf verschiedenen Ebenen psychologisch funktioniert.

Autor

Prof. habil. Dr. Carsten C. Schermuly ist Diplom-Psychologe, Professor für Wirtschaftspsychologie und geschäftsführender Direktor des Instituts for New Work and Coaching (INWOC) an der SRH Berlin University of Applied Sciences. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Konsequenzen von Diversität in Arbeitsteams, die Qualität von Personalentwicklungsmaßnahmen sowie die psychologische Perspektive auf das Thema New Work (psychologisches Empowerment).

Aufbau und Inhalt

Zwei große Themen leiten den Inhalt des Buches. Im ersten Teil Was ist Macht und wie wirkt sie ­psychologisch? versucht der Autor zunächst, Macht zu definieren, und beschreibt dann die Grundlagen der Macht. Denn egal, ob in der großen Politik oder im kleinen Betrieb, wer das Sagen hat, hat die Macht, andere Menschen zu bestrafen, aber auch, sie zu belohnen. Interessant ist an dieser Stelle, dass Schermuly einen klaren Unterschied zwischen legaler Macht – also durch Funktion – und legitimierter Macht – also durch das Wie der Machtausübung – macht. Aber was macht Menschen eigentlich mächtig? Und wie wirken Macht aber auch drohender Machtverlust physiologisch? Neben diesen Fragen beantwortet das Kapitel Biologie der Macht aber auch die, wie sich Menschen durch Macht verändern. Denn das ist durchaus gut erforscht. Und so wird deutlich, dass Macht glücklich macht, gleichzeitig aber offensichtlich auch das Mitgefühl reduziert. Der Einfluss auf das Verhalten ist – und das können die Menschen quasi stündlich auf Nachrichtenkanälen verfolgen – immens, denn Macht korrumpiert und enthemmt. Nachdem Wege zur Macht nachgezeichnet werden, werden in diesem ersten Teil abschließend die Strukturen der Macht analysiert – Stichwort ist hier Hierarchie. Die haben viele Vorteile für die Mächtigen, aber auch Nachteile. Denn ihre größte Schwäche, das stellt der Autor sehr deutlich dar, ist blinder Autoritätsgehorsam.

Der zweite Teilt des Buches ist mit Wie gelingt ein verantwortungsvoller Umgang mit Macht? überschreiben und bietet Impulse auf der Ebene des einzelnen Menschen mit seinem persönlichen Umgang mit Macht sowie auf organisationaler Ebene. Grundlage ist vor allem der reflektierte Umgang mit der eigenen Macht. Welches Motiv leitet mich in Sachen Macht? Bin ich in der Lage zu erkennen, was Macht mit mir macht? Ein gut gemeinter Tipp dabei: Setzen Sie Macht für die Interessen der Gemeinschaft ein. Dazu gehört auch, sich nicht bloß mit willfährigen Ja-Sager:innen zu umgeben, sondern kritische Menschen um sich zu haben, die sagen, wenn etwas schiefläuft. Und auch wenn man es im (politischen) Alltag leider oft anders erlebt, Menschen mit Macht sollten sich niemals von Angst treiben lassen, sich und ihre Position mit autoritären Methoden zu sichern. Bleibt noch die Frage nach der organisationalen Ebene von Macht. Schermuly plädiert hier dafür, neben einem klassischen Organigramm eine Landkarte der Macht zu zeichnen, um eben deutlich zu machen, wo welche und vor allem wieviel Macht liegt. Wichtig ist es, die Mächtigen mit Bedacht auszuwählen, um sich nicht in die Hände der ‚Falschen‘ zu begeben. Dazu gehört auch, eine Kultur des Machtverzichts zu etablieren.

Diskussion

Eines muss man Schermuly lassen: Er schafft es trotz seiner hohen wissenschaftlichen Expertise fesselnd zu schreiben, den Leser:innen an manchen Stellen sogar ein Schmunzeln zu entlocken und dabei – quasi nebenbei – den Umgang der Mächtigen mit ihrer Macht zu durchleuchten. Viele der geschilderten Situationen führen unweigerlich zu Kopfnicken: „Ja, kenn‘ ich“ dürfte den Leser:innen bisweilen durch den Kopf schießen. Und vielleicht hilft es sogar dabei, dass der eine oder die andere Leser:in über ihren eigenen Umgang mit Macht nachdenkt. Das große Plus dieses alltagstauglichen Buches ist, dass es auch ohne Vorkenntnisse in diesem Bereich gut lesbar und verständlich ist, trotzdem aber fachlich auf hohem Niveau anzusiedeln ist. Das Buch zeigt uns nicht, wie wir schnell an die Macht kommen. Es ist keine psychologische Gebrauchsanweisung, sein Umfeld so zu manipulieren, dass wir der nächste Super-Diktator werden. Sondern es zeigt uns, wie wir selbst in Machtpositionen manipuliert werden, wie wir uns auf diese vorbereiten und verantwortungsvoller mit Macht umgehen können. Insofern: Hut ab, denn das ist alles andere als selbstverständlich.

Fazit

Fundiert, klar in der Sprache und mit klarer Haltung versehen: Dieses Buch ist eine unbestrittene Kaufempfehlung.

Rezension von
Wolfgang Schneider
Sozialarbeiter
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Es gibt 238 Rezensionen von Wolfgang Schneider.

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ISSN 2190-9245