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Wolfgang Wildfeuer: Kommunikation - Moderation - Mediation

Cover Wolfgang Wildfeuer: Kommunikation - Moderation - Mediation. Ein Trainingsprogramm für Schüler und Lehrer. Juventa Verlag (Weinheim) 2005. 371 Seiten. ISBN 978-3-7799-2131-8. 76,00 EUR.

Reihe: Pädagogisches Training.
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Thema

Es ist heute schon fast zum Allgemeingut des Wissens geworden, dass soziale Konflikte, seien es offene oder verdeckte, die Effizienz des Arbeitens erheblich reduzieren. Volkswirtschaftliche Verluste werden von Europa bis über den Atlantik in Milliardenbeträgen angegeben. Auf der anderen Seite wird dem Konflikt ein positives Image gegeben, weil er Entwicklung und Innovation befördern kann und dies oft auch tut. Er sei nicht nur ein Risiko, sondern auch eine Chance.

Wie steht die Pädagogik bzw. die Erziehungswissenschaft zu Konflikten? Schauen wir uns in der deutschen Literatur der letzten Jahre um, so finden wir eine neue Welle (nach den 70er Jahren) von Publikationen, die sich der Kommunikation in der Schule und im Unterricht widmen. Dabei geht es meist um die Reduktion von Konflikten, um Gewaltprävention und um Deeskalation, um die Entwicklung einer demokratischen Schulkultur, mitunter auch um einen gelingenden Unterricht. Dass Konflikte der Entwicklung der Schule und der Schüler notwendig zugehörig und förderlich sind, gerät oft nicht ins Blickfeld. Das hat sicher auch etwas mit dem mediengeprägten Bild des "Chaos Schule" zu tun und mit der Fokussierung auf das Thema Jugendgewalt. Empirische Studien legitimieren solche Bilder vom Umgang der Jugendlichen nur sehr bedingt.

Dennoch ist es angebracht, die Kommunikations- und Konfliktlösungskompetenz von Schülern und Lehrern zu steigern. Meiner Meinung nach jedoch nicht nur deshalb, um gewalttätiges Handeln zu reduzieren oder "Störungen" des Schullebens und des Unterrichts zu vermeiden, sondern um einen guten Unterricht und eine produktive Schulkultur zu entwickeln. Es geht auch um ein effektiveres Lernen in Schule und Unterricht, um eine Reduzierung von Verlusten an Lernzeit und um die Entwicklung von kooperativen Fähigkeiten.

Inhalt

Das hier zu besprechende Buch versteht sich als ein Trainingsbuch für die Hand von Lehrern und Sozialarbeitern.

  • Ausgangspunkt ist die Entwicklung von Grundkompetenzen der Kommunikation. Es geht um das Training in typischen Anwendungsfeldern wie dem Aktiven Zuhören, dem Vertreten der eigenen Meinung und der Freien Rede.
  • In einem zweiten Schritt folgen Übungen, in denen Schüler lernen einander für bevorstehende Gesprächsanlässe zu beraten (Coaching). Im dritten Schritt lernen Schüler moderieren, mit dem Ziel ergebnisorientiert, mit konkreten inhaltlichen und personellen Verbindlichkeiten, Veranstaltungen wie auch Unterricht zu gestalten (Moderation).
  • Erst in einem letzten Schritt, auf der Basis der erarbeiteten Kompetenzen, geht es um die Lösung von Konflikten - um die Mediation zwischen Schülern mit dem Ziel des Erzielens einer einvernehmlichen Lösung zwischen allen Beteiligten.

In allen Ausbildungsabschnitten werden ausreichend Arbeitsblätter und Rollenspiele zur Verfügung gestellt.

Diskussion

Wildfeuer geht davon aus, dass es zunächst nicht um die Lösung bzw. um die Bearbeitung von Konflikten geht, sondern dass Schüler und Jugendliche zunächst Kompetenzen in der Kommunikation erwerben sollten, da es hier verbreitete Defizite bzw. Unangepasstheiten an die Erfordernisse des modernen Sozialverhaltens gibt. Die Logik des Aufbaus dieses Trainingsbuches erlaubt es, es nicht bloß für die mittlerweile weithin verbreitete Ausbildung von Streitschlichtern, sondern es auch unabhängig davon für Kommunikationstrainings im weitesten Sinne im schul- und sozialpädagogischen Raum zu nutzen. Daneben - und das ist für verschiedene Unterrichtsfächer wie z.B. Pädagogik, Gemeinschafts- oder Sozialkunde ebenfalls interessant - wird jeder Trainingseinheit ein pragmatisch ausgeführtes Theoriemodell vorgeordnet. Dies macht das Buch auch für die Gestaltung des Unterrichts interessant.

Neben der Brauchbarkeit für den Unterricht scheint mir die Schrift allerdings auch als Lehr- und Trainingsbuch für die Hand des Lehrers geeignet. Solcherart Übungen kamen in ihrer Ausbildung selten vor und könnten zu ihrer Professionalisierung beitragen.

Fazit

Zusammenfassend möchte ich sagen: Dies ist kein Buch, auf das der Markt verzichten könnte - Trainingsprogramme zur Schülerstreitschlichtung gibt es ja schon in nicht geringer Zahl. Für diesen Zweck ist das Buch gut und handhabbar geschrieben. Die Spezifik des Aufbaus erlaubt allerdings eine vielfältigere Nutzung durch Sozialpädagogen und Lehrer. Es ist auch für den Unterricht geeignet.


Rezensent
PD Dr. Gernot Barth
Homepage www.ikome.de


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Zitiervorschlag
Gernot Barth. Rezension vom 19.11.2006 zu: Wolfgang Wildfeuer: Kommunikation - Moderation - Mediation. Ein Trainingsprogramm für Schüler und Lehrer. Juventa Verlag (Weinheim) 2005. ISBN 978-3-7799-2131-8. Reihe: Pädagogisches Training. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/3298.php, Datum des Zugriffs 11.12.2018.


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