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Ralf Klausfering, Joachim Klein et al. (Hrsg.): Sensible Trauma- und Erlebnispädagogik

Rezensiert von Mag.a Dr.in Marianne Forstner, 24.12.2025

Cover Ralf Klausfering, Joachim Klein et al. (Hrsg.): Sensible Trauma- und Erlebnispädagogik ISBN 978-3-497-03300-3

Ralf Klausfering, Joachim Klein, Ute Thaleikis-Carstensen, Heiner van Mil (Hrsg.): Sensible Trauma- und Erlebnispädagogik. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2025. ISBN 978-3-497-03300-3.

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Thema und Entstehungshintergrund

Dieser Sammelband beschreibt „Sensible Trauma- und Erlebnispädagogik“ (STEP) als Ergebnis eines Projektes, das über drei Jahre durchgeführt und von der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW gefördert wurde. Im dessen Projektverlauf stellten sich zentrale Erkenntnisse heraus, die basierend auf den Erfahrungen und einem gemeinsam entwickelten Qualitätsrahmen eine pädagogische Herangehensweise für Kinder und Jugendliche im sozialpädagogischen Kontext der Kinder- und Jugendhilfe beschreiben lassen. In diesem Sammelband werden bezogen auf STEP wesentliche wissenschaftliche Begründungen im Sinne einer durchgeführten synoptischen Zusammenführung der Grundsätze von Traumapädagogik und Erlebnispädagogik zu einer „traumasensiblen Erlebnispädagogik“ (Tenhumberg & Feist-Ortmanns, 2025, Vorwort, S. 7 -8).

Herausgeber:innen und Autor:innen

Das vorliegende Buch wurde von Klausfering, Ralf; Klein Joachim; Thaleikis-Carstensen, Ute und Mil, Heiner van (2025) herausgegeben und „stellt [gemäß der Herausgeber:innen] das im Rahmen des Modellprojektes an der Kiwo Jugendhilfe in Dülmen entwickelte integrative Konzept ‚Sensible Trauma- und Erlebnis-Pädagogik“ (STEP) vor. Es enthält Beiträge von Rainald Baig-Schneider, Jacob Bausum, Laura Borgers, Anke Dalhoff, Corinna Eißing, Monika Feist-Ortmanns, Isabella Hagemann, Rut Hagemann, Ralf Klausfering, Joachim Klein, Michael Macsenaere, Jasmin Roth, Kevin Roth, Clara Sartingen, Stephan Siebenkotten-Dalhoff, Mario Tenhumberg, Ute Thaleikis-Carstensen und Heiner van Mill.

Aufbau und Inhalt

Der Sammelband gliedert sich in ein Vorwort, drei Hauptkapitel, ein Literaturverzeichnis und ein Kapitel zu den Autorinnen und Autoren, so wie einem Register. Da es sich um eine synoptische Zusammenführung von Traumapädagogik und Erlebnispädagogik in Theorie und Praxis handelt, fokussiert diese Rezension die ersten beiden Kapitelteile des ersten Kapitels ausführlich, um die Zugänge, die hier verfolgt werden für die interessierte Leser:innenschaft dieser Rezension zu verdeutlichen. Der letzte Teil des ersten Kapitels und die beiden weiteren Hauptkapitel werden im Sinne einer knappen Überblicksdarlegung rezensiert.

Im ersten Kapitel „Sensible Trauma- und Erlebnispädagogik – Theoretische Basis“ werden zunächst seitens Jakob Bausum Traumapädagogik und folglich seitens Rainald Baig-Schneider Erlebnispädagogik anhand ihrer theoretischen Hintergründe, Annahmen, Lernmodelle, Konzepte und Methoden beschrieben. Die Synoptische Zusammenführung erfolgt im dritten Teil des ersten Kapitels seitens Heiner van Mil, Clara Sartingen und Joachim Klein (S. 33 – S. 68).

Jakob Bausum (2025) skizziert in seinem Teil des Beitrags „Traumapädagogik – eine Einführung“ (S. 11 – 20) wesentliche Grundlagen der Psychotraumatologie und betont die „hohe fachliche Relevanz“ von Psychotraumatologie und Traumapädagogik innerhalb der Pädagogik (S. 11). Das traumatische Ereignis, die unmittelbare Reaktion darauf und die Langzeitfolgen werden verdichtet zusammengefasst (Bausum 2025, S. 11).

Bausum (2025, S. 13 f.) unterscheidet die Folgen traumatischer Erfahrungen auf drei Ebenen und skizziert knapp die Folgen für pädagogische Handlungsfelder, verdeutlicht gängige Missinterpretationen und Zuschreibungen zum traumbedingten Verhalten von Kindern und Jugendlichen und teils Reaktionen basierend auf „veralteten Erziehungsmethoden“ (S. 14 f.). Folglich thematisiert Bausum (2025) die „Bedeutung traumapädagogischer Haltung“ (S. 15 f.) und damit zusammenhängende Grundannahmen. Als „Beispiele zentraler traumapädagogischer Konzepte“ fokussiert er knapp das Konzept des sicheren Ortes, jenes des „emotionalen Dialoges“ und folglich das Konzept eines „geschützten Handlungsraumes“ (Bausum 2025, S. 16 f.). Im Abschnitt „Die Pädagogik der Selbstermächtigung“ (S. 17 f.) beschreibt Bausum bezugnehmend auf Wilma Weiß (2013) in einem gebündelten Überblick wesentliche Prämissen und fordert damit das Ermöglichen von Selbstverstehen, Trainieren von Selbstwahrnehmung und Selbstregulation und die pädagogische Inszenierung von Selbstwirksamkeitserfahrungen ein (vgl. Bausum 2025, S. 17 f.). Folglich behandelt er „traumapädagogische Gruppenarbeit“ und skizziert hier sechs Handlungsfelder (Bausum 2025, S. 18 – 20).

Final im letzten Teil seines Beitrages „Ausblick: Traumapädagogische Perspektive auf Erlebnispädagogik“ (Bausum 2025, S. 20 f.) wird dem Themenfeld Umgang mit Angst thematisiert.

Im Beitrag von Rainald Baig-Schneider (2025) „Erlebnispädagogik – eine Einführung“ (S. 21 – 33) werden zuerst „Konstitutive Elemente der Erlebnispädagogik“ (S. 21 – 23) behandelt und eine Definition von Erlebnispädagogik unter Zusammenführung der Definitionen von Paffrath (2013) und Michl und Heckmair (2018) als ein „handlungsorientiertes Erziehungs- und Bildungskonzept“ (S. 21) entwickelt und durch eine Grafik zum „Erlebnispädagogik-Konzept“ (S. 22) verdeutlicht. In Bezugnahme auf seine Definition und das Berufsbild des Bundesverbandes für Individual- und Erlebnispädagogik (2016) legt Baig-Schneider (2025) schließlich einen „Tree of Science der modernen Erlebnispädagogik“ (S. 23) bezugnehmend auf Petzold (1994) dar. Die Handlungstheorien der Erlebnispädagogik werden in ihrer historischen Entwicklung beschrieben und in einer grafischen Tabelle die vier Handlungstheorien Erlebnispädagogik, Abenteuerpädagogik, Handlungspädagogik und Interaktionspädagogik betreffend ihrer „Leitmotive“ und „didaktischen Gestaltungselemente“ verdichtet dargestellt (Baig-Schneider 2025, S. 26). Im Abschnitt „Erlebnispädagogik und Handlungsfeld“ werden das „Konzept des Sicheren Ortes“ der Traumapädagogik und das Konzept der „Safetyzone in der Erlebnispädagogik“ gegenübergestellt (Baig-Schneider 2025. S. 26 f.). Im Abschnitt „Didaktische Gestaltung“ (S. 28 – 31) werden „die Strukturmerkmale der Erlebnispädagogik nach Paffrath (2013)“ referenziert und im Sinne ihrer Bedeutung einer traumasensiblen Erlebnispädagogik reflektiert (Baig-Schneider 2023, S. 28). Nach einer Darstellung der wesentlichen Aussagen des Lernzonenmodells gemäß Luckner und Nadler (1997) wird dieses für die Arbeit mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen modifiziert und in einer grafischen Darstellung (S. 30) zusammengeführt. Für die „Praxis“ und im Sinne eines „Fazit“ werden seitens Baig-Schneider (2025, S. 31 – 33) daraus ableitbare Prämissen final zusammengeführt.

Der dritte Teil des ersten Kapitels „Sensible Trauma- und Erlebnis-Pädagogik – eine Zusammenführung (Synopse)“ (Van Mil, Sartingen, Klein, 2025, S. 35 – 68) führt die zuvor explorierten Zugänge zusammen und ergänzt diese in 19 Unterkapiteln beginnend bei dem Thema „Haltung“, endend mit dem Thema „Rolle der Fachperson“. Hier werden schließlich „Ableitungen für Sensible Trauma- und Erlebnispädagogik“ (S. 67 f.) vorgenommen und Anforderungen an Fachpersonen für eine Mitarbeit im entwickelten Konzept STEP verdeutlicht. Themen wie „Selbstreflexion“, „Abwägung zwischen Partizipation und Steuerung“, „Selbstfürsorge“, „Teamkultur“, „innere und äußere Stabilität“ und „Modellverhalten“ werden angeführt und in ihrer Relevanz verdeutlicht (Van Mil, Sartingen, Klein 2025).

Kapitel 2Sensible Trauma- und Erlebnispädagogik – Praxisangebote“ widmet sich im ersten Teil einer „Einführung in die STEP-Praxis“ (Thaleikis-Carstensens & Klausfering 2025; S. 69 – 70), referenziert im zweiten Teil in „Mountainbike Academy“ das Thema „Wagnis und Resilienz“ (Roth, 2025, S. 71 – 76). Im Unterkapitel 2.3 „Das grüne Haus“ (Borgers & Thaleikis-Carstensens 2025, S. 77 – 82) wird das Thema „Auf der Suche nach einem sicheren Ort“ anhand eines konkreten Projektes, wo ein Gartenhaus partizipativ gestaltet wurde, behandelt. Kapitel 2.4 „In the River“ (Hagemann 2025; S. 83 – 90) behandelt metaphorisches Erleben und Lernen anhand der Beschreibung und Reflexion eines Kajakprojektes. Im Kapitel 2.5 „Outdoorküche“ (Roth & Thaleikis-Carstensens 2025, S. 90 – 96) wird das Thema sich miteinander zu versorgen im Rahmen eines Outdoor-Küchen-Bau-Projektes thematisiert und beschrieben. „Auf dem Weg in der Höhle“ (Kapitel 2.7, Hagemann & Thaleikis-Carstensens 2025, S. 96 – 103) beschreibt und reflektiert ein durchgeführtes Projekt mit Pflegekindern, wo das Begehen einer Höhle im Mittelpunkt stand. Kapitel 2.8 „Booster – STEP als Energieschub“ (Eißing & Klausfering 2025, S. 104 – 109) beschreibt ein für eine Wohngruppe entwickeltes Konzept mit zwei dafür geplanten Aktionstagen. Im letzten Unterkapitel 2.8 „Blicke aus der Praxis“ (Thaleikis-Carstensens & Klausfering 2025, S. 109 – 119)wird eine Zusammenschau der behandelten Themen vorgenommen.

Das dritte und letzte Kapitel „Sensible Trauma- und Erlebnispädagogik – Qualitätsrahmen“ behandelt im ersten Unterkapitel die „Wissenschaftliche Begleitung der STEP-Entwicklung – Evaluationsergebnisse“ (Klein, Van Mill, Sartingen & Macsenaere 2025, S. 120 – 125). Im zweiten und letzten Unterkapitel 3.2 „Vertiefende Reflexion im Fallverstehen“ (Dalhoff & Siebenkotten-Dalhoff 2025, S. 125 – 131) werden die unterschiedlichen Möglichkeiten von Maßnahmen und Strukturen thematisiert, die zu einem multiperspektivischen Fallverstehen beitragen können.

Diskussion

Das vorliegende Buch bündelt in knappen, aber informativ verdichtet ausgeführten Beiträgen Fachwissen und praktische Umsetzungsmöglichkeiten betreffend einer „sensiblen Trauma- und Erlebnispädagogik“ (Buchtitel). Die synoptische Zusammenführung von Trauma- und Erlebnispädagogik kann als Großteils schlüssig und gelungen bewertet werden. Hin und wieder lassen sich aus fachlicher Sicht Widersprüche in den Darlegungen erkennen, und es wirkt streckenweise so, als hätten die Autor:innen nicht die gemeinsame Zusammenschau aller Artikel vorliegen gehabt. In Summe „lebt“ dieses Buch aber vielleicht genau davon und lässt damit der Leser:innenschaft Raum für Reflexion dieser sich teils wiederholenden Aussagen und Zusammenführungen.

Fazit

Das vorliegende Werk präsentiert innerhalb von drei Hauptkapiteln mit seinen unterschiedlichen Beiträgen eine synoptische Zusammenführungen wesentlicher Prämissen und Erkenntnisse aus der Psychotraumatologie, der Traumapädagogik und der Erlebnispädagogik zu einer „Sensiblen Trauma- und Erlebnispädagogik“. Durch die Art der Gestaltung eignet es sich für interessierte Fachleute aber auch für Studierende.

Literatur

Weiß, Wilma (2013): Selbstermächtigung und Selbstwirksamkeit – ein traumapädagogischer Beitrag zur Traumaheilung. In: Lang, B.; Schirmer, C.; Lang, T.; Andreae de Hair, L. Wahle, T.; Bausum, J. Weiß, W.; Schmid, M. (Hg.): Traumapädagogische Standards in der stationären Kinder- und Jugendhilfe. Eine Praxis- und Orientierungshilfe der Bundesarbeitsgemeinschaft Traumapädagogik. Beltz Juventa. Weinheim, S. 93 - 105.

Luckner, J. L. & Nadler, R.S. (1997): Processing the Experience: strategies to enhance and generalize learning. Kendall/Hunt Publishing Company. Dubuque. Iowa.

Michl, W. & Heckmair, B. (2018): Erleben und Lernen – Einstieg in die Erlebnispädagogik, 8. überarbeitete Auflage. Ernst Reinhardt Verlag. München.

Paffrath, H. (2013): Einführung in die Erlebnispädagogik. Ziel. Hergensweiler.

Rezension von
Mag.a Dr.in Marianne Forstner
Mal- und Gestaltungstherapeutin, Supervisorin, Lehrgangsleiterin Lehrgang Erlebnispädagogik/Erlebnistherapie FHOÖ/ÖAV, Lehrende Bachelor und Master Soziale Arbeit und Lehrgang „Akademische*r Sozialpädagogische*r Fachbetreuer*in" FHOÖ
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ISSN 2190-9245