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Matthias Müller, Barbara Bräutigam (Hrsg.): Aufsuchende soziale Arbeit

Rezensiert von Prof. Dr. René Börrnert, 02.12.2025

Cover Matthias Müller, Barbara Bräutigam (Hrsg.): Aufsuchende soziale Arbeit ISBN 978-3-17-040468-7

Matthias Müller, Barbara Bräutigam (Hrsg.): Aufsuchende soziale Arbeit. Grundlagen, Praxisfelder und Fallbeispiele. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2024. 195 Seiten. ISBN 978-3-17-040468-7. 32,00 EUR.

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Thema

Der Begriff ist selbsterklärend: Aufsuchende Soziale Arbeit folgt der Geh-Struktur zu den Adressat:innen, anstatt sie in eine Einrichtung ein- bzw. vorzuladen. Bei dieser Methode begeben sich Soziale Pädagog:innen in die Lebenswelt der Adressat:innen, wo sie deren Lebensbedingungen und -verhältnisse vorfinden. Mögliche Problemlagen können somit unter originären Bedingungen erfasst werden; ggf. lassen sich so auch Angehörige besser in das Setting einbinden.

Der vorliegende Band erfasst Methoden und Bereiche der Aufsuchenden Sozialen Arbeit. Die Autor:innen beleuchten jeweils am Fallbeispiel die Grundlagen und Möglichkeiten dieser Arbeitsweise.

Herausgeber:innen und Entstehungshintergrund

Dr. Barbara Bräutigam ist Professorin für Psychologie, Beratung und Psychotherapie an der Hochschule Neubrandenburg. Dr. Matthias Müller ist Professor für Pädagogik, Sozialpädagogik und Hilfen zur Erziehung ebenda.

Das Buch ist ein umfangreiches Lehrbuch als Anschlusswerk zu einer Publikation der beiden Autor:innen: „Hilfe, sie kommen! Systemische Arbeitsweisen im Aufsuchenden Kontext“ (2011). 

Neben den Herausgebenden wirken am Buch folgende Autor:innen mit: Ines Arendt, Elisabeth Augart, Philipp Blank, Karin Bracht, Isabel Creutzburg, Sophie Friedrich, Anna Gamperl, Karsten Giertz, Lisa Große, Florian Harder, Anke S. Kampmeier, Christine Krüger, Anja Lentz-Becker, Matthias Lindner, Thomas Markert, Sarah Mathwig, Jana Michael, Marie Ortmann, Andrea Rose, Conny Römisch, Annika Schmalenberg, Stefan Seehaber, Vera Taube, Franziska Ullrich, Bianka Weil, Katharina Winkler, Renate Zwicker-Pelzer.

Aufbau

Nach einer grundlegenden Einführung (Teil 1) werden von den Autor:innen nacheinander die relevanten Praxisfelder und Fallbeispiele erörtert (Teil 2).

Teil1: In zwei Beträgen werden die aufsuchenden Arbeitsweisen theoretisch begründet und reflektiert sowie der entsprechende Forschungsstand dargestellt.

Teil 2: Folgende vierzehn Handlungsfelder stehen hier im Fokus der Autor:innen.

  • Ergänzende Unabhängige Teilhabeberatung (EUTB),
  • Familienbildung in familienrelevanten Sozialräumen,
  • Familientherapie,
  • Videogestützte Interaktionsberatung im Rahmen der Frühförderung,
  • Beratung in Erstaufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften für geflüchtete Menschen,
  • Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung,
  • Mobile Jugendarbeit,
  • Beratung in der aufsuchenden Pflege,
  • Hausbesuche im Kontext von rechtlicher Betreuung,
  • Sozialpädagogische Familienhilfe,
  • Sozialpsychiatrischer Dienst und Hausbesuche,
  • Streetwork,
  • Hilfen in der Sucht- und Drogenhilfe,
  • Wohnungslosenhilfe.

Inhalt

Alle Autor:innen thematisieren diese oben genannten Arbeitsfelder jeweils nach einem einheitlichen Plan: Beschreibung des Feldes, Praxisbeispiel, kritische Reflexion zum Fall und abschließend Ausblick respektive Schlussfolgerung. Zumeist waren die Autor:innen auch selbst in den beschriebenen Settings praktisch tätig.

Die konzeptionelle Anlage des Buches verfolgt drei Grundannahmen: „Erstens gehen wir davon aus, dass die aufsuchende Arbeitsweise – insbesondere in persönlichen Nahbereichen – begründet werden muss und eben keine begründungsfreie Selbstverständlichkeit ist. Zum Zweiten ist die aufsuchende Arbeitsweise ein eigenes Setting mit spezifischen und sich aus dem Setting ergebenden Besonderheiten, die professionell gehändelt werden müssen. Aus den beiden ersten beiden Annahmen leitet sich die dritte Annahme ab, die besagt, dass sich im reflexiven Umgang mit den Anlässen und den Besonderheiten der aufsuchenden Arbeitsweise die professionelle Arbeitsweise der Fachkräfte in der Praxis zeigt“ (13). Mit Verweis auf zwei Textbeispiele sollen diese drei Annahmen hier exemplarisch verdeutlicht werden.

Der Aspekt der begründeten und also nicht selbstverständlichen Arbeitsweise (Annahme 1) wird nachvollziehbar bei Müller und Mathwig, die mit ihrem (absichtlich) komplexen und diffusen Fallbeispiel aus der Sozialpädagogischen Familienhilfe Zuspitzungen und Verstrickungen in der Lebenswelt der Adressat:innen verdeutlichen. Hinzu kommt, dass die Helferin und die am Prozess Beteiligten alle jeweils aus ihrer Perspektive auf den Fall schauen. Diese divergierende Sichtweise führt hier zur uneinheitlichen Bewertung des Falles und schließlich zur Verunsicherung der Fachkraft (138 ff.). Professionelles Handeln (Annahme 2) kann in diesem Fall ein interdisziplinärer und somit multiprofessioneller Angang sein, der letztlich die verschiedenen Sichtweisen zusammenführt. Eine Fall-Supervision mag dann eine Entscheidung hervorbringen.

Aus dem reflexiven Umgang mit den Anlässen (Annahme 3) formulieren Lindner und Taube für den Bereich der Intensiven Sozialpädagogischen Einzelbetreuung Strategien des Aufsuchens und Charakteristika, die bei genauerem Hinsehen die Besonderheit der Tätigkeit und damit auch Richtschnur für die Fachkraft sein können: „Zeigen, dass man es irgendwie anders macht als andere Helfer:innen, Aufsuchen als Beziehungsgeste, Individualisierung des Aufsuchens, Dranbleiben“ (vgl. 92 ff.).

Diskussion

Thematisch stringent und auf den ersten Blick erfassbar – so zeigt sich das vorliegende Lehrbuch, das hier ein wichtiges Arbeitsfeld im überschaubaren und angemessenen Umfang vorstellt. Positiv zu erwähnen ist der immer gleiche Aufbau der Artikel, der einen schnellen Einstieg ermöglicht. Dazu kommen zahlreiche Überblicke, Abbildungen und Lektürehinweise zur Vertiefung. Wesentlicher aber sind die jeweiligen Fallbeispiele, mit denen die Autor:innen das Arbeitsfeld mit seinen Anlässen, Strukturmerkmalen und den professionellen Erfordernissen durchgängig gut nachvollziehbar vorstellen.

Fazit

Der Inhalt des Buches hält, was der Titel verspricht: Es werden in gut lesbarer Weise und angemessenem Textumfang Grundlagen und Praxisfelder der Aufsuchenden Sozialen Arbeit an Fallbeispielen beschrieben.

Rezension von
Prof. Dr. René Börrnert
Fachhochschule des Mittelstands (Rostock)
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Es gibt 49 Rezensionen von René Börrnert.

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ISSN 2190-9245