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Stefanie Bötsch, Fabian Pitter Steinmetz: Drogen und ihre Wirkung

Rezensiert von Dr. Anke Höhne, 07.01.2026

Cover Stefanie Bötsch, Fabian Pitter Steinmetz: Drogen und ihre Wirkung ISBN 978-3-17-043612-1

Stefanie Bötsch, Fabian Pitter Steinmetz: Drogen und ihre Wirkung. Substanzkunde für soziale, pädagogische und therapeutische Berufe. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2025. 280 Seiten. ISBN 978-3-17-043612-1. 34,00 EUR.

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Autor:innen

Stefanie Bötsch ist Sozialarbeiterin und Suchttherapeutin mit langjähriger Berufserfahrung in der medizinischen Rehabilitation für Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen als auch in der Drogenberatung. Sie betreibt den wissenschaftsbasierten Podcast Psychoaktiv, in dem sie über Drogen und Sucht aufklärt.

Fabian Pitter Steinmetz ist promovierter und zertifizierter Toxikologe und bei der internationalen Beratungsfirma Delphic HSE tätig. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Harm Reduction-Maßnahmen.

Entstehungshintergrund

Das Buch richtet sich an Menschen, die in gesundheitsbezogenen Berufen arbeiten und ihr Wissen über psychoaktive Substanzen erweitern möchten. Das Ziel des Buches ist es dabei, die LeserInnen zu einer differenzierteren Einschätzung von Drogeninformationen zu befähigen.

Aufbau

Das Buch ist in drei Teile gegliedert. In Teil 1 gibt es einen theoretischen Überblick, beginnend mit einem historischen Überblick über das Betäubungsmittelgesetz in Deutschland, die Stigmatisierung des Konsums von psychoaktiven Substanzen, die Frage des Blickwinkels beim Konsum und Substanzkonsum im Jugendalter. Teil 2 des Buches gibt einen Überblick über die verschiedenen Substanzen. Teil 3 stellt in kurzen Steckbriefen verschiedene psychoaktive Substanzen vor.

Ein Glossar und ein Drogenverzeichnis runden das Buch ab.

Inhalt

Teil 1 gibt einen theoretischen Überblick über die Entstehung der nach Sicht der Autoren „Dysbalance in der Betrachtung des Konsums“ (11) in der westlichen Welt. Der Anspruch der Autoren besteht dabei darin, den Blick auf den Substanzkonsum wieder zu weiten, indem sie zeigen, wie rechtliche Entwicklungen die Sicht auf den Konsum verändert haben (Kap.1) und konsumierende Menschen stigmatisiert werden (Kap. 2).

In Kap. 1 wird die Geschichte der Prohibition psychoaktiver Substanzen in Deutschland in einem kurzen Abriss anhand der Entstehungsgeschichte des Betäubungsmittelgesetzes beschrieben. Dabei machen die Autoren deutlich, dass die Prohibition sowohl Einfluss auf die Qualität der konsumierten Substanzen hat, da diese so einem unregulierten Schwarzmarkt überlassen werden als auch zu einer sozialen Ächtung (Stigmatisierung) derjenigen führt, die psychosoziale Substanzen konsumieren. Das Betäubungsmittelgesetz ist historisch gewachsen und begründet sich nicht durch das Schadenspotenzial der dort gelisteten Substanzen, denn legale Substanzen wie Alkohol und Tabak haben ein viel höheres Schadenspotenzial.

Kap. 2 nimmt das Thema der Stigmatisierung psychoaktiver Substanzen in den Blick und welche Auswirkungen diese auf risikoarme oder riskante Konsummuster hat.

Kap. 3 widmet sich alternativen Betrachtungsweisen von Konsum und Sucht. Die Autoren gehen zunächst darauf ein, wie eine Abhängigkeitserkrankung entsteht und wie sie diagnostiziert wird. Sie plädieren für eine Veränderung des Blickwinkels bei der Betrachtung des Konsumverhaltens von psychoaktiven Substanzen: von der Pathogenese hin zur Salutogenese. Der pathogenetische Blick auf den Substanzkonsum, so die Autoren, impliziert, dass der Konsumverzicht (Abstinenz) stets als das anzustrebende Verhalten angesehen wird bzw. sogar Voraussetzung für eine Therapie ist und nur die Abstinenz der einzige Garant dafür ist eine Abhängigkeitserkrankung zu vermeiden. Sie plädieren für einen neuen Blickwinkel, d.h. eine salutogenetische Betrachtung des Substanzkonsums. Ein solcher Blickwinkel akzeptiert den Wunsch nach Rausch als ein Bedürfnis des Menschen und lenkt den Blick auf positive Aspekte wie Genuss, Geselligkeit oder bewusstseinserweiternde Erfahrungen. Die mögliche Entwicklung einer Abhängigkeitserkrankung wird dabei nicht geleugnet und durchaus als möglicher Risikofaktor anerkannt, aber nicht ins Zentrum des Konsums gerückt, d.h. nicht als zwangsläufige Konsequenz des Konsums angesehen.

Kap. 4 nimmt den Substanzkonsum im Jugendalter in den Blick. Die Autoren verdeutlichen in diesem kurzen Überblick über den jugendlichen Substanzkonsum, dass das Ausprobieren von psychoaktiven Substanzen einerseits zur Jugendphase gehört und der verantwortungsvolle Umgang mit Rauschmitteln auch als eigenständige Entwicklungsaufgabe betrachtet werden kann. Andererseits weisen sie aber auch auf das erhöhte Schadenspotenzial durch psychoaktive Substanzen bei Jugendlichen sowie auf die gesellschaftlichen Einflüsse hin, denen Jugendliche sich nur schwer oder kaum entziehen können (z.B. elterliches Verhalten bezüglich Substanzkonsum bzw. elterliche Fürsorge).

Teil 2 gibt einen Überblick über die Wirkklassen von psychoaktiven Substanzen. Zunächst wird im 5.Kapitel ein Überblick über psychoaktive Attribute und Wirkklassen gegeben. Die Hauptunterscheidung in vier Wirkklassen (Beruhigungsmittel, Halluzinogene, Stimulanzien und Antipsychotika) stimmen die Autoren zwar weitgehend zu, weisen aber darauf hin, dass es auch Substanzen dazwischen gibt. Sie entscheiden sich daher für ein Wirkmodell mit sieben Wirkklassen: Cannabinoide, Downer, Dissoziative, Empathogene, Opioide, Halluzinogene und Upper. Im 6.Kapitel werden die Wirkklassen einzeln vorgestellt, wobei jeweils auch unterschiedliche Begriffe für die Substanz, aber v.a. die pharmakologische Wirkungsweise beschrieben werden. Kap. 7 widmet sich der Wirkungsintensität und -dauer der Substanzen. Kap. 8 thematisiert Aspekte des Mischkonsums. In diesem Kapitel werden praktische Tipps für einen sicheren Konsum (Safer-Use) und zur Schadensminderung (Harm-Reduction) gegeben. Kap. 9 behandelt das Thema Drogenanalytik, d.h. die zielgerichtete Untersuchung der Zusammensetzung der konsumierten Substanz (z.B. Drug-Checking) oder um festzustellen, ob eine Person Drogen konsumiert hat.

Teil 3 ist ein Nachschlagewerk über 60 psychoaktive Substanzen. In Form von kurzen Steckbriefen, die tabellarisch dargestellt jeweils zwei Seiten umfassen, wird die entsprechende Substanz anhand folgender Kriterien vorgestellt: Synonyme Bezeichnungen, Wirkklasse, erwünschte Wirkung, unerwünschte Wirkung, Abhängigkeit und andere Langzeitnebenwirkung, Nachweisbarkeit, typische Streckmittel, Wirkdauer, Darreichung und Dosierung, Mischkonsumwarnung und Sonstiges.

Diskussion

Das Buch ist sehr übersichtlich aufgebaut und kann wie ein Nachschlagewerk verwendet werden. Die Autoren haben sich um eine kurze und bündige Darstellungsweise und um eine verständliche Sprache bemüht, was ihnen auch gelungen ist.

Die unterschiedlichen Wirkklassen von psychoaktiven Substanzen sind alphabetisch sortiert aufgeführt. Kleine Icons am Seitenrand erleichtern die Einordnung der jeweiligen Substanz in die entsprechende Wirkklasse. In den einzelnen Kapiteln sind immer wieder graue Kästen hinterlegt, in denen anhand von Fallbeispielen aus der Praxis der jeweilige Inhalt dieses Kapitels anschaulicher illustriert wird.

Fazit

Das Buch hat den Anspruch, Fachkräfte aus den Arbeitsbereichen Soziale Arbeit, Pädagogik und Therapie dabei zu unterstützen, mehr Kenntnisse über Wirkweisen, Risiken und Besonderheiten von psychoaktiven Substanzen zu erwerben umso insgesamt mehr Handlungssicherheit im Umgang mit Drogen konsumierenden Menschen zu gewinnen. Diesem Anspruch wird das Buch in vollem Maße durch seine Übersichtlichkeit, verständliche Sprache, aber auch die Kürze in den Darstellungen gerecht.

Rezension von
Dr. Anke Höhne
Dipl.-Sozialwiss., Referentin bei SUCHT.HAMBURG gGmbH, Systemische Beraterin und Familientherapeutin
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Es gibt 23 Rezensionen von Anke Höhne.

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ISSN 2190-9245