Tamara Kastorff, Maren Müller et al.: Fake News oder Fakten? Wie Jugendliche ihre digitale Informationskompetenz einschätzen und welche Rolle Schulen und Lehr
Rezensiert von Mel-David Tersteegen, 30.12.2025
Tamara Kastorff, Maren Müller, Clievins Selva, Samuel Greiff, Stephanie Moser: Fake News oder Fakten? Wie Jugendliche ihre digitale Informationskompetenz einschätzen und welche Rolle Schulen und Lehrkräfte dabei spielen. Erkenntnisse aus PISA 2022. Waxmann Verlag (Münster, New York) 2025. 24 Seiten. ISBN 978-3-8309-4993-0. 18,90 EUR.
Thema und Entstehungshintergrund
In den zunehmend digitalisierten Lebenswelten unserer Gesellschaft kommt den Informationen eine zentrale Bedeutung zu. Gerade im Kontext von Fehlinformationen, Manipulation und KI-generierten Inhalten ist ein souveräner Umgang mit Informationen von entscheidender Relevanz. Vor diesem Hintergrund sind Informationskompetenzen unerlässlich, um den Anforderungen einer digitalen Gesellschaft gerecht zu werden. Besonders für junge Menschen sind entsprechende Kompetenzen wichtig, da sie in stark digitalisierten Umgebungen aufwachsen. In diesem Zusammenhang gewinnen digitale Informationskompetenzen auch im Bildungskontext zunehmend an Stellenwert. Das vorliegende Werk basiert auf einer Sonderauswertung der PISA-Daten aus dem Jahr 2022 und verfolgt das Ziel, den aktuellen Stand der selbsteingeschätzten digitalen Informationskompetenzen von Schüler*innen in Deutschland einzuordnen.
Autor:innen
Die Autor*innengruppe vereint unterschiedliche bildungsrelevante Forschungsschwerpunkte. Dr. Tamara Kastorff beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der digitalen und naturwissenschaftlichen Bildung von Jugendlichen und deren Gelingensbedingungen. Maren Müller forscht und promoviert zu den Einflussfaktoren von Hintergrundmerkmalen auf die Kompetenzen von Jugendlichen während der Corona-Pandemie. Clievins Selva konzentriert sich auf innovative Domänen mit einem erweiterten Fokus auf Creative Thinking. Prof. Dr. Samuel Greiff ist für die PISA-Studie in Deutschland verantwortlich und befasst sich mit internationalen Large-Scale-Assessments und KI in Bildungskontexten. Der Schwerpunkt von Dr. Stephanie Moser ist digitale Bildung in formellen und informellen Lehr- und Lernkontexten.
Aufbau
Das Werk ist kompakt gehalten und gliedert sich in fünf Kapitel. Nach einer einführenden Darstellung folgt die Analyse der selbsteingeschätzten Informationskompetenzen, eine Betrachtung individueller Schüler*innenmerkmale sowie eine Einordnung der Rolle von Schulen und Lehrkräften. Abschließend werden die zentralen Ergebnisse zusammengeführt und diskutiert.
Inhalt
Einleitend werden die wesentlichen Aspekte digitaler Informationskompetenz erläutert und im Kontext der PISA-Ergebnisse sowie des Bildungssystems verortet. Darauf aufbauend wird der inhaltliche Fokus des Werkes skizziert.
Folgend wird untersucht, wie Fünfzehnjährige in Deutschland ihre digitalen Informationskompetenzen selbst einschätzen, welche Bedeutung der Schulart zukommt und wie sich die Ergebnisse im internationalen Vergleich einordnen lassen. Die Autor*innen identifizieren hierbei gezielte Förderbedarfe in spezifischen Kompetenzbereichen.
Das dritte Kapitel widmet sich der Analyse der PISA-2022-Daten mit Hinblick auf individuelle Schüler*innenmerkmale. Berücksichtigt werden dabei unter anderem sozioökonomischer Status, Geschlecht, Selbstwirksamkeit und das Interesse am Umgang mit digitalen Medien. Die Ergebnisse zeigen, welche Faktoren einen positiven Einfluss auf die selbsteingeschätzte digitale Informationskompetenz ausüben.
Im vierten Kapitel wird das schulische Umfeld als zentraler Einflussfaktor für den Erwerb digitaler Informationskompetenzen untersucht. Als grundlegende Voraussetzungen werden die digitale Ausstattung der Schulen, die Kompetenzen der Lehrkräfte sowie Regelungen zur Nutzung digitaler Endgeräte durch Schülerinnen beschrieben. Analysiert wird zudem, inwiefern die von Schülerinnen wahrgenommenen Kompetenzen der Lehrkräfte, deren Offenheit gegenüber digitalen Medien und die Integration digitaler Technologien in den Unterricht die Informationskompetenzentwicklung beeinflussen. Darüber hinaus wird thematisiert, wie Lehrkräfte selbst zur Vermittlung dieser Kompetenzen stehen. In diesem Zusammenhang werden relevante Befunde hervorgehoben und Ansatzpunkte für zukünftige Aus- und Fortbildungsmaßnahmen für Lehrkräfte aufgezeigt.
Abschließend werden die bisherigen Ergebnisse diskutiert und der gezielte Nachholbedarf in Deutschland postuliert.
Diskussion
Aufgrundlage der umfassenden PISA-Studie werden in dieser Sonderauswertung auf prägnante Weise zentrale Ergebnisse dargestellt, miteinander in Beziehung gesetzt und daraus Handlungsempfehlungen abgeleitet. Auf umfangreiche theoretische oder definitorische Ausführungen wird bewusst verzichtet, um den Fokus auf die empirischen Befunde zu legen. Den Autorinnen gelingt es dadurch, den Leser*innen in komprimierter und verständlicher Form zentrale Erkenntnisse zur digitalen Informationskompetenz von Schüler*innen in Deutschland zugänglich zu machen.
Fazit
Das Werk stellt eine prägnante und zugleich bedeutsame Analyse dar. Die vorgestellten Ergebnisse und Empfehlungen eröffnen wichtige Ansatzpunkte für das Bildungssystem, um digitale Informationskompetenzen gezielt zu fördern. In einer zunehmend digitalisierten Welt kommt diesen Kompetenzen eine Schlüsselrolle zu, deren Bedeutung weiter zunehmen wird. Entsprechend ist es wünschenswert und notwendig, die aufgezeigten Erkenntnisse ernst zu nehmen und in konkrete bildungspolitische und pädagogische Maßnahmen zu überführen.
Rezension von
Mel-David Tersteegen
M.A. Soziale Arbeit (FH), B.A. Soziale Arbeit (FH) mit Schwerpunkt Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit, außerschulische Jugendbildung.
Präventionsfachkraft bei Inside, Condrobs e.V.
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