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Rainer Sachse, Meike Sachse: Persönlichkeitsstörungen verstehen

Rezensiert von Wolfgang Schneider, 07.08.2025

Cover Rainer Sachse, Meike Sachse: Persönlichkeitsstörungen verstehen ISBN 978-3-96605-278-8

Rainer Sachse, Meike Sachse:Persönlichkeitsstörungen verstehen. Zum Umgang mit schwierigen Klienten. Psychiatrie Verlag GmbH (Köln) 2024. 12., Auflage. 132 Seiten. ISBN 978-3-96605-278-8. D: 25,00 EUR, A: 25,70 EUR.

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Thema

Patient:innen mit Persönlichkeitsstörungen gelten als schwierig, schwer behandelbar und stehen außerdem im Ruf, psychiatrische Teams und Klinikstationen aufzumischen.
Rainer Sachse und Meike Sachse zeigen, wie man für Menschen mit dieser Problematik Verständnis und Zugang entwickeln kann. Für sie stellen sich Persönlichkeitsstörungen im Kern als Beziehungsstörungen dar. Die neue Auflage bietet den Zugang zu zwei Videos, in denen Rainer Sachse die therapeutischen Optionen analysiert, die das Verhalten einer Klientin – gespielt von Meike Sachse – bietet, um aus Widerständen Zugänge möglich zu machen.

Autorinnen

Prof. Dr. Rainer Sachse ist Leiter des Instituts für Psychologische Psychotherapie (IPP) in Bochum. Er hat zahlreiche Bücher vor allem zur Psychiatrieforschung und zur therapeutischen Beziehungsgestaltung veröffentlicht. Diplom-Psychologin Meike Sachse studierte Psychologie und macht seit 2009 eine Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin. Sie ist die Tochter von Rainer Sachse und arbeitet an seinem Institut für Psychologische Psychotherapie.

Aufbau und Inhalt

Zunächst stehen in fünf Kapitel grundlegende Aspekte zum Thema Persönlichkeitsstörung im Fokus, bevor eine ausführliche Beschreibung von acht Typen der Persönlichkeitsstörung erfolgt. Den Abschluss bieten zwei kurze Kapitel über die Arbeit mit Angehörigen und die Bedeutung der Zusammenarbeit im Team für die Arbeit mit Klient:innen mit Persönlichkeitsstörungen.

Persönlichkeitsstörungen sind Beziehungsstörungen

Der Ursprung von Persönlichkeitsstörungen liegt in der Kindheit, erwachsen aus negativen Überzeugungen, die auf mangelnde positive Rückmeldung in der Kindheit zurückzuführen sind. Dadurch entstehen Glaubenssätze wie „Ich bin nicht wichtig, ich störe“, die sich auf die Persönlichkeit auswirken und letztlich auch pathologisch werden können. Daraus resultiert der Wunsch, die eigene Wichtigkeit vermittelt zu bekommen und Zeichen dafür durch eigenes Verhalten quasi zu erzwingen. Das Problem: Gelingt das nicht, erwachsen daraus wohl für die Betroffenen als auch das Gegenüber Schwierigkeiten in der Beziehungsgestaltung.

Wie man Persönlichkeitsstörungen verstehen kann

Anhand des von Rainer Sachse entwickelten Modells der doppelten Handlungsregulation wird deutlich, wie ungünstige Beziehungsmuster entstehen und welche Probleme sich daraus für die Patient:innen und ihr soziales Umfeld ergeben.

Charakteristika von Klienten mit Persönlichkeitsstörungen

Selbsttäuschung ist eines der Kernsymptome, die quasi eine Art nach innen gerichtete Manipulation ist und das Ziel hat, Angst und Konflikte zu reduzieren. Das macht es in der therapeutischen Arbeit sehr herausfordernd, weil die Therapeut:innen verstehen müssen, wie sie das dahinter liegende Suchen nach Beziehung bedienen können.

Therapeutische Möglichkeiten und Strategien

Neben verschiedenen Interventionen steht in diesem Mittelpunkt die strategische Herangehensweise der Fachkräfte im Fokus: Die Kunst besteht darin, eine unparteiische Haltung anzunehmen und Schuldzuweisungen in jedwede Richtung zu vermeiden. Um Wirkung zu zeigen muss Therapie sowohl komplementär als auch konfrontativ sein.

Bestehen von Tests

Das Testen von Beziehungen gehört zum Wesen der Persönlichkeitsstörung. Umso wichtiger ist es, nicht in diese Spirale einzusteigen, sondern ohne jeden Druck zur Veränderung verlässliche Gesprächspartner:innen zu sein und zu bleiben.

Besonderheiten der einzelnen Persönlichkeitsstörungen

Es fehlt die Borderline-Störung in dieser Aufzählung, aus der Sicht der Autor:in aber aus gutem Grund: Sie sei eine Modediagnose. Die insgesamt acht Störungsbilder werden in eine auf eigener klinischen Erfahrung sortierte Achse eingeordnet, die auf der einen Seite Nähe-Störungen klassifiziert, auf der anderen Seite Distanz-Störungen. Zu ersterer Kategorie gehören die narzisstische, die histrionische, die dependente und die selbstunsichere Persönlichkeitsstörung, deren Kern darin liegt, dass die Klient:innen bindungsgestört seien und daher Näher suchen und herstellen. Vor allem im Fokus seien Anerkennung, Wichtigkeit und Verlässlichkeit. Die zweite Kategorie unterscheidet Sachse noch einmal. Die passiv-aggressive sowie die paranoide Persönlichkeitsstörung drehen sich vor allem um Unverletzbarkeit und die Verteidigung der eigenen Grenzen, während es bei der schizoiden und der zwanghaften Persönlichkeitsstörung vielmehr um Anerkennung und Solidarität gehe.

Die Beratung von Angehörigen

Es wird deutlich, dass Angehörige häufig Unterstützung brauchen, um sich aus den Verstrickungen zu lösen, die eine Persönlichkeitsstörung mit sich bringen kann,

Die Zusammenarbeit im Team

Es findet sich eine deutliche Warnung, dass immer die Gefahr besteht, dass die Arbeit mit diesen Klient:innen immer Spaltungsprozesse riskiert, da die Fachkräfte unterschiedlich auf entsprechendes manipulatives Verhalten reagieren.

Diskussion

Die Arbeit mit persönlichkeitsgestörten Klient:innen ist äußerst anspruchsvoll, viele Beziehungsfallen lauern hier. Und genau da setzt dieses Buch an – an manchen Stellen mit ganz eigenen Logiken der Autoren, die nicht unbedingt der Mainstream-Meinung angehören. Das ist aber nicht schlimm, lädt vielmehr zum Nachdenken ein.. Wie das passieren kann und wie sich Fachkräfte dagegen wappnen können, zeigen Rainer und Meike Sachse anhand vieler Beispiele, so dass der Praxisbezug des Buches enorm hoch ist. Das macht dieses Buch gemeinsam mit der guten optischen Gestaltung zu einem Hort des Wissens für den praktischen Alltag – eine Pflichtlektüre für all jene, die mit Menschen zu tun haben, die Persönlichkeitsstörungen haben. Kleiner Verbesserungsvorschlag. Es wäre wünschenswert, wen das Thema Teamdynamik mehr Raum bekäme.

Fazit

Ein etablierter Titel für all jene Fachkräfte, die mit Menschen arbeiten, die eine Persönlichkeitsstörung haben, der auch in dieser Neuauflage alle Erwartungen erfüllt.

Rezension von
Wolfgang Schneider
Sozialarbeiter
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Es gibt 237 Rezensionen von Wolfgang Schneider.

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ISSN 2190-9245