Thomas Hax-Schoppenhorst (Hrsg.): Das Klimafolgen-Buch
Rezensiert von Lea Dohm, 22.01.2026
Thomas Hax-Schoppenhorst (Hrsg.): Das Klimafolgen-Buch. Wie Pflege- und Gesundheitsberufe der Klima- und Biodiversitätskrise begegnen können. Hogrefe AG (Bern) 2024. 424 Seiten. ISBN 978-3-456-86332-0. D: 50,00 EUR, A: 51,40 EUR, CH: 65,00 sFr.
Thema
Das Buch bietet eine Einführung in das Planetary Health Konzept, das für Gesundheitsberufe in Zeiten ökologischer Krisen zunehmend zum hochrelevanten Standardwissen gehört. Es fokussiert dabei auf Klimaanpassung und -folgen. Der Herausgeber Hax-Schoppenhorst stellt zu diesem Zweck 28 Artikel von Autor*innen diverser beruflicher Hintergründe zusammen.
Autor:in oder Herausgeber:in
Der Herausgeber Thomas Hax-Schoppenhorst ist vom Grundberuf Lehrer und hat bereits verschiedene Bücher zu gesellschaftspolitischen Themen veröffentlicht. Die Autor*innen der Artikel haben vielfältige berufliche Hintergründe: Krankenpflege, NGOs, Politikwissenschaft, Pädagogik, Theologie, Soziologie, Kommunikationswissenschaften u.v.m.
Entstehungshintergrund
Die ökologischen Krisen eskalieren und geraten in der öffentlichen Diskussion zunehmend in den Hintergrund. In diesem Zusammenhang steht das Gesundheitswesen besonders unter Druck, da es trotz der öffentlichen (Nicht-)Wahrnehmung mit der wachsenden Krankheitslast konfrontiert ist, andererseits aber selbst hinsichtlich Nachhaltigkeit vor großen Entwicklungsnotwendigkeiten steht. Dieser Herausgeberband versucht diesem Umstand gerecht zu werden und verschiedene Herangehensweisen und Gestaltungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
Aufbau
Das Klimafolgen-Buch ist in drei Teile untergliedert. Teil 1 („Zum Einstieg“) umfasst acht Kapitel, Teil 2 („Klimawandel und Biodiversität im Kontext Gesundheit“) sechs Kapitel und Teil 3 („Lösungskonzepte und Handlungsoptionen“) 14 Kapitel. Sämtliche Kapitel umfassen 6–14 Buchseiten.
Inhalt
Das Buch beginnt mit einführenden naturwissenschaftlichen Kapiteln zum Klimawandel, dessen Ursachen und Folgen und den Schnittstellen zur Biodiversitätskrise. Basiswissen und Begriffsklärungen werden vorgenommen und erste Wechselwirkungen mit der menschlichen Gesundheit vorgestellt. Im Folgenden werden ausgewählte Themenfelder wie Klimakommunikation oder Flucht und Migration genauer unter die Lupe genommen. Im Kapitel zur Rolle der Ernährung stellt die Gesundheitswissenschaftlerin Swantje Kubillus die Planetary Health Diet und mögliche Umsetzungsschritte inklusive zweier best practice Beispiele für Gesundheitseinrichtungen vor. Sie betont dabei die besondere Bedeutung der Ernährungswende, deren Emissionen sich in Krankenhäusern auf 17% der institutionellen Klimawirkung belaufen.
Im zweiten Teil des Buches werden konkrete Schnittstellen zwischen Klima- und Biodiversitätskrise mit der menschlichen Gesundheit beschrieben. Es geht dabei mehrfach um die Rolle der Krankenpflege, aber auch breiter gefasst die Herausforderungen für die Gesundheitsberufe. Die Neurochirurgin Laura Schwieren widmet sich explizit den politischen Rahmenbedingungen in Deutschland, u.a. der Deutschen Anpassungsstrategie Klima (DAS) und dem „Aktionsplan Anpassung“ der aktuellen Großen Koalition. Sie stellt dar, in welcher Form sich die Gesetzgebung der Bundesregierung auf die menschliche Gesundheit als Handlungsfeld fokussiert und somit einen Rahmen für entsprechende Veränderungsschritte zur Verfügung stellt. Thomas Diekamp, Projektleiter beim AWO Bundesverband, stellt die best practice Beispiele aus dem eigenen Hause vor, und Andreas Lutz, Krankenpfleger bei Ärzte ohne Grenzen berichtet von seinen Erfahrungen im Süd-Sudan. Er beschreibt, wie die unmittelbaren Gesundheitsauswirkungen von Extremwetterereignissen im Globalen Süden spürbar werden.
Die Vorstellung von Lösungskonzepten und Handlungsoptionen wird im dritten Teil des Buches in den Fokus gerückt. Alina Wetzchewald, Verkehrswirtschaftsingenieurin am Wuppertal Institut für Technologie, stellt darin konkrete Projekte und Initiativen der Verkehrswende vor: Sie betont dabei die Gesundheitsrelevanz hinsichtlich Luftverschmutzung, Lärm und Verkehrstoten und wie diesen mit wirksamen Handlungsschritten entgegengewirkt werden kann. In einer enormen inhaltlichen Diversität stellen weitere Kapitel spirituelle, pädagogische oder neurowissenschaftliche Ansätze dar, gefolgt von philosophisch-literarischer Verantwortungsethik oder auch den Ergebnissen der Nationalen Präventionskonferenz. In interdisziplinärer Durchmischung werden hier in einzelnen Kapiteln individuelle und kollektive Handlungsbeispiele wie Waldbaden, die Implementierung von Planetary Health in die medizinische Lehre oder die Transformationsschritte einer Berner Fachhochschule vorgestellt.
Diskussion
Im gesamten Buch werden – dem derzeitigen politischen Kurs der Bundesregierung entsprechend – Klimafolgen und -anpassungsmaßnahmen dem Klimaschutz an sich inhaltlich vorgezogen. Die inhaltliche Schwerpunktsetzung ist dabei vielfältig. Es ist für Leser*innen gut möglich, sich einzelne Kapitel entsprechend der eigenen Interessenslage herauszugreifen, ohne den gesamten Herausgeberband zu studieren. Das Buch an sich ergibt auf diese Weise für sich ein Abbild der real diversen Herangehensweisen und Handlungsoptionen.
Das Klimafolgen-Buch ist allgemeinverständlich formuliert und auch für Einsteiger*innen ins Thema geeignet. Der wissenschaftliche Standard unterscheidet sich zwischen den einzelnen Kapiteln deutlich. Kritisch ist diesbezüglich der Beitrag von Michael Sterner „So retten wir das Klima“ zu bewerten, da seine Ausführungen zur Bewusstseinswende eher anekdotischer Evidenz als dem psychologischen Forschungsstand entsprechen. Besonders positiv ins Auge fallen hingegen die Kapitel von Thomas Diekamp „Klimafreundlich pflegen“ und Alina Wetzchewald „Die urbane Verkehrswelt gestalten“: Beide stellen in vorbildhafter Interdisziplinarität konkrete best practice Beispiele und deren Implikationen für Gesundheitsberufe vor.
Wie es für Klimabücher typisch ist, macht die Lektüre des Klimafolgen-Buchs an sich keine große Freude: Es wird deutlich, wie ernst die Herausforderung ist, vor der wir stehen, und wie unzureichend zugleich unser Entgegensteuern und Handeln. Beim Lesen wird somit auch verständlich, warum Menschen keine Lust auf ökologische Gesundheitsthemen haben. Gerade deswegen ist es aber auch ein wichtiges Buch, das auch für den Einstieg ins Thema gut geeignet sein kann.
Fazit
Das Klimafolgen-Buch ist ein verständliches Einstiegswerk, das vor allem für Pflegeberufe eine hohe, praktische Relevanz hat. Es eignet sich als Nachschlage- und Überblickswerk. Es fokussiert Klimaanpassung, die nur zusammen mit ambitionierten Klimaschutz ausreichend sicher erfolgen kann.
Rezension von
Lea Dohm
Dipl.-Psych., Psych. Psychotherapeutin. Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) e.V.
Website
Mailformular
Es gibt 4 Rezensionen von Lea Dohm.




