Sina Marie Nietz-Vialis: Demokratiebildung in der Ganztagsschule
Rezensiert von Dipl. Päd. Nicole Dern, 18.07.2025
Sina Marie Nietz-Vialis: Demokratiebildung in der Ganztagsschule. Ansätze, Praxisimpulse und Perspektiven. Qualität in Ganztagsschule, Hort und Schulkindbetreuung. Verlag Herder GmbH (Freiburg, Basel, Wien) 2025. 80 Seiten. ISBN 978-3-451-39886-5. D: 22,00 EUR, A: 22,70 EUR, CH: 23,80 sFr.
Thema
Ausgehend von den vorhandenen Kompetenzen von Kindern im Grundschulalter und der Ausweitung der schulischen Ganztagsangebote geht Sina Marie Nietz Vialis auf die Förderung demokratischer Kompetenzen ein. Die Zielgruppe des Buches sind pädagogische Fachkräfte im Ganztag, eine mögliche Übertragbarkeit auf den Sachunterricht in Grundschulen und außerschulische Jugendarbeit bzw. Jugendbildung ist gegeben.
Autorin
Sina Marie Nietz-Vialis promoviert aktuell an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg zum Thema „Ursachenanalyse für das Erstarken des Nationalpopulismus – Ansatzpunkte für die politische Bildung“.
Entstehungshintergrund
Sina Marie Nietz-Vialis sieht die besondere Relevanz der Thematik in der Gestaltungsmöglichkeit durch den kommenden Rechtsanspruch im Sinne des GaFöG. Die zu erwartende Ausweitung der Betreuung von Kindern im Grundschulalter lässt diese auch als Ort politischer Bildung stärker in den Blick rücken. Insbesondere aber nicht allein vor dem Hintergrund multipler und aktueller Krisen erhält diese Thematik besonderes Gewicht, so wird Bezug zum Erstarken von Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit wie auch (rechts-) populistischer Narrative genommen. Es wird argumentiert, dass das Potenzial der Grundschulen insbesondere vor dem Hintergrund des kommenden Rechtsanspruchs nicht voll genutzt wird, um Kinder im Sinne einer empowernden Bildung als politische Subjekte anzusprechen.
Aufbau und Inhalt
Das Werk gliedert sich nach einer Einleitung in fünf Hauptkapitel und wird durch “Materialien und Tipps”, sowie die verwendete Literatur ergänzt.
Bereits in der Einleitung wird deutlich, dass das Buch seine besondere Relevanz insbesondere aber nicht allein vor dem Hintergrund multipler und aktueller Krisen erhält, so wird Bezug zum Erstarken von Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit wie auch (rechts-) populistischer Narrative genommen. Es wird argumentiert, dass das Potenzial der Grundschulen insbesondere vor dem Hintergrund des kommenden Rechtsanspruchs nicht voll genutzt wird, um Kinder im Sinne einer empowernden Bildung als politische Subjekte anzusprechen.
Im ersten Kapitel wird dies dann ausgeführt. Hierzu wird beschrieben, wo aus Sicht der Autorin die Problematik der aktuellen politischen Bildung im Grundschulalter liegt und wie dieser zu begegnen sei. Hierzu wird Demokratie als Lebensform verstanden und verschiedene Ebenen der Demokratiebildung sowie notwendige Kompetenzen diskutiert. Auf dieser Grundlage wird Demokratieförderung als Aufgabe der Grundschule auch mit Bezug zu rechtlichen Grundlagen auf Ebene der Landesschulgesetze sowie der Kinderrechte beschrieben, bevor mit Bezug zu aktuellen Projekten und Studien Kinder als politische Subjekte in den Blick kommen.
Das zweite Kapitel rückt “Chancen und politische Räume des Ganztags” in den Fokus. Hier kommen insbesondere Rahmenbedingungen und methodische wie auch didaktische Möglichkeiten zum Tragen. Ein Exkurs gibt hier auch Möglichkeiten zur teaminternen Reflexion.
“Wie Feindbilder Vielfalt verhindern” wird im dritten Kapitel behandelt. Mit Blick auf die für das Thema wesentlichen Punkte wird hier knapp ein Überblick gegeben.
Im vierten Abschnitt befasst sich das Werk mit “sozial-emotionalen Ansätzen und Perspektiven in der politischen Bildung”. Hier wird zunächst auf die Rolle von Emotionen in Bildungsprozessen eingegangen bevor Strategien zur Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen in den Fokus rücken.
Die “Methodenkiste” schließt als fünftes Kapitel nach einem kurzen Exkurs zum spielerischen Lernen das Werk ab. Hier werden Methoden einsatzbereit und übersichtlich vorgestellt. Zu beachtende und sensible Punkte werden hier besonders gekennzeichnet.
Diskussion
Positiv ist zu bemerken, dass die Kapitel des Buches ganz klar aufeinander aufbauen und dennoch jedes Kapitel für sich allein lesbar und sinnhaft zu verwenden ist. Dies wird auch durch die Einbindung vorangegangener Erkenntnisse möglich, ohne dass es zu langwierigen Wiederholungen kommt.
Die Verweise in die Literatur sind im Sinne der Zielsetzung des Buches recht knapp gehalten, jedoch wird die Grundlegung durchaus deutlich. Auch werden einzelne Begriffe (z.B. interkulturelles Lernen) eher oberflächlich definiert, sodass der Fachdiskurs eher angerissen als abgebildet wird.
Besonders positiv ist hervorzuheben, dass das Werk eine hervorragende Leser*innenführung aufweist. Die gelungenen Illustrationen von Frau Sonnenberg unterstreichen die Aussagen und lockern die Darstellung auf. Kästen mit weiterführenden Inhalten und Kernaussagen sowie ein Fazit am jeweiligen Kapitelende unterstützen die Erkenntissicherung.
Insgesamt ist das Buch mit 75 Seiten ein gut lesbares Werk, dass das Anliegen insbesondere Fachkräfte im Feld zu erreichen und ihnen Grundlagen und Möglichkeiten der Demokratiebildung nahe zu bringen, voll erfüllt.
Das Werk kommt seinem Ansinnen für Fachkräfte eine Orientierung und erste methodische Ansatzpunkte zu liefern vollumfänglich nach. Dass die Autorin ihrer Vita nach bisher kaum Erfahrungen in der politischen Bildungsarbeit mit Kindern im Grundschulalter sammeln konnte, ist im Werk kaum spürbar. Allein das Fehlen von konkreten Beispielen im Sinne von best practice könnte bemängelt werden – hierdurch wäre das Werk sicher sinnvoll ergänzt worden. Dennoch ist der praktische Nutzen wie auch die Reflexionsfolie für das eigene (Team-)Handeln klar ersichtlich.
Fazit
Mit „Demokratiebildung in der Ganztagsschule. Ansätze, Perspektiven, Praxisimpulse“ schafft Sina Marie Nietz-Vialis es, Demokratiebildung und dafür nötige Kompetenzen, sowie deren Förderung im Rahmen von Ganztagsschule praxisnah zu beschreiben und eine Handlungsorientierung für Fachkräfte im Feld zu geben.
Rezension von
Dipl. Päd. Nicole Dern
Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Justus-Liebig-Universität Gießen
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