Daniel Hajok: Praxishandbuch Medienberatung in der Kinder- und Jugendhilfe
Rezensiert von Prof. Dr. René Börrnert, 26.02.2026
Daniel Hajok: Praxishandbuch Medienberatung in der Kinder- und Jugendhilfe. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2025. 150 Seiten. ISBN 978-3-7799-8131-2. D: 22,00 EUR, A: 22,70 EUR.
Thema
Die Digitalisierung durchdringt sämtliche Lebensbereiche von Kindern und Jugendlichen und stellt sie vor viele Herausforderungen. Sie müssen sich in einem permanent vernetzten Umfeld zurechtzufinden, das sowohl immense Chancen als auch erhebliche Risiken birgt. Oft sind sie nicht darauf vorbereitet und treten ohne ausreichende Begleitung in diese zweite Welt. Sie müssen lernen, die neuen Medien souverän zu nutzen, ohne den potenziellen negativen psychischen, sozialen und physischen Folgen (z.B. Cybermobbing, Suchtverhalten, Desinformation) zum Opfer zu fallen. Die traditionellen Sozialisationsinstanzen – Familie und Bildungseinrichtungen – stehen hier vor der dringenden Aufgabe, ihnen das notwendige Rüstzeug an die Hand zu geben, damit sie mündige und selbstbestimmte Akteure in der digitalen Welt werden können.
Das vorliegende Praxishandbuch beschreibt die Lebenswelten junger Menschen und skizziert Chancen und Risiken des Medienumgangs für ihre Persönlichkeitsentwicklung. Der Autor zeigt hierbei insbesondere Möglichkeiten für eine angemessene medienpädagogische Begleitung in Hilfeeinrichtungen auf. Anregungen finden sich sowohl für Eltern und Familien als auch für beratende Fachkräfte.
Autor und Entstehungshintergrund
Dr. Daniel Hajok ist Honorarprofessor an der Universität Erfurt am Seminar für Medien‑ und Kommunikationswissenschaft mit den Schwerpunkten Mediensozialisationsforschung, Medienaneignungsforschung und Medienregulierung. Er ist zudem Gründungsmitglied der AG Kindheit, Jugend und neue Medien (AKJM) in Berlin.
Hajok erforscht seit über 25 Jahren den Medienumgang von Kindern und Jugendlichen. Hierbei ist ihm der Theorie-Praxis-Transfer besonders wichtig.
Vom Autor liegt aktuell zudem ein thematisch adäquates Sachbuch vor: Kinder und Jugendliche in der digitalen Welt (vgl. Rezension bei socialnet).
Aufbau und Inhalt
Nach der Vorbemerkung unterteilt der Autor das Buch in zwei Kapitel. Im ersten beschreibt er, wie sich das Aufwachsen der gegenwärtigen Kinder‑ und Jugend-Generation gegenüber der ihrer Eltern verändert hat und welche Herausforderungen diese Eltern gegenüber dem Nachwuchs haben. Im zweiten Teil widmet er sich dem professionellen Umgang mit Medien in der Kinder‑ und Jugendhilfe.
Teil 1: Verändertes Heranwachsen und Erziehen als Ausgangspunkt
Hier werden die Potenziale und Gefahren des Medienkonsums im Rahmen der Persönlichkeitsentwicklung in den Blick genommen: Was hat sich in den letzten 20 bis 30 Jahren im Heranwachsen der Kinder und Jugendlichen verändert? Wie sehen die Freizeit‑ und Medienwelten junger Menschen heute aus? Welches ‚Medienhandeln‘ bietet sich für die Eltern und Fachkräfte an? Die Darstellung im ersten Teil hat Einführungs‑ und Überblickscharakter. Hajok geht zudem auf Herausforderungen einer angemessenen Begleitung (Eltern, Fachkräfte) und auf schwierige Rahmenbedingungen ein. Das zum Teil widersprüchliche Gegenüber von gesellschaftlichen Problemlagen und fehlender Professionalisierung in der Sozialen Arbeit sind hier differenziert beschrieben.
Teil 2: Professioneller Umgang mit Medien in der Kinder‑ und Jugendhilfe
Im zweiten Teil liefert der Autor Versatzstücke für den professionellen Umgang mit Medien in der Kinder‑ und Jugendhilfe. Zunächst widmet er sich den Grundvoraussetzungen eines ‚angemessenen‘ Umgangs. Dazu gehören primär die Anerkennung einer digitalen Lebenswirklichkeit (4.1.) und eine ‚offene Haltung‘ (4.3.). Sodann beschreibt Hajok den rechtlichen Bezugsrahmen für die Adressat:innen. Das sind sowohl die Persönlichkeitsrechte auf der einen Seite als auch der gesetzliche Kinder‑ und Jugendschutz auf der anderen Seite. Im Anschluss widmet er sich Umsetzungsformaten, die mit den subjekt-, lebenswelt‑ und handlungsorientierten Kontexten der Heranwachsenden korrespondieren. Zudem zeigt er, wie digitale Medien die pädagogische Praxis unterstützen können. Abschließend widmet sich Hajok der Frage, „wie das auf den Medienumgang betreuter Kinder und Jugendlicher und begleiteter Familien bezogene pädagogische Handeln auch den Maßgaben von Professionalisierung gerecht werden kann“ (8 f.).
Zahlreiche Literaturverweise, Zusammenfassungen und Tabellen ergänzen die Ausführungen im Verlauf des gesamten Textes.
Diskussion
Hajok hat zum Themenfeld Chancen und Herausforderungen digitaler Medien für junge Menschen zahlreiche Publikationen vorgelegt. In diesem Praxisbuch führt er seine eigenen Forschungserfahrungen mit den Ergebnissen der Kolleg:innen zusammen. Er bleibt wie immer optimistisch und sieht eher die Vorteile der technischen Entwicklung als deren möglichen Schaden. Diesen Fortschritt können Eltern und Fachkräfte nutzen, indem sie sich angemessen verhalten und transparent und offen mit den Heranwachsenden das Thema kommunizieren. Sie haben dabei jedoch verschiedene Rolle(n) zu bedienen: Begleitung, Vermittlung und auch Vorbild. Hierbei müssen sie zwischen Fördern und Fordern oft einen Spagat leisten.
Dem Autor gelingt ein praxisbezogener Duktus. Das Buch kann für die Aus‑ und Weiterbildung von Sozialen Fachkräften genutzt werden, es mag aber auch für Eltern und Angehörige Orientierungshilfe sein, um sich dem oben beschrieben Dilemma zu stellen. Die Liste der Impulse und Verweise ist angemessen umfangreich. Als gute Ergänzung empfiehlt sich ein zweites Sachbuch von Hajok, das aktuell erschienen ist: Kinder und Jugendliche in der digitalen Welt. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2026. ISBN 978-3-17-044021-0.
Fazit
Das Praxishandbuch wird seinem Titel gerecht und liefert sowohl für Eltern als auch für Fachkräfte der Sozialen Arbeit eine gut lesbare Einführung zum Thema Medienberatung in der Kinder‑ und Jugendhilfe.
Rezension von
Prof. Dr. René Börrnert
Fachhochschule des Mittelstands (Rostock)
Mailformular
Es gibt 51 Rezensionen von René Börrnert.




