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Simone Riner, Jörg Merz: Lösungsorientierte Maltherapie mit Kindern und Jugendlichen

Rezensiert von Dipl.-Kunsttherapeutin Evi Selmeier, 17.07.2025

Cover Simone Riner, Jörg Merz: Lösungsorientierte Maltherapie mit Kindern und Jugendlichen ISBN 978-3-456-86356-6

Simone Riner, Jörg Merz:Lösungsorientierte Maltherapie mit Kindern und Jugendlichen. Wie Bilder Entwicklungsschritte ermöglichen. Hogrefe AG (Bern) 2025. 160 Seiten. ISBN 978-3-456-86356-6. D: 30,00 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 40,90 sFr.

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Thema

Das Lösungsorientierte Malen (LOM®) ist eine kunsttherapeutische Methode, mit der Anliegen strukturiert und direkt malend bearbeitet werden können. Dabei geht es nicht darum, kognitive Lösungen zu finden – denn an „gewussten“ Lösungen mangelt es meist nicht –, sondern darum, belastende innere Bilder durch klare, störungsfreie zu ersetzen.

Durch einfache Metaphern kann auch mit schwierigen Themen auf einer unbelasteten Ebene gearbeitet werden. Der Malprozess selbst steht im Mittelpunkt – er berührt, klärt und stärkt. LOM® basiert auf Erkenntnissen der Hirnforschung und ist wissenschaftlich belegt. Seit 1995 wird die Methode an Kunsttherapeut:innenund Fachpersonen im psychosozialen Bereich weitergegeben. Kinder und Jugendliche können im Malprozess wirkungsvoll unterstützt werden, indem sie ermutigt werden, sich auszuprobieren – ganz ohne Leistungsdruck. Sie dürfen Fehler machen, müssen nichts „können“ und sollen erfahren, dass Malen auch dann hilfreich sein kann, wenn sie sich selbst nicht als begabt empfinden.

Herausgeber:innen

Herausgeber des Buches Lösungsorientierte Maltherapie mit Kindern und Jugendlichen. Wie Bilder Entwicklungsschritte ermöglichen: Simone Riner MA Universität Berlin in Germanistik und Pädagogischer Psychologie, Kunsttherapeutin (ED), Personen- und Lösungsorientierte Maltherapie LOM®, Supervisorin, Lehrtherapeutin, Ausbilderin, Dozentin an der Alanus-Hochschule.

Jörg Merz Msc Universität Zürich. Fachpsychologe für Psychotherapie (FSP), kunsttherapieorientierter Psychotherapeut, Ausbilder und Supervisor. Entwicklung der Methode Lösungsorientierte Maltherapie (LOM®), zusammen mit Bettina Egger.

Autor:innen: Namhafte, erfahrende, Mal- und Kunsttherapeut:innen stellen ihre eigenen Fälle, die sie mit der LOM-Methode behandelt haben, vor.

Entstehungshintergrund

Lösungsorientiertes Malen (LOM®) wurde 1980 von Bettina Egger und Jörg Merz auf Basis der Beobachtung hunderter Malprozesse entwickelt. Zufällige Entdeckungen weckten ihre Neugier und führten zur Annahme, dass bestimmte Bildmerkmale zur Verarbeitung belastender Themen beitragen können. So zeigte sich etwa, dass deckend gemalte Bilder Wirkung hatten, transparente hingegen nicht. Auch die Größe von Tieren, ihre Blickrichtung, Perspektive, Distanz und die liebevolle Zuwendung zum Bild beeinflussten das Ergebnis. Jede Unstimmigkeit wurde zum Ausgangspunkt neuer Untersuchungen. Dabei verzichteten Egger und Merz konsequent auf psychologische Deutungen – es ging nicht um Interpretationen, sondern um konkrete, beobachtbare Wirkzusammenhänge.

Die Herausgeber:innen betonen die Bedeutung des Malens im Kindes- und Jugendalter – insbesondere als Möglichkeit zur Bewältigung von Belastungen und Schwierigkeiten des Alltags. Malen wirkt nachweislich positiv und regulierend auf den menschlichen Organismus. Kinder und Jugendliche sind heute vielfältigen Stressoren ausgesetzt, die ihre Entwicklung ungünstig beeinflussen können. Dies kann sich in belastendem Erleben oder problematischen Verhaltensweisen äußern.

Aufbau

Das Buch hat einen Umfang von 156 Seiten. Es ist neben einem Vor- und Geleitwort in drei Hauptkapitel unterteilt. Das zweite Kapitel ist mit 117 Seiten das umfangreichste Kapitel. Das Buch schließt mit einem Glossar, einem Literaturverzeichnis und den Porträts der beteiligten Maltherapeut:innen.

Inhalt

Das erste Kapitel widmet sich den Meilensteinen der kindlichen und jugendlichen Entwicklung. In einer übersichtlichen Tabelle werden die jeweiligen Entwicklungsphasen, zentralen Entwicklungsaufgaben und -phänomene sowie die unterstützenden Rollen der Bezugspersonen dargestellt. Ergänzt werden die Ausführungen durch anschauliche Beispielbilder. Im zweiten Kapitel werden Fallbeispiele von Kindern und Jugendlichen im Alter von vier bis achtzehn Jahren beschrieben. Die Themen reichen von unkontrollierbarer Wut, Albträumen, Schulangst und Trennung der Eltern bis hin zu Cybermobbing, Anorexie und Transidentität. Jedes Fallbeispiel wird begleitet von Bildern, die im Verlauf des Malprozesses entstanden sind. Das dritte Kapitel widmet sich der Lösungsorientierten Maltherapie mit Jugendlichen, die keinen sicheren Ausbildungsplatz haben. Das Angebot zielt darauf ab, die jungen Menschen sowohl fachlich als auch persönlich zu unterstützen und zu fördern. Im Rahmen des Motivationssemesters wurde unter anderem die Maltherapie mit der LOM®-Methode angeboten.

Fallbeispiel aus Kapitel 2: Mädchen, 8 Jahre – Einschlafstörungen und Angst, allein zur Schule zu gehen. Ein achtjähriges Mädchen wird aufgrund von Einschlafstörungen und der Schwierigkeit, allein zur Schule zu gehen, im kunsttherapeutischen Atelier vorgestellt. Auslöser der Symptome war ein Wohnungsbrand in unmittelbarer Nähe zur elterlichen Wohnung, den das Kind miterlebt hatte. Seitdem zeigte sie ausgeprägte Ängste, insbesondere beim Einschlafen und auf dem Schulweg. In der ersten Therapiestunde fordert die Maltherapeutin das Kind auf, ein Bild ihrer Familie zu malen – beginnend mit sich selbst. Das Mädchen zeichnet sich gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester. Auf behutsame Nachfrage berichtet das Mädchen von dem Brand und äußert, dass sie große Angst gehabt habe. Die Therapeutin greift das Thema auf und fragt das Kind: „Wenn sich deine Angst in ein Tier verwandeln würde – welches Tier wäre das?“ Das Mädchen antwortet: „Eine Fledermaus. Das ist eines meiner Lieblingstiere.“ Sie malt eine Fledermaus in die Mitte des Blattes und nennt sie „Maxi“. In der folgenden Sitzung wird das Familienbild fortgesetzt. Die Therapeutin fragt: „Wer gehört denn noch zu deiner Familie?“ Später spricht das Mädchen über ihre Mutter und erzählt, dass diese beim Brand sehr erschrocken ausgesehen habe. Die Therapeutin fragt weiter: „Wenn sich das erschrockene Gesicht deiner Mama in ein Spielzeug verwandeln würde – was wäre das?“ Das Mädchen überlegt kurz und antwortet: „Ein rotes Feuerwehrauto.“ Dieses wird daraufhin ins Bild integriert. Nach Angaben der Mutter zeigen sich im Verlauf der Therapie erste Fortschritte: Das Mädchen kann wieder besser einschlafen und geht zunehmend häufiger allein zur Schule. Die Therapeutin bringt die Idee ein, die Fledermaus „Maxi“ als Kuscheltier anzufertigen. Die Großmutter nimmt diese Anregung auf und näht das Stofftier. Das Kind bringt die Fledermaus stolz zu einer der nächsten Sitzungen mit.

In einer weiteren Stunde äußert das Mädchen den Wunsch, einen Krankenwagen zu malen. Zusätzlich gestaltet sie eine fantasievolle Unterwasserlandschaft mit einer geheimnisvollen Höhle – deren Geheimnis, so sagt sie, kenne nur sie. Parallel wird weiterhin am Familienbild gearbeitet. Am Ende der Therapie ist das Kind symptomfrei.

Diskussion

Das Buch überzeugt durch eine klare Struktur, verständliche Sprache und eine konsequente Praxisorientierung. Es vermittelt fundiert, wie die Methode des Lösungsorientierten Malens (LOM®) angewendet wird. Eine herausragende Stärke des Buches stellt das umfangreiche Bildmaterial dar. Die zahlreichen Abbildungen aus authentischen Therapiesitzungen veranschaulichen die einzelnen Schritte der Methode in besonderer Weise. Sie machen nachvollziehbar, wie sich Kinder und Jugendliche im Malprozess weiterentwickeln und persönliche Veränderungen vollziehen. Der hohe Praxisbezug ermöglicht es Fachkräften und Laien, den methodischen Ansatz fundiert nachzuvollziehen und in die eigene berufliche Praxis zu übertragen. Ein Schwachpunkt ist jedoch der geringe theoretische Hintergrund. Die theoretischen Grundlagen der Methode werden im Buch lediglich in knapper Form dargestellt. Auch der Vergleich mit anderen kunsttherapeutischen Ansätzen fehlt weitgehend. Trotzdem überwiegen die positiven Eindrücke. Das Buch bietet einen lebendigen, praxisnahen Einblick in eine wirkungsvolle Methode und zeigt, wie Malen Kindern und Jugendlichen helfen kann, schwierige Situationen zu bewältigen.

Fazit

Das Buch vermittelt in einer auch für Laien verständlichen Sprache zentrale Aspekte der Lösungsorientierten Maltherapie (LOM®). Durch zahlreiche Fallbeispiele bietet es einen anschaulichen und praxisnahen Einblick in die therapeutische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.

Rezension von
Dipl.-Kunsttherapeutin Evi Selmeier
Dipl.-Kunsttherapeutin, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin (VT)
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Es gibt 8 Rezensionen von Evi Selmeier.

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ISSN 2190-9245