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Ole Nymoen: Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde

Rezensiert von Martina Pistor, 15.07.2025

Cover Ole Nymoen: Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde ISBN 978-3-499-01755-1

Ole Nymoen: Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde. Gegen die Kriegstüchtigkeit. rowohlt Berlin Verlag (Berlin) 2025. 138 Seiten. ISBN 978-3-499-01755-1. D: 16,00 EUR, A: 16,50 EUR.

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Thema und Autor

Ole Nymoen erlebte im Sommer 2024, dass er als Reaktion auf die Veröffentlichung eines „staats- und kriegskritischen Artikels in der Zeit […] Hunderte Kommentare sowie Dutzende Leserbriefe erhalten“ habe (S. 115). Er wurde mangelnder Solidarität und mangelnder Wertschätzung für seine Freiheit hier in Deutschland geziehen. Das vorgelegte Buch ist die entfaltete Begründung für den Artikel und gleichzeitig eine Antwort auf die Reaktionen. Es ist eine deutliche Parteinahme gegen Aufrüstung und moralische Kriegsbereitschaft.

Der Autor, ein freier Journalist, bezieht in einem wöchentlichen Podcast „Wohlstand für Alle“ linke Positionen zu verschiedenen wirtschaftlichen Themen und hat mit seinem Podcastpartner Wolfgang M. Schmitt ein Sach- und ein Kinderbuch veröffentlicht.

Aufbau

Das Buch ist unterteilt in drei Kapitel: „Der Sinn des Krieges“ behandelt den Zweck, „Der Unsinn des Krieges“ die Ideologie von Kriegen und Militarisierung. Im letzten Kapitel, „Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde“, positioniert der Autor sich zu Gegenargumenten.

Inhaltsangabe

Das Buch ist nach einer Einleitung in drei große Kapitel geteilt, die den Zweck des Krieges, die Ideologie des Krieges und Nymoens Anti-Kriegs-Position behandeln. Dabei beschränkt er sich in seiner Argumentation dezidiert auf Kriege zwischen Staaten. Ihm geht es um eine prinzipielle Erwägung, abgeleitet von der Situation im heutigen Deutschland. Insofern können seine Argumente auf asymmetrische Konflikte, Bürgerkriege und Konflikte mit nicht staatlichen Akteuren nicht ohne weiteres übertragen werden.

Nach einem persönlichen Einstieg zeichnet Nymoen in der Einleitung die deutsche Debatte um Zeitenwende und Kriegstüchtigkeit (spätestens) seit dem Überfall russischer Streitkräfte auf das Staatsgebiet der Ukraine 2022 nach. Neben technischer Aufrüstung geht es dabei auch um grundsätzliche Fragen zum Verhältnis zwischen Militär und Gesellschaft: Soll die deutsche Wehrpflicht wieder durchgesetzt werden? Eine Mehrheit der Deutschen wäre dafür, eine Mehrheit der davon betroffenen jungen Menschen dagegen. Für diese tritt Nymoen ein. Denn es gehe nicht um die Verteidigung Freiheit und nackter Existenz, sondern um die Durchsetzung nationaler Interessen auf Kosten von Leben und Gesundheit der eingesetzten Soldaten auf allen Seiten. Sein Hauptargument, das er im Verlauf des Buches entfaltet, deutet er schon in der Einleitung an: Im Kriegsfall geht es um die Verteidigung der Herrschaftsansprüche über ein Territorium und die dort lebenden Menschen.

Der Sinn des Krieges

Warum werden Kriege geführt? Trotzdem Kriege allenthalben „sinnlos“ genannt werden (S. 25), finden Sie ja immer wieder statt. Mit Remarque macht sich Nymoen auf die Suche: „Es muss Leute geben, denen der Krieg nützt“ (S. 29). Er untersucht die Struktur kriegerischer Auseinandersetzungen und legt frei, dass angreifender und verteidigender Staat jeweils analog handeln. Auf eine Kriegserklärung folgt eine Mobilisierung von Soldaten, die in fremdes Territorium einmarschieren – oder den Einmarsch der fremden Soldaten aufhalten sollen. Die Soldaten der verschiedenen Parteien werden durch ihre jeweilige Regierung gezwungen, sich gegenseitig zu töten, ohne dass sie in ihrer jeweiligen Lebenswelt gegensätzliche Interessen hätten. Das Recht, sich in Sicherheit zu bringen, wird im Kriegsfall nicht gewährt: „Wenn es so etwas wie das Wesen des Krieges gibt, dann liegt es wohl darin: Die Herrscher eines Staats stellen den eigenen Machtausbau oder -erhalt, also ihre staatliche Souveränität, über das Leben der Bürger und verfügen bedingungslos über ebendiese. Ohne dieses instrumentelle Verhältnis ist Krieg nicht zu haben“ (S. 38). Damit unterscheidet Nymoen Gewalt im Krieg von einem Alltagsverständnis: „Während bei einer Gewalttat zwischen Privatpersonen die angegriffene Seite tatsächlich sich selbst verteidigt, also mit eigener Gewalt das eigene Leben schützt, ist es beim Staat anders.“ „Wo dieser angegriffen wird, verteidigen sich die Staatschefs bekanntlich nicht selbst, sondern entsenden Dritte zum Schutz der eigenen Souveränität“ (S. 41). Die häufige (auch rhetorische) Gleichsetzung von Staat und Bürger:innen weist Nymoen zurück: Um die Sicherheit des Staats zu schützen, werde die Sicherheit von einigen seiner Bürger(:innen) – explizit: der Soldat:innen – eben gerade aufs Spiel gesetzt. Mit Brechts „Mutter Courage“ argumentiert Nymoen, dass die Bevölkerung im Falle einer Kapitulation weniger Leid erfahre als in einem langen, zermürbenden Krieg (S. 45). Im Abschnitt „Zum Verhältnis von Staat, Kapitalismus und Krieg“ untersucht Nymoen, ob jedem Krieg privatwirtschaftliche Interessen zugrunde liegen – und weist einen vereinfachenden Verweis auf Rohstoffe in den umkämpften Regionen zurück. In Abgrenzung zu Lenins Schrift „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ differenziert er, dass einige Kapitalfraktionen zwar an einem Krieg verdienen, während die Gesamtwirtschaft jedoch eher darunter leidet, und zwar auf Seiten der Sieger wie der Besiegten (S. 48 ff.). Stattdessen läge Krieg im Interesse der Staaten, so argumentiert er im nächsten Abschnitt staatstheoretisch: „Krieg schafft Staaten: Diese These mag denjenigen sauer aufstoßen, die sich den Staat als einen von unten gewachsenen Dienstleister am heimischen Volk vorstellen wollen. Aber es kann sich ja einmal jeder selbst fragen, welcher Staat nicht das Ergebnis von Kriegen ist“ (S. 57). Nymoen argumentiert, dass in einem Krieg die als „wehrfähig“ klassifizierten Menschen – er spricht hier konsequent von Männern – beide Militärapparate zum Feind haben: Den fremden, wenn sie den Befehlen der eigenen Offiziere gehorchen, und den eigenen, wenn sie sich den Befehlen zum Töten der fremden Soldaten widersetzen oder entziehen wollen. Insofern, so argumentiert er mit Simone Weil, stellt sich die Frontlinie eigentlich zwischen Staat und Militär auf der eigenen Seite und der Bevölkerung auf der anderen Seite dar (S. 63 ff.). Er fasst zusammen, dass dem Staat die Freiheitsrechte, die er uns gewährt, nichts mehr gelten, wenn er sich in seiner Herrschaft bedroht sieht: Dann zwingt er Menschen, andere Menschen zu töten und selbst zu sterben.

Der Unsinn des Krieges

Das zweite Kapitel ist den ideologischen Rechtfertigungen des Krieges gewidmet. „Aber auch wenn Kriege einen Sinn haben, gehen sie doch mit immens viel Unsinn einher.“ (S. 75) Als Erstes widmet er sich der Vaterlandsliebe, diesem historischen Zufall, auf welchem Landstrich man geboren sei. Im Nationalismus verschwinden die eigentlich unüberbrückbaren Unterschiede innerhalb der Bevölkerung: Die Spaltung aller Länder in Arm und Reich, ihre widerstreitenden Interessen, so argumentiert Nymoen, werden damit verhüllt (S. 77 ff.). Danach demontiert er die Vergleiche, die schon zu Zeiten der Gewissensprüfung für die Kriegsdienstverweigerung herangezogen wurden und heute in Social Media und Kleinkunst wieder auftauchen: „Was, wenn der Nachbar Sie überfällt?“ (S. 83) Ein Krieg zwischen zwei Ländern jedoch habe eben keine Analogie in der Alltagswelt der Menschen. Der fundamentale Unterschied sei doch, so Nymoen, ob man die eigenen Interessen vertritt. Diese Unterschiede verwischten angesichts der Berichterstattung, in der ein Land, seine Regierung und seine Bevölkerung synonym „permanent im Kollektivsingular“ (86–87) angesprochen würden. Im Abschnitt „Aber Hitler!“ entlarvt er Hitlervergleiche als rhetorische Kniffe. Ob Putin die Ukraine entnazifizieren will, Selenskyj Hitler und Putin vergleicht oder Joschka Fischer mit „Nie wieder Auschwitz“ Jugoslawien bombardieren ließ: Ziel sei, die Gegenseite zu delegitimieren. Die Folgen des Einmarsches eines anderen Heeres könnten jedoch durchaus auch andere sein als Vernichtung und Gräuel, wie Nymoen am Beispiel der napoleonischen Kriege und des Code Civil plausibel machen will (S. 90–96). Für die eigene Partei, so argumentiert er im nächsten Abschnitt, reklamiere man hingegen stets Demokratie und höhere Werte. An historischen und aktuellen Beispielen weist Nymoen nach, dass auch das rhetorisch motiviert sei und empfiehlt, „sich von Wertepredigten nicht beeindrucken zu lassen und sie als die Lügenmärchen abzutun, die sie sind“ (S. 99). Oft berufen sich Argumentationen für oder gegen eine Kriegspartei aufs Völkerrecht. Im letzten Abschnitt dieses Kapitels illustriert Nymoen, wie häufig, aber auch wie beliebig dieses Argument eingesetzt wird. Dabei charakterisiert er internationales Recht (bei allem Respekt für die politischen Errungenschaften, die dadurch erzielt werden konnten) als Recht des Stärkeren, das man je nach argumentativem Zweck anruft: „Die Staaten geben sich selbst Regeln, unter welchen Bedingungen sie zu welchen Waffen greifen dürfen, damit der Krieg nicht zu menschenfeindlich wird – und ignorieren diese Gebote dann doch regelmäßig. Damit taugt dieses Recht wirklich nur als pseudomoralische Waffe – mit der sich einfache Bürger besser nicht gemeinmachen sollten. Denn Krieg ist nicht falsch, weil er verboten ist. Er ist falsch, weil einige wenige Menschen über die Leichenberge anderer gehen können, um ihre Interessen durchzusetzen“ (S. 109).

Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde

Der Aufforderung, für „sein Land“ zu kämpfen, setzt Nymoen das bekannte Zitat aus dem Kommunistischen Manifest entgegen: „Die Arbeiter haben kein Vaterland.“ Er wolle nicht gegen Menschen kämpfen, „von denen mich nichts Substanzielles trennt und mit denen ich wahrscheinlich ein angenehmes, kooperatives, friedliches Leben führen könnte – wären da nicht die Machthaber dieser Welt, die anderes mit uns vorhaben“ (S. 114). Statt im Schützengraben Angst um sein eigenes Leben zu haben, würde er lieber fliehen. Gleichzeitig hat er erlebt, dass er für diese Haltung viel Widerspruch erntet und setzt sich daher im letzten Kapitel des schmalen Buches mit einigen der Argumente auseinander, die ihm entgegengehalten wurden.

Eines der häufigsten Argumente war, dass die Freiheiten, die wir hier erleben, zu verteidigen seien. Immerhin kann man sich in Russland aktuell nicht annähernd so frei äußern wie hier. „Eine herrliche Logik: Weil ich in diesem Land vieles sagen darf, sollte ich mich bitte selbst zensieren, um meine Mitmenschen nicht auf kritische Gedanken zu bringen!“ (S. 117). Für das Recht auf Meinungsäußerung ist Nymoen nicht bereit zu sterben. Schließlich werde sie nur gewährt, weil und nur solange die Meinung keine Folgen hat. Auch Deutschland verfüge über ein Arsenal an Repressionen, das gegen politisch missliebige Personen eingesetzt wurde und wird (S. 116 ff.). Auch die hiesige Demokratie, so schreibt er im nächsten Abschnitt, sei es nicht wert, dafür zu sterben: Stehen doch gerade ihre Grundlagen – Nationen, Kapitalismus, Herrschaft – nicht zur Debatte. Die zentrale Frage der Gesellschaft, welche Güter zu welchen Bedingungen produziert werden, sei der Mitsprache der zwar wählenden, aber eigentumslosen Massen entzogen. „Und genau deshalb erlaube ich es mir, auch in der Demokratie zwischen Herrschern und Beherrschten zu unterscheiden“ (S. 125). Einen letzten Einwand gegen seine Positionen kommentiert Nymoen: Den Vorwurf, egoistisch zu sein und nicht an die Gemeinschaft zu denken. Der Vorwurf irritiert ihn, schließlich versteht er sich als links und solidarisch. Er verweist auf Marx’ Beschreibung einer kommunistischen Gesellschaft als sein persönliches Ideal und ist überzeugt, dass die aktuelle Bundesrepublik mit ihren großen sozialen Ungerechtigkeiten davon weit entfernt ist. Die Nation sei eben gespalten in Klassen, und innerhalb der Klassen seien die Menschen zur Konkurrenz verdammt. „Meine Weigerung, in den Krieg zu ziehen, ist […] ganz sicher keinem Mangel an Gesellschaftsfähigkeit geschuldet, sondern der Tatsache, dass sich meine Solidarität nicht nur auf diejenigen erstreckt, die in denselben Staatsgrenzen leben wie ich“ (S. 129). Im letzten – sehr kurzen – Abschnitt „Wofür ich kämpfen würde“ revidiert Nymoen einen Satz aus seinem ursprünglichen Artikel: In Wahrheit sei er für einiges zu kämpfen bereit. „Ich würde gern in einer Gesellschaft leben, in der ein jeder nicht bloß an seinen Vorteil denkt, sondern Freude daran hat, das soziale Leben gemeinsam mit anderen zu gestalten“ (S. 130). Dafür trete er aktiv ein und lässt offen, ob das schon als „Kampf“ gelten solle. Er schließt mit der Hoffnung, die Menschen mögen sich nicht mit einer Nation oder einem Staat identifizieren und stattdessen ihre Gemeinsamkeiten entdecken: Wir alle wollen auskömmlich und in Frieden leben.

Diskussion

Dieses Buch ist eine politische Streitschrift. Die Stimme, die Ole Nymoen in diesem Buch wortgewandt und bisweilen polemisch präsentiert, ist in der aktuellen Debatte marginal. Keine Partei vertritt eine konsequente Positionierung für Frieden, ohne für eine der Kriegsparteien in die Bresche zu springen. Ehemalige Friedensparteien rüsten auf, im Wehretat wie auch argumentativ. Auf der politischen Bühne wird gestritten, ob die Wehrpflicht wieder in Kraft gesetzt werden soll, wobei diesmal auch junge Frauen in den Fokus rücken. Sang- und klanglos greift derweil der Bundesgerichtshof das Recht auf Kriegsdienstverweigerung und damit einen Verfassungsgrundsatz an – rechtswidrig, wie Kathrin Groh argumentiert (Groh, 2025). Die Welt rüstet für neue Kriege. Diese Aufrüstung ist schon eine ökologische wie soziale Katastrophe; welche Katastrophe tatsächliche Kriege bedeuten würden, kann man kaum ermessen. (Man könnte die Menschen fragen, die sich aus Kriegen hierher gerettet haben.)

Verteidigen die Soldaten an der ukrainischen Front wirklich europäische Werte? Ist die Heimat nur schön, wenn sie deutsch verwaltet wird? Und sind „Moskau“, „Putin“, „Russland“ und die Menschen dort wirklich synonym? Nymoen hat kein Buch zum Ukraine-Krieg geschrieben, konkrete Konflikte dienen hier eher zur Illustration des Prinzips. Er wendet sich konsequent gegen Alltagsvorstellungen und falsche Analogien: Eine Herrschaft zu verteidigen bedeutet nicht, sich selbst und die eigenen Interessen zu verteidigen. Landesgrenzen zu schützen ist eben nicht das Gleiche, wie die eigenen Angehörigen vor Gewalt zu schützen. Die bürgerlichen Freiheiten, zu deren Verteidigung wir aufgerufen werden, enden bei Berufsverboten und rechtswidrigen Auslieferungen von Inhaftierten. Das Völkerrecht darf man sich eben nicht wie einen Strafrechtsprozess am Amtsgericht vorstellen, denn es gibt keine übergeordnete Instanz, die ein Urteil dann auch durchsetzen würde. An diesen Stellen hat Nymoens Buch seine großen Stärken. Er entlarvt Worthülsen, untersucht Interessen und tritt für die ,kleinen Leute' ein, für die Menschen, die die Kriege letztlich bezahlen und die im Krieg leiden und sterben. Mit Brecht und Remarque beruft er sich auf wichtige literarische Zeugen, die viel zu häufig in den Bücherregalen verstauben und gerade jetzt wieder herausgeholt werden sollten.

In seiner Begründung, warum er niemals für sein Land kämpfen würde, lässt sich Nymoen nicht auf die Gewissensgründe festnageln, die einzig zur Verweigerung des Kriegsdiensts anerkannt werden. Im Gegenteil bezieht er sich konsequent auf seine eigenen Interessen und setzt sie gegen die Interessen der Herrschaft, der herrschenden Klassen und politischen Eliten, gegen die Interessen des Staats. Diese Position ist angesichts des nationalen „Wir“, das für die Debatten immer wieder bemüht wird, ungewohnt und vielen Menschen fällt es schwer, sie nachzuvollziehen. Man wirft ihm in Debatten Egoismus vor, ohne zu verstehen, dass das Eintreten für die eigenen Interessen als einfache Leute Solidarität über nationale Grenzen hinweg erst ermöglicht. Damit knüpft Nymoen an die Tradition der Arbeiterbewegung an: „Die Arbeiter haben kein Vaterland“, zitiert der Marx und Engels aus dem kommunistischen Manifest. Er lässt seine Selbstverortung als Sozialist und Marxist durchblicken, ohne sie vor sich herzutragen oder bei Lesenden vorauszusetzen. Mit welchen Mitteln er bereit wäre, seine eigenen Interessen zu vertreten, lässt er offen. Damit bleibt Raum, eigene Positionierungen zu finden. Anknüpfend an sein Buch wird klar, was im Falle eines Krieges für die einfachen Leute zählt: Solidarität und offene Grenzen.

Nymoens Argumentation lässt Fragen offen. Während aktuelle Hitler-Vergleiche relativ einfach als politische Manöver enttarnt werden können, kann man ins Schlingern kommen, seine Argumentation rückblickend auf die Kriege des 20. Jahrhunderts anzuwenden. Und warum sollten im Falle eines Vernichtungskriegs die Interessen der Bevölkerung mit den Interessen der Regierung zusammenfallen? Wenn, wie Nymoen richtig nachweist, nicht jeder Krieg für Öl geführt wird und große Teile der Volkswirtschaften gerade nicht vom Krieg profitieren, wofür werden Kriege dann geführt? Ist es die „Natur“ von Staaten? Die reine Willkür der Herrschenden? Oder gibt es tatsächlich materielle Gründe? Das Buch bleibt mitunter oberflächlich und erhebt trotz eines umfassenden Quellenverzeichnisses keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit.

Fazit

Das Buch sei als Einstieg in die Debatte allen empfohlen, die nach der Ausrufung der „Zeitenwende“ nach einer Orientierung suchen – und noch mehr all jenen, die sich zu sicher darin sind, dass „die Demokratie“ und „unsere Werte“ mit Waffengewalt verteidigt werden müssen.

Literatur

Groh, Kathrin (24.2.2025): Kriegsdienstverweigerung im Kriegsfall verboten. Verfassungsblog. https://verfassungsblog.de/kriegsdienstverweigerung-kriegsfall-bundesgerichtshof/ (abgerufen am 25.4.2025). DOI: 10.59704/​6953d1b2aa43d087

Rezension von
Martina Pistor
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ISSN 2190-9245