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Hubert Kolling: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte

Rezensiert von Danielle Schramm, 09.09.2025

Cover Hubert Kolling: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte ISBN 978-3-947665-06-8

Hubert Kolling: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. hpsmedia GmbH (Nidda) 2025. 328 Seiten. ISBN 978-3-947665-06-8.
Who was who in nursing history Band 11 .

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Thema

Florence Nightingale oder Liliane Juchli – diese Namen sind in der Pflegegeschichte weithin bekannt. Doch sie bilden nur die sichtbare Spitze eines großen Eisbergs. Zahlreiche weitere Persönlichkeiten, die maßgeblich zur Entwicklung und Professionalisierung der Pflege beigetragen haben, sind hingegen kaum bekannt. Das „Biographische Lexikon zur Pflegegeschichte“ möchte diese Lücke schließen. Mit dem inzwischen elften Band des im 2–4 jährlichen Tonus erscheinenden Lexikons wird erneut verdeutlicht, wie groß die Zahl derjenigen ist, deren Lebenswege und Wirken es wert sind, dokumentiert und in Erinnerung gehalten zu werden. Den Leser:innen eröffnet sich eine historische Zeitreise, die nicht nur das Verständnis für pflegerische Entwicklungen vertieft, sondern auch Bezüge zur Gegenwart herstellt – mitunter sogar zu Persönlichkeiten aus dem eigenen regionalen Umfeld.

Herausgeber

Der Herausgeber Hubert Kolling, geboren 1960, ist Absolvent einer dreijährigen Ausbildung zum Krankenpfleger und eines Studiums in Erziehungswissenschaften und Politikwissenschaften, wobei er sein Doppelstudium als Diplom-Pädagoge und promovierter Diplom-Politologe abschloss. Zuvor hatte er einen Zivildienst und einige Berufserfahrung vorangestellt.

Zu seinen Forschungsinteressen gehören neben der Lokal- und Regionalgeschichte auch die historische Pflegeforschung, wozu er zahlreiche Beiträge, unter anderem in der von ihm mitbegründeten Fachzeitschrift „Geschichte der Pflege“ (heute: „Geschichte der Gesundheitsberufe“) veröffentlichte.

Nachdem Hubert Kolling, der als Dozent im Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) arbeitet, bereits an den Bänden zwei und drei des von Horst-Peter Wolff (1934-2017) begründeten Lexikons intensiv mitgearbeitet hatte, obliegt ihm seit Band vier die Herausgabe.

An der Entstehung von Band elf haben neben dem Herausgeber neun weitere u.a. internationale Autor:innen mitgewirkt. Darin spiegeln sich nicht zuletzt auch die internationalen pfleghistorischen Persönlichkeiten des Nachschlagewerks wider.

Entstehungshintergrund

Das „Biographische Lexikon zur Pflegegeschichte“ basiert auf einem außeruniversitär organisierten Projekt, dem (bisher) keinerlei finanzielle oder institutionelle Unterstützung zur Verfügung steht. Die Entstehung der Bände basiert somit vollständig auf dem ehrenamtlichen Engagement und erheblichen persönlichem Einsatz der Mitwirkenden. Angesichts des Umfangs und der Qualität der Ergebnisse ist dieses Engagement besonders hervorzuheben, da es einen substanziellen Beitrag zur Wissensdokumentation und -vermittlung leistet.

Aufbau

Als „Biografisches Lexikon“ bietet der elfte Band der Reihe im Anschluss an das sehr informative und sehr gut in die Thematik sowie Relevanz einleitende Vorwort des Herausgebers, in alphabetischer Reihenfolge 66 Biogramme von Frauen und Männern, die einen signifikanten Einfluss auf die pflegerische Versorgung und deren Weiterentwicklung hatten. Zudem wird den Leser:innen abschließend eine Gesamtübersicht aller verfügbaren 1500 Biogramme der gesamten Reihe dargeboten.

Inhalt

Exemplarisch sei hier die Biografie der erstgenannten Persönlichkeit Erna von Abendroth (1887-1959) herausgegriffen. In zwei Seiten zeichnet die Autorin Juana González Fresnedo das Leben und Wirken von Erna von Abendroth nach:

  • Geburtsort und schulische Ausbildung
  • beruflicher Einstige als Lehrkraft und Berufswechsel in die Krankenpflege
  • Hochschulstudium sowie persönliche Haltung und Vorstellungen zur Profession Pflege
  • Arbeit zur Förderung der Anerkennung und Professionalisierung der Pflege sowie den bereits damals bestehenden Hürden
  • berufspolitischer Hintergrund zur Gründung der Dresdner Schwesternschaft
  • wie sie die Bildung durch ein neues Grundausbildungskonzept revolutionierte
  • Auslandsaufenthalt und Standortwechsel
  • wo ihr Wirken noch heute in der Profession Pflege spürbar ist

Obwohl in der Literatur nicht immer genaue Motive für alle Entwicklungsaspekte wie bspw. den Berufswechsel aufzufinden sind, werden über den Tellerrand hinaus anhand der historischen Umständen Entscheidungsmotive diskutiert.

Charakteristisch für alle Beiträge des Lexikons ist die Einbettung biographischer Fakten in zeitgeschichtliche Zusammenhänge. Dadurch entsteht ein facettenreiches Bild, das über eine reine Aufzählung von Lebensstationen hinausgeht.

Diskussion

Band elf des biographischen Lexikons macht einmal mehr sichtbar, wie viele bislang wenig bekannte Persönlichkeiten wesentlich zur Entwicklung der Pflege beigetragen haben. Die präzise und kompakte Form der Biografien ermöglicht es, Entwicklungen und Kontexte nachvollziehbar darzustellen und vermittelt dabei immer wieder überraschende Einblicke. Für Leser:innen kann dies sowohl zu „Aha-Erlebnissen“ führen als auch zu einer neuen Nähe – etwa, wenn sich eine historische Figur als prägend für die Pflegegeschichte der eigenen Region erweist.

Die Stärke des Werkes liegt in seiner Kombination aus wissenschaftlicher „Kernarbeit“ (Kolling 2025, S. 10), komprimierter Darstellung und historischer Kontextualisierung. Besonders wertvoll sind zudem die Querverweise auf frühere Bände, die das Nachzeichnen von Netzwerken und Wechselwirkungen zwischen einzelnen Persönlichkeiten ermöglichen. Auf diese Weise werden nicht nur einzelne Lebenswege erfasst, sondern auch kollektive Entwicklungsprozesse in der Pflegegeschichte erkennbar.

Darüber hinaus bietet das Lexikon einen wichtigen Fundus, auf welchem weitere Forschung bspw. zu spezifischen Zeitabschnitten aufgebaut werden kann. Gleichzeitig stellt das Werk auch für Praktiker:innen im Pflege- und Gesundheitswesen einen Mehrwert dar, indem es die historische Verwurzelung aktueller Fragen zur Professionalisierung, Ausbildung und Berufspolitik aufzeigt.

Fazit

Der elfte Band des „Biographischen Lexikons zur Pflegegeschichte“ setzt die erfolgreiche Reihe in gewohnt hoher Qualität fort und klärt die Frage „Who was who in nursing history [?]“ in jeder einzelnen Biografie. Er bietet nicht nur eine zuverlässige Referenz für pflegehistorisch Interessierte, sondern macht auch bislang unbekannte pflegehistorische Persönlichkeiten sichtbar, deren Wirken bis in die Gegenwart nachhallt. Damit leistet das Lexikon einen wichtigen Beitrag zur Sichtbarmachung und Würdigung der Pflegegeschichte.

Rezension von
Danielle Schramm
B.Sc., Pflegefachperson, Studentin M.Sc. CHN/ANP
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Es gibt 1 Rezension von Danielle Schramm.

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ISSN 2190-9245