Theresia Amelang, Frank Michael Orthey: Train the Trainer
Rezensiert von Dipl.-Päd. Ines Polzin, 06.07.2026
Theresia Amelang, Frank Michael Orthey:Train the Trainer. Das Workbook: Kompetenzentwicklung für Trainerinnen und Moderatoren. managerSeminare Verlags GmbH (Bonn) 2025. 342 Seiten. ISBN 978-3-949611-39-1. D: 49,90 EUR, A: 51,30 EUR.
Reihe: Edition Training aktuell.
Thema
„Train the Trainer: Das Workbook“ – Kompetenzentwicklung für Trainerinnen und Moderatoren ist ein handfestes Entwicklungsbuch mit fortlaufenden Selbstlerneinheiten und diversen zusätzlichen Materialien (download). Es ist ein Buch von Praktiker:innen für Praktiker:innen und greift die Gestaltung des Anfang bis zum Ende eines Bildungsprozesses auf.
Autor:innen
Theresia Amelang und Frank Michael Orthey sind beide sehr erfahrene Pädagog:innen und senior professionals, die ihre Praxiserfahrungen verbinden und hier mit Berufskolleg:innen teilen.
Entstehungshintergrund
Amelang und Orthey befinden sich an unterschiedlichen Punkten ihres beruflichen Wirkens. Dieser große Wissens‑ und Erfahrungsfundus wird hier veröffentlicht und zur Ressource für die im Feld Moderation und Training Tätigen. Ihre Veröffentlichung ist wesentlich von systemischem Denken/Handeln geprägt.
Aufbau
Das Buch gliedert sich in fünf aufeinander aufbauenden Lernschleifen, „Loops“, die jeweils in sich einer inhaltlich wiederkehrenden Struktur („Workbook“ = einstimmende Aktivierung/Reflexion, kurze Arbeitsanweisung für Lesende; „Grundlagenimpulse“ = Theoretischer Input incl. Toolboxen) folgen und auch aufeinander beziehen. Vorausgeschickt werden Hinweise, wie Leser.innen sich die Inhalte gewinnbringend aneignen können, und es finden sich spezifische Literaturhinweise sowie ein Stichwortverzeichnis. Hinzu kommen vertiefende Downloadmaterialien Print/podcast. Alle Kapitel sind mit Grafiken angereichert und lenken den Fokus. Jeder Loop schließt mit einer „Transferwerkstatt: My Case-Praxisprojekt“, die selbstreflexiv die vorherigen Inhalte ergänzen, vertiefen, anreichern, für den persönlichen Gebrauch handhabbar machen soll. Idealerweise enthält das My Case-Praxisprojekt einen echten Arbeitsauftrag, der während der Lektüre durch die Kapitelinhalte modifiziert wird.
Loop 1 – Lernen und Methoden
Loop 2 – Konzeptentwicklung
Loop 3 – Gruppendynamik und herausfordernde Situationen
Loop 4 – Modelle für die Trainer:innen-Persönlichkeit
Loop 5 – Gut abschließen und Transfer sichern
Inhalt
Amelang und Orthey folgen einem integrierten Lernansatz zur Sicherstellung von Transfer. Exemplarisch werden hier die Loops 3 (Gruppendynamik und herausfordernde Situationen) und 4 (Modelle für die Trainer:innen-Persönlichkeit) näher betrachtet.
Die Autor:innen stellen in Loop 3 anschaulich und reflexiv für die Leser.innen die typischen Geschehnisse und Abläufe (Gruppendynamiken) in Lernsituationen, eingebettet in den Kontext verschiedener theoretischer Schulen und die damit einhergehenden Herausforderungen für Trainer:innen vor. Sie kommen zu dem Schluss, dass sich perspektivisch die Trainertätigkeit stetig erweitert „Denn beraterische Arbeit macht einen zunehmend größeren Anteil unserer Rollentätigkeit aus – erkennbar an der nicht immer angemessenen Verwendung des Coaching-Begriffs in unseren Kontexten.“ (S. 162) Grundlagen des Coachings und das GROW-Coaching-Modell werden vorgestellt. Ein weiterer Schwerpunkt ist das Thema Konflikte im Lernsetting mit all seinen damit verbundenen Implikationen. Sowohl beim Thema Coaching als auch beim Thema Konflikte, finden sich in der digital abrufbaren Toolbox Deep Dives diverse für die Praxis nutzbare Hinweise, Frageformulierungen, Grafiken, Leitfäden, vertiefende Hintergrundinformationen. Das Faktenwissen wird klar und prägnant erkennbar präsentiert (Grafische Gestaltung, farbliche Hervorhebungen).
Loop 4 schlägt den Bogen zu der eigenen Haltung und dem professionellen Tun, indem für die eigene Rolle als Trainer:in Kommunikationsmodelle zu Rate gezogen werden. Ein eklektisches Vorgehen zur bewußte(re)n Wahl der eigenen Rolle beinhaltet, sich an drei Modellen quasi zu bedienen und das persönlich Stimmige zu kreieren. Die Modelle sind: systemisches Denken, Beraten und Leiten, die Transaktionsanalyse. Die Grundgedanken der Systemik werden prägnant vorgestellt (Beobachterabhängigkeit von Wirklichkeit, Zirkularität, Perspektivenerweiterung, Autopoiesis, Ressourcen‑ und Lösungsorientierung, Nicht‑ Trivialität) und in Bezug zur Trainingstätigkeit gesetzt. Zentral ist dabei das Modell des Führens im Fünfeck, das Orthey entwickelt hat und als Grundlage für die Vertiefung auch der Frage nach der Trainerpersönlichkeit nutzt: „Für Trainerinnen, Moderatoren und Führungskräfte bedeutet dies konkret, sich mit möglichst vielen Positionen auszustatten, die unterschiedliche Perspektiven eröffnen.“ (S. 231) Und: „Alles andere, was von außen so daherkommt, zum Beispiel „Führung“, ist nicht mehr, aber auch nicht weniger als die Störung der Autopoiesis.(herv. Im Original) Trainer, Moderatorinnen und Führungskräfte werden damit zu „Störkräften“.“ (S. 232) Das Leiten und Führen im Fünfeck – die fünf Seiten sind besetzt durch die Aspekte Beziehung, Aufgabe, Organisation, Kultur, Umwelt und Person. Der Faktor Person bildet die Basis des Fünfecks und damit auf die Trainer:innen, Moderator:innen und deren Entwicklung und deren Selbstführung. Alle Aspekte durchlaufen Entwicklungen und bestimme die Handlungsfelder für Leitung und Führung. Die möglichen Bedeutungen in der Praxis werden exemplarisch konkretisiert. Auf einer tieferen Ebene des Fünfecks werden die entsprechenden Führungsstile beschrieben, die als Möglichkeiten zur Verfügung stehen und individuell entwickelt werden können, um flexibler, fluider vorzugehen als evtl. bislang. Es geht um die Erweiterung der eigenen Kompetenzen in Einklang mit einer persönlichen Entwicklung und Haltungsveränderung. Des weiteren wird die Transaktionanalyse, ihre wesentlichen Grundlagen und ihr Anwendungsnutzen in der Kommunikation, ihre Prinzipien und Methoden vorgestellt: sie ist sehr hilfreich beim konstruktiven Umgang mit destruktiven Dynamiken in Settings wie Seminar und Training. Eine Checkliste mit Auswertung zu den eigenen inneren Antreibern schließt den Loop 4 zu Modellen für Trainer.innen ab.
Diskussion
Beim Schreiben dieser Rezension hatte ich Gelegenheit, den integrativen Lernansatz persönlich anzuwenden, indem ich weitestgehend den vorgeschlagenen Anweisungen zur Nutzung des Buches folgte. Zu Beginn erschien mir das Vorgehen ein wenig diffus, was sich aber sehr schnell änderte: Das Einlassen auf diese Arbeitsweise war zentral – es ist eben ein Workbook – und so sieht mein Rezensionsexemplar jetzt auch aus. Der Ansatz funktioniert. Das vermittelte Wissen ist fundiert, die Praxis wird durch theoretischen Input sehr verständlich angereichert. Das Buch hat einen sehr hohen Anwendungsnutzen und wird damit seinem Titel gerecht! Die aufgeräumte Darstellung/das Layout lassen einen das Wichtigste schnell erfassen/nachschlagen und schützen vor dem Versinken in einer Bleiwüste. Der Aufbau ist logisch und folgerichtig für die im einem Training/Seminar potentiell auftretenden Fragestellungen und Anforderungen an Profis. Hier werden sowohl Newcomer als auch Seniors fündig.
Fazit
In vier auf einander aufbauenden Lernschleifen wird die Kompetenzerweiterung für Trainer:innen/Moderator:innen sukzessive verfolgt und immer Wert auf den persönlichen Transfer in den eigenen professionellen Kontext gelegt. Es ergibt sich während der Arbeit mit dem Buch ein persönlicher Lernpfad, der sich fortlaufend weiter entwickelt. Theorie und Praxisbeispiele sind aufeinander bezogen und festigen das eigene Lernergebnis. Vertiefungsmaterial und Podcastfolgen sind als Download vorhanden.
Rezension von
Dipl.-Päd. Ines Polzin
Resilienzcoach und –Trainerin (zert. nach den Standards des Resilienzzentrums Osnabrück), zert. Mediatorin
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