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Bruce M. Hood: Glück

Rezensiert von Prof. Dr. Carl Heese, 29.08.2025

Cover Bruce M. Hood: Glück ISBN 978-3-406-82152-3

Bruce M. Hood: Glück. Was wir wissen und wie wir es erreichen : sieben Lektionen des führenden Glücksforschers. Verlag C.H. Beck (München) 2025. 249 Seiten. ISBN 978-3-406-82152-3. 25,00 EUR.

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Autor

Bruce Hood ist Professor für Entwicklungspsychologie an der Universität von Bristol.

Entstehungshintergrund

Im Vorwort berichtet Hood von der Entstehung seines Buches. Es geht auf eine erfolgreiche Kursreihe mit dem Titel „The Science of Happiness“ zurück, die Hood wiederholt angeboten hat. Seine Begleitforschung zu diesen Veranstaltungen hat bei den Teilnehmern einen deutlichen Zugewinn an Wohlbefinden belegt. Wie er später im Buch erwähnt, traf das aber nur für diejenigen zu, die kontinuierlich mit seinen Anleitungen gearbeitet haben.

Inhalt

In der Einleitung unterscheidet Hood Ego- und Allozentrismus und entwickelt die Grundthese, dass stärker allozentrisch zu denken und zu handeln mit mehr Glück verbunden ist. Die Begründung, warum Egoismus zu unbeständigem Glück führt, gibt Hood in den weiteren Lektionen an, vor allem in der sechsten und noch einmal kompakt in der darauffolgenden auf S. 213 f. Eine allozentrische Perspektive einzunehmen, ist eine reife Fähigkeit, die man im Laufe der Ontogenese entwickelt und die man durch Üben ausbauen kann. Entscheidend ist es dabei, ein ausgewogenes Verhältnis von Ego- und Allozentrismus zu finden. Eine gänzliche Aufgabe der Ego-Perspektive ist dem Wohlbefinden auch nicht zutunlich.

Es folgen sechs Lektionen, die als Übungsprogramm zur Förderung von Glück und Wohlbefinden zu verstehen sind. Die Titel machen dabei die Inhalte gut deutlich:

  • Lektion 1 Ändern Sie Ihr Ego
  • Lektion 2 Vermeiden Sie Isolation
  • Lektion 3 Stellen Sie keine unglücklichen Vergleiche an
  • Lektion 4 Werden Sie optimistischer
  • Lektion 5 Kontrollieren Sie Ihre Aufmerksamkeit
  • Lektion 6 Treten Sie mit anderen in Verbindung
  • Lektion 7 Das Gedankenkarussell stoppen

Für jede Lektion werden Untersuchungen und einschlägige Befunde aus der Allgemeinen, der Entwicklungs- und der Sozialpsychologie sowie aus der Neurowissenschaft ausgebreitet, mit denen einzelne Aspekte der jeweiligen Lektion beleuchtet werden.

Die Lektionen 2 und 6 sind thematisch nahe verwandt. In Lektion 2 wird die Hypothese vom sozialen Gehirn dargestellt, nach der die Gehirnentwicklung bei der Gattung der Menschen eine Folge der anspruchsvollen Ausbildung der Fähigkeit zur Entwicklung der Theory of Mind war. Mit ihrer Hilfe können sich Menschen in besonderer Weise aufeinander einstellen. Es folgen Befunde zur emotionalen Bindung zwischen den Menschen, wie sie die Bindungstheorie beschreibt, und ein Blick auf die Folgen eines frühen Mangels an primären Bindungspersonen. Die weiteren Abschnitte behandeln den buchstäblichen Schmerz der sozialen Ausschließung, den ‚sozialen Tod‘, die weit verbreitete Erfahrung von Einsamkeit als aktuelles Gesundheitsproblem ersten Ranges und die Bedeutung von Stress und Stressbewältigung in diesem Zusammenhang. Neben einer konkreten Übung zur Stressbewältigung wird auf die Psychologie der Hilfehandlung eingegangen. Der letzte Abschnitt dieser Lektion behandelt den übermäßigen Konsum sozialer Medien, der vulnerable Gruppen wie Kinder isolieren und unglücklich machen kann.

Lektion 6 nimmt das Thema von Lektion 2 wieder auf und erörtert weitere Faktoren, die die Menschen zueinander bringen oder davon abhalten, mit anderen in Kontakt zu treten. Hier wird zunächst die Rolle der Synchronisation durch gemeinsame Aktivitäten, prototypisch durch Musikmachen und Tanzen dargestellt. Das Vermögen der Einfühlung ist eine wesentliche Voraussetzung der Synchronisation, sie enthält aber für die Betreffenden ein erhebliches Risiko der emotionalen Verausgabung und kann zur Erschöpfung (compassion fatigue) führen. Weniger identifikatorisch als Einfühlung ist dagegen das Mitgefühl, durch das ebenfalls enge Verbindungen zu anderen hergestellt werden können. Es wird ein Training des Mitgefühls vorgestellt, das mit der Loving-Kindness Meditation und Gesprächsübungen, in denen die verletzliche Seite der Teilnehmer gezeigt wird, arbeitet. Auch kulturelle Faktoren spielen eine Rolle für das Miteinander der Menschen. So erreichen freundlich-kooperative Kulturen, in denen ein hohes Maß an institutionellem Vertrauen herrscht, einen höheren Glücksgrad als kompetitiv-individualistische. Schließlich geht es um Vorurteilsstrukturen, die die Einzelnen davon abhalten, in Kontakt zu anderen zu treten, wie die Annahme, mit Kontaktversuchen als aufdringlich zu erscheinen, oder die häufig irrige Vermutung, weniger gemocht zu werden.

Jeder Lektion ist eine kleine Liste mit Glücksübungen angeschlossen. Die Grundlage der Übungen wird in den vorhergehenden Abschnitten entwickelt. Für weitere empirisch gesicherte Übungen wird auf die Seite des Greater Good Science Center der UC Berkeley verwiesen: https://ggia.berkeley.edu/.

In einem Nachwort erzählt Hood von seinem Hobby, dem Münzensuchen. Für ihn ist es spannend und sicher auch gesund, wenn er mit einem Metalldetektor über die Felder zieht. Aber der Fund einer alten römischen Münze macht ihn glücklich, weil sie ihn mit Menschen in Verbindung bringt, die vor zweitausend Jahren gelebt haben.

Diskussion

Das Buch ist ein gelungenes Beispiel für eine umfassendere Darstellung eines Kapitels der Positiven Psychologie. Mit der Positiven Psychologie fremdeln viele Fachvertreter, weil sie bei ihr zu wenig empirische Absicherung und eine zu große Nähe zu küchenpsychologischen Universalrezepten vermuten. Die Positive Psychologie arbeitet aber mit seriösen Methoden und hat ein sinnvolles Anliegen. Sie zielt auf Resilienzförderung und entwickelt Möglichkeiten, wie sich individuelles, aber auch institutionelles Wohlbefinden verstärken lässt. Zudem verbindet sie ihr Programm mit einer Dekonstruktion der Krankheitsideologie, mit der zunehmend alle Problemlagen etikettiert werden. Den Stand der Entwicklung der Positiven Psychologie berichtet die dritte Auflage des ‚Oxford Handbook of Positive Psychology‘ [1] ausführlich. Darin werden auch Forschungsdefizite offengelegt, die bei einer nur drei Jahrzehnte überspannenden disziplinären Entwicklung auch kaum verwundern können.

Hood berichtet in der Einleitung von seiner eigenen anfänglichen Skepsis gegenüber dieser Forschungsrichtung, die er aber bei näherer Kenntnis abgelegt hat. Er ist sich mit den seriösen Autoren dieser Richtung einig, dass Wohlbefinden und Glück nicht mit einfachen Rezepten und ohne Anstrengung zu haben sind, und er hat dazu auch selbst Befunde erarbeitet, die diese Einschätzung bestätigen.

Mit den praktischen Glücks-Übungen, die im Buch vorgestellt werden, bedient Hood auf ironische Weise die Vorurteile gegenüber der Positiven Psychologie. Die Übungen werden vielen Lesern sicher zum Teil schon einmal untergekommen sein, nur stehen sie in dem Buch nicht als bloße Rezepte, sondern als Anwendungen von komplexen und spannenden Forschungen zur Entwicklung von Persönlichkeit in einem sozialen Umfeld, die individuelles und kollektives Glück als Ergebnis der Entwicklungsarbeit verstehen lässt. Zu Ihrer Erläuterung gräbt Hood recht tief. So spart er auch etwas anspruchsvollere theoretische Unterscheidungen und einige methodologische Erklärungen nicht aus. Als Entwicklungstheoretiker greift er auch immer wieder auf evolutionspsychologische Überlegungen zurück, um auch die Entwicklung der Spezies in seiner Argumentation zu berücksichtigen. Auf diese Weise bedient er praktische Interessen und lädt gleichzeitig zu vielfältigen theoretischen Überlegungen ein. Kein Wunder, dass Hoods Kurse, die seinem Buch zugrunde liegen, so beliebt waren, auch wenn er sie extracurricular angeboten hat.

Mit diesen Vorzügen könnte das Buch als alternative Einführung in die Psychologie Verwendung finden. Statt einer systematischen Behandlung der üblichen Kernthemen der Disziplin steht hier der Beitrag der Psychologie zu dem – oder zumindest zu einem – zentralen Handlungsziel der Menschen im Mittelpunkt.

Fazit

Wunderbar gelungenes Buch, mit dem der Autor zeigt, welche Fülle von Forschungen zum Thema ‚Glück‘ die Psychologie zu bieten hat und wie diese sich auch praktisch nutzen lässt.


[1] Snyder, C.R./Lopes, S.J./Edwards, L. M. and Marques, S.C. (2021). The Oxford Handbook of Positive Psychology. Third Edition. Oxford University Press.

Rezension von
Prof. Dr. Carl Heese
Professur für Rehabilitation an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg
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Es gibt 40 Rezensionen von Carl Heese.

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ISSN 2190-9245