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Hilmar Hoffmann (Hrsg.): Studien zur Qualitätsentwicklung von Kindertagesstätten

Rezensiert von Dipl.-Päd. Elke Katharina Klaudy, 22.06.2002

Cover Hilmar Hoffmann (Hrsg.): Studien zur Qualitätsentwicklung von Kindertagesstätten ISBN 978-3-472-04164-1

Hilmar Hoffmann (Hrsg.): Studien zur Qualitätsentwicklung von Kindertagesstätten. Luchterhand Verlag (München) 2001. 196 Seiten. ISBN 978-3-472-04164-1. 10,00 EUR.

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Zum Thema

Im Zuge der Qualitätsdiskussion wird von Kindertageseinrichtungen gefordert, dass sie sich verändern müssen. Bei gleichen bzw. gekürzten Rahmenbedingungen sollen ihre Angebote besser, effizienter, kundenorientierter, situativer, reflektierter, vernetzter undundund werden. LeiterInnen und ErzieherInnen fühlen sich häufig mit diesen Anforderungen allein gelassen. Sind sie wirklich allein dafür zuständig?

Die Autorinnen und Autoren

Adolf, Petra: Diplom-Pädagogin, Referentin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg. Herausgeberin von Kita-Aktuell

Cloos, Peter: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sozialpädagogik, Erwachsenenbildung und Pädagogik der frühen Kindheit der Universität Dortmund

Drescher, Ina: Diplom-Sozialwissenschaftlerin und Referatsleiterin Forschungsförderung der Hans-Böckler-Stiftung

Hoffman, Hilmar (Hrsg): Studienrat im Hochschuldienst am Seminar für Pädagogik der Universität zu Köln.

Inhaltliche Gestaltung

In der Expertise "Studien zur Qualitätsentwicklung von Kindertageseinrichtungen", die im Auftrag der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft erstellt wurde, stellt der Herausgeber Hilmar Hoffmann fest, dass nicht allein die Kindertageseinrichtungen für die pädagogische Prozessqualität verantwortlich sind. Weitere Einflusssegmente aus dem System Kindertageseinrichtungen wirken auf die pädagogische Prozessqualität und bestimmen sie im erheblichen Maße. Mit Hilfe der Zusammenfassung aktueller Einzelstudien zeigt dieses Buch auf, dass sich eine wirkliche Weiterentwicklung in Kindertageseinrichtungen nur dann vollziehen kann, wenn alle Teile des Systems als Lernorte genutzt werden.

Entwicklung der Kindertageseinrichtungen: Von der Institutionen- zur Feldperspektive

Das erste Kapitel stellt einen einleitenden Problemaufriss zum Thema Qualitätsentwicklung in Kindertageseinrichtungen dar. Dazu betont Hilmar Hoffman, "... dass ein Paradigmenwechsel in der Qualitätsdiskussion selbst notwendig ist, nämlich von der reinen Institutions- und Konzeptanalyse der Tageseinrichtung hin zu einer sich vernetzenden Perspektive auf das gesamte Feld."(S.7) Resümierend betont er, dass die Logik der Praxis in den Kindertageseinrichtungen nicht allein betrachtet werden kann, da sie von anderen Logiken umgeben ist, z.B. von der der Fachpolitik, Aus- und Fortbildung von ErzieherInnen und LehrerInnen, von der Logik und Praxis der Bezugswissenschaften und von dem Verhältnis von ArbeitnehmerInnen und ArbeitgeberInnen.

Ist doch alles eins! Oder: Was ist Fachlichkeit? Theoretische Überlegungen zu einem scheinbar ungelösten Problem in der Qualitätsdebatte.

Was macht Fachlichkeit aus? Da diese Frage weitgehend ungeklärt ist, erörtert Hilmar Hoffmann allgemeine Probleme hinsichtlich des Fachlichkeitsbegriffs im Rahmen der Qualitätsdebatte. Er verweist er auf ein divergierendes Fachlichkeitsverständnis zwischen dem, was in den Kindertageseinrichtungen gedacht und getan wird und den Forderungen, die von außen gestellt werden. Bei der Untersuchung publizierter Hilfen zur Definition (z.B. Netzwerk Kinderbetreuung der Europäischen Kommission), Messung (Kindergarteneinschätzskala) und Organisation (Colibri als Beispiel für die Anwendung von ISO 9000ff), ob diese und wie weit sie die Anforderungen an Kindertageseinrichtungen selbst betrachten und in welcher Form das Fachpersonal einbezogen wird, zeigt sich, dass keines der Materialien Fachlichkeit explizit definiert. Die abschließende Betrachtung von Fachlichkeit als Definitionsproblem verweist auf das gegenseitige Bedingungsgefüge von Fachlichkeit und Qualität und den Bedarf an empirisch fundierten Erklärungen.

Die Ausbildung der AusbilderInnen. Zum Studium des Lehramtes an Fachschulen/Fachakademien für Sozialpädagogik

Peter Cloos und Hilmar Hoffman widmen sich in diesem Kapitel der Ausbildung der AusbildnerInnen, da ihre Professionalität einen entscheidenden Einfluss auf den Qualitätsgrad der Auszubildenden hat. Der Vergleich der Studiengänge für LehrerInnen an den Studienorten Bamberg, Bremen, Chemnitz, Dortmund und Lüneburg offenbart grundsätzliche Probleme innerhalb der Ausbildung und verdeutlicht ihre strukturelle und inhaltliche Heterogenität. Es werden die Schwierigkeiten aufgezeigt, die auftreten, die unterschiedlichen Dimensionen des Studiums zwischen wissenschaftlichen, schul- und berufspraktischen Elementen befriedigend auszuballancieren.

Ausbildung und beruflicher Habitus von Erzieher/innen

Neuere empirische Erkenntnisse zur Professionalisierung von ErzieherInnen verdeutlichen, dass der ErzieherInnenberuf auch weiterhin unter dem massiven Druck steht, seine eigene Professionalisierbarkeit zu beweisen. Peter Cloos stellt anhand der Auswertung biografisch-narrativer Interviews erste Erkenntnisse zur beruflichen Habitualisierung von ErzieherInnen vor, die über die vorliegenden Erkenntnisse quantitativer Studien hinausreichen. Er zeigt auf, dass Wissen nur in der Verknüpfung mit der jeweiligen pädagogischen Situation, d.h. durch den reflexiven Umgang in der Praxis in wirkliches Wissen überführt wird. Bezogen auf das Verhältnis von Ausbildungswissen und fachspezifischem Wissen kommt er zu dem Schluss, dass das Projekt der Professionalisierung des ErzieherInnenberufs an immense Grenzen stößt. Er bekräftigt, dass weitere Studien zur Klärung darüber benötigt werden, ob und wie weit der ErzieherInnenberuf überhaupt professionalisierbar ist und ob "… der bislang wenig theoretisch und empirisch unterfütterte Begriff ªFachlichkeit´ für diesen Beruf ein sinnvolles, alternatives begriffliches Werkzeug darstellen kann." (S.128)

Fachlichkeit durch Fortbildung

In immer kürzeren Abständen wird der jeweilige Wissenstand durch neue Erkenntnisse und Anforderungen auf den Prüfstand gestellt. ErzieherInnen müssen ihr Fachwissen ständig aktualisieren, um den wandelnden Anforderungen und strukturellen Bedingungen sowie Modernisierungsbestrebungen kompetent begegnen zu können. Da Fortbildung grundsätzlich mit dieser Entwicklung konfrontiert ist, geht Petra Adolph in ihrem Beitrag der Frage nach, wie ein Fortbildungsmodell aussehen kann, dass zu einer Erhöhung von Fachlichkeit im Sinne eines reflektierten Handelns von ErzieherInnen führt. Ausgehend von theoretischen Erklärungen für bewusstes fachliches Handeln verdeutlicht sie, wie durch die Modifizierung Subjektiver Theorien eine Effektivitätssteigerung von Fortbildungen für ErzieherInnen erreicht werden kann. Der Lösungsansatz wird anschließend mit der Auswertung eines wissenschaftlich begleiteten Pilotprojektes zur Fortbildung von ErzieherInnen in Württemberg belegt, der versucht hat, Elemente des hypothetischen Stufenmodells aufzugreifen.

Im Interesse dienstleistender Frauen - Mitbestimmung von Erzieherinnen

Anhand einer explorativen Studie widmet sich Ina Drescher der beruflichen Mitbestimmung von ErzieherInnen. Im Fokus der Betrachtung steht die Frage, ob das duale System der Mitbestimmung im Bereich der sozialen Dienstleistungen ebenso funktioniert wie in den klassischen Industriezweigen. Da es sich bei Tageseinrichtungen für Kinder um ein überwiegend von Frauen besetztes Berufsfeld handelt, berücksichtigt die Strukturanalyse insbesondere weibliche Interessen. Sie zeigt Möglichkeiten und Grenzen der Mitbestimmung im öffentlichen und kirchlichen Trägerbereich auf.

Zwischen Glauben und Wissen: Ungelöste Probleme des Situationsansatzes und seiner Betrachtung.

Der letzte Beitrag von Hilmar Hoffmann befasst sich mit dem Wissenschaftsbereich selbst durch die Präsentation von Ergebnissen einer Analyse zur Diskussion um den Situationsansatz. Datenbasis bilden Zeitschriften, Aufsätze und Monographien, die sich dem Situationsansatz widmen. Der Beitrag kommt zu dem Schluss, dass die Wissenschaft nicht zu praxisfern ist, sondern vielmehr zu praxisnah. Dadurch entsteht eine ständige Vermischung zwischen den Funktionen, wissenschaftliches Wissen bereit zu stellen und Beratung für Kindertageseinrichtungen zu leisten. Häufig wird auch vernachlässigt, dass die Praxis eine eigene Logik besitzt, die es erst einmal zu erforschen gilt.

Fazit

"Studien zur Qualitätsentwicklung" mit seinen gut lesbaren und aufschlussreichen Beiträgen eignet sich in besonderem Maße für Studierende, Fachleute aus Wissenschaft, Ausbildung und Praxis und andere Interessierte, die sich mit der Qualitätsentwicklung in Tageseinrichtungen für Kinder und der Fachlichkeit von ErzieherInnen befassen bzw. befassen möchten.

Die Beiträge leisten einen aktuellen wissenschaftlichen Beitrag zur Diskussion um die Qualität von Tageseinrichtungen für Kinder und verweisen auf weiteren Wissensbedarf im jeweils vorgestellten Teilsegment. Dazu resümiert Hilmar Hoffman in seiner einleitenden Betrachtung, dass eine genaue Betrachtung der unterschiedlichen Logiken notwendig wird, "… wenn man bei einer Reformierung eine andere Logik anerkennt, nämlich, dass in einem System eine Reform letztlich am effektivsten ist, wenn man ihre Teilsysteme einbezieht." (S.13)

Rezension von
Dipl.-Päd. Elke Katharina Klaudy

Es gibt 42 Rezensionen von Elke Katharina Klaudy.

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ISSN 2190-9245