Christine Klarer El-Wadia: Die Kita als interkultureller Ort
Rezensiert von Alexandra Großer, 31.12.2025
Christine Klarer El-Wadia: Die Kita als interkultureller Ort. Handlungssicher in der kultur- und religionssensiblen Arbeit. 44 Karten mit Fallbeispielen und Praxisideen für interkulturelle Kompetenz. Bildkarten & Begleitheft.
Don Bosco Verlag
(München) 2025.
44 Seiten.
Reihe: Mein Beruf - meine Kita.. Don Bosco Bildkarten für Ausbildung, Teamentwicklung & Qualitätsmanagement.
Thema
In der Kita treffen viele unterschiedliche Kulturen und Religionen zusammen. Ob im Team oder in den Kindergruppen. Die Begleitbroschüre greift das Thema kultur- und religionssensible Arbeit in der Kita auf, gibt Hintergrundinformationen und führt in die Arbeit ein. Das Kartenset bietet pädagogischen Fachkräften Praxisimpulse für die Umsetzung im Alltag. Leitungen, Fachberatungen, Fort- und Weiterbildner*innen finden im Kartenset vielfältige Methoden zur Reflexion, Diskussion und Auseinandersetzung im Team. Die methodischen Impulse helfen eine gemeinsame kultur- und religionssensible Haltung zu entwickeln und konzeptionell zu verankern.
Autor:in oder Herausgeber:in
Christine Klarer El-Wadia hat Erziehungswissenschaften, Indologie und Germanistik studiert. Sie ist Dozentin und Referentin in der Fort- und Weiterbildung für Kitas mit dem Schwerpunkt interkulturelle und interreligiöse Bildung an der eventus AKADEMIE in Berlin.
Aufbau und Inhalt
Das Kartenset besteht aus einem Begleitheft, 44 Methodenkarten und umfassendes Onlinematerial zum Download mit einem Code auf den Seiten des Verlags. Das Onlinematerial enthält Informationen, Aushänge und Spielanleitungen zu den verschiedenen vorgestellten Impulsen. Von den 44 Karten enthalten 22 Karten Methoden und Impulse für den Austausch und die Reflexion im Team. Die weiteren 22 Karten enthalten verschiedene Bildungsangebote zur Umsetzung in der Kita. Auf den Vorderseiten der Karten sind das Thema der einzelnen Bildungsbereiche, Symbole und Fotos abgedruckt, die thematisch zur Rückseite passen. Auf der Rückseite sind Informationen, Methodenanleitungen beziehungsweise Praxisideen beschrieben. Jeder Themenbereich hat eine eigene Farbe und eigene Symbole. Während sich die Teamimpulskarten farblich (grün, blau und lila) unterscheiden, unterscheiden sich die Karten mit den Bildungsangeboten (rotbraun) durch verschieden Schattierungen der Grundfarbe.
Das Kartenset enthält acht Karten mit Methoden zur Entwicklung einer Kultur- und religionssensible Haltung. Hier finden sich beispielsweise Impulse zum Austausch über den Begriff Kultur sowie über die eigene religiöse Prägung und Spiritualität. Mit einem Kommunikationsspiel lädt die Autorin ein über verschiedene kulturelle Landkarten nachzudenken und mit dem „Werteranking-Bingo“ zur Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Werten im Team.
Mit den sieben Karten zu Team und Konzeption veranlasst Christine Klarer El-Wadia Teams sich mit der Qualität der pädagogischen Arbeit und Gestaltung einer kultur- und religionssensiblen Pädagogik zu beschäftigen. Die Karten enthalten beispielsweise Impulse, um sich mit der eigenen Vielfalt im Team auseinanderzusetzen und religionssensiblen Arbeit in der Kita sichtbar zu machen sowie diese in der Konzeption zu verankern.
Die sieben Karten zu Pädagogische Handlungssituationen umfassen sieben Fallbeispiele, die zum „Nachdenken, Reflektieren und Diskutieren“ (S. 17) einladen. Mit den Praxisbeispielen werden verschiedene Aspekte, wie beispielsweise religiöse Lebenswelten und Vielfalt sowie positiver Rassismus in den Blick genommen.
Die 22 Karten zur praktischen Arbeit in der Kita enthalten vier Bildungsangebote zur Wertschätzung der Familiensprache, fünf Praxisideen zur Vielfalt der Lebenswelten, neun Bildungsangebote zu einzelnen Weltreligionen und vier Bildungsangebote zur Partizipation der Eltern „als Expert*innen ihrer Religionen und Kulturen“ (S. 19).
Die 22 Karten enthalten verschiedenen Praxisideen, um beispielsweise die Sprachen und Kulturen der Kinder und deren Familien in der Kita sichtbar zu machen. Mit den Bildungsangeboten zu den fünf Weltreligionen Buddhismus, Christentum, Hinduismus, Islam und Judentum, erhalten pädagogische Fachkräfte Erklärungen zu einzelnen Festen, wie Chanukka, den Palmsonntag, zu Ramadan oder Holi, das Fest der Farben. Dazu gibt es einzelne Umsetzungsideen für die Praxis. Mit Eltern partizipieren stellt die Autorin verschiedene Möglichkeiten vor, wie Eltern und Kinder eingebunden werden können, um von ihrer kulturellen und religiösen Lebenswelt zu erzählen und in der Kita sichtbar zu machen.
In der Begleitbroschüre erläutert Christine Klarer El-Wadia zunächst die Grundlagen kultur- und religionssensibler Arbeit in der Kita. Sie geht auf die Herausforderungen ein, die damit einhergehen. Oftmals sind pädagogische Fachkräfte verunsichert, wenn es um „ethische, kulturelle oder religiöse Themen“ (S. 5) geht. Auch wenn der Ansatz der Lebensweltorientierung in Kindertageseinrichtungen „konzeptionell verortet ist“ (S. 6) und die Kinder und ihre Familien ihre religiöse und kulturelle Lebenswelt mit in die Kita bringen, herrscht oft Handlungsunsicherheit bei den pädagogischen Fachkräften. Die Autorin geht in diesem Kontext auch auf den Unterschied zwischen der „kultursensiblen Pädagogik bzw. Bildung“ (S. 7) und dem „Ansatz der interkulturellen Pädagogik“ (ebd.) ein. Während die interkulturelle Pädagogik die „Interaktion zwischen verschiedenen Kulturen“ (ebd.) in den Fokus nimmt, stellt die kultur- und religionssensible Pädagogik die „individuelle kulturelle Lebenswelt“ (ebd.) der Kinder und Familien in den Mittelpunkt. In der religionssensiblen Pädagogik geht es vor allem darum, die religiöse Vielfalt der Kinder anzuerkennen und wertzuschätzen, „ohne selbst religiös zu lehren“ (S. 9). Im Zusammenhang mit der religionssensiblen Pädagogik stellt die Autorin „sechs Handlungsgrundsätze für die religionssensible Arbeit in Kindertagesstätten“ (S. 10) von Judith Weber vor. Diese ermöglichen es pädagogischen Fachkräfte die kulturelle und religiöse Lebenswelt der Kinder wertzuschätzen, ihr offen zu begegnen und damit einen wichtigen Beitrag zu Identitätsentwicklung der Kinder zu leisten. Christine Klarer El-Wadia zeigt auf, welche Kultur- und religionssensiblen Kompetenzen pädagogischer Fachkräfte eine besondere Rolle in diesem Bildungsbereich spielen. Im Anschluss erläutert die Autorin die Ziele sowie den Einsatz und die Anwendung der Methodenkarten. Des Weiteren finden die Leser*innen weiterführende Literatur zu den verschiedenen Weltreligionen.
Diskussion
Mit der Begleitbroschüre erhalten die Leser*innen Hintergrundinformationen zur kultur- und religionssensiblen Arbeit. Sie erfahren, welche Ziele mit diesem Bildungsbereich, wie er in vielen Orientierungs- und Bildungsplänen der Bundesländer enthalten ist, verbunden sind. Christine Klarer El-Wadia teilt das Kartenset in 22 Impulse für die Arbeit im Team und 22 Praxisideen bzw. Bildungsangebote für die Umsetzung in der Praxis ein. Damit erhalten Teams die Gelegenheit sich im Team mit dem Thema kultur- und religionssensibler Pädagogik auseinanderzusetzen, gemeinsam zu reflektieren, eine gemeinsame Haltung zu entwickeln und diese in der Konzeption zu verankern. Zugleich bekommen sie Ideen, wie sie die Vielfalt der Familien und Kinder in der Kindertageseinrichtung sichtbar machen können, als auch praktische Ideen, die sich leicht und schnell im Alltag umsetzen lassen.
Das Kartenset ist auch für Fachberatungen, Fort-, Weit- und Erwachsenenbildner*innen interessant, die mit Teams oder auch offenen Formaten in der Fort- und Weiterbildung arbeiten. Manche Methode muss zwar dafür leicht abgewandelt werden, da die Karten hauptsächlich Teams ansprechen. Auch wenn die Autorin, die Impulse so gestaltet hat, dass sie in Präsenz durchgeführt werden, können diese auch Online verwendet werden. Die Methoden sind so beschrieben, dass sie auch im Seminar spontan einsetzbar sind. Außer der Kommunikationsübung „Taxifahrer*in an Zentrale“. Hierfür sind die Stadtpläne zwingend notwendig, die über das Onlinematerial zur Verfügung stehen. Auch wenn diese Methode auf die individuelle kulturelle Landkarte abzielt, so ist diese Übung auch eine Übung, die in Teamentwicklungs- oder Führungskräftefortbildungen zum Themenbereich Kommunikation eingesetzt werden kann.
Das Kartenset setzt sich mit der kultur- und religionssensiblen Haltung und Kompetenzen auseinander. Ziel ist eine offene, wertschätzende Haltung gegenüber der Vielfalt der Lebenswelten der Kinder und ihre Familien zu entwickeln und in der Kita zu leben. Kinder, die erleben, dass ihre Kultur und Religion, ihre Sprachen in der Kita sein dürfen, erleben diese als Ressource, und werden in ihrer Identitätsentwicklung unterstützt sowie in der Entwicklung ihrer Widerstandskraft gefördert. Zugleich fördert es das Verständnis untereinander, wenn die verschiedenen Kulturen und Religionen sichtbar sind und Raum in der Kita haben. Das Kartenset begleitet pädagogische Fachkräfte auf ihrem Weg den Bildungsbereich kultur- und religionssensible Pädagogik in der Kita umzusetzen als auch ihnen Handlungssicherheit zu geben. Es gelingt der Autorin pädagogische Fachkräfte alltagsnah und praxisorientiert auf diesem Weg zu begleiten. Die Impulskarten für die Teamarbeit geben den Teams die Gelegenheit sich mit Stereotypen als auch positiven Rassismus auseinanderzusetzen. Die eigenen Ängste und Sorgen zu kommunizieren und miteinander Lösungen zu finden.
Die Autorin betont mehrmals, dass es dabei nicht darum geht, Religion zu lehren, sondern die Kita als Lebensraum für Kinder und Familien mit ihren individuellen Kulturen und Religionen zu öffnen, Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu entdecken, mehr Verständnis für verschiedene Religionen und Kulturen zu erfahren, sich wertschätzend zu begegnen.
Fazit
Mit der Begleitbroschüre und dem Kartenset unterstützt die Autorin pädagogische Fachkräfte darin mehr Handlungssicherheit zu bekommen, Unsicherheiten abzubauen und Raum für Vielfalt zu schaffen. Fachberatungen, Fort- und Weiterbildner*innen bekommen praktische Methoden an die Hand, Teams auf dem Weg zu einer kultur- und religionssensiblen Pädagogik und Haltung zu begleiten.
Rezension von
Alexandra Großer
Fortbildnerin, päd. Prozessbegleiterin, systemische Beraterin
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