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Fabian Scheidler: Friedenstüchtig

Rezensiert von Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer, 29.12.2025

Cover Fabian Scheidler: Friedenstüchtig ISBN 978-3-85371-549-9

Fabian Scheidler: Friedenstüchtig. Wie wir aufhören können, unsere Feinde selbst zu schaffen. Promedia Verlagsgesellschaft (Wien) 2025. 144 Seiten. ISBN 978-3-85371-549-9. D: 18,00 EUR, A: 18,00 EUR.

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Ausnahmezustand – die neue Normalität?

Die Vision, Utopie oder Illusion, dass es der Menschheit (eines Tages) gelingen könne, einen „Ewigen Frieden“ herbeizuführen, ist angesichts der ego- und ethnozentristischen, kriegerischen, populistischen und faschistischen Entwicklung Hier und Heute obsolet und unerhört: Der „Ewige Friede“. Doch was würde aus den Individuen und Gemeinschaften, träten nicht immer wieder Menschen auf, die davon überzeugt sind, dass Frieden, Toleranz und Verständigung möglich sind – nicht durch Laissez-faire und Oblomowerei, sondern durch aktives Tun: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“(Kant); und Frieden als ganz menschliche Eigenschaft, als tiefverwurzelte Bindung an die Prinzipien der Freiheit, der Gerechtigkeit, der Gleichheit und der Solidarität zwischen allen Menschen (UNESCO; 1992).

Entstehungshintergrund und Autor

Unsere Welt ist eingeteilt in Gut und Böse. Kompromisse und Vereinbarungen sind Fremdwörter geworden, und Andersdenkende Feinde. Das „sogenannte Böse“ (Konrad Lorenz) ist nicht mehr das Vorhersehbare, Kalkulierbare und Beherrschbare den individuellen und kollektiven Daseins. Es sind allenthalben die Krisen und Katastrophen, die den Ausnahmezustand herbeiführen.

Der Autor und Journalist Fabian Scheidler setzt sich damit auseinander, wie die Kipppunkte in der Entwicklung der Menschheit entstehen, und wie der Umgang des Menschen mit sich und seiner Umwelt erklärbar und machbar wird. Es sind drei Herausforderungen, denen er sich ausgesetzt sieht: Das Ende der (wohlbehüteten und wahrgenommenen) westlichen, ökonomischen und kulturellen Hegemonie in der Welt; die lokal und global veränderte politische und weltanschauliche, demokratische Vormachtstellung und die erdhaften Bindungen im kosmischen Ganzen.

Aufbau und Inhalt

Die provokante Aussage, wir schüfen unsere Feinde selbst, bindet Scheidler in vier Kapiteln ein: Im ersten reflektiert er die „Logik des Krieges; im zweiten arbeitet er den „Ausnahmezustand als Regierungsform“ heraus; im dritten zeigt er auf, wie „die Feinde, die wir schufen“, wirklich sind; und im vierten Teil stellt er mit „Vernunft oder Selbstzerstörung“ Alternativen für eine neue, globale Friedensordnung vor.

Das „absolut Böse“ (George Orwell) ist oft genug das „banale Böse (Hannah Arendt). Weil Kriege von Menschen gemacht werden, müssen auch die Grundlagen des Friedens von Menschen entwickelt und verwirklicht werden. Wie Feinde entstehen, zeigt der Autor an aktuellen Beispielen und Vorkommnissen auf: Durch die Terroranschläge vom 11. September 2001 und vom 7. Oktober 2023; durch den russischen Krieg gegen die Ukraine; den Ausbruch der Corona-Pandemie; Kriege im Gaza, im Sudan und anderswo. Die Phänomene werden deutlich: „Die Feinde wechseln, der Krieg bleibt“. Die Waffen zu Pflugscharen umzuschmieden, war ein frommer Wunsch, die Aufrüstung jedoch das Ergebnis. Die nicht wirksam werdende Balance zwischen Gesinnungs- und Verantwortungsethik, die zum Ungleichgewicht und zum Nutzen der Waffenlobby und zu Gewinnen der Kriegsproduktion führt. Die Veränderungen – weg vom demokratischen, gemeinwohlorientierten Wohlfahrtsstaat hin zum kapitalistischen, autoritären, militarisierten Kriegsstaat – sind in vollem Gang.

Es sind die anerzogenen Einstellungen – „Dein Feind ist auch mein Feind“ – die den dialogischen, empathischen Erfahrungen widersprechen, wie dies Konrad Lorenz bei seinen Forschungen und Experimenten herausgefunden hat: Wenn du einen Freund aus einem fremden Volk hast, kannst du das Volk nicht hassen! Es ist das Bewusstsein, dass Frieden schaffen ohne Waffen auch bedeutet, dass Frieden auf der Erde Frieden mit der Erde bedingt.

Diskussion

Wenn dir jemand sagt: Das ist dein Feind! Schaue genau hin, wer das sagt. Denke selbst und lass keinen Ideologen oder eine falsche Macht für dich denken. Friedliches, freiheitliches, soziales und solidarisches Denken und Handeln ist Humanität und Anspruch an die Conditio Humana.

Fazit

Neben der Studie, „wie wir aufhören können, unsere Feinde selbst zu schaffen“, werden auch Beiträge des Autors abgedruckt, die in anderen internationalen Medien erschienen sind: Es sind Artikel über den Ukraine-Krieg, über den neuen deutschen Militarismus, über die kriminelle Geschichte der Nord Stream-Sprengung; und über den Spagat von Österreichs Neutralität und den Ukraine-Krieg. Es sind Wege und Perspektiven hin zu einer neuen Friedensordnung.

Rezension von
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Es gibt 1734 Rezensionen von Jos Schnurer.

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ISSN 2190-9245