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Ewa Materna: New Leadership und bedürfnisorientierte Führung

Rezensiert von Svenja Thome, 23.09.2025

Cover Ewa Materna: New Leadership und bedürfnisorientierte Führung ISBN 978-3-662-70832-3

Ewa Materna: New Leadership und bedürfnisorientierte Führung für eine zukunftsfähige Arbeitswelt. Erfolgreich führen und motivieren mit dem Driver-Ansatz. Springer Gabler (Wiesbaden) 2025. 151 Seiten. ISBN 978-3-662-70832-3. D: 44,99 EUR, A: 46,25 EUR, CH: 50,00 sFr.

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Thema der Publikation

Motivationspsychologisch fundiertes Personalmanagement: Ein neuer Leadership-Ansatz im Zeichen individueller Bedürfnisse und Werte.

Autorin

Mit über 25 Jahren Berufserfahrung in Management, Beratung, Training und Development sowie mehr als 15 Jahren in leitenden Positionen begleitet Ewa Materna international agierende Unternehmen bei der Entwicklung zukunftsorientierter HR-Strategien. Im Rahmen ihrer Tätigkeit hat sie sich auf den Bereich der KI-gestützten Personaldiagnostik und Personalentwicklung spezialisiert. Ihr besonderes Anliegen ist die Verankerung von Prinzipien des „New Leadership“ mit einem klaren Fokus auf individuelle Motive, Antriebe und Bedürfnisse von Mitarbeitenden. Als praxisorientierte Gestalterin von Veränderungsprozessen steht sie für lösungsorientierte Ansätze, deren Ziel die nachhaltige Verbesserung organisationaler Ergebnisse ist.

Entstehungshintergrund

Materna beleuchtet die Grenzen klassischer Führungsprogramme und plädiert für einen humanistischen, bedürfnisorientierten Ansatz im Personalmanagement. Ausgehend vom „Working Forever“-Konzept fordert die Autorin ein neues Verständnis von Führung, das individuelle Antriebe, Stärken und Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellt. Gerade vor dem Hintergrund veränderter Erwartungen der Generation Y, Z, und Millennials wird „New Leadership“ als zukunftsweisende Notwendigkeit verstanden. Führung soll nicht länger Aufgaben Menschen zuordnen, sondern Menschen für mehr Wirksamkeit, Motivation und nachhaltige Entwicklung so begleiten, dass Aufgaben zu ihnen passen.

Aufbau

Die Publikation ist in acht Kapitel gegliedert, eingerahmt von einem Vorwort mit Informationen zur Autorin sowie einem abschließenden Schlusswort. Die inhaltliche Struktur folgt einem systematischen Aufbau: Beginnend mit theoretischen Grundlagen werden zentrale Konzepte erläutert, die im weitern Verlauf durch Praxisbeispiele und konkrete Handlungsempfehlungen ergänzt werden. Einleitungen, Definitionen, thematische Überblicke und Anwendungsbeispiele sind in Merkkästen visuell hervorgehoben und erleichtern die Orientierung. Einige Kapitel enthalten zudem tabellarische Übersichten, die zentrale Inhalte und Empfehlungen strukturiert zusammenfassen. Kurze Kapitelüberblicke und Reflexionsfragen unterstützen den Wissenstransfer in die Praxis. Der insgesamt stringente Aufbau und die klare Sprache fördern sowohl die kontinuierliche Lektüre als auch das gezielte Nachschlagen spezifischer Inhalte.

Inhalte

Das Buch beginnt mit der Selbstreflexion und der Analyse persönlicher „Driver“ (Kap.1). Diese inneren Antriebskräfte – etwa Autonomie, Loyalität oder Prestige – bilden die Grundlage für intrinsische Motivation, Wohlbefinden und persönliche Entwicklung. Im Anschluss wird die Rolle des Managers in den Blick genommen (Kap. 2). Anstelle eines idealisierten „perfekten Leaders“ wird ein authentischer Führungsstil betont, der auf den individuellen Drivern basiert. Effektivität entsteht durch Selbsterkenntnis, Reflexion und eine Kultur des offenen Dialogs. Die Kapitel 3 bis 5 vertiefen die Bedeutung von Wahrnehmung und Interaktion im Team. Zentrale Punkte sind das Bewusstsein für den „blinden Fleck“ in der Beurteilung anderer (Kap. 3), die Rolle von Dialog, Achtsamkeit und gegenseitigem Verständnis für Motivation und Zusammenarbeit (Kap. 4), sowie die Gestaltung erfolgreicher Teams durch Vielfalt, komplementäre Stärken und bewusste Rekrutierung, die individuelle Driver berücksichtigt (Kap. 5). Kapitel 6 und 7 beschäftigen sich mit Motivation durch Ziele und Anerkennung. Ziele müssen klar, sinnvoll und auf die persönlichen Treiber der Mitarbeitenden abgestimmt sein. Die SMARTer-Methode ist hilfreich, muss jedoch um individuelle Diagnostik ergänzt werden. Feedback und Wertschätzung werden als zentrale Führungsinstrumente herausgestellt, da sie Motivation, Vertrauen und Leistung fördern. Abschließend behandelt das Buch den Umgang mit Arbeitsstress (Kap. 8). Stress entsteht vor allem, wenn Aufgaben, Kompetenzen und individuelle Treiber nicht in Einklang stehen. Dauerhafter Stress schwächt Motivation und Leistung. Daher sind präventive Maßnahmen wie angemessene Arbeitsbedingungen, realistische Ziele, offene Kommunikation und die Förderung einer unterstützenden Teamkultur entscheidend.

Diskussion

Die Autorin präsentiert ein innovatives, motivationspsychologisch fundiertes Führungskonzept, das konsequent auf individuelle Bedürfnisse („Driver“) und Selbstreflexion als Ausgangspunkt wirksamer Führung setzt. Besonders positiv fällt der hohe Praxisbezug auf: An zahlreichen Stellen greift Materna auf eigene Erfahrungswerte zurück, illustriert Konzepte durch Fallbeispiele und erleichtert so den Transfer in den Führungsalltag. Gleichzeitig bleibt die wissenschaftliche Einbettung mitunter undurchsichtig. Zwar wird wiederholt auf psychologische Grundlagen und Forschungsergebnisse verwiesen, doch bleibt häufig offen, auf welche Theorien der Verhaltenspsychologie, Motivationstheorie oder Managementwissenschaft sich die Autorin konkret stützt. Dies schmälert den wissenschaftlichen Anspruch und lässt das Konzept stellenweise eher erfahrungsbasiert als theoretisch fundiert erscheinen. Stärken und Schwächen zeigt auch der Anspruch konsequenter Bedürfnisorientierung: Einerseits eröffnet er neue Perspektiven für eine menschenzentrierte Personalentwicklung und greift aktuelle „New Leadership“ – Diskurse auf. Anderseits birgt er Risiken: Führungskräfte müssen stets Balance halten zwischen Nähe und Abgrenzung, zwischen individueller Rücksichtnahme und organisationalen Anforderungen. Zu starke Empathie kann die notwendige Autorität untergraben, während übermäßige Distanz die Beziehungsqualität gefährdet. Entscheidend ist daher ein situatives Austarieren. Besonders kritisch erscheint zudem die Frage der Implementierung. Die Diagnostik der individuellen „Driver“ erfordert erhebliche Ressourcen, methodische Kompetenz und eine Unternehmenskultur, die Offenheit und Selbstreflexion zulässt. Führungskräfte müssen dafür geschult werden, und Organisationen den entsprechenden Rahmen bereitstellen. Gerade in Non-Profit-Organisationen, die häufig unter stärkerem Kosten- und Personaldruck stehen, stellt sich die Frage, ob das Modell in dieser Form realistisch umsetzbar ist. Diese praktische Dimension wird im Buch zwar angedeutet, hätte aber noch deutlicher reflektiert werden können. Insgesamt überzeugt das Buch durch eine klare Haltung, die Wertschätzung und Sinnorientierung in den Mittelpunkt stellt. Doch gerade Führungskräfte mit wissenschaftlichem Hintergrund könnten sich eine präzisere Verankerung in etablierten Theorien wünschen. So bleibt die Publikation ein wertvoller Impulsgeber für die Praxis mit dem Vorbehalt, dass die theoretische Fundierung an einigen Stellen hinter den hohen Ansprüchen zurückbleibt.

Fazit

Maternas Werk liefert praxisnahe Impulse für eine empathische und wirksame Führung, die sich an den individuellen Bedürfnissen der Mitarbeitenden orientiert. Besonders empfehlenswert ist es für Führungskräfte und Mitarbeitende im Personalwesen (Human Resources), die für die Gestaltung von Teamangelegenheiten zuständig sind und konkrete Denkanstöße für eine menschenzentrierte Personalentwicklung suchen. Wer hingegen eine streng wissenschaftlich fundierte Abhandlung mit klaren theoretischen Bezugspunkten erwartet, wird hier weniger fündig.

Rezension von
Svenja Thome
staatlich anerkannte Erzieherin, Diplom Sozialarbeiterin / Sozialpädagogin
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Es gibt 1 Rezension von Svenja Thome.

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ISSN 2190-9245