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Margit Stein: Allgemeine Pädagogik

Rezensiert von Thomas Michels, 09.02.2026

Cover Margit Stein: Allgemeine Pädagogik ISBN 978-3-8252-6314-0

Margit Stein: Allgemeine Pädagogik. Mit 14 Abbildungen und 27 Tabellen, mit 56 Übungsaufgaben. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2024. 4., überarbeitete Auflage. 216 Seiten. ISBN 978-3-8252-6314-0. D: 39,90 EUR, A: 41,10 EUR, CH: 48,70 sFr.
Reihe: UTB - 3215. UTB basics.

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Thema

Die Monografie Allgemeine Pädagogik von Prof. Dr. Margit Stein richtet sich insbesondere an Bachelorstudierende, für die zentrale Begriffe wie Pädagogik, Sozialisation, Erziehung, Bildung und Lernen häufig Neuland sind und deren Abgrenzung eine Herausforderung darstellen kann. Das Werk bietet einen fundierten und verständlichen Einstieg in die Themenfelder der Pädagogik, der Sozialisation, der Erziehung, der Bildung und des Lernens. Außerdem unterstützt es die Zielgruppe dabei, beispielgeleitet, grundlegende Konzepte der Pädagogik leicht zu erfassen. Aktuellen Fragen der Vielfalt und der Inklusion, etwa im Hinblick auf kulturelle Unterschiede, besondere Bedürfnisse und Geschlechtergerechtigkeit, werden diskutiert, um die angehenden pädagogische Fachkräfte an den aktuellen Stand der Bildungsforschung heranzuführen.

Autor:in

Prof. Dr. Margit Stein ist promovierte und habilitierte Diplom-Psychologin und Diplom-Pädagogin. Das nötige Fachwissen zum Verfassen ihrer Monografie erlangte sie durch ihre Studien zur Diplom-Psychologin, Diplom- Pädagogin und Sozial- und Gesundheitspädagogin, sowie ihre Expertise aus ihrer Lehr-, Forschungs- und Arbeitstätigkeit an der Universität Vechta.

Entstehungshintergrund

Die Monografie von Prof. Dr. Margit Stein bietet nicht nur einen grundlegenden Einstieg in die Pädagogik und Erziehungswissenschaften, sondern thematisiert auch die aktuellen Lebenssituationen der Zielgruppen vor dem Hintergrund von Globalisierung und Mobilität. Besonders angesprochen sollen Studierende der Bachelorstudiengänge Lehramt, Pädagogik, Erziehungswissenschaften, Soziale Arbeit und Psychologie werden, für die das Werk eine Einführung in die allgemeine Pädagogik sein soll.

Aufbau

Das Buch ist in acht Kapitel untergliedert, die sich über insgesamt 206 Seiten erstrecken und einer stringenten didaktischen Aufbereitung folgen. Um den Leser:innen die Orientierung zu erleichtern, wird jedem Kapitel ein kompakter, etwa halbseitiger Überblick vorangestellt, der die thematischen Schwerpunkte und die jeweilige Binnengliederung skizziert. Den inhaltlichen Abschluss jedes Kapitels bildet eine prägnante Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte, die den Lernstoff effektiv bündelt. Ergänzend dazu dienen insgesamt 56 Übungsaufgaben, die an die theoretischen Ausführungen anschließen. So wird eine gezielte Überprüfung des Wissensstandes ermöglicht. Eine zusätzliche Lesehilfe bietet die optische Hervorhebung aller zentralen Begrifflichkeiten durch Fettdruck im gesamten Textverlauf.

Die inhaltliche Struktur des Buches ist zweigeteilt: In den ersten fünf Kapiteln werden die fundamentalen Themenfelder der Allgemeinen Pädagogik erschlossen, wobei die Bereiche Allgemeine Pädagogik, Sozialisation, Erziehung, Bildung sowie das Lernen im Fokus stehen. Jedes dieser Kapitel beginnt mit einer fundierten Begriffsdefinition und wird im weiteren Verlauf vor dem Hintergrund des modernen Lebensalltag, indem sich die Auswirkungen von Globalisierung und Mobilität zeigen, reflektiert.

Die letzten drei Kapitel bauen auf diesen Wissenstand auf, um den Diskurs um spezifische Zielgruppen und methodische Fragen zu erweitern. Hier werden Kinder und Jugendliche explizit als Adressat:innen pädagogischen Handelns hervorgehoben, gefolgt von einer lebensspannenübergreifenden Betrachtung, die von der Elementarpädagogik bis hin zur Geragogik reicht.

Den Abschluss bildet eine Einführung in die Forschungsmethoden, die aufzeigt, wie die Pädagogik ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse generiert.

Der Verständniszugang wird im gesamten Werk durch eine Vielzahl an Beispielen, Abbildungen und Tabellen unterstützt. Zur Lernzielkontrolle werden zudem innovative Wege beschritten: Über QR-Codes lassen sich zusätzliche Inhalte abrufen.

Inhalt

Die Autorin Margit Stein definiert in ihrem Werk die Pädagogik als eine integrative Erfahrungs- und Handlungswissenschaft, welche die Prozesse der Erziehung, der Bildung, des Lernens und der Sozialisation nicht nur theoretisch erklärt, sondern ebenfalls praktische Hilfestellungen für die Erziehungs- und Bildungsprozesse liefert. Nur das Zusammenspiel der vier Säulen- Sozialisation, Erziehung, Bildung und Lernen haben fundamentale Einflüsse auf die menschliche Entwicklung.

Eine zentrale Erkenntnis des Buches ist die heutige Vereinbarkeit ehemals gegensätzlicher wissenschaftstheoretischer Schulen- der geisteswissenschaftlichen, empirischen und kritischen Erziehungswissenschaften-, die als unterschiedliche Zugänge zur Erforschung der pädagogischen Realität begriffen werden können.

Die Sozialisation, welches den thematischen Inhalt des zweiten Kapitels darstellt, wird als ein lebenslanger und bidirektionaler Prozess der Persönlichkeit- und Identitätsbildung präsentiert. Ziel dieses Prozesses sei es, dass sich die Identität sowie die Fähigkeit zur gemeinsamen Handlungspraxis in sozialen Gruppen ausbildet. Zur theoretischen Erklärung zieht Stein den Strukturfunktionalismus heran, der Sozialisation als Hineinwachsen in Rollen betrachtet, während der Symbolische Interaktionismus die kommunikative Aushandlung dieser Rollen betont. Die ökologische Systemtheorie hingegen thematisiert das Zusammenspiel ineinandergreifender Systeme.

Zentrale These des dritten Kapitels ist, dass in der postmodernen Risikogesellschaft durch Faktoren wie Globalisierung und Mobilität sowohl die individuelle Identität als auch die gesellschaftliche Handlungspraxis gefährdet sind. Die Einflüsse der Primärinstanz Familie sowie der sekundären und tertiären Instanzen, Schule oder Arbeitswelt, werden dabei als entscheidende Faktoren für die Sozialisation angesehen.

Beim Grundbegriff der Erziehung handelt es sich um einen bidirektionalen Prozess, der sowohl direkt-intentional als auch indirekt-funktional ablaufen kann. Die Kindheit wird erst ab der frühen Neuzeit als eigenständige, schutzbedürftige Lebensphase wahrgenommen. Das Werk thematisiert kritisch den Missbrauch von Erziehung als repressive Manipulation und stellt diesem historische Gegenentwürfe gegenüber: die natürliche Erziehung bei Rousseau, die Erziehung vom Kinde aus der Reformpädagogik sowie die antiautoritäre Erziehung nach Neill. Ein wesentliches Ergebnis dieser Analyse ist der Wandel der Erziehungsziele weg von Konformität und Anpassung hin zu Selbstentfaltung und Emanzipation. Als wissenschaftlich besonders förderlich wird dabei der demokratisch-induktive Erziehungsstil identifiziert.

Im weiteren Verlauf wird Bildung als lebenslanger Prozess zur Erlangung von Mündigkeit definiert, wobei gefordert wird, dass Schulen neben kognitiven Kompetenzen verstärkt auch soziale Werte vermitteln müssen. Bezüglich der Lerntheorien wird die Erkenntnis vermittelt, dass behavioristische, kognitive und soziale Ansätze einander ergänzen, wobei insbesondere nicht-kognitiven Aspekten wie dem Fähigkeitsselbstkonzept und der Motivation eine Schlüsselrolle zukommt.

Ein wesentlicher inhaltlicher Mehrwert ist die Ausweitung der pädagogischen Perspektive auf alle Lebensalter. Das Buch zeigt auf, wie die Pädagogik bei spezifischen Entwicklungsaufgaben unterstützt von der Elementarpädagogik über die Schulpädagogik bis hin zur Geragogik und Sozialpädagogik. Den methodischen Abschluss bildet eine Einführung in die Forschungspraxis, die von der Operationalisierung von Hypothesen bis zur Anwendung qualitativer und quantitativer Methoden führt, um pädagogisches Erleben und Verhalten wissenschaftlich fundiert zu beschreiben und vorherzusagen.

Diskussion

Das Werk besticht durch seine systematische Verbindung von Theorie und Praxis. Die größte Stärke liegt in der ganzheitlichen Betrachtung der vier Säulen, die nicht isoliert, sondern als lebenslanger Prozess dargestellt werden. Besonders wertvoll ist die Integration moderner gesellschaftlicher Herausforderungen wie der sozialen Selektivität im Bildungswesen und der Identitätsbildung in der Risikogesellschaft. Damit bietet das Buch weit mehr als eine rein historische Rückschau; es liefert ein aktuelles Panorama der Erziehungswissenschaft.

Kritisch anzumerken ist jedoch die enorme theoretische Dichte. Auf engem Raum werden komplexe Modelle wie der Strukturfunktionalismus oder die ökologische Systemtheorie abgehandelt, was ohne Vorwissen eine hohe Einstiegshürde darstellen kann. Zudem führt die angestrebte Breite dazu, dass einzelne Praxisfelder nur skizziert werden, wodurch das Werk eher als fundierter Wegweiser, denn als detailliertes Handbuch fungiert. Auch bleiben die Analysen zum Schulsystem oft auf der kritischen Ebene stehen, während konkrete Handlungsanweisungen für den pädagogischen Alltag zugunsten der theoretischen Reflexion zurücktreten.

Zusammenfassend ist es ein gehaltvolles Basiswerk, das durch wissenschaftliche Präzision überzeugt, den Leser:innen jedoch eine intensive Auseinandersetzung mit abstrakten Konzepten abverlangt.

Fazit

Das Werk bietet eine systematische und wissenschaftlich fundierte Einführung in die zentralen Säulen der Pädagogik, wobei es die lebenslange Identitätsbildung in einer komplexen Risikogesellschaft besonders präzise herausarbeitet. Während die theoretische Tiefe und die integrative Sichtweise auf Erziehung und Sozialisation beeindrucken, fordert die hohe Abstraktion dem Lesepublikum ein beträchtliches Maß an Vorwissen ab. Insgesamt ist es ein exzellentes Orientierungswerk für alle Leser:innen, die eine fundierte theoretische Verortung pädagogischen Handelns suchen.

Rezension von
Thomas Michels
Chef de Service Pädagogie jeunes pompiers, Masterstudiengang Kindheits- und Sozialwis-senschaften HS Koblenz, Fachbereich Management und Beratung.
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Es gibt 1 Rezension von Thomas Michels.

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ISSN 2190-9245