Klaus Fröhlich-Gildhoff, Maike Rönnau-Böse: Resilienz
Rezensiert von Marina Lenk, 19.08.2025
Klaus Fröhlich-Gildhoff, Maike Rönnau-Böse: Resilienz.
Ernst Reinhardt Verlag
(München) 2024.
7., aktualisierte Auflage.
104 Seiten.
ISBN 978-3-8252-6313-3.
D: 17,00 EUR,
A: 17,50 EUR,
CH: 21,90 sFr.
Reihe: UTB - 3290. Psychologie, Pädagogik.
Thema
Die beiden Autoren des Buches Klaus Fröhlich-Gildhoff und Maike Rönnau-Böse stellen in ihrem Buch „Resilienz“ Konzepte und aktuelle Forschungsergebnisse zum Thema Resilienz kompakt dar. Relevante Themenbereiche im Zusammenhang mit Resilienz wie Risikofaktoren, Schutzfaktoren sowie Prävention und Salutogenese werden vorgestellt. Auch Maßnahmen und Programme zur Förderung der Resilienz von Kindern und Jugendlichen in Kindergarten und Schule werden praxisnah vorgestellt.
Autoren
Die beiden Autoren des Buches sind Prof. Dr. Klaus Fröhlich-Gildhoff und Prof. Dr. Maike Rönnau-Böse.Beide Autoren lehren und forschen an der Evangelischen Hochschule im Breisgau.
Weitere veröffentlichte Bücher der Autoren, welche im Ernst Reinhard Verlag erschienen sind:
- Fröhlich-Gildhoff, K.; Rönnau-Böse, M.: Prävention und Resilienzförderung in Kindertageseinrichtungen – PriK. Ein Förderprogramm, 5. Aufl., Ernst Reinhard Verlag, 2021
- Fröhlich-Gildhoff, K., Kerscher-Becker, J., Fischer, S.: Prävention und Resilienzförderung in Grundschulen – PriGS. Ein Förderprogramm, 2. Aufl., Ernst Reinhard Verlag, 2020
- Fröhlich-Gildhoff, K., Reutter, A., Schopp, S.: Prävention und Resilienzförderung in der Sekundarstufe I – PRIS. Ein Förderprogramm, Ernst Reinhard Verlag, 2021
Entstehungshintergrund
Ziel des Buches ist es, die grundlegenden Konzeptionen der Resilienz sowie der Resilienzförderung, mit Bezug auf empirischen Ergebnissen darzustellen. Vielfältige Erfahrungen der Autoren zur Umsetzung von Resilienzförderung in Schulen und Kindertageseinrichtungen fließen in das Buch mit ein. Entstanden ist das Buch aus den Zusammenhängen des Zentrums für Kinder- und Jugendforschung an der Evangelischen Hochschule Freiburg in Zusammenarbeit und intensiven Diskussionen mit den beiden Autoren und weiteren Teammitgliedern.
Aufbau und Inhalt
Das kleinformatige Taschenbuch umfasst insgesamt 104 Seiten und beinhaltet neben der Einleitung und dem Hauptteil einen Anhang mit Glossar, Literaturverzeichnis und Sachregister. Der Hauptteil ist unterteilt in 5 Kapitel, welche im Folgenden kurz dargestellt werden.
1. Kapitel: Resilienz – Definitionen und Merkmale
Im Kapitel 1 werden relevante Begriffe zum Thema Resilienz definiert, sowie die Merkmale der Resilienz dargestellt. Resilienz wird im Kapitel 1 hervorgehoben als „dynamischer Anpassungs- und Entwicklungsprozess“. Es zeigt sich somit, dass eine Resilienz nicht angeboren ist, sondern sich im Laufe der Lebensspanne weiterentwickelt. Des Weiteren gibt Kapitel 1 einen kompakten Überblick über die geschichtliche Entwicklung der Resilienzforschung und hebt die bekanntesten Resilienz-Studien inklusiv deren Ergebnisse hervor, wie die Kauai-Studie oder die Bielefelder Invulnerabilitätsstudie. Im Kapitel werden Definitionen, Merksätze sowie weiterführende Literatur zur besseren Übersicht, extra ausgewiesen und sind farblich abgehoben.
2. Kapitel: Risiko- und Schutzfaktoren – ein Wechselwirkungsprinzip
Im zweiten Kapitel zeigen die Autoren das Wechselwirkungsprinzip von Risikofaktoren und Schutzfaktoren der Resilienz bei Kindern auf. Beim Risikofaktorenkonzept werden zwei Hauptmerkmale unterschieden:
- Vulnerabilitätsfaktoren
- Risikofaktoren bzw. Stressoren
Zu den Vulnerabilitätsfaktoren zählen z.B. chronische Erkrankungen, genetische Faktoren, Frühgeburtlichkeit oder unsichere Bindungsorganisation etc.
Zu den Risikofaktoren bzw. Stressoren zählen z.B. elterliche Trennung oder Scheidung, niedriges Bildungsniveau der Eltern, Mobbing, soziale Isolation der Familie etc.
Je nach Entwicklungsphase, können sich diese Risikofaktoren bei Kindern entwicklungsgefährdend auswirken.
Auch das Schutzfaktorenkonzept wird nochmal unterteilt in:
- Schutzfaktoren
- Förderliche Bedingungen
In einem Merksatz zu den Schutzfaktoren schreiben die Autoren:
„Die Wirkung von Schutzfaktoren zeigt sich erst, wenn Krisen oder Belastungen auftreten. Der wesentlichste Schutzfaktor, der am stärksten zu einer gelingenden, seelischen Entwicklung beiträgt und viele Risikofaktoren abpuffern kann, ist eine stabile, wertschätzende, emotional warme Beziehung zu einer (erwachsenen) Bezugsperson.“ (Fröhlich-Gildhoff, Rönnau-Böse, 2024, S. 33)
Die benannten Schutzfaktoren und Risikofaktoren der Resilienz stehen in einer Wechselbeziehung zueinander.
Die Wechselwirkung zwischen beiden wird im Kapitel 2 anhand eines Fallbeispieles erklärt und tabellarisch gegenübergestellt.
Im Abschluss des Kapitels 2, wird auf die wissenschaftlichen Resilienzmodelle eingegangen. Die drei Resilienzmodelle, welche in der Wissenschaft unterschieden werden, sind:
- Der variablenbezogene Ansatz
- Der personenzentrierte Ansatz
- Der entwicklungspfadbezogene Ansatz
Auch im Kapitel 2 werden Merksätze, Definitionen und weiterführende Literaturhinweise gesondert ausgewiesen und farblich hervorgehoben.
3. Kapitel: Resilienzfaktoren – personale Ressourcen
Im Kapitel 3 stellen Fröhlich-Gildhoff und Rönnau-Böse die Resilienzfaktoren, als personale Ressource, welche im Laufe des Lebens erworben werden können und somit nicht genetisch bedingt sind, in den Mittelpunkt und betrachten diese eingehend.
Es konnten in Studien verschiedene Faktoren, sog. Resilienzfaktoren identifiziert werden, welche eine schützende (protektive) Wirkung haben, um die Widerstandskraft von Kinder gegenüber Belastungen zu stärken und um die Bewältigungsfähigkeit bei Krisen zu verbessern. Zu diesen persönlichen Resilienzfaktoren zählen beispielsweise:
- ein positives Selbstkonzept
- eine optimistische Lebenseinstellung
- Empathie
- Kreativität
- Hobbys
- Aktive Bewältigungsstrategien etc.
Zusammenfasend wurden sechs personale Kompetenzbereiche, welche sich in den verschiedenen Studien gezeigt haben, herausgearbeitet, da sie von besonderer Relevanz sind für die Stärkung und Entwicklung der eigenen Resilienz bei Kindern.
Diese sechs Kompetenzbereiche werden im Kapitel 3 dargestellt, mit Fallbeispielen und Merksätzen untermalt bzw. kompakt zusammengefasst. Diese sechs Kompetenzbereiche, welche sich stärkend auf die eigene Resilienz auswirken, sind:
- Selbst- und Fremdwahrnehmung
- Selbstwirksamkeit
- Selbststeuerung
- Soziale Kompetenz
- Problemlösefähigkeit
- Adaptive Bewältigungskompetenz
Ein Merksatz in Kapitel 3, zur Problemlösefähigkeit lautet:
„Resiliente Kinder haben gelernt, sich realistische Ziele zu setzen; sie trauen sich, Probleme direkt anzugehen und kennen dafür Problemlösungsstrategien; sie sind in der Lage, verschiedene Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln.“ (Fröhlich-Gildhoff, Rönnau-Böse, 2024, S. 58)
4. Kapitel: Prävention – Bedeutung und Wirkung
Im Kapitel vier gehen die beiden Autoren auf den Begriff der Prävention ein und unterscheiden die unterschiedlichen Präventionskonzepte. Außerdem stellen sie den Forschungsstand und die Anforderungen an Präventionsmaßnahmen dar.
5. Kapitel: Praxis – Programme und Kurse zu Prävention und Resillienz
Fröhlich-Gildhoff und Rönnau-Böse zeigen im Kapitel 5 verschiedene praktische Maßnahmen und Programm zur Resilienzförderung bei Kindern auf.
Programme zur Resilienzförderung sind Maßnahmen, welche eine Stärkung der Schutzfaktoren zum Ziel haben. Es wurden laut der beiden Autoren nur Programme ausgewählt und ins Buch mit aufgenommen, bei welchen eine Effektivität belegt werden konnte und aus dem deutschsprachigen Raum kommen. Unterschieden wird dabei in Präventionsprogramme für Kinder bis zu sechs Jahren, Programme für Schulkinder und für Jugendliche.
Zu diesen Präventionsprogrammen für Kindern in den ersten sechs Lebensjahren zählen:
- Papilio
- EFFEKT (Entwicklungsförderung in Familien: Eltern und Kindertraining)
- PRIK (Kinder stärken! Prävention und Resilienzförderung in Kindertageseinrichtungen
Zu den Präventionsprogrammen für Schulkinder zählen:
- Fit und stark fürs Leben
- Grundschule macht stark! – Resilienzförderung in Grundschulen
Zu den Präventionsprogrammen für Jugendliche zählen:
- Fit for Life
Zum Abschluss wird kurz auch noch auf unterschiedliche Unterstützungsprogramme für erwachsene Bezugspersonen eingegangen.
Diskussion
Die Autoren Fröhlich-Gildhoff und Rönnau-Böse beschreiben in ihrem Buch zum einen die Grundlagen von Resilienz und die historischen Wurzeln der Resilienzforschung. Der Titel des Buches „Resilienz“ gibt allerdings keinen Hinweis darauf, dass es sich thematisch nur mit der Stärkung und Erforschung der kindlichen Resilienz befasst. Lediglich der Klappentext gibt dazu Hinweise. Das Buch kann als Grundlagenwerk verstanden werden, zur Unterstützung für Fachkräfte in Schulen und Kindertageseinrichtungen.
Fazit
Das Buch „Resilienz“ stellt in einer sehr kompakten Darstellungsweise die wichtigsten Grundlagen, Informationen, Forschungsergebnisse und Präventionsmaßnahmen für die kindliche Resilienz dar. Das Fachbuch kann als Grundlagenwerk für Ausbildung und Studium von Fachkräften im Bereich der Schulen und Kindertageseinrichtungen genutzt werden. Es dient auch als Einstiegsliteratur im Bereich Resilienz um sich einen Überblick zu verschaffen welche Bausteine eine wichtige Rolle spielen beim Aufbau der seelischen Widerstandskraft und welche Faktoren dabei eine stärkende und präventive Rolle spielen bzw. welche wissenschaftlichen Studien es im Bereich der Resilienzforschung gibt.
Quelle
Fröhlich-Gildhoff, K.; Rönnau-Böse, M. (2024): Resilienz, 7. Auflage, Ernst Reinhardt Verlag, München
Rezension von
Marina Lenk
Gesundheits- und Pflegemanagerin (B.A.), Pflegeberaterin §7a SGB XI, Fachkrankenschwester für Anästhesie- und Intensivpflege, Palliative-Care-Fachkraft, Betriebliche Gesundheitsmanagerin, freiberufliche Fachautorin und Dozentin
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