Tina Geldmacher, Angela Graumann: "Das ist doch einfach nur Scheisse ... um es mal auf den Punkt zu bringen!"
Rezensiert von Mag. Dagmar Bojdunyk-Rack, 16.12.2025
Tina Geldmacher, Angela Graumann: "Das ist doch einfach nur Scheisse ... um es mal auf den Punkt zu bringen!". Wie Jugendliche ihre Trauer erleben. OVIS Deutschland GmbH (Großburgwedel) 2023. 191 Seiten. ISBN 978-3-910552-02-9. D: 20,00 EUR, A: 20,60 EUR.
Thema
Wie Jugendliche Trauer erleben – ein Lesebuch für Jugendliche.
Autorinnen
Bei den Autorinnen des vorliegenden Titels handelt es sich um Tina Geldmacher und Angelika Graumann. Tina Geldmacher ist Sozialpädagogin, Trauerbegleiterin und systemische (Familien-)Beraterin. Angela Graumann ist freischaffende Fotografin und Künstlerin.
Entstehungshintergrund
In Rahmen eines Projekts wurden Interviews mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die vom Tod eines nahestehenden Menschen betroffen waren, geführt. Jedes Interview wurde von Angela Graumann fotografisch begleitet, die Fotos zeigen die Ressourcen der Jugendlichen in dieser Lebensphase.
Aufbau
Im Mittelpunkt stehen acht unkommentierte Interviews mit betroffenen Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Diese geben einen Einblick, wie sie mit ihrer Trauer umgehen, was ihnen hilft oder auch nicht. Ergänzt werden die Gespräche durch kurze Kapitel, in denen auf Trauer im Jugendalter eingegangen wird. Diese wenden sich sowohl an die jungen Menschen, sind aber auch für Erwachsene hilfreich.
Inhalt
Wenn Jugendliche trauern, weil ein nahestehender Mensch gestorben ist, erleben sie oft Gefühle, die sie selbst kaum einordnen können: Leere, Wut, Trauer, Einsamkeit, Schuld oder Überforderung. Gleichzeitig sind sie in einer Lebensphase, in der alles im Umbruch ist. Viele Jugendliche wirken nach außen so wie immer“, obwohl in ihrem Inneren meist alles durcheinander ist.
In den acht unkommentierten Interviews erzählen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen zunächst, wer gestorben ist – ihre Mutter, ihr Vater, der Bruder, die Schwester oder eine enge Freundin, ein enger Freund. Sie beschreiben, wie sie vom Tod erfahren haben, von dem Moment, der ihre Welt schlagartig verändert hat.
Im weiteren Verlauf sprechen die Jugendlichen offen darüber, welche Gefühle sie seitdem begleiten. Die Spannbreite reicht von tiefer Traurigkeit über Wut, Schuldgefühle bis hin zu einer Art Leere, in der sie gar nichts mehr fühlen konnten, und Gleichgültigkeit. Manche berichten, dass sie funktioniert haben, weil Schule, Ausbildung, Freundschaften weiterliefen wie bisher, während innerlich alles stillstand. Andere erzählen, wie sie versuchten, stark zu wirken, um ihre Familie nicht zusätzlich zu belasten.
Ein wichtiger Teil der Interviews sind auch die Erinnerungen an die verstorbene Person: kleine Alltagsmomente, besondere Rituale oder bedeutsame Gespräche. Diese Erinnerungen sind für die Jugendlichen oft zugleich Trost und Schmerz, denn sie halten die Verbindung lebendig, machen aber auch deutlich, was fehlt.
Zentral ist außerdem der Blick darauf, wie das Umfeld reagiert hat: Viele berichten, dass Menschen in ihrem Umfeld unsicher und ausweichend waren, den Todesfall „totgeschwiegen“ haben. Andere erzählen, wie wichtig es für sie war, wenn jemand einfach zugehört hat und da war, ohne zu bewerten oder Ratschläge zu geben.
Schließlich sprechen die Jugendlichen darüber, welche Veränderungen der Todesfall ausgelöst hat. Viele beschreiben, wie die Lücke im Alltag spürbar bleibt: beim Aufstehen, an Feiertagen, in Gesprächssituationen oder bei Entscheidungen, bei denen die Meinung des/der Verstorbenen wichtig wäre.
Diskussion
Dieses Buch zeichnet sich dadurch aus, dass es kein Buch ÜBER, sondern FÜR Jugendliche ist. Die unkommentierten Interviews machen das Buch ehrlich und geben einen Einblick in das Leben der Betroffenen nach dem Tod eines nahestehenden Menschen.
Es entsteht ein vielschichtiges Bild davon, wie Jugendliche Trauer erleben – nicht linear, nicht einheitlich, sondern voller Gegensätze, Brüche, Rückschritte und trotzdem dem Leben zugewandt. Zentral ist die Botschaft, dass es kein richtiges oder falsches Trauern gibt, weil jeder Mensch auf seine ganz eigene Weise fühlt, erinnert und mit dem Verlust umgeht.
Fazit
Empfehlenswert nicht nur für betroffene Jugendliche und junge Erwachsene, sondern für alle, die sich dem Thema Tod auseinandersetzen möchten. Es ist aber auch für Eltern, Lehrkräfte, Berater*innen zu empfehlen - als Hilfe, Jugendliche und ihre Gefühle besser zu verstehen, mit ihnen in Kontakt zu treten und sie sensibel zu begleiten. Es ist ein Buch über das Sterben, über den Tod, vor allem aber über das Leben an sich.
Rezension von
Mag. Dagmar Bojdunyk-Rack
Geschäftsführerin RAINBOWS-Österreich
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