Heidi Magerl: Das Taschenbuch für Trauerbegleiter
Rezensiert von Marina Lenk, 25.09.2025
Heidi Magerl: Das Taschenbuch für Trauerbegleiter. Für alle, die trauernde Menschen begleiten und ihnen hilfreich sein möchten. der hospiz verlag Caro & Cie. oHG (Stuttgart) 2025. 116 Seiten. ISBN 978-3-946527-68-8. D: 14,90 EUR, A: 15,40 EUR.
Thema
Die Autorin des Buches Heidi Magerl stellt in ihrem Buch „Das Taschenbuch für Trauerbegleiter – für alle, die trauernde Menschen begleiten und ihnen hilfreich sein möchten“ Grundlagenwissen zu den Themen Trauer, Trauerbegleitung und einfühlsamer Umgang mit trauernden Menschen vor. Die Autorin beschreibt auf dem Klappentext ihr Taschenbuch selbst als einen „unverzichtbarer Leitfaden“ für Trauerbegleiter.
Autoren
Autorin des Buches ist Heidi Magerl, Sozialpädagogin und Supervisorin. Sie ist bereits seit vielen Jahren in der Begleitung und Beratung von Trauernden tätig und konnte hierbei vielfältige Erfahrungen in diesem Bereich sammeln. Außerdem arbeitet sie in der Bildung und Supervision von Hospiz- und Palliative Care Fachkräften. Weitere Informationen zur Autorin und ihrer Tätigkeit findet man auch auf ihrer Website.
Entstehungshintergrund
Das Taschenbuch dient als Leitfaden und Orientierungshilfe für alle Menschen, welche Trauernde begleiten oder ihnen beistehen möchten. Das Buch ist Wissensvermittler, sensibilisiert für verschiedene Herausforderungen, welchen Trauernden ausgesetzt sind. Außerdem soll es die Begleitenden ermutigen, sich auf die Menschen in Trauer einzulassen, sie zu unterstützen und die eigene Selbstfürsorge dabei nicht zu vergessen.
Die Autorin schreibt dazu in ihrem Vorwort: „Eigentlich braucht es nicht viel, um Trauernde in die Mitte der Gesellschaft zurückzuholen. Es ist keine Wissenschaft und jeder von uns kann es lernen. Es ist ein natürliches, mitmenschliches Geschehen als Teil einer sorgenden Gemeinschaft. Dieses Buch möge einen Beitrag dazu leisten.“ (Magerl 2025, S. 7)
Aufbau und Inhalt
Das kleinformatige Taschenbuch umfasst insgesamt 111 Seiten. Es beinhaltet neben der Einstimmung und dem Literaturverzeichnis, sieben Hauptkapitel. Die Hauptkapitel werden jeweils noch einmal in vier oder fünf Unterpunkte unterteilt.
1. Kapitel: Zur Motivation Trauernde zu begleiten
Im Kapitel 1 wird auf folgende vier Bereiche eingegangen:
- Der Wunsch, Werte in die Welt zu bringen
- Der Wunsch nach Selbstwirksamkeit
- Erwartungen, Wünsche und Befürchtungen
- Sich selbst als Begleiter-Persönlichkeit entdecken
Im ersten Kapitel des Buches geht die Autorin darauf ein, was einen Trauerbegleiter auszeichnet und was es bedeutet als Trauerbegleiter Menschen in einem sehr schwierigen Lebensabschnitt zu begleiten. Im Bereich der Trauerbegleitung spielt auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit und einer Selbstreflexion eine wichtige Rolle. Dazu dienen am Ende des Kapitels verschiedene Fragen, wie:
- „Was ist mein persönliches Motiv, Menschen in ihrer Trauer zu begleiten?
- Kann ich mich abgrenzen, und habe ich eine gute Selbstsorge?“ (Magerl, H., 2025, S. 19)
2. Kapitel: Was Sie über Trauer wissen sollten
Im zweiten Kapitel erfährt der Leser Grundlegendes zur Trauer. Trauermodelle werden vorgestellt und auf die Bedeutung verschiedener Gefühle wie Traurigkeit, Angst, Enttäuschung, Hoffnung, Verzweiflung und Einsamkeit in der Trauer wird eingegangen. Auch Schuldgefühle können in der Trauer eine Rolle spielen. Was man unter erschwerter bzw. komplizierter Trauer versteht, wird am Ende des Kapitels außerdem noch erklärt.
3. Kapitel: Was Sie über trauernde Menschen wissen sollten
Heidi Magerl stellt im dritten Kapitel dar, was in trauernden Menschen vorgeht, in welche tiefe Krise sie durch ihre Trauer gestürzt werden. Was trauernde Menschen in ihren Verlustenerfahrungen durchleben wie z.B. Verlust eines Kindes, Verlust eines Partners, Verlust der Eltern wird im Weiteren beschrieben. Lebensfragen, welche auch zur Selbstreflexion des Lesers dienen, werden im weiteren Verlauf des Buches aufgegriffen. Zu diesen Lebensfragen gehören z.B.:
- „Wie soll ich allein weiterleben?
- Kann ich den unfassbaren Schmerz aushalten?
- Wie soll ich mit dieser Krisensituation zurechtkommen?“ (Magerl, H., 2025, S. 51)
Zum Abschluss des Kapitels wird noch beleuchtet, wie Kinder mit dem Thema Trauer umgehen und was trauernde Kinder brauchen.
4. Kapitel: Was in der Begegnung mit Trauerenden wichtig ist
Die Autorin stellt im vierten Kapitel dar, wie eine Begegnung mit Trauernden gut gelingen kann, welche Faktoren hierfür vor allem eine große Rolle spielen. Kommunikation, Gesprächsführung und eine personenzentrierte Haltung sind auch bei der Trauerbegleitung ein wichtiger Begleiter. Nach Carl Rogers sind die drei Grundvariablen der personenzentrierten Haltung in der Gesprächsführung:
- Empathie
- Wertschätzung
- Echtheit
Die einzelnen Begriffe werden im Verlauf des Kapitels noch weitere dargestellt.
5. Kapitel: Mein Verlustintegrations- und Entwicklungsmodell
Im fünften Kapitel stellt Heidi Magerl ein von ihr selbst entwickeltes Modell vor. Das Verlustintegrations- und Entwicklungsmodell für Trauerende. Dieses Modell beinhaltet fünf Herausforderungen, welchen Trauerenden in ihrem Trauerprozess begegnen. Heidi Magerl hat das Modell durch viel Erfahrungsarbeit bei der Begleitung von trauernden Menschen entwickelt.
In ihren eigenen Trauerbegleiter-Ausbildungen verwendet sie das Modell, um den angehenden Trauerbegleitern die Möglichkeit zu geben, sich mit den Verlusterfahrungen auseinanderzusetzen. Die einzelnen Bereiche des Modells werden im weiteren Kapitel einzeln dargestellt und weiter ausgeführt.
6. Kapitel: Wie Sie als Begleiter gut für sich selbst sorgen können
Im sechsten Kapitel beschreibt die Autorin Heidi Magerl zum einen die Resilienz und inneren Kraftquellen der Trauernden. Den Zugang zu ihren eigenen Kraftquellen verlieren Trauernde häufig, zumindest vorübergehend. Bei der Trauerbegleitung kommt es vor allem auch darauf an, die Trauernden zu unterstützen, wieder zu ihren eigenen Kraftquellen zu finden.
Auch die Begleitenden müssen auf ihre eigenen Belastungsgrenzen und Ressourcen achten. Die Trauerbegleitung erfordert ein hohes Maß an Empathie von den Begleitenden und kann auch zu einer sogenannten „Empathie-Müdigkeit“ führen, wenn Trauerbegleiter ihre persönlichen Grenzen überschreiten und die persönlichen Bedürfnisse vernachlässigt werden.
7. Kapitel: Eine Trauer- und Begleitungsgeschichte zum Schluss
Im siebten und letzten Kapitel des Buches wird eine Trauergeschichte einer Frau, welche ihren Mann überraschend verloren hat, erzählt. Während des Lesens der Geschichte, können die Erfahrungen der trauernden Ehefrau sehr gut nachempfunden werden.
„In der Trauer hat man in der ersten Zeit das Gefühl, ein schwerer Fels liegt auf der Seele und nimmt einem die Luft zum Atmen. Mit der Zeit zerbröckelt der Fels. Zuletzt hat man nur noch einen kleinen Stein in der Hosentasche, der bleibt und den nimmt in das zukünftige Leben.“ (Magerl, H., 2025, S. 109)
Diskussion
Die Autorin Heidi Magerl bringt viel Erfahrung in der Trauerarbeit bzw. Trauerbegleitung mit. Diesen reichen Erfahrungsschatz hat sie sehr kurzweilig, gut strukturiert und übersichtlich in das kleine Taschenbuch gepackt. Verschiedene Fragen zur Selbstreflexion regen immer wieder auch zum Nachdenken an über die Themen Sterben, Tod, eigene Endlichkeit, Bedeutung von Trauer etc. Die Selbstreflexion dient auch als wichtiges Handwerkszeug für Menschen, welche in der Trauerbegleitung tätig werden möchten, um ein einfühlendes Verständnis für Menschen in Trauer zu entwickeln.
Fazit
Das Fachbuch „Das Taschenbuch für Trauerbegleiter“ von Heidi Magerl stellt in einer sehr kompakten Darstellungsweise die wichtigsten Grundlagen, Wissen und Informationen zur Trauer und zur Trauerbegleitung dar. Die wichtigen Bausteine der Kommunikation und der Selbstfürsorge für die Trauerbegleitung werden separat herausgearbeitet. Es kann als Nachschlagewerk verwendet, werden für die Ausbildung oder auch zur Vertiefung von bereits vorhandenem Fachwissen. Durch das kleine Format des Taschenbuches kann es auch gut mitgenommen werden.
Rezension von
Marina Lenk
Gesundheits- und Pflegemanagerin (B.A.), Pflegeberaterin §7a SGB XI, Fachkrankenschwester für Anästhesie- und Intensivpflege, Palliative-Care-Fachkraft, Betriebliche Gesundheitsmanagerin, freiberufliche Fachautorin und Dozentin
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