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Angela Sieger, Johannes Jungbauer et al.: Schulbegleitung von Kindern mit FASD

Rezensiert von Lina Dankelmann, 17.11.2025

Cover Angela Sieger, Johannes Jungbauer et al.: Schulbegleitung von Kindern mit FASD ISBN 978-3-407-83220-7

Angela Sieger, Johannes Jungbauer, Reinhold Feldmann: Schulbegleitung von Kindern mit FASD. Kinder mit FASD in der Schule kompetent begleiten : mit E-Book inside. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2024. 165 Seiten. ISBN 978-3-407-83220-7. D: 18,00 EUR, A: 18,50 EUR.
Reihe: Pädagogik.

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Thema

Das Buch „Schulbegleitung von Kindern mit FASD“ von Angela Sieger, Johannes Jungbauer und Reinhold Feldmann behandelt praxisnah die Kompetenzen, Voraussetzungen, Rahmenbedingungen und Aufgaben von Schulbegleiter*innen im Umgang mit Kindern mit FASD.

Autor:innen

Angela Sieger ist klinisch-therapeutische Sozialarbeiterin mit Masterabschluss, wissenschaftliche Projektmitarbeiterin am Institut für Gesundheitsforschung und Sozialer Psychiatrie in Aachen, hat langjährige berufliche Erfahrungen in der ambulanten Kinder- und Jugendhilfe und Inklusionsberatung und leitet aktuell den Bereich der pädagogischen Angebote für Menschen mit Autismus-Spektrum Störungen beim SkF Alsdorf.

Johannes Jungbauer, Prof. Dr. phil. habil., ist Diplom-Psychologe und seit 2004 Professor für Psychologie an der Katholischen Hochschule NRW in Aachen.

Reinhold Feldmann, Dr. rer. medic. lic. iur. can., ist ebenfalls Diplom-Psychologe, Diplom Theologe, Psychologischer Psychotherapeut und ist seit 1998 in der Kinderklinik des UKM tätig. Seit 2011 arbeitet er ebenfalls in der FASD- Ambulanz in Walstedde.

Entstehungshintergrund

Das Buch ist aus einer Masterarbeit von Angela Sieger im Studiengang „Klinisch-therapeutische Soziale Arbeit“ entstanden. Im Rahmen eines Forschungsprojekts untersuchte sie die besonderen Bedürfnisse von Kindern mit Fetaler Alkoholspektrumstörung (FASD). Auf dieser Grundlage entwickelte sie gemeinsam mit Johannes Jungbauer und Reinhold Feldmann (FASD-Ambulanz Walstedde) die erste deutschsprachige Monografie zu diesem Thema, die im Beltz-Verlag erschienen ist.

Aufbau

Das Buch gliedert sich in mehrere Schwerpunkte. Zuerst wird ein Überblick über die Fetale Alkoholspektrumstörung (FASD) sowie das Konzept der Schulbegleitung gegeben. Im dritten Kapitel werden beide Themenbereiche miteinander verknüpft. Dabei werden zentrale Aufgabenbereiche der Schulbegleitung dargestellt, etwa der Aufbau und die Gestaltung von Beziehungen, Prozesse der Kommunikation, die Unterstützung von Aufmerksamkeit und Konzentration, das Schaffen von Strukturen, gesundheitliche Unterstützung sowie der Umgang mit Regeln. Die Bedeutung der interprofessionellen Zusammenarbeit wird im nächsten Kapitel hervorgehoben. Ein weiteres Kapitel widmet sich Maßnahmen zur Qualitätssicherung von Schulbegleitung. Beendet wird der Band durch Erfahrungsberichte einer Schulbegleiterin, eines Schulbegleiters und einer Pflegemutter sowie einen Serviceteil am Ende des Buches.

Inhalt

Der erste Teil des Buches bietet eine Einführung in die Fetale Alkoholspektrumstörung (FASD). Verständlich wird erklärt, dass FASD eine durch Alkoholkonsum in der Schwangerschaft verursachte, vollständig vermeidbare Behinderung ist. Sie kann in unterschiedlichen Ausprägungen auftreten. Im Mittelpunkt stehen vor allem Störungen des zentralen Nervensystems, die zu Lern- und Verhaltensschwierigkeiten führen. Körperliche Schädigungen und charakteristische Gesichtsmerkmale sind ebenfalls typische Anzeichen für FASD. Dargestellt werden außerdem Ursachen, gesundheitliche Folgen und diagnostische Kriterien nach der aktuellen S3-Leitlinie. Das Buch betont die Bedeutung einer frühen Diagnose sowie individuell abgestimmter Therapie- und Fördermaßnahmen. Eltern und Fachkraft bekommen einen Überblick über mögliche Unterstützungsangebote und die Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit, um die Entwicklungschancen betroffener Kinder langfristig zu verbessern.

Kinder mit FASD haben wie alle Kinder mit Behinderung einen gesetzlichen Anspruch auf Eingliederungshilfe, um ihre Teilhabe am Schulalltag zu sichern. Eine Unterstützungsform ist die Schulbegleitung, die Kindern je nach Bedarf, die Teilnahmen am Unterricht, an Pausen, auf dem Schulweg und bei außerschulischen Aktivitäten ermöglicht. Ziel ist es, gleichberechtigte Bildungs- und Entwicklungschancen zu ermöglichen und soweit es möglich ist, Selbstständigkeit zu fördern. Es gibt unterschiedliche Modell in der Schulbegleitung, etwa die Eins-zu-eins-Betreuung oder Poolmodell. Außerdem gibt es verschiedene Bezeichnungen wie Schulbegleitung, Integrationshilfe etc. und keine einheitlich Ausbildungsvorgabe, weshalb in diesem Bereich sowohl Fachkräfte als auch Quereinsteiger tätig sind. Rechtliche Grundlagen bilden die UN-Behindertenrechtskonvention, das Bundesteilhabegesetz und die Regelungen des SGB IX und SGB VIII. Je nach Art der Behinderung ist das Sozial- oder Jugendamt zuständig. Der Antrag auf Schulbegleitung muss von Eltern bzw. Sorgeberechtigten gestellt werden und daraufhin werden Bewilligung, Stundenumfang und Ziele in einem Teilhabeplan festgelegt. Die konkrete Begleitung erfolgt in der Regel über Leistungsanbieter, alternativ über ein persönliches Budget. Kinder mit FASD benötigen Schulbegleitung meistens über die gesamte Schulzeit.

Schulbegleiter*innen von Kindern mit FASD sollten bereits vor Beginn der Tätigkeit Kenntnisse zu FASD erwerben. Idealerweise arbeiten sie empathisch, flexibel und ressourcenorientiert, indem die die Stärken der Kinder in den Mittelpunkt stellen und ihnen Erfolgsergebnisse ermöglichen.

Das Buch betont, dass eine erfolgreiche Schulbegleitung von Kindern mit FASD nur durch enge Zusammenarbeit aller Beteiligten gelingen kann. Dazu gehören ein regelmäßiger Austausch mit Sorgeberechtigten, klare Absprachen zwischen Begleitpersonen und Lehrkräften zu Zuständigkeiten und Erwartungen sowie eine offene Kommunikation. Schriftliche Berichte der Begleitpersonen über Fortschritte und Hilfebedarf bilden eine wichtige Basis für Hilfeplangespräche und tragen zur Qualitätssicherung bei.

Schulbegleiter*innen von Kindern mit FASD brauchen fundiertes Fachwissen, das sie durch Schulungen und Fortbildungen erwerben sollten. Leistungsanbieter sind dafür verantwortlich, neue Begleitpersonen gut einzuarbeiten, über Aufgaben, Rechte und Pflichten zu informieren und ihnen relevante Unterlagen zur Verfügung zu stellen. Regelmäßige kollegiale Beratung und Supervision unterstützen Fachlichkeit, Reflexion und Entlastung. Die Arbeitsbedingungen sind häufig prekär, mit befristeten Verträgen, Teilzeitanstellung, unsichere Lohnfortzahlung und fehlender Zeit für Austausch. Einheitliche Qualifikationsstandards, bessere Bezahlung, mehr Planungssicherheit und sozialverträgliche Regelungen bei Urlaub und Krankheit würden die Qualität und Attraktivität der Schulbegleitung erhöhen.

Die theoretischen Kapitel werden durch drei anschauliche Erfahrungsberichte abgerundet.

Silke Jansen ist Quereinsteigerin und begleitet den zehnjährigen Thomas mit FASD in der Regelschule. Sie unterstützt ihn bei Konzentration, Motivation und wiederholtem Üben und nutzt individuelle Hilfen und Rückzugsmöglichkeiten. Sie berichtet, dass eine enge Zusammenarbeit mit Eltern und Lehrern von hoher Bedeutung ist und kritisiert fehlende fachliche Vorbereitung und wünscht sich spezielle Fortbildungen.

Ein weiterer Schulbegleiter arbeitet seit drei Jahren mit dem FASD betroffenen 13-jährigen Niklas an einer Förderschule für körperlich-motorische Entwicklung. Niklas zeigt kognitive, motorische und exekutive Beeinträchtigungen. Zudem ist er leicht ablenkbar, impulsiv und überfordert sich schnell. Die Hauptaufgaben bestehen aus Organisation von Arbeitsabläufen, Strukturierung, individuelle Pausen, Motivation, Konfliktprävention und Reflexion. Rückzugsräume, differenzierte Lernumgebung und enge Zusammenarbeit mit Lehrkräften und Pflegeeltern sind besonders hilfreich. Durch die Unterstützung hat Niklas Fortschritte bei Impulskontrolle, Stressbewältigung und Ausdruck seiner Bedürfnisse gemacht. Er braucht aber weiterhin Begleitung bei Struktur und Handlungsplanung.

Die Pflegemutter von Niklas berichtet, dass er seit Schulbeginn eine individuelle Unterstützung benötigt, da er sich kognitiv und exekutiv stark überfordert. Sein Schulbegleiter strukturiert Arbeitsabläufe, motiviert, vermittelt Ruhe, nutzt Rückzugsräume und achtet auch regelmäßige Pausen. Entscheidend ist für sie eine enge Zusammenarbeit. Niklas Schulbegleiter hat sich selbstständig Fachwissen zu FASD angeeignet und eine vertrauensvolle Beziehung zu Niklas aufgebaut. Die Pflegemutter betont, dass Kinder mit FASD konstante schulische Begleitung brauchen und dass Fachkräfte besser über die Behinderung informiert sein sollten.

Diskussion

Das Buch bietet eine praxisnahe und anschauliche Darstellung der Schulbegleitung von Kindern mit FASD. Insbesondere die Erfahrungsberichte veranschaulichen, wie theoretische Konzepte im Schulalltag umgesetzt werden und welche positiven Effekte individuelle Unterstützung haben kann. Die Kombination aus fundiertem Wissen, praxisnahmen Tipps und realen Beispielen macht das Buch spannend zu lesen und sehr nützlich für Schulbegleiter*innen, Lehrkräfte, Eltern sowie Pflege- und Adoptiveltern. Es liegt eine besondere Betonung auf der engen Zusammenarbeit aller Beteiligten, die gezielte Förderung der Stärken der Kinder und die Vermittlung der spezifischen fachlichen und persönlichen Kompetenzen. Die klar strukturierten Kapitel stellen fundiertes Wissen zu Aufgaben, Kompetenzen und Rahmenbedingungen der Schulbegleiter*innen dar und bieten gleichzeitig wertvolle Tipps für die Umsetzung in der Praxis. Gleichzeitig inspirieren sie dazu, kreative Lösungen für die individuellen Bedürfnisse der Kinder zu entwickeln. Insgesamt ist das Buch ein wertvoller Leitfaden, der Wissen vermittelt und gleichzeitig praktische Unterstützung für den Alltag bietet. 

Fazit

„Schulbegleitung von Kindern mit FASD“ bietet eine fundierte und gleichzeitig praxisnahe Einführung in ein bisher wenig thematisiertes Themenfeld. Durch die hervorragende Kombination aus theoretischem Wissen, Praxistipps und Erfahrungsberichten ist das Buch ein wertvoller und inspirierender Leitfaden für Schulbegleiter*innen, Eltern und alle weiteren Beteiligten. Es vermitteln Fachkompetenz und inspiriert zu kreativen Lösungen für die individuelle Förderung von Kindern mit FASD.

Rezension von
Lina Dankelmann
Studentin im Bachelorstudiengang Soziale Arbeit an der Katho Aachen
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Es gibt 1 Rezension von Lina Dankelmann.

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ISSN 2190-9245