Michael Fischer, Boris Krause et al.: Werte pflegen
Rezensiert von Prof. Dr. habil. Gisela Thiele, 04.12.2025
Michael Fischer, Boris Krause, Michael Feuersenger: Werte pflegen. Ethische Praxis in der Altenhilfe. Lambertus Verlag GmbH Marketing und Vertrieb (Freiburg) 2025. 108 Seiten. ISBN 978-3-7841-3823-7. D: 26,00 EUR, A: 26,80 EUR.
Thema und Autoren
In der vorliegenden Publikation wird das Thema der häuslichen Pflege älterer Menschen und dem Risiko dabei, von Gewalt betroffen zu sein, aufgegriffen. Je eingeschränkter die Mobilität und je größer die Hilfe- und Pflegebedürftigkeit sei, desto stärker nimmt dieses Risiko zu. Die Ausführungen sollen einen Beitrag zur Diskussion von häuslicher Betreuung und Pflege auf unterschiedlichen Ebenen in der Schweiz bieten.
Die Herausgeber der Publikation sind Prof. Dr. Michael Fischer, Leiter der Research Unit Qualität an der UMIT Hall, Dr. Boris Krause, Geschäftsführer des Ethikforums Münster und Michael Feuersenger, Theologe im Referat im Bereich Verband und Kommunikation beim Caritasverband für das Bistum Münster.
Aufbau und Inhalt
Die Publikation ist in drei Teile mit sechs Kapiteln unterschiedlicher Länge gegliedert. Im „Geleitword“ wird gefragt, ob Ethik und Altenhilfe infolge der Personalknappheit und finanzieller Engpässe nicht überlagert oder gar verdrängt werden
Im „Vorwort“ wird betont, dass mit Werten pflegen, bedeute, sich Räume zu erhalten, in denen eine Beziehung zu vulnerablen Menschen gelebt werden könne.
In der „Hinführung“ wird herausgearbeitet, dass das Buch einen Einblick in das Projekt „Werte pflegen“ biete.
Der erste Teil ist überschrieben mit „Ethik in der Altenhilfe“ und beginnt mit einem Kapitel „Wo drückt der ethische Schuh“. Das Projekt „Werte pflegen“ beschäftigt sich mit ethischen Herausforderungen in der stationären Altenhilfe. Verantwortliche von stationären Pflegeeinrichtungen wurden gebeten, die aus ihrer Sicht drängenden ethischen Herausforderungen zu benennen. Die Herausforderung für eine Einrichtung bestehe darin, unter einem Dach unterschiedliche Ansprüche auszubalancieren, um handlungsfähig zu bleiben. Für Einrichtungen der Altenhilfe sind die wichtigsten Kontexte die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die gesundheitspolitischen Weichenstellungen, die sich in einer neuen Trägervielfalt widerspiegeln sowie mit der Demografie zusammenhängende Veränderungen.
Eine Empfehlung der Ethikberatung bezieht sich auf zwei Bereiche, die klinische Ethikberatung und die außerklinische Beratung. Während sich die klinische Ethikberatung auf Krankenhäuser und Rehakliniken bezieht, ist die außerklinische für den hausärztlichen Bereich und die stationären Pflegeeinrichtungen zuständig.
Mit „Handlungsebenen der Ethikberatung“ ist ein weiteres Kapitel überschrieben. Um die Handlungsebenen der Ethik zu systematisieren, ist die Unterscheidung in eine Makro-, Meso- und Mikroebene hilfreich. Die Makroebene bezeichnet das Umfeld in das eine Einrichtung eingebettet ist. Mit der Mesoebene ist die Einrichtung als Organisation gemeint und die untere, die Mikroebene beziehe sich auf das Individuum.
Mit Teil II „Das Projekt Werte pflegen. Ethische Praxis in der Altenhilfe“ wird mit einem Kapitel zum „Ziel, Selbstverständnis und Entwicklungshintergründe des Projekts“. Die im Jahr 2020 konkreter werdende Projektidee folgt den in den Vorjahren verstärkt entwickelten Anliegen, praxistaugliche Zugänge für die Ethik zu schaffen. Alle Gruppengespräche der 13 beteiligten Einrichtungen wurden auf der Tonspur aufgezeichnet. „Werte pflegen“ versteht sich als dezidiert dialogorientiertes Projekt, dessen ursprüngliches Projektdesign regelmäßig aufsuchende Angebote vor Ort vorsah. Diese Arbeitsweise konnte im Durchlauf 2 problemlos umgesetzt werden, wurde durch die Pandemie im Durchlauf 1 erheblich erschwert.
Der Teil III widmet sich „Projekte und Lerngewinne in der Übersicht“. Es werden die 13 beteiligten Einrichtungen untergliedert in Projektbeschreibung, Durchführung und Lerngewinne vorgestellt.
Im Teil IV folgt „Erkenntnisse und Ausblick“. Mithilfe der Ethik-Dialoge wurde erkundet wo nach Meinung der Mitarbeitenden wo der „ethische Schuh“ in den Einrichtungen drückt. Diese Dialoge sind vor Ort in Form von halbstrukturierten Interviews geführt und aufgezeichnet worden. Anschließend wurden sie inhaltlich sortiert. Dabei konnten sieben Kategorien gebildet werden: Bewohnerinnen, Mitarbeiterinnen, belastete Situationen, Tod und Sterben, Angehörige, Corona und Sexualität. Bezüglich der Erkenntnisse aus dem Projektverlauf wurde auf eine Form der Evaluation zurückgegriffen, die durch die Vernetzungsveranstaltungen und die hier als produktiv erlebte Visualisierung an Plakaten erprobt wurde. Das Evaluationsplakat enthielt folgende Fragen, die von der wissenschaftlichen Begleitung formuliert wurden: Was sollte man beibehalten, was verändern. Was haben wir erreicht, was nicht. Was sollte man noch tun? Was aus dem Projekt hilft uns im Alltag? Und die nächsten Schritte. Wie soll unser Projekt weitergehen?
Im „Nachklang“ wird ein sehr besinnliches Gedicht über „Werte pflegen“ angefügt.
Diskussion
Mein Urteil über diese Publikation fällt zwiespältig aus: auch nach ausführlichen Lesen habe ich noch nicht verstanden, welche ethischen Herausforderungen nun genau zu meistern sind. Dieses Buch ist für mich als Leserin ungenügend strukturiert und vermag nicht die wesentlichen Fragestellungen herausgearbeitet zu haben.
Fazit
Die vorliegende Publikation skizziert eine sehr wichtige Fragestellung, wie in der Altenhilfe mit dem Thema „Werte pflegen“ umgegangen wird.
Rezension von
Prof. Dr. habil. Gisela Thiele
Hochschule Zittau/Görlitz (FH)
Berufungsgebiete Soziologie, Empirische
Sozialforschung und Gerontologie
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