Suche nach Titel, Autor:in, Rezensent:in, Verlag, ISBN/EAN, Schlagwort
socialnet Logo

Susanne Mierau: Bindungsstarke Kita

Rezensiert von Alexandra Großer, 27.11.2025

Cover Susanne Mierau: Bindungsstarke Kita ISBN 978-3-451-39844-5

Susanne Mierau: Bindungsstarke Kita. Impulse für ein gutes Miteinander und Füreinander. Verlag Herder GmbH (Freiburg, Basel, Wien) 2025. 176 Seiten. ISBN 978-3-451-39844-5. D: 20,00 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 21,65 sFr.

Weitere Informationen bei DNB KVK GVK.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB.

Kaufen beim socialnet Buchversand

Thema

„Bindungsstarke Kita“ ist ein Buch, welches die Beziehungsgestaltung und Bindungsbegleitung in Kindertageseinrichtungen in den Fokus nimmt. Es beschreibt, wie pädagogische Fachkräfte im pädagogischen Alltag sichere Beziehungen zu den Kindern aufbauen und das soziale Miteinander der Kinder untereinander fördern, unterstützen und begleiten. Die Autorin nimmt ebenfalls die Beziehungsgestaltung zwischen den Kolleg*innen und den Eltern in den Blick. Wissenschaftlich fundiert und praxisnah führt sie pädagogische Fachkräfte durch das Konzept der Bindungsbegleitung. Mit Impulsen zur Selbstreflexion kommen pädagogische Fachkräfte ihren eigenen Bindungserfahrungen näher und entwickeln eine beziehungsorientierte Haltung.

Autor:in

Susanne Mierau ist Diplom-Pädagogin, Familienbegleiterin, Autorin und Speakerin. Sie unterstützt seit 20 Jahren Familien und Fachpersonen darin, bedürfnisorientiert Beziehungen zu gestalten. Sie arbeitet seit vielen Jahren selbstständig als Fort- und Weiterbildnerin für pädagogische Fachkräfte und in der Familienberatung.

Aufbau

Das Buch ist, zwischen Einleitung und Ausblick, in sechs Kapitel mit Unterkapiteln gegliedert. Jedes Kapitel endet mit Impulsen zur Selbstreflexion. Diese Seiten sind farblich anders gestaltet. Im Text selbst finden sich farblich gestaltete Kästen, die Informationen, methodische Impulse und Hinweise auf fachlich geführte Diskussionen enthalten. Die Impulse zur Selbstreflexion stehen als Download auf der Verlagsseite zur Verfügung.

Inhalt

1 Beziehungen sind die Basis für Entwicklung

Susanne Mierau kritisiert, dass in der frühkindlichen Bildung in den letzten Jahrzehnten die Bindung und Beziehung zu wenig im Fokus stand. Dabei ist eine „gute Qualität von Bindung und Beziehung […] die Basis für das Wohlbefinden“ (S. 16). Sie betont, dass die Selbstreflexion eigener Bindungserfahrungen für pädagogische Fachkräfte essenziell ist, da diese selbst Bindungssicherheit haben muss. In ihrem Beitrag stellt sie die Bindungstheorie von Bowlby und Ainsworth, die weiterentwickelt und inzwischen um „interkulturelle Aspekte“ von Heidi Keller erweitert wurde, vor. Sie zeigt auf, welche Effekte sichere und unsichere Bindungen auf Kinder haben. Sie nimmt die chemischen Prozesse, die mit Beziehungen und sozialem Miteinander in Zusammenhang stehen, in den Fokus und wie diese Prozesse im pädagogischen Alltag genutzt werden können. Eng verbunden mit der Bindung zu Eltern und anderen Bezugspersonen, sind die verschiedenen Erziehungsstile, die unterschiedliche Wirkungen auf das Kind als auch seine Beziehungsgestaltung und sein Sozialverhalten haben. Eine responsive feinfühlige Interaktionsgestaltung beruht auch auf der Wahrnehmung der Bedürfnisse von Kindern. In diesem Kontext stellt die Autorin ihre „Interaktionskreislauf gelingender Beziehungen“ (S. 32) vor. Als Erwachsene müssen wir für Kinder, „je nach Entwicklungsstand“ (ebd.) räumlich verfügbar, als auch emotional für seine Signale erreichbar sein (vgl. ebd.). Obwohl wir wissen, dass „Bindung und Beziehung von Anfang an“ (ebd.) bedeutsam für uns Menschen sind, beeinflussen uns noch immer vergangene „Erziehungspraktiken des Nationalsozialismus“ (ebd.) und Behaviorismus. Um sich dieser Einflüsse als auch eigener Denkmuster bewusst zu werden braucht es Selbstreflexion, um den eigenen, auch unbewussten, Bindungserfahrungen auf die Spur zu kommen. Abschließend stellt Susanne Mierau den „Kreis der Sicherheit“ (S. 36f) vor, der pädagogischen Fachkräften zur Orientierung der bindungsorientierten Begleitung dient und auch in Beratungssituationen mit Familien angewandt werden kann. Susanne Mirau weist daraufhin, dass Bindungserfahrungen sich auf das Selbstbild eines Menschen auswirken. Kinder erfahren sehr früh, ob sie so wie sie sind angenommen werden oder sie als falsch bewertet werden. Für pädagogische Fachkräfte bedeutet dies, besonders aufmerksam zu sein und Kindern positive Bindungs- und Beziehungserfahrungen zu ermöglichen.

2 Beziehungsgestaltung im pädagogischen Alltag

Die Autorin betrachtet zunächst „bindungsrelevante Aspekte“ (S. 43) nach Alter und Entwicklung der Kinder. Je jünger die Kinder sind, umso wichtiger die Bezugspersonen. Deren Aufgabe ist es die Signale der Kinder deuten zu können, damit sie „sicher auf sie reagieren“ (S. 44) können. Zweijährige Kinder benötigen Bezugspersonen, die ihnen helfen, ihre Bedürfnisse zu befriedigen, und sie bei Konflikten mit anderen Kindern sowie bei der Emotionsregulation zu begleiten. Auch ältere Kinder, die ihre Bedürfnisse sprachlich ausdrücken können, die ihre sozialen Kompetenzen weiter ausbauen und verfeinern, brauchen die Begleitung von Bezugspersonen, besonders bei der Emotionsregulation. Bezugspersonen sind in der Beziehungsgestaltung, im Miteinander Vorbilder für Kinder. Die Autorin betont, dass auch die Peers im Kitaalltag eine bedeutsame Rolle spielen. So erlernen neue Kinder von ihnen die Regeln, Normen und Werte der Gruppe. Pädagogische Fachkräfte haben hier die Rolle der Beobachterin und Begleiterin, die die gruppendynamischen Prozesse der Gruppe im Blick hat und weiterhin als Unterstützerin bei Konflikten und Emotionsregulation zur Verfügung steht. Neben der Moderation von Konflikten und Emotionsregulation spielt auch die Kooperation eine bedeutende Rolle im sozialen Miteinander. Damit Kinder lernen, miteinander zu kooperieren, müssen pädagogische Fachkräfte diese Prozesse in der Gruppe fördern. Kinder lernen dies beispielsweise in partizipativen Prozessen, kooperativen Spielen und Projekten.

Ein weiteres Augenmerk legt die Autorin auf die verschiedenen Temperamentsdimensionen bei Kindern. „Das Wissen um verschiedene Temperamentsdimensionen ist wichtig“ (S. 59), um Kinder individuell begleiten und unterstützen zu können. Neben der individuellen Begleitung der Kinder und ihrer Lernaufgaben, sollten auch die Strukturen der Kita den verschiedenen Temperamentsdimensionen angepasst werden, indem Rückzugs- sowie Bewegungsmöglichkeiten für die Kinder zur Verfügung stehen. Zugleich gelten die Temperamentsdimensionen auch für pädagogische Fachkräfte „um ressourcenorientiert mit der eigenen Persönlichkeit umzugehen“ (S. 60). Im Team sollten diese besprochen und in der pädagogischen Arbeit berücksichtigt werden. Neben der „kleinen Vielfalt“ (S. 65) ist auch die „große Vielfalt“ (ebd.) im pädagogischen Alltag „zu erkennen und wertzuschätzen“ (ebd.). Pädagogische Fachkräfte haben die Aufgabe, sich ihrer eigenen „Diskriminierungsgedanken“ bewusst zu werden. Dies betrifft die kleine Vielfalt ebenso wie die große Vielfalt. Es braucht den offenen Umgang mit den eigenen Diskriminierungsgedanken, um „ins Handeln [zu] kommen“ (S. 66). Dazu gehört es, sich der eigenen Grenzen bewusst zu werden, beispielsweise, wenn pädagogische Fachkräfte mit „bestimmten Eigenschaften eines Kindes“ (S. 67) nicht zurechtkommen.

Ein weiterer Fokus liegt auf der Eingewöhnung der Kinder. Eine tabellarische Übersicht gibt Auskunft über die verschiedenen Modelle. Die Autorin spricht sich für das partizipatorische Eingewöhnungsmodell aus, welches die Bedürfnisse des Kindes und sein Wohlergehen ins Zentrum stellt.

3 Beziehungsgestaltung unter Kindern

Zunächst betrachtet Susanne Mierau verschiedene Definitionen von Sozialkompetenz. Sie zeigt auf, dass das Erziehungsverhalten der Bezugspersonen maßgeblich für die Entwicklung der Sozialkompetenz von Kindern ist (vgl. S. 79). Damit Kinder in ihrer Entwicklung sozial-emotionaler Entwicklung gestärkt werden, braucht es pädagogische Fachkräfte, die einerseits die Kinder darin unterstützen Konflikte und Probleme selbstständig zu lösen und gleichzeitig unterstützen, wenn es die Kinder nicht schaffen. Kinder, die bisher nur wenig Gelegenheit hatten ihre sozial-emotionalen Kompetenzen zu entwickeln, brauchen pädagogische Fachkräfte, die sie darin begleiten und unterstützen. Ein weiterer Aspekt, den die Autorin hier einführt, ist der Blick auf die weitere Zukunft der Kinder. Einige Kinder, die in der Kita als Gruppe oder Freunde zusammenkommen, bleiben unter Umständen auch als Teil der Gruppe in der Grundschule zusammen, manche auch in den weiterführenden Schulen bzw. bis ins spätere Leben. Damit wird die Begleitung und Unterstützung der Kinder in ihrer Entwicklung von Sozialkompetenz für das Gruppengeschehen bedeutsam. Im Blick der Autorin sind auch neurodivergente Kinder, die eine individuellere und feinfühlige Begleitung und Unterstützung der Fachkräfte brauchen, um die Herausforderungen des Alltags im Gruppengeschehen zu bestehen und Freundschaften zu anderen Kindern einzugehen. Anhand des Stufenmodells von Selman zeigt Susanne Mierau auf, wie sich Freundschaften bei Kindern entwickeln und wie pädagogische Fachkräfte sie dabei unterstützen können. In diesem Zusammenhang erläutert sie, wie Konflikte und Emotionsregulierung entwicklungspsychologisch zusammenhängen.

4 Mit den Eltern ein Team bilden

Das Kind kommt nicht allein in die Kita. Es bringt all seine bisherigen Erfahrungen und Muster mit Beziehungen innerhalb und außerhalb der Familie mit. Mit systemischer Perspektive betrachtet die Autorin das Umfeld des Kindes: „Eltern, Geschwister, weitere Familienstrukturen“ (S. 105). Neben dem Blick in die Vergangenheit des Kindes, steht der Ausblick auf die Zukunft, auf das „Entwicklungspotenzial“ (ebd.). Für eine gelingende Zusammenarbeit gilt es bereits vor und während der Eingewöhnung mit den Eltern in den Dialog zu gehen, über ihre Ängste, Sorgen und Wünsche. Dabei gilt die systemische Haltung der Neutralität. Den Eltern wertschätzend und objektiv gegenüber zu treten. Ihr Verhalten nicht zu bewerten, sondern ressourcenorientiert mit ihnen zu arbeiten. Dies gilt auch für die verschiedenen Erziehungsstile, die Eltern zeigen und die pädagogische Fachkräfte herausfordern können. Eigene Prägungen, Bewertungen und Beziehungserfahrungen kommen hier zu Tragen, denen sich pädagogische Fachkräfte durch Selbstreflexion bewusst werden sollten. Einen wichtigen Aspekt in der Zusammenarbeit mit Eltern betrifft den Kinderschutz. Susanne Mierau zeigt auf, was pädagogische Fachkräfte tun können, um eine Gefährdungseinschätzung vorzunehmen, und wie die weitere Vorgehensweise ist. Die Autorin geht neben dem Kindeswohl auch darauf ein, wie pädagogische Fachkräfte Kinder bei Trennung und Scheidung der Eltern als auch bei hochstrittigen Eltern in der Kita unterstützen können. Denn Trennungen, auch partnerschaftliche Trennungen, hinterlassen Spuren bei den Kindern. Diese können sich durch herausfordernde Verhaltensweisen oder Rückzug zeigen. Kinder brauchen „wieder Sicherheit und Stabilität“ (S. 121), die sie in der Kita durch sichere Bindungen erfahren. Gleichzeitig können pädagogische Fachkräfte Lotsenfunktionen übernehmen, indem sie Eltern Unterstützungsangebote an die Hand geben. Eine weitere Möglichkeit, die die Autorin anspricht, ist die Eltern untereinander zu vernetzen. Dies ist vor allem für Alleinerziehende wichtig, die dadurch Entlastung erfahren können.

5 Den Übergang in die Schule bindungssicher gestalten

Susanne Mierau plädiert dafür, dass der Übergang von der Kita in die Schule ebenso vorbereitet und individuell begleitet werden sollte, wie in der Eingewöhnungszeit. Die Ängste und Sorgen der Kinder ernst zu nehmen, ihre Vorfreude auf die Schule zu stärken sowie die Trauer darüber, die Kita mit ihren Freunden und Bezugspersonen verlassen zu müssen, zu begleiten und den Abschied gut zu gestalten. Diese individuelle Begleitung sollte frühzeitig stattfinden. Gerade im Hinblick auf „Entwicklungsdefizite“ (S. 137), die zusätzlich Ängste und Sorgen hervorrufen können, kann bis zum Übergang in die Schule noch ein „Kompetenzaufbau“ (ebd.) ermöglicht werden. Gleichzeitig sollten auch die Eltern auf den Übergang in die Schule vorbereitet werden. Gerade, wenn Eltern eigene negative Erfahrungen in ihrer Schulbiografie gemacht haben, sollten pädagogische Fachkräfte „die Kompetenzen des Kindes hervorheben“ (S. 139). Eine gute Begleitung brauchen auch die Kinder, die noch ein Jahr in der Kita verbringen. Hier gilt es ihr Selbstbild zu stärken.

6 Bindungsstarke Sicherheit für Fachkräfte

Im letzten Kapitel ermutigt die Autorin pädagogische Fachkräfte sich selbst, ihre Bedürfnisse, ihr Wohlbefinden, die Atmosphäre und Bindung im Team zu erkunden. Sie fordert dazu auf, die eigenen Bedürfniserfüllung in Hinblick auf die eigenen Bindungs- und Beziehungsbiografie hin zu explorieren und hinderliche Muster zu verändern. Denn alte Verletzungen, unerfüllte Bedürfnisse nach Bindung und „verinnerlichten Muster“ (S. 154) wirken sich auf die pädagogische Arbeit und auf unser Verhalten und Miteinander im Team aus. Unbewusst geben wir diese hinderlichen Muster und alten Verletzungen an die Kinder weiter, wenn sie nicht reflektiert und verändert werden. Da die pädagogische Arbeit im Alltag viele, auch emotionale, Herausforderungen birgt, zu hoher Arbeitsbelastungen und damit zu gesundheitlichen Erkrankungen führen kann, führt Susanne Mierau in das Detachment-Modell ein. Dieses Modell ist ein Teil der Selbstfürsorge, indem pädagogische Fachkräfte lernen „sich mental von der Arbeit zu distanzieren“ (S. 157). Ein weiterer Teil ist „Selbstfürsorge und Selbstregulation im Alltag“ (S. 159 f) zu üben. In stressigen Situationen und Überforderungssituationen dient das Team als sicherer Hafen. Gelingt es im Team über persönliche Herausforderungen im pädagogischen Alltag offen und vertrauensvoll zu sprechen, sowie mit Fehlern, auch Fehlverhalten konstruktiv umzugehen, trägt dies zur Selbstfürsorge und Gesundheit pädagogischer Fachkräfte bei. Dazu gehören kollegiale Teamberatungen ebenso wie die Möglichkeit der Supervision.

Diskussion

Susanne Mierau macht in ihrem Buch deutlich, wie wichtig pädagogische Fachkräfte für die sozial-emotionale Entwicklung von Kindern sind. Sie führt wissenschaftlich fundiert in die Grundlagen der Bindungstheorie, Beziehungsgestaltung und Freundschaftsentwicklung ein und verbindet neuere wissenschaftliche Erkenntnisse mit der Praxis. Im Mittelpunkt ihrer Ausführungen stehen zunächst das Kind, beziehungsweise die Kinder, deren Wohlbefinden und Miteinander in der Kita. Im Fokus stehen jedoch auch das Team und die Eltern, deren soziales Miteinander und Zusammenarbeit. Denn Kinder lernen, Beziehungen zu gestalten, Freundschaften einzugehen, miteinander zu kooperieren, durch die bindungssichere Unterstützung und feinfühlige Begleitung wie auch durch das Vorbildverhalten von Erwachsenen. Sie sind es, die es Kindern ermöglichen, bindungsstarke Persönlichkeiten zu werden. Susanne Mierau zeigt in ihrem Buch, worum es in Kindertageseinrichtungen und in der Kindertagesbetreuung geht: um Beziehungsgestaltung und Bindung.

Die Autorin führt die Leser*innen von der Eingewöhnung bis zum Übergang in die Schule durch die Kitazeit und zeigt, worauf es im pädagogischen Alltag, in Elterngespräche, auch in herausfordernden Zeiten und bei schwierigen Konstellationen, bei der Bindungsbegleitung ankommt. Neben den wertvollen Impulsen zur Selbstreflexion am Ende jedes Kapitels, finden sich im Text viele Praxisimpulse zur Beziehungsgestaltung und zur Unterstützung der Kooperation zwischen Kindern sowie zur Zusammenarbeit mit den Eltern. Immer wieder weist Susanne Mierau auf die Auswirkungen hin, die Adultismus, verletzende Verhaltensweisen und biografische Bindungserfahrungen auf die Kinder haben. Unsere biografischen Bindungs- und Beziehungserfahrungen haben auch Auswirkungen auf die Teamarbeit. Ob es gelingt, miteinander wertschätzend, vertrauensvoll und offen zu sprechen und eine wohlwollende Atmosphäre in der Kita zu schaffen, hängt auch von den eigenen Bindungserfahrungen und verinnerlichten Mustern ab. In diesem Kontext nimmt sich nicht nur das Miteinander im Team in den Blick, sondern auch die Selbstfürsorge pädagogischer Fachkräfte sowie deren Bedürfnisse nach Bindung und Selbstwert. Sie fordert auf, sich selbst zu prüfen, wie wohl man sich im Team fühlt, in der Arbeit, ob die eigenen Bedürfnisse erfüllt werden und man sich in die Arbeit mit seinen eigenen Stärken und Fähigkeiten einbringen kann oder ob man nur eine Rolle spielt, die nicht passt.

Mit ihrem Buch „Bindungsstarke Kita“ richtet Susanne Mierau den Blick pädagogischer Fachkräfte auf das, was in Kindertageseinrichtungen und Kindertagesbetreuung wirklich zählt: die Beziehung. Sie ist die Grundlage für Entwicklung, Miteinander und Bildung. Es geht um eine wertschätzende, authentische, feinfühlige, responsive pädagogische Haltung. Die Autorin nimmt pädagogische Fachkräfte Schritt für Schritt mit, diese Haltung, wieder zu entdecken, zu entwickeln, das eigene Verhalten zu reflektieren und zu verändern. Sie zeigt, worauf es ankommt, wie Beziehung individuell gestaltet werden kann. Wie die Sozialkompetenzen von Kindern in der Kindergartengruppe unterstützt, gefördert und begleitet werden. Der Satz „Bindung als Basis von Bildung“ (S. 17) ist der rote Faden, das Leitbild von „Bindungsstarke Kita“. Sie ermutigt pädagogische Fachkräfte, sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren. Auf die Bindung und Beziehung zu den Kindern. Susanne Mierau beschönigt nicht. Sie weiß um die Herausforderungen und Überforderungen pädagogischer Fachkräfte im pädagogischen Alltag, die herausfordernden Rahmenbedingungen, den Personalmangel. Doch gerade deshalb ist es so wichtig, sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren, auf die Beziehungsgestaltung im Alltag, im Miteinander. Kinder brauchen keine pädagogischen Fachkräfte, die von einem Angebot zum nächsten jagen, von einem Projekt zum nächsten hetzen, sondern verlässliche Bindungsbegleitung und Beziehungen. Vor allem und gerade in diesen herausfordernden Zeiten. Von Beginn bis zum Ende der Kitazeit.

Fazit

Susanne Mierau schreibt sehr anschaulich, verständlich, wissenschaftlich fundiert und praxisorientiert. Das Buch enthält viele wertvolle Impulse für die Selbstreflexion und Reflexion im Team. Es begleitet pädagogische Fachkräfte und Teams Schritt für Schritt zur bindungsstarken Kita. Ein Buch, welches in keiner Kita fehlen sollte.

Rezension von
Alexandra Großer
Fortbildnerin, päd. Prozessbegleiterin, systemische Beraterin
Website
Mailformular

Es gibt 82 Rezensionen von Alexandra Großer.

Zitiervorschlag anzeigen Besprochenes Werk kaufen

Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Sponsoren

Wir danken unseren Sponsoren. Sie ermöglichen dieses umfassende Angebot.

Über die socialnet Rezensionen
Hinweise für Rezensent:innen | Verlage | Autor:innen | Leser:innen sowie zur Verlinkung

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245