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Larissa Rogner: Zusammen unschlagbar

Rezensiert von Dr. Franziska Sophie Proskawetz, 08.07.2026

Cover Larissa Rogner: Zusammen unschlagbar ISBN 978-3-525-70345-8

Larissa Rogner:Zusammen unschlagbar. Eltern und Lehrkräfte als Dreamteam : Bildungserfolg durch Kooperation. Vandenhoeck & Ruprecht Brill Deutschland GmbH (Göttingen) 2025. 121 Seiten. ISBN 978-3-525-70345-8. D: 19,00 EUR, A: 20,00 EUR.

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Thema und Entstehenshintergrund

Man muss nicht selbst Lehrkraft oder Elternteil sein, um die Konflikte im Schulsystem wahrzunehmen: Eltern beschweren sich über Lehrkräfte, Lehrkräfte fühlen sich von Eltern missverstanden – und mittendrin stehen die Kinder und Jugendlichen, um die es eigentlich gehen sollte. Dabei kosten gegenseitige Vorwürfe oft Vertrauen, Energie und letztlich wertvolle Chancen auf Zusammenarbeit. Wie kann Kooperation dennoch gelingen? Wie können Eltern und Lehrer:innen zu einem echten „Dreamteam“ werden? In ihrem Ratgeber zeigt Larissa Rogner Wege zu einem respektvollen und konstruktiven Miteinander auf. Sie sensibilisiert für unterschiedliche Perspektiven, wirbt für gegenseitiges Verständnis und rückt dabei das Wohl der Schüler:innen in den Mittelpunkt. Statt Fronten zu verhärten, plädiert sie dafür, Brücken zu bauen. Das Buch bezieht sich auf den Grundschulkontext.

Autorin

Larissa Rogner, Dr., leitet das Institut „Bildungslebenswelten“ und kann auf langjährige Erfahrungen als Lehrerin, Schulleiterin, Coachin und Dozentin in der Lehrerinnenbildung zurückgreifen.

Aufbau und Inhalt

Der Praxisratgeber besteht aus kurzen und übersichtlichen Inhaltskapiteln (Kapitel 4–14), die dem gleichen Schema folgen: Eine kurze thematische Einleitung, gefolgt von einem Beispiel, geschildert aus zwei Perspektiven – der des Elternteils und der der Lehrkraft, darauf folgen Lösungsansätze für beide Parteien, Impulse für die Zukunft, Platz für Notizen und ein abschließender Tipp. In jedem Kapitel werden zwei sehr anschauliche Praxisbeispiele behandelt. Einige ausgewählte Kapitel (2–4, 15) werde ich im Folgenden ausführlicher darstellen.

Einleitung

Nach einem kurzen Vorwort (1) betrachtet Rogner in der Einleitung die unterschiedlichen Rollen und damit verbundenen Lebenswelten von Lehrkräften und Eltern. So hat sich der Lehrer:innenberuf in den letzten Jahren stark verändert und ist mit verschiedenen neuen Herausforderungen verbunden. Hinzu kommen zusätzliche Belastungen durch den Lehrkräftemangel. Aber auch die Lebenswelten von Familien haben sich gewandelt: Eltern sind heute häufiger alleinerziehend oder voll berufstätig. Ziel des Buches ist es, gegenseitiges Verständnis für die Lebenswelten des jeweils anderen zu entwickeln.

Warum brauchen wir Elternhaus-Schule-Kooperationen?

Anhand der Metapher des Bildungs-Lernbaums veranschaulicht Rogner Kooperationsaspekte von Elternhaus und Schule und macht auf diese Weise anschaulich, weshalb Elternhaus-Schule-Kooperationen notwendig sind: Damit ein junger Mensch wachsen kann, benötigt er/sie (zusätzlich zu weiteren Faktoren) Elternhaus und Schule.

Regeln und Disziplin

Laut Robert-Bosch-Stiftung (2023) liegen die größten Herausforderungen für Lehrkräfte aktuell im Verhalten der Schüler:innen (Verhaltensauffälligkeiten/​Lernwille). Erst an späteren Stellen stehen „Arbeitszeitbelastung“, „Zeitmangel“, „Lehrkräftemangel“ und „Eltern“. Wie können Eltern also durch die Umsetzung von Regeln und Disziplin zu Hause den Schulalltag (von Lehrer:innen) erleichtern? Rogner zeigt in diesem Kapitel beispielhaft, dass das „Störverhalten“ von Schüler:innen auch auf missverständlicher Kommunikation beruhen kann, und regt zu Kommunikationsalternativen an, die sich in erster Linie auf Nachfragen und das bessere Verständnis für das Gegenüber konzentrieren: So schildert sie die gleiche Situation aus jeweils zwei Perspektiven, der der Lehrkraft und der des Elternteils. Warum verhält sich das Kind auf eine bestimmte Art und Weise? Weshalb haben die Eltern dem Kind z.B. etwas angeordnet, was in der Schule aber unangebracht ist? Was waren die Beweggründe der Eltern? Rogner zeigt alternative Handlungsoptionen als Lösungsansatz auf und gibt Impulse dafür, wie die Situation zukünftig besser gelöst werden könnte.

Dem gleichen Schema folgen alle Kapitel bis einschließlich Kapitel 14.

Gelingensansätze für den Bildungserfolg von Schulkindern

Rogner erklärt, was sie unter Ressourcen-, Prozess‑ und Lösungsorientierung als Gelingensbedingungen für Elternhaus-Schule-Kooperationen versteht.

„Ressourcenorientierung bedeutet im pädagogischen Zusammenhang, die individuellen Fähigkeiten, Kompetenzen und Stärken von Schülerinnen und Schülern zu erkennen und zu nutzen bzw. zu fördern“ (S. 107). In Bezug auf eine gelingende Kooperation bedeutet das, dass Lehrkräfte diese Orientierung haben und den ressourcenorientierten Blick an die Eltern vermitteln.

„Eine prozessorientierte Pädagogik stellt in ihrer Didaktik die Lernschritte und Lernentwicklungen jedes einzelnen Kindes im Rahmen eines kompetenzgestützten Unterrichts in den Mittelpunkt der Betrachtung“ (S. 107). Eltern und Lehrkräfte fungieren als Berater:innen oder Begleiter:innen des Schulkindes und sollten sich über diese Rolle klar sein.

„In der lösungsorientierten Pädagogik kommt es darauf an, das Kind verstanden zu haben, damit es sich von Eltern und Lehrkräften auch tatsächlich verstanden fühlt“ (S. 108). Auch hier sollten sich Eltern und Lehrkräfte darüber bewusst sein und einig werden, dem Kind möglichst viel Freiraum zu geben, Ziele gemeinsam zu besprechen und ihm zuzuhören.

Am Ende des Kapitels modifiziert Rogner das „didaktische Dreieck“, bestehend aus „Lehrkraft“, „Schüler:in“ und „Lerngegenstand“, und ergänzt es um die Partei der Eltern. So wird aus dem Dreieck ein „didaktisch-kooperatives Viereck“.

Ausblick

Im abschließenden Ausblick betont Rogner die Bedeutung der Kooperation zwischen Lehrer:innen und Eltern und zeigt neue Handlungsfelder der Elternarbeit auf. Dabei hebt sie insbesondere die Verantwortung der Schule hervor, Eltern aktiv einzubinden sowie Offenheit, gegenseitiges Vertrauen und Akzeptanz zu fördern. Rogner macht konkrete Vorschläge, wie Eltern aktiv beteiligt werden können. Das Buch endet mit einem Schlusswort (17) sowie Platz für eigene Notizen (18).

Diskussion

Irgendwie stimmt es traurig, dass Kooperation zwischen Eltern und Lehrkräften (scheinbar) nicht selbstverständlich ist. Obwohl bekannt ist, dass in diesem Verhältnis häufig Differenzen auftreten, war ich zunächst erstaunt, dass ein solcher Ratgeber überhaupt notwendig ist. Im Kern vermittelt es vor allem gegenseitiges Verständnis für unterschiedliche Lebensrealitäten: ein Kind, das zu spät zur Schule kommt, kommt nicht zwangsläufig aufgrund der „Nachlässigkeit“ der Eltern zu spät – dahinter können ganz unterschiedliche familiäre Hintergründe stehen. Aber auch umgekehrt sensibilisiert Rogner für die Perspektive von Lehrkräften und die vielfältigen Anforderungen ihres Berufsalltags. Eltern wird teils viel abverlangt, z.B. schreibt Rogner „Eltern committen sich, aktiv am Schulleben teilzuhaben“ (S. 113). Zwar betont Rogner, dass dies „nach ihren jeweiligen Möglichkeiten“ (S. 113) geschehen soll, dennoch sehe ich die Kooperation und aktive Einbindung der Eltern im Kontext sozialer Ungleichheit eher als schwierig an. Es besteht meiner Meinung nach die Gefahr, dass sich bestehende soziale Ungleichheiten daher eher noch verstärken.

Insgesamt handelt es sich um einen praxisnahen Ratgeber mit zahlreichen Tipps, Lösungsansätzen und Fallbeispielen aus dem Schulalltag. Die bunte Gestaltung sowie viele Abbildungen und Tabellen tragen zusätzlich zum Verständnis bei.

Fazit

Larissa Rogner zeigt, wie wichtig gegenseitiges Verständnis für eine gelingende Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule ist. Der praxisnahe Ratgeber sensibilisiert für unterschiedliche Lebensrealitäten und liefert anhand von Beispielen aus der Praxis konkrete Lösungsansätze für Konflikte im Schulalltag.

Literatur

Robert-Bosch-Stiftung (2023): Das Deutsche Schulbarometer – Aktuelle Herausforderungen aus der Sicht der Lehrkräfte. https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/​lehrerumfrage-die-zehn-wichtigsten-ergebnisse-des-deutschen-schulbarometers-juni-2023/

Rezension von
Dr. Franziska Sophie Proskawetz
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Es gibt 22 Rezensionen von Franziska Sophie Proskawetz.

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ISSN 2190-9245