Burkhard Küstermann, Mirko Eikötter: Existenzsicherungsrecht für die Soziale Arbeit
Rezensiert von Prof. Dr. Markus Fischer, 19.12.2025
Burkhard Küstermann, Mirko Eikötter: Existenzsicherungsrecht für die Soziale Arbeit. SGB II und SGB XII.
edition sigma im Nomos-Verlag
(Baden-Baden) 2024.
291 Seiten.
ISBN 978-3-7560-0412-6.
24,00 EUR.
Reihe: Kompendien der Sozialen Arbeit.
Thema
Das Lehrbuch Existenzsicherungsrecht für die Soziale Arbeit stellt das SGB II und das SGB XII dar und ist in der Reihe „Kompendien der Sozialen Arbeit“ im Nomos-Verlag im Jahr 2024 erschienen. Die Reihe „Kompendien der Sozialen Arbeit“ richtet sich nach Angabe des Verlags an „Professionals, Berufseinsteiger:innen und -umsteiger:innen sowie an Studierende …“ (S. 2).
Autoren
Prof. Dr. Burkhard Küstermann arbeitet als Hochschullehrer für das „Lehrgebiet Rechtswissenschaft, insbesondere das Recht der Existenzsicherung und Sozialverwaltungsrecht“ an der Hochschule Bielefeld.
Prof. Dr. Mirko Eikötter ist tätig als Hochschullehrer für das Lehrgebiet „Rechtliche Grundlagen in der Sozialen Arbeit“ an der Technischen Hochschule Rosenheim.
Aufbau und Inhalt
Das Werk ist in 14 Kapitel aufgeteilt. Mit Ausnahme der Kapitel 12 (Leistungen für Personen in besonders schwierigen Lebenssituationen), 13 (Das vollständige Gutachten – Fälle zum SGB II und SGB XII mit Gutachtenlösungen) und 14 (Lösung zu den Wiederholungsfällen in den Kapiteln 2 bis 11 ) enthält jedes Kapitel mindestens einen Fall, an welchem die Lehrinhalte des jeweiligen Abschnitts dargestellt werden. Wiederholungsfälle werden am Ende der jeweiligen Kapitel zur Verfügung gestellt. Musterlösungen dazu, welche vorwiegend im Gutachtenstil verfasst sind, finden sich im letzten Kapitel des Buches. Zudem werden am Ende der ersten zwölf Kapitel jeweils Wiederholungsfragen gestellt, die sich mit dem Text des jeweiligen Kapitels beantworten lassen.
Das Lehrbuch ist vorwiegend wie ein Lehrgespräch verfasst. Die lesende Person wird dabei direkt angesprochen (Bsp.: „Sie wissen sicherlich bereits, dass …“ (S. 17)/„Gehen wir zeitlich und gedanklich noch einmal einen Schritt zurück“ (S. 171)) oder es werden wie in einer Lehrveranstaltung im Text Fragen (im Fettdruck) gestellt, die in den Fußnoten beantwortet werden (Bsp.: „Den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit kennen Sie sicherlich bereits. Welche vier Prüfungsschritte sind im Rahmen seiner Prüfung zu beachten?“ (S. 21)/„Legitimer Zweck, Geeignetheit, Erforderlichkeit, Angemessenheit“ (Fn. 6)).
Die ersten 12 Kapitel beinhalten die Grundlagen des SGB II und SGB XII mit Tabellen und sonstigen graphischen Darstellungen, während Kapitel 13 jeweils für das SGB II und das SGB XII Fälle mit Lösungen im Gutachtenstil zur Verfügung stellt und Kapitel 14 Musterlösungen zu den Wiederholungsfällen in den einzelnen Kapiteln enthält.
Die Grundlagen des Existenzsicherungsrechts sind in folgende Themen aufgeteilt: „Verfassungsrechtliche Grundlagen des Existenzsicherungsrechts“ (Kapitel 1), „Rechtsgrundlagen und Leistungssysteme der Grundsicherung“ (Kapitel 2), „Zuständigkeit und Verfahren“ (Kapitel 3), „Anspruchsvoraussetzungen“ (Kapitel 4), „Gemeinschaften“ (Kapitel 5), „Regelbedarf und Mehrbedarf“ (Kapitel 6), „Kosten der Unterkunft und Heizung“ (Kapitel 7), „Abweichender Bedarf und weitere Leistungen sowie Leistungen für Bildung und Teilhabe“ (Kapitel 8), „Sicherung im Krankheits- und Pflegefall“ (Kapitel 9), „Anrechnung von Einkommen und Vermögen“ (Kapitel 10), „Leistungskürzungen und Verpflichtungen Anderer“ (Kapitel 11) und „Leistungen für Personen in besonders schwierigen Lebenssituationen“ (Kapitel 12).
Diskussion
Mit Ausnahme des Asylbewerberleistungsgesetzes werden die Themen des Existenzsicherungsrechts, welche das Rechtscurriculum der BAGHR für das Existenzsicherungsrecht für die Soziale Arbeit beinhaltet (vgl. https://www.baghr.de/organisation/​curriculum-recht-2025/; 21.11.2025), im Rahmen eines Selbstlernkurses aufbereitet.
Die innovative Darstellung des Lehrinhaltes im Rahmen eines Lehrgespräches ermöglicht die verständliche Vermittlung des Stoffes durch selbstorganisiertes Lernen. Dass für die Wiederholungsfragen am Ende eines Kapitels keine Musterlösungen zur Verfügung gestellt werden und diese Fragen nur mit Hilfe des vorigen Textes beantwortet werden können, unterstützt dieses eigenverantwortliche Lernen.
Die Adressat:innen des Buches werden aufgefordert, die rechtlichen Lösungen durch Lesen des Gesetzestextes zu entwickeln. Ausgehend von dem Grundsatz „Das Gesetz ist nicht ihr Feind, sondern ihr Freund“ (S. 247) steht die rechtliche Darstellung im Vordergrund. Es wird vorausgesetzt, dass der Gutachtenstil in einer Grundlagenveranstaltung gelernt worden ist (S. 247). Ob dies vorausgesetzt werden kann, ist nach Ansicht des Autors zweifelhaft. Zwar werden nach den Erfahrungen des Verfassers der Rezension Studierende der Sozialen Arbeit das reichhaltige Übungsmaterial zu schätzen wissen, jedoch wäre eine spezifischere Fokussierung der Aufgaben auf die Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit wünschenswert gewesen. In diesem Zusammenhang hätte das Erfordernis der juristischen Denkweise in der Sozialen Arbeit im Unterschied zur Arbeit von Volljurist:innen in diesem Bereich erörtert werden können.
Fazit
Das vorliegende Lehrbuch bietet einen verständlichen Selbstlernkurs in die rechtlichen Grundlagen des SGB II und SGB XII mit vielfältigem Übungsmaterial und könnte als Material für eine „flipped classroom“ Lehrveranstaltung im Existenzsicherungsrecht im Rahmen des Studiums der Sozialen Arbeit benutzt werden. In den Präsenzzeiten an der Hochschule könnte dann auf das im Selbstlernkurs nicht behandelte Thema des Asylbewerberleistungsgesetzes eingegangen, die Vor- und Nachteile der juristischen Denkweise im Rahmen der Sozialen Arbeit am Beispiel des Existenzsicherungsrechts diskutiert und seine Bedeutung in den Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit erkundet werden.
Rezension von
Prof. Dr. Markus Fischer
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