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Thorsten Müller, Jan P. Schabbeck: Praxishandbuch Pflegerecht

Rezensiert von Marina Lenk, 07.11.2025

Cover Thorsten Müller, Jan P. Schabbeck: Praxishandbuch Pflegerecht ISBN 978-3-98800-174-0

Thorsten Müller, Jan P. Schabbeck: Praxishandbuch Pflegerecht. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2025. 2. neu bearbeitete Auflage. 394 Seiten. ISBN 978-3-98800-174-0. D: 59,00 EUR, A: 60,70 EUR.
Reihe: Gesundheitswesen in der Praxis.

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Thema

Die beiden Autoren des Buches Thorsten Müller und Jan P. Schabbeck stellen in ihrer 2. neubearbeiteten Auflage des Fachbuches „Praxishandbuch Pflegerecht“ aus der Reihe Gesundheitswesen in der Praxis kompakt, anschaulich das wichtigste rechtliche Wissen für Pflegekräfte in der Praxis vor. In der 2. Auflage wurden Neuerungen aus Recht und Gesetzgebung mit aufgenommen, wie die Themenbereiche Pflegekammern, Pflegeberufegesetz, Pflegekompetenzgesetz. „Ein unverzichtbares Nachschlagewerk für Pflegekräfte in ambulanten und stationären Einrichtungen, für Führungskräfte, Dozentinnen und Dozenten und alle, die Pflegerecht fundiert verstehen wollen.“ (Klappentext)

Autoren

Autoren des Fachbuches in der 2. Auflage sind: Thorsten Müller ist Dipl. Pflegewirt, MScN und Pflegesachverständiger, Fachkrankenpfleger für Intensivpflege und Hochschuldozent. 

Jan P. Schabbeck ist Fachanwalt für Medizinrecht und Arbeitsrecht. Geschäftsführender Gesellschafter der VSZ Rechtsanwälte, sowie Autor und Referent. 

Entstehungshintergrund

Nachdem die 1. Auflage des Fachbuches großes Interesse nach sich gezogen hatte und von vielen Seiten positives Feedback an die Autoren herangetragen wurde, haben sich die beiden Autoren für eine Neuauflage des Fachbuches entschieden. Hierbei wurden Anpassungen in den geänderten Bereichen der Gesetzgebung und Rechtsprechung vorgenommen. Mit vielen Praxisbeispielen, welche in den einzelnen Kapiteln eingepflegt wurden, soll den juristischen Laien praxisnah die komplizierte Rechtsprechung durch das Fachbuch nähergebracht werden.

Aufbau und Inhalt

Das Fachbuch im Taschenbuchformat umfasst insgesamt 394 Seiten. Es beinhaltet neben Vorwort, Literaturverzeichnis und Stichwortverzeichnis, acht Hauptkapitel. Die Hauptkapitel, welche jeweils wieder in verschiedene Unterkapitel gegliedert werden, sind:

  • I Arbeitsrecht für Pflegefachpersonen
  • II Haftung
  • III Die einzelnen Straftatbestände
  • IV Entlassmanagement durch das Krankenhaus
  • V Arzneimittel
  • VI-Abrechnung im Gesundheitswesen
  • VII Ein Wort zu Versicherungen
  • VIII Delegation ärztlicher Leistungen und Heilkunde durch Pflegefachpersonen

Die Hauptkapitel decken die wichtigsten Bereiche zum rechtlichen Grundlagenwissen für Pflegefachpersonen ab.

1. Kapitel: Arbeitsrecht für Pflegefachpersonen

Im Kapitel 1 werden die Bereiche des Arbeitsrechtes wie Arbeitsvertrag, Befristung, Direktionsrecht, Schweigepflicht, Urlaub, Teilzeit, Schutzpflichten, Beschäftigung von Jugendlichen, Mutterschutz etc. übersichtlich gegliedert und ausführlich dargestellt. Es werden zwischen den einzelnen Kapiteln immer wieder Fallbeispiele aus der pflegerischen Praxis eingestreut, um das Thema besser verständlich zu machen.

2. Kapitel: Haftung

Im zweiten Kapitel erfährt der Leser Grundlegendes zur Haftung. Darunter fallen beispielsweise:

  • Zivil- und Strafrecht
  • Folgen der Haftung
  • Einwilligungsfähigkeit
  • Aufklärung

Auch die praxisrelevanten Bereiche wie Patientenverfügung, Wille des Patienten, mutmaßlicher Wille, Betreuer/​Vertreter, zentrales Vorsorgeregister werden in einzelnen Unterpunkten detailliert dargestellt.

Die einzelnen Themenbereiche werden sehr ausführlich dargestellt und zum besseren Verständnis wieder mit Praxisbeispielen untermauert.

3. Kapitel: Die einzelnen Straftatbestände

Die beiden Autoren geben im dritten Kapitel einen Überblick über die wichtigsten Straftatbestände. Zu diesen Straftatbeständen in der Praxis zählen:

  • Körperverletzung
  • Tötungsdelikte
  • Freiheitsentziehende Maßnahmen
  • Schweigepflicht und Datenschutz
  • Abrechnungsbetrug
  • Korruption im Gesundheitswesen

Insbesondere der Bereich der freiheitsentziehenden Maßnahmen und das Sturzrisikos

wird hierbei wieder mit Fallbeispielen aus der Praxis untermalt.

Ein kurzer Einblick in ein Fallbeispiel aus dem Kapitel 3:

„Patient P. ist eigentlich unauffällig. Nur von Zeit zu Zeit, etwa alle vier Wochen, „flippt“ er nachts aus, verlässt sein Zimmer und weckt alle Bewohner. Dabei ist er allerdings so schlecht zu Fuß, dass ihm jederzeit etwas geschehen könnte. Die Schwestern helfen sich dann unbürokratisch damit, dass sie sicherheitshalber die Tür abschließen und P. so das Zimmer nicht mehr verlassen kann (…)“ (Müller, Th., Schabbeck, J. P., 2025, S. 225).

4. Kapitel: Entlassmanagement durch das Krankenhaus

Im vierten Kapitel wird auf den Bereich Entlassmanagement und die rechtlichen Grundlagen dazu eingegangen. Rahmenvertrag sowie Verordnungsmöglichkeiten für die Anschlussversorgung werden hier detailliert beleuchtet. Auch spezielle Bereiche wie Außerklinische Intensivpflege oder Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) wurden im Buch mit aufgenommen. Für die Verordnung der außerklinischen Intensivpflege wird auf die Bedeutung der Neuregelung durch die AKI-Richtlinie und die Rahmenempfehlungen nach § 132l SGB XI, bei der Verordnung zur außerklinischen Intensivpflege eingegangen.

Auch in diesem Kapitel wird wieder durch Fallbeispiele aus der Praxis ergänzt und vertieft.

5. Kapitel: Arzneimittel

Im fünften Kapitel wird der Bereich der Arzneimittel beleuchtet. Dazu zählen die Themenbereiche:

  • Off-Label-Use
  • Aufklärung und Haftung
  • Abgabe von Medikamenten durch Pflegefachpersonen
  • Lagerung von Arzneimitteln
  • Zusammenarbeit mit Apotheken
  • BtMG
  • FAQ-Arzneimittel

Zum Themenbereich „Off-Label-Use“ schreiben die Autoren Müller und Schabbeck:

„Eine bekannte Ausnahme, die in der täglichen Praxis eine Rolle spielt, ist der sogenannte Off-Label-Use. Hierbei handelt es sich um die Anwendung eines Arzneimittels außerhalb seiner Zulassung. Dazu zählen alle Abweichungen von den allgemeinen Zulassungsangaben. (…)“ (Müller, Th., Schabbeck, J. P., 2025, S. 267)

6. Kapitel: Abrechnung im Gesundheitswesen

Im sechsten Kapitel beschreiben die beiden Autoren die verschiedenen Abrechnungsmodalitäten im Gesundheitswesen. Dazu zählen die vertraglichen Regelungen in der häuslichen Krankenpflege, die Abrechnung in der stationären Pflege, die Pflegebuchführungsverordnung, die Abrechnung im Krankenhaus, Entgeltsysteme in der Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, sowie das Asylbewerberleistungsgesetz.

Die Abrechnung im Krankenhaus ist sehr komplex gestaltet und schwer zu verstehen. Dieser Bereich wurde im Fachbuch mit mehreren Tabellen und Beispielberechnungen grafisch anschaulich dargestellt und erklärt.

7. Kapitel: Ein Wort zu Versicherungen

Zum Themenbereich der Versicherungen schreiben die Autoren in ihrer Einführung zum Kapitel: „Die richtige Versicherung kauft man nicht um die Ecke und auch nicht en passant. Gerade wenn man eine Versicherung sucht, die das berufliche Umfeld als Pflegefachperson absichert, sollte man sich gut informieren und entsprechende professionelle und vertrauenserweckende Versicherungsagenten oder -makler beauftragen.“ (Müller, Th., Schabbeck, J. P., 2025, S. 341)

Es wird auf die Bereiche Berufshaftpflicht, Rechtschutzversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung, private Unfallversicherung eingegangen.

8. Kapitel: Delegation ärztlicher Leistungen und Heilkunde durch Pflegefachpersonen

Das achte Kapitel bildet den Abschluss des Fachbuches und beschäftigt sich mit dem Themenfeld Delegation ärztlicher Leistungen und Heilkunde durch Pflegefachpersonen, sowie deren rechtlichen Grundlagen. Dabei werden auch die Bereiche Haftung, Zulässigkeit und arbeitsrechtlicher Kontext genauer betrachtet. Der Elektronische Heilberufeausweis, Heilkunde durch Pflegefachpersonen, Empfehlungen von Hilfsmitteln durch Pflegefachpersonen sowie die Ausstellung einer Verordnung zur häuslichen Krankenpflege durch Pflegefachpersonen bilden den Abschluss des Kapitels.

Diskussion

Die beiden Autoren bringen viel praktische Erfahrung aus ihren beruflichen Tätigkeiten mit und verbinden in ihrem Fachbuch sehr geschickt die beiden Bereiche Pflege und Recht. Mit kurzweiligen und sehr praxisorientierten Fallbeispielen gelingt es den Autoren die schwer zu verstehende Thematik Recht – verständlich zu machen. Eine gelungene Neubearbeitung der 1. Auflage des Fachbuches. Viele relevante Themenbereiche werden aufgegriffen, rechtliche Grundlagen und Transfer zur pflegerischen Praxis werden gekonnt miteinander verbunden.

Durch das Format eines Taschenbuches, kann das Buch auch bequem in der Tasche mitgenommen werden und lädt durch seine übersichtliche und strukturierte Aufmachung zum Blättern und Nachschlagen ein.

Fazit

Das Fachbuch „Praxishandbuch Pflegerecht“ ist in der 2. Auflage im Medhochzwei Verlag erschienen. Die zweite Auflage wurde neu bearbeitet und vor allem Änderungen im Bereich des Rechts und der Gesetzgebung wurden mit aufgenommen und ergänzt. Das Fachbuch dient zum einen als schnelles Nachschlagewerk für verschiedene Bereiche des Pflegerechtes, sowie auch als Hintergrund- oder Vertiefungsliteratur für Ausbildung, Studium, Fort- und Weiterbildung in pflegerischen Bereichen.

Rezension von
Marina Lenk
Gesundheits- und Pflegemanagerin (B.A.), Pflegeberaterin §7a SGB XI, Fachkrankenschwester für Anästhesie- und Intensivpflege, Palliative-Care-Fachkraft, Betriebliche Gesundheitsmanagerin, freiberufliche Fachautorin und Dozentin
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Es gibt 9 Rezensionen von Marina Lenk.

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ISSN 2190-9245