Brot für die Welt.: Atlas der Zivilgesellschaft 2025
Rezensiert von Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer, 22.08.2025
Brot für die Welt.: Atlas der Zivilgesellschaft 2025. Angriffe auf den Rechtsstaat. Freiheitsrechte unter Druck. Zahlen, Analysen, Interviews.
Eigenverlag
2025.
45 Seiten.
Art.-Nr. 119 313 430; Online und Download (PDF): www.brot-fuer-die-welt.de/atlas-zivilgesellschaft .
Zivilgesellschaft
Zivilisiert leben bedeutet, human, menschenwürdig, ethisch, auf den Grundlagen der allgemeinverbindlichen, nicht relativierbaren Menschenrechte zu leben. Der zôon politikon, wie er im antiken Denken (Aristoteles) entwickelt wurde, ist ein Mensch, dessen Denken und Handeln friedlich, freiheitlich, gleichberechtigt, solidarisch und demokratisch ist. Angesichts der kakophonen, ego-, ethnozentristischen, rassistischen und populistischen Entwicklung gilt es, ein zivilisiertes Bewusstsein zu bilden.
Entstehungshintergrund und Herausgeber
Staatliche und private, lokale und globale Einrichtungen setzen sich damit auseinander, wie es möglich wird, dass die Menschheit friedlich, freiheitlich, unabhängig und gerecht zusammenleben kann. Die internationale Initiative CIVICUS ist eine Bürger-Allianz für zivilgesellschaftliches Handeln. Die globalen Daten ermittelt sie mit wissenschaftlichen Methoden. Das internationale kirchliche Netzwerk ACT Alliance ist ein Zusammenschluss für humanitäre Arbeit und Entwicklungszusammenarbeit.Das Evangelische Werk für Diakonie und Entwicklung e.V. in Berlin reagiert auf die unerträgliche, inhumane Situation, dass aktuell weltweitmehr als 70 % der Weltbevölkerung (mehr als 5,8 Milliarden Menschen) in Ländern leben, in denen die Zivilgesellschaft eingeschränkt oder unterdrückt wird: „Rechtsstaatliche Mechanismen werden zunehmend ausgehöhlt und unterwandert“. Der Atlas wird von Christian Jakob, Christine Meissler und Martina Hahn herausgegeben.
Aufbau und Inhalt
In zwei Teilen werden die von CIVICUS ermittelten Daten zur globalen Lage analysiert: „Der Druck auf die Zivilgesellschaft nimmt zu“. In fünf Weltkarten – Europa/​Zentralasien, Amerika, Asien/​Pazifik, Naher Osten/​Nordafrika, Afrika südlich der Sahara – werden Zahlen und Fakten ausgewiesen und die Länder der Erde in fünf Kategorien gegliedert: Als „offen“ (open) werden 40 Staaten ausgewiesen, die den Bürgerinnen und Bürgern zivilgesellschaftliche Freiheiten ermöglichen; das sind 3,5 % der Weltbevölkerung. Als „beeinträchtigt“ (narrowed) gelten 42 Staaten. Individuen und zivilgesellschaftliche Organisationen können sich zwar zusammenschließen und versammeln und ihre Meinungen äußern, doch sie sind darin eingeschränkt und Willkür ausgesetzt; das sind 11,2 %. „Beschränkt“ (obstructed) sind 35 Staaten, die Bürger überwachen, bürokratisch schikanieren und öffentlich demütigen, 12,9 %. Als „unterdrückt“ (repressed) gelten 51 Staaten, 42,6 %, und „geschlossen“ (closed) sind 29 Staaten: Demokratische, freie Rechte existieren nicht, 29,9 %. Zusammengenommen leben 72,5 % der Menschen in Staaten, „in denen der Handlungsraum der Zivilgesellschaft unterdrückt oder geschlossen ist“. Das ist die Grundaussage des zweiten Kapitels. Die Landkarten „Europa/​Zentralasien, Amerika, Asien/​Pazifik, Naher Osten/​Nordafrika, Afrika südlich der Sahara“ vermitteln mit der Farbe Rot – eingeschränkte oder fehlende Freiheitsrecht – ein deprimierendes Bild vom Zustand der Welt. Die Forderungen, dass eine bessere, menschenwürdige Welt möglich wird, liegen auf den Tischen der Erde: Zivilgesellschaft als Motor für gerechte und nachhaltige Entwicklung.
Diskussion
Leben ist Bildung und Veränderung. Der anthropologische Anspruch, bewusst und intellektuell in der Welt zu sein, unterliegt der Tatsache, dass Leben Veränderung ist. Die Weltkommission „Kultur und Entwicklung“ hat 1995 gefordert, „umzudenken, sich umzuorientieren und gesellschaftlich umzuorganisieren“, und damit neue Lebensformen zu bilden. Weil, wie es in einer Aussage heißt, dass „jeder Einzelne von uns tagtäglich die Verantwortung für die Zukunft der Menschheit trägt“ (Enrique Barón Cresp, 1992), ist auch jedes Individuum und jede Gesellschaft aufgefordert, zivilgesellschaftlich, menschenwürdig zu denken und zu handeln.
Fazit
Der von „Brot für die Welt jährlich, auf der Grundlage der Daten und Erhebungen von CIVICUS, dem globalen Netzwerk für Bürgerbeteiligung herausgegebenem „Atlas der Zivilgesellschaft“, ist eine Handreichung zur Förderung des humanen Menschenbewusstseins, für die Schule und auf den Schreibtisch!
Rezension von
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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