Jürgen Beushausen: Beratung lernen
Rezensiert von Prof. Dr. Carsten Rensinghoff, 22.09.2025
Jürgen Beushausen: Beratung lernen. Grundlagen Psychosozialer Beratung und Sozialtherapie für Studium und Praxis. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2025. 3. überarbeitete u. erweiterte Auflage. 374 Seiten. ISBN 978-3-8252-6531-1. D: 33,00 EUR, A: 34,00 EUR, CH: 41,90 sFr.
Siehe auch Replik oder Kommentar am Ende der Rezension
Thema
Jürgen Beushausen befasst sich in diesem Lehrbuch mit integrativen und praxisnahen Beratungskonzepten.
Autor
Jürgen Beushausen ist an der DIPLOMA-Hochschule Studiendekan im Masterstudiengang Psychosoziale Beratung in Sozialer Arbeit
Entstehungshintergrund
Der Autor hat in dieser Auflage Ergänzungen im Kapitel Mentalisierung und Emotionsregulierung vorgenommen. Eine umfangreiche Überarbeitung erfolgte in den Kapiteln Diagnostik, Zwangskontexte, Psychosoziale Traumatologie, Selbstreflexion, Psychohygiene und Symptomanalyse.
Inhalt
Im Zusammenhang mit den theoretischen Positionen – nach der Einleitung im zweiten Kapitel – werden zunächst die Grundzüge und Definitionen von Beratung und Sozialtherapie aufgeführt. Ausführlich wird sich dem biopsychosozialen (ökologischen) Modell gewidmet. Bei der Diskussion der integrativen Verfahren, diskutiert Beushausen vor allem die Integrative Therapie.
Unter anderem mit dem beratungsrelevanten Grundlagenwissen befasst sich die Praxeologie zu Beginn. Zentral ist die Kenntnis „über die Haltungen des Beraters, sowie grundlegende Postulate und Schemata zur Klassifikation des Beratungsprozesses. Thematisiert werden Ebenen der Kommunikation und der emotionalen Tiefung im Beratungsprozess“ (S. 95). Der Ablauf einer Beratung bzw. Sozialtherapie folgt dem Basiswissen. Direkt in das Geschehen greifen die Interventionen ein, denen sich die praxeologischen Überlegungen außerdem widmen. Da der Einstieg in eine Beratung sehr bedeutsam ist, werden diese – auf dem Feld der Praxeologie – gesondert besprochen.
Das Erstgespräch ist für die Diagnostik sehr bedeutsam. Aus diesem Grund wird dasselbe im vierten Kapitel eingehend behandelt. In diesem Erstgespräch wird das Beratungsziel der Beratung erarbeitet, indem hier „gemeinsam mit dem Klienten Erstrebenswertes und Wünschenswertes für den Beratungsprozess entwickelt“ (S. 173) wird. Beratung beinhaltet immer die Konstruktion von Hypothesen. Hypothesen verhindern, „dass im Gespräch der Prozess dahintreibt und die Intuition der Berater nicht reflektiert wird“ (S. 180).
Grundlegende Perspektiven, die der Verfasser im fünften Kapitel bespricht, sind beispielsweise Widerstände, die durch negative Übertragungen des Klienten gegenüber dem Berater charakterisiert sind. Zur Sprache kommen in diesem Abschnitt auch die sog. Übertragungen und Gegenübertragungen. Für Erstgenanntes wird ausgeführt, dass Klienten sich in beraterischen bzw. therapeutischen Situationen so verhalten, „als ob sein Gegenüber sein Vater, seine Mutter oder eine andere Person wäre“ (S. 211). Letztgenanntes sind heftige Gefühle und Einstellungen, wie Ärger, besondere Fürsorge oder Wut.
Das sechste Kapitel befasst sich mit Methoden, die für eine Beratung hilfreich sind. So widmet sich der Verfasser u.a. den hilfreichen Fragen, als da z.B. wären Fragen zum Generieren von Unterscheidungen oder Fragen zum Problem und dessen Kontext.
Da Beratung nicht nur trocken über die Sprache ablaufen muss, wird sich mit dem Einsatz kreativer Medien befasst, weil „jeder Mensch ursprünglich kreativ ist“ (S. 270).
Eine zentrale Beratungstechnik stellt die, von Beushausen entwickelte, Genogrammarbeit dar, die zur Analyse der „jeweils historisch gewachsenen sozialen, personalen, ökonomischen und politischen Bildungskonstellationen, innerhalb derer sich Einschränkungen und Entfaltungen individueller Entwicklungsmöglichkeiten ergeben“ (S. 291) beiträgt.
Eine begonnene Beratung kommt irgendwann einmal zu ihrem Abschluss. Dieser Aspekt kommt in den abschließenden Anmerkungen – in Kapitel 7 – zur Sprache. Häufig, so Beushausen, „wird die Bedeutung des Abschlusses bzw. des Abschieds von der Beratung oder vom Berater für die Klienten“ (S. 347) unzureichend in den Blick genommen.
Im Anschluss an eine Beratung steht die Selbstreflexion, bei der es sich um eine Selbstbetrachtung und -erforschung handelt.
Da psychosoziale Berufe zu den am stärksten belasteten Arbeitsfeldern gehören, sind Ausführungen zur Psychohygiene und Burnout-Prophylaxe unerlässlich. Diese werden von Jürgen Beushausen ganz am Ende des Buches gemacht.
Diskussion
Einen zentralen Stellenwert haben die Ausführungen zur Ressourcen- und Lösungsorientierung in Kapitel 5.1. Gerade die Ressourcenorientierung ist für die beraterische Tätigkeit – z.B. auch im heilpädagogischen Kontext – so wichtig, denn sie geht, im Gegensatz zur, in der professionellen Behindertenhilfearbeit immer noch oft erkennbaren, Defizitorientierung, „von der Annahme aus, dass jeder Mensch mithilfe seiner Ressourcen Bewältigungsmöglichkeiten für anstehende Handlungsherausforderungen entwickeln kann“ (S. 226).
Für das Studium des Buches sind die Übungsvorschläge, die einige Abschnitte am Ende enthalten, eine gute Probe des Gelesenen.
Fazit
Für die Beratung Lernenden ist das besprochene Buch ein hilfreiches Mittel, um sich mit den unterschiedlichen Facetten von Beratung zu befassen. Hierfür sind die Übungen als sinnvoll und hilfreich hervorzuheben. Letzteres trifft auch für das – 60 Seiten umfassende – Zusatzmaterial zu, welches im Internet abrufbar ist.
Rezension von
Prof. Dr. Carsten Rensinghoff
Hochschullehrer für Heilpädagogik und Inklusive Pädagogik an der DIPLOMA Hochschule
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