Iris Lederer: Sichtbar werden!
Rezensiert von Prof. Dr. Cornelia Enger, 12.01.2026
Iris Lederer: Sichtbar werden! PR-Strategien und Tipps für soziale Organisationen, Vereine und Unternehmen. Handbuch für die tägliche Praxis. WALHALLA Fachverlag /metropolitan Verlag (Regensburg) 2025. 134 Seiten. ISBN 978-3-8029-5426-9. 37,95 EUR.
Autorin
Iris Lederer ist PR-Fachfrau mit langjähriger Berufserfahrung im internationalen Marketing eines Großkonzerns, insbesondere in den Bereichen Werbung, Public Relations, Promotion und neue Medien. Seit nunmehr über zwanzig Jahren ist sie freiberuflich tätig. Neben ihrer Arbeit als Englischlehrerin, in der sie sowohl Unternehmen als auch Einzelpersonen unterrichtet, berät sie kulturelle Projekte und soziale Organisationen in Kommunikationsfragen.
Entstehungshintergrund
„Sichtbar werden! – PR-Strategien und Tipps für soziale Organisationen, Vereine und Unternehmen“ erschien im Themenschwerpunkt „Management, Soziales & Gesundheit“ des Walhalla Fachverlags und entstand vor dem Hintergrund der betrieblichen Berufspraxis der Autorin. Vor einigen Jahren unterstützte Iris Lederer einen sozialen Verband in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Dabei gewann sie Einblicke in die Vielfalt, Komplexität und gesellschaftliche Relevanz sozialer Arbeit und erkannte zugleich die Bedeutung öffentlicher Sichtbarkeit für soziale Träger sowie für deren Klientinnen und Klienten. Ihre Erfahrungen bilden die Grundlage des Buches, das als Ratgeber für die tägliche Praxis geschrieben wurde.
Aufbau
Das Buch mit dem Untertitel „Handbuch für die tägliche Praxis“ umfasst neun Kapitel, die in die Grundlagen sowie in weiterführende Themen einführen. Die einzelnen Kapitel behandeln die begrifflichen und konzeptionellen Grundlagen von Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bzw. Public Relations (PR), den Einstieg in die praktische Umsetzung sowie relevante rechtliche Rahmenbedingungen. Es werden spezielle Aspekte interner und externer Kommunikation erläutert, wie der Umgang mit Medien und Presse, und es wird sich Fragen zum Kommunikationshandeln in Krisensituationen, den Grundlagen des Fundraisings und der Social-Media-Kommunikation gewidmet.
Inhalt
Die einzelnen Kapitel des Handbuchs behandeln ausgewählte Themenfelder der Public Relations. Eingangs werden grundlegende Begriffe und Abgrenzungen erläutert, wie die Unterscheidung zwischen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Public Relations, Werbung und Social Media. Es wird der Frage nachgegangen, unter welchen Voraussetzungen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in sozialen Organisationen gelingt und wie der Einstieg in diesen Aufgabenbereich erfolgen kann. Hilfreich hierfür ist unter anderem die vorgestellte SWOT-Analyse zur PR-Arbeit, um als soziale Organisation eigene Stärken und Schwächen, aber auch Chancen und Risiken in Bezug auf das Umfeld zu erkennen.
Ein weiterer Schwerpunkt gleich zu Beginn des Handbuchs für die tägliche Praxis liegt auf rechtlichen Fragestellungen, speziell zu Urheber-, Nutzungs- und Bildrechten. Was ist wann erlaubt und wann sind welche Lizenzbedingungen sicherzustellen, um rechtliche Folgeprobleme und ggf. Schadensersatzforderungen zu vermeiden? Zugleich werden die Bedeutung und der Aufbau eines Impressums als digitale Visitenkarte, einschließlich des Digitalen-Dienste-Gesetzes (DDG) und der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), eines sozialen Unternehmens erläutert.
Kommunikation findet im Unternehmen und nach außen gerichtet statt. Dementsprechend gilt es, bewusst zwischen interner und externer Kommunikation zu unterscheiden. Während die interne auf die Kommunikation innerhalb der Organisation abzielt, befasst sich die externe Kommunikation mit der Ansprache der Öffentlichkeit. Hierfür stehen verschiedenste Kommunikationsmöglichkeiten und -kanäle zur Verfügung. Iris Lederer erläutert die unterschiedlichen klassischen Medienkanäle, digitale wie auch die der direkten Kommunikation (bspw. Pressegespräch, Veranstaltungen). Sie wägt die Möglichkeiten, Potenziale wie auch Herausforderungen im Umgang mit digitalen Tools, einschließlich KI-gestützter Anwendungen wie ChatGPT, anhand von angewandten Beispielen ab.
Ein gesondertes Kapitel ist der Medien- und Pressearbeit gewidmet. Um positive Aufmerksamkeit durch die Medien zu bekommen, bedarf es interessanter Themen und einer gelungenen Ansprache sowie Struktur, um einen gewissen „Spannungsbogen aufzubauen“, einschließlich geeigneter Bilder, die die Botschaft angemessen transportieren bzw. verstärken. Doch ebenso kann ein Pressetermin, gut vorbereitet, eine Möglichkeit bieten, um Neuigkeiten mitzuteilen, Hintergründe zu erläutern und auf Fragen professionell zu reagieren.
Wie alle Unternehmen können auch soziale Träger von Krisen betroffen sein, ob von finanziellen Engpässen, Reputationskrisen, organisationsinternen Konflikten oder auch unvorhergesehenen Ereignissen (bspw. einer Pandemie). Ab wann kann von einer Krise gesprochen werden und wie gilt es, mit Krisen am sinnvollsten umzugehen? Abwarten, nur das Offensichtlichste kommunizieren oder transparent von Anfang an Einblick geben? Anhand verschiedener Beispiele aus der Sozialwirtschaft, aber auch aus anderen Branchen, stellt die Autorin gelungene wie weniger gelungene Wege vor, wie erfolgreich oder ggf. auch weniger erfolgreich mit Krisen umgegangen wurde.
Kapitel 7 widmet sich dem großen Bereich des Fundraisings. Fundraising, allgemein verstanden als eine systematische Herangehensweise zur Ressourcenbeschaffung, umfasst einen umfassenden Blick im Sinne einer Analyse, Planung, Durchführung und Kontrolle aller damit verbundenen Maßnahmen. Fundraising ist nicht ohne Öffentlichkeitsarbeit denkbar. Beides muss, so die Autorin, „wie zwei Zahnräder, die perfekt ineinandergreifen“ gedacht werden. Dementsprechend wird in diesem Kapitel der Fokus auf die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gelegt. Es werden Spendenmotive, Zielgruppen sowie Strategien zur Ansprache und zur langfristigen Bindung von Unterstützerinnen und Unterstützern erläutert.
Ein vorletztes Kapitel (vor einem einseitigen Prolog in Kapitel 9) widmet sich der Social-Media-Kommunikation. Ziel ist es, zu verdeutlichen, dass Social Media über das bloße Veröffentlichen von Beiträgen hinausgeht. Die Autorin stellt Plattformen wie Facebook, Instagram, TikTok, LinkedIn und YouTube vor und vergleicht deren Ausrichtung in Bezug auf Zielgruppen, Inhalte und Vorteile für soziale Organisationen.
Diskussion
„Sichtbar werden!“ umfasst eine große Bandbreite an Themen aus dem Arbeitsfeld der Öffentlichkeits- und Pressearbeit (PR-Arbeit). Im Vordergrund aller Themen steht das praktisch umsetzbare „Handwerkszeug“. Schrittweise werden Vorgehensweisen beschrieben, Vor- und Nachteile abgewogen, Beispiele zur Verdeutlichung angeführt, Checklisten den Lesenden zur Verfügung gestellt und Beispieltexte bereitgestellt, die in vergleichbaren Situationen Anwendung finden könnten.
Damit wird „Sichtbar werden!“ dem gesetzten Ziel, konkrete Tipps für eine alltägliche PR-Arbeit zu geben und damit ein Handbuch für die tägliche Praxis zu sein, gut gerecht. Gerade in den Anfängen im Bereich Öffentlichkeits- und Pressearbeit ist dies hilfreich. Will sich eine soziale Organisation vertiefend mit beispielsweise einem professionellen Fundraising auseinandersetzen, ist „Sichtbar werden!“ ein erster Anknüpfungspunkt.
Das Handbuch ist übersichtlich gegliedert und arbeitet mit klaren Überschriften sowie grafischen Elementen, die sehr gut der Orientierung innerhalb der Kapitel dienen. Es informiert, schafft einen Überblick und ein erstes gutes Verständnis für das Thema. Damit ist es ein gutes Arbeitsbuch für Personen mit (noch) wenig praktischer Erfahrung und geringen zeitlichen Ressourcen im sozialen Bereich, wie etwa im Ehrenamt, die das soziale Engagement ihrer Organisation unterstützen möchten. Es kann aber auch als Arbeitsbuch für Auszubildende und Studierende mit einem ersten Kontakt zur praktischen PR-Arbeit dienen.
Fazit
Der Untertitel „Handbuch für die tägliche Praxis“ trifft die Ausrichtung des Buches sehr gut. Es bietet grundlagenorientiert vor allem für Neueinsteiger im Bereich PR-Arbeit eine praxisnahe Handlungsanleitung. Es bietet schrittweise Anleitungen, nimmt die Lesenden gleich „bei der Hand“ und hilft dank vielfältiger Orientierungs-, Handlungs- und Formulierungshilfen zu einem strukturierten Einstieg in die Öffentlichkeits- und Pressearbeit. Es ist ein guter Leitfaden für Interessierte, die das Handwerkszeug in die Hand bekommen möchten, um schrittweise in den Anfängen im Sinne einer „Starthilfe“ begleitet zu werden.
Rezension von
Prof. Dr. Cornelia Enger
Westsächsische Hochschule Zwickau, Professur für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Sozialmanagement.
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