Petra Jäger, Gerald Hüther et al.: Wo Kindheit Wurzeln schlägt
Rezensiert von Alexandra Großer, 15.01.2026
Petra Jäger, Gerald Hüther, Reinhild Eggenwirt: Wo Kindheit Wurzeln schlägt. Die Bedeutung von Naturerfahrungen für ganzheitliches Aufwachsen.
AV1 Pädagogik-Filme
(Kaufungen) 2025.
36,00 EUR.
72 Minuten
DVD-Nummer: 46505768
Online-Nummer: 55507986.
Thema
Der Film beleuchtet die pädagogische Praxis von Natur- und Waldkindergärten. Er zeigt, welche Lernmöglichkeiten und Bildungsmöglichkeiten der Wald, die Natur den Kindern bietet, und geht auf die vielfältigen Erfahrungen, die Kinder im Wald und in der Natur machen, ein. Die pädagogischen Fachkräfte berichten im Interview über ihre pädagogische Arbeit, welche Voraussetzungen es braucht, um als pädagogische Fachkraft im Waldkindergarten zu arbeiten.
Autor:in oder Herausgeber:in
Dr. rer. nat. Dr. med. habil. Gerald Hüther ist Neurobiologe und Vorstand der Akademie für Potenzialentfaltung. Er ist Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und Sachbuchautor. Petra Jäger ist Erzieherin, systemische Beraterin und Mitbegründerin des „Waldkindergarten Flensburg“, den sie seit 1993 leitet. Als Referentin hält sie im In- und Ausland regelmäßig Vorträge zum Thema Wald- und Naturpädagogik. 2014 baute sie mit Lorenzo Filippi eine internationale Föderation der Waldkindergärten auf. Sie ist Mitgründerin des „internationalen Wald- und Naturkindergartentag“ und der Plattform „Global Forstkindergarten“. Reinhild Eggenwirth ist Leiterin des Kindergartens „Waldkinder am Leuchtberg“ in Eschwege. Davor begleitete sie in Nordhessens Buchenwäldern Kinder beim Wachsen, Entdecken, Forschen, Träumen, Sein. Der Film wurde von Steffi Thon produziert. Die Kamera führten Sven Veidt, Steffi Thon und Lena Friesen. Die Off-Sprecherin Anna Barkowski begleitet durch die einzelnen Kapitel.
Aufbau
Der Film enthält neun Kapitel mit Filmausschnitten einer Waldkita, Interviews mit Gerald Hüther, Petra Jäger und Reinhild Eggenwirth sowie weiteren Personen.
Inhalt
01 Einführung (00:00:00 – 00:06:19)
Die Sprecherin im Off lädt ein, einen Ort ohne Wände kennenzulernen und zu erleben, wo Kindheit Wurzeln schlägt: im Wald. Dort, wo Kinder viel freien Raum haben, um ihren Interessen nachgehen zu können, wo Kinder eine glückliche Kindheit erleben, sich als selbstwirksam erleben und Dinge erforschen können. Dort, wo Kinder mit allen Sinnen Erfahrungen machen können und ganzheitlich lernen, wie Gerald Hüther anschaulich an einem Beispiel erklärt.
02 Vorteile für die kindliche Entwicklung (00:06:27 – 00:12:47)
Im Waldkindergarten – im Naturraum – schulen die Kinder alle ihre Sinne. Kinder bekommen durch die Umgebung viele Anregungen, mit denen sie ihre Kreativität, ihren Gleichgewichtssinn, ihren Orientierungssinn, ihren Geruchs- und Hörsinn trainieren. Ein Aspekt, der in diesem Kapitel benannt wird, ist die Gesundheit der Kindheit. Sich zu jeder Jahreszeit bei jedem Wetter draußen zu bewegen, härtet ab. Durch die viele Bewegung auf unterschiedlichen Untergründen – Waldboden, Wiese, auf Bäume klettern – erleben Kinder viele Bewegungsmöglichkeiten und lernen ihren Körper kennen. Gerald Hüther bestätigt, dass ein Kind sich bewegen muss, um sich selbst entdecken zu können. Im Naturraum hat es die Gelegenheit zu erfahren, was es alles mit seinem Körper machen kann, und lernt seinen Körper kennen.
03 Bildung im Naturraum (00:12:50 – 00:26:09)
Im Fokus dieses Kapitels steht neben der Stärkung der Gesundheit auch die Frage danach, ob die Waldkinder auch in der Schule zurechtkommen, welche Fähigkeiten und Kompetenzen sie mitbringen. Da die Kinder sich viel bewegen, bauen, gestalten, auf Bäume klettern, schnitzen, machen sie viele mathematische und physikalische Erfahrungen, trainieren ihre Grob- und Feinmotorik, Konzentration und Geduld. Kinder, die eine Hütte aus Ästen bauen, müssen überlegen, wie viele Äste sie noch brauchen. Sie üben sich in Geduld, machen ästhetische Erfahrungen, trainieren ihre Feinmotorik beim Schnitzen und Gestalten mit Stöcken, Tannenzapfen, Moos. Im Film werden beispielhaft kreative Bilder aus Stöcken, Federn, Moos und Tannenzapfen gezeigt sowie Kinder, die Tannenzapfen zählen, auf Baumscheiben schreiben, auf Bäume klettern und auf Ästen balancieren.
04 Soziales Lernen und Empathie (00:26:10 – 00:32:45)
Gerald Hüther geht nicht davon aus, dass Erwachsene Kindern Empathie beibringen müssen. Er geht davon aus, dass Kinder diese Fähigkeit bereits mitbringen, diese jedoch auf dem Weg zum Erwachsenwerden uns als Erwachsene abhandengekommen ist. Er begründet dies damit, dass wir ein Menschenbild leben, welches geprägt ist von Leistungsdruck, Konkurrenz und Wettkampf. Wir Erwachsene sollten verhindern, dass Kinder „zu früh unter Druck geraten, zu früh in Wettbewerbssituationen kommen“. Kinder fühlen sich mit anderen verbunden. Diese Verbundenheit führt dazu, dass Kinder sich in andere einfühlen können. Wenn es gelingt, Kinder vor diesem Druck und Wettbewerb zu schützen, könnte eine friedlichere Generation heranwachsen, die sich miteinander verbunden fühlt, so seine These. Petra Jäger erklärt dazu, wie sie Kinder dabei unterstützt, ihre Gefühle wahrzunehmen. Vor allem in Konfliktsituationen sei es wichtig, die Kinder dabei zu unterstützen, den Konflikt miteinander zu klären und gemeinsam Lösungen zu finden. Dabei ist es wichtig, den Kindern ihre Gefühle zu lassen und ihnen Raum dafür zu geben. Auch Wut und Aggression dürfen sein. Wir müssen wegkommen davon, Wut und Aggression zu verstecken, sondern Gefühle ernst nehmen. Es ist ebenso unangebracht, Kindern zu sagen, sie sollen sich entschuldigen. Was Kinder brauchen, ist Zeit, um erzählen zu können, wie sie die Situation erlebt haben. Alle, die am Konflikt beteiligt sind, sollten diese Zeit bekommen. Erst dann können die Kinder gemeinsam Lösungen finden. Die Pädagog:innen sind dabei und unterstützen die Kinder bei der Lösungsfindung, die sie selbst erarbeiten und die von der Vorstellung der Erwachsenen auch abweichen darf. So lernen die Kinder, ihre Gefühle wahrzunehmen, gemeinsam Konflikte zu bewältigen, Lösungen zu finden und zu kooperieren.
05 Naturerfahrungen und Nachhaltigkeit (00:32:46 – 00:41:30)
Reinhild Eggenwirth führt den Begriff „Mitweltbewusstsein“ ein, den sie lieber verwendet als Umweltbewusstsein. Bei Mitweltbewusstsein ist man selbst näher dran als bei Umweltbewusstsein, von dem man sich eher separieren kann. Es ist ihr wichtig, Kindern ein Mitweltbewusstsein für die Pflanzen und Tiere in der Umwelt mitzugeben. Dazu gehört auch, den Kindern zu erklären, dass bestimmte Pflanzen für Insekten wichtig sind und diese nicht abgeschlagen werden dürfen. Es geht darum, Kindern frühzeitig zu vermitteln, dass sie Verantwortung für den Raum haben, in den sie hineinwachsen. Dies vermitteln sie unter anderem auch dadurch, dass sie jedes Frühjahr ein Müllsammelprojekt starten, zu dem Familien und Außenstehende eingeladen sind. Naturerfahrungen, die die Kinder machen, sind automatisch mit weiteren Bildungsbereichen verknüpft. Sie erklärt, dass Fragen der Kinder nicht immer von Erwachsenen beantwortet werden müssen, sondern sie sich gemeinsam auf die Suche nach der Antwort begeben und sich daraus dann wieder neue Themen und Lernwege ergeben. Petra Jäger weist darauf hin, dass sie als Erwachsene mit den Kindern staunen und beobachten, wenn die Kinder etwas entdeckt haben. Es ist wichtig, dass Kinder die Erfahrung machen, dass Erwachsene sich zurückhalten mit ihren Fragen danach, was denn die Kinder entdeckt haben, sondern erst einmal mit ihnen beobachten und staunen. Bei Naturerfahrungen geht es auch darum, „dass jede:r seinen eigenen Weg findet, wahrzunehmen, zu erkennen und sich Wissen anzueignen“. Die Kinder erfahren und erleben im Natur- und Waldkindergarten die Prozesse der Natur und den Jahreskreislauf mit. Sie erleben tote Tiere, die im Wald verenden, erleben, wie das Laub von den Bäumen fällt, sich neue Knospen bilden, die im Frühjahr aufgehen und als zartes Grün an den Bäumen sprießen. Dies schafft ein Bewusstsein für den Kreislauf der Natur, die Umwelt und mit dieser zu leben. Gerald Hüther geht nochmals auf die Verbundenheit der Kinder zu anderen Lebewesen ein, die er auf Tiere und Pflanzen ausdehnt. Er erklärt, dass Kinder, die vorher schlechte Erfahrungen gemacht haben, die erlebten, dass sie nicht mithalten konnten oder ausgeschlossen wurden, besonders in der Erfahrung mit Tieren wieder ihre Verbundenheit und Empathiefähigkeit wiederfinden. Es sei ein Geheimnis der Wald- und Naturkindergärten, dass sie sich mit der Umwelt verbunden fühlten und sie dies widerstandsfähiger macht gegenüber Druck und Abwehr von anderen Menschen.
06 Rolle der pädagogischen Fachkraft (00:41:31 – 00:54:47)
Reinhild Eggenwirth klärt gleich zu Beginn des Interviews darüber auf, dass eine wald- und naturpädagogische Ausbildung keine Voraussetzung ist, um im Waldkindergarten zu arbeiten. Sie und Petra Jäger berichten, dass die wichtigste Eigenschaft ist, offen für die Natur, ihre Lernmöglichkeiten und die Kinder mit ihren Interessen und ihrer Neugierde zu sein. Wichtig ist die Bereitschaft, zu lernen von der Natur und mit den Menschen. Die Motivation, sich auf Neues einzulassen und die eigene Kreativität einzubringen, jenseits von Bastelbüchern und Bastelmaterialien, sich kreativ auf die Natur einzulassen. Sich selbst auch Fehler zuzugestehen, diese als Lernhelfer:innen zu verstehen. Den Naturraum als aktiven Lernpartner zu verstehen. Die Natur ist die Grundlage pädagogischen Handelns. Die Off-Sprecherin geht auf die Lern- und Entwicklungsbegleitung pädagogischer Fachkräfte ein. Dazu gehört es, die Impulse, die sich allein aus der Wandlung der Umwelt ergeben, aufzunehmen und in das pädagogische Handeln einfließen zu lassen. Mit den Kindern verlässliche Beziehungen zu leben und mit ihnen im Dialog zu sein. Ihre Bedürfnisse achtsam zu begleiten. Im Mittelpunkt steht das freie Spiel der Kinder und sie dabei in ihrer Entdecker- und Explorationsfreude mit Impulsen zu begleiten. Gerald Hüther knüpft daran an, indem er die besondere innere Einstellung und Haltung pädagogischer Fachkräfte aufgreift, die sich gerade darin zeigt, dass sie sich entschlossen haben, in einer Natur- bzw. Waldkita zu arbeiten. Er bringt einen wichtigen Aspekt zum Ausdruck: das aufrichtige Interesse an der Entfaltung der Kinder. Dieses setzt voraus, dass man Kinder mag beziehungsweise solange sucht, bis man bei jedem Kind etwas gefunden hat, was man mag, „denn in jedem steckt etwas, was man mag“. Für Gerald Hüther ist dies die Grundlage für die pädagogische Arbeit mit Kindern. Im Interview erklärt Petra Jäger, wie die pädagogische Arbeit in Waldkindergärten sich auf pädagogische Fachkräfte auswirkt. Neben dem Aspekt, dass die Natur Menschen gesund macht, ist es auch der Aspekt der Ausgeglichenheit.
07 Vernetzung
Im In- und Ausland gibt es Verbände und Organisationen, in denen die Natur- und Waldkindergärten beziehungsweise Natur- und Waldpädagog:innen untereinander vernetzt sind. Diese Vernetzung und der Austausch sind wichtig und notwendig. Gerade die Einblicke in die pädagogische Arbeit internationaler Vernetzungspartner:innen sind bereichernd für die eigene pädagogische Arbeit. Neben der Vernetzung mit anderen Wald- und Naturkindergärten im In- und Ausland ist die Vernetzung mit den Nachbar:innen wichtig, beispielsweise Bauernhöfen in der Nähe. Kinder lernen den Rhythmus der Natur vom Säen bis zum Ernten kennen. Erleben das Aufwachsen von Tieren. „Sie bekommen Einblicke in ökologische Zusammenhänge“, so die Sprecherin Anna Barkowski. Diese Einblicke stärken das Bewusstsein und die Wertschätzung für die natürlichen Rhythmen und saisonalen Strukturen. Kinder werden zu aktiven Gestalter:innen ihrer Umwelt.
08 Abenteuer und Sicherheit (1:00:00 – 1:06:51)
Jedes Kind hat das Recht auf Risiko und Abenteuer. Es gehört dazu, mit Risiken und Abenteuern umgehen zu lernen. Gleichzeitig gilt es, die Ängste und Sorgen der Eltern ernst zu nehmen, die ihre Kinder beschützen möchten. Hilfreich ist es, mit Kindern über die Gefahren zu sprechen, vor allem was das Essen im Wald angeht. Petra Jäger erzählt von einer eingeführten Naschzeit, in der die Kinder die Sachen probieren dürfen, die es an Ort und Stelle gibt. Diese wird nach ein paar Minuten wieder geschlossen, und es darf nicht mehr genascht werden. Für Notfälle ist es wichtig, einen Notfallplan zu haben, an dem sich alle orientieren können. Beispielhaft erläutert Reinhild Eggenwirth die Vorgehensweise, wenn Kinder giftige Pflanzen abpflücken. Es gehört zu den Aufgaben der pädagogischen Fachkräfte, sich den Platz und die Bäume, an dem sie sich aufhalten, anzuschauen, um Gefährdungen zu minimieren. Kinder dürfen in sogenannte Kletterbäume klettern bis zu einer bestimmten Höhe. Bei Sturm und heftigem Regen steht eine Sturmhütte zur Verfügung, die mit den Kindern aufgesucht wird.
09 Ausblick (1:06:52 – 1:11:56)
Kinder sind lebendige Wesen, sie brauchen die Natur, um die Welt in ihrer Lebendigkeit kennenzulernen, damit sie gemeinsam mit anderen Kindern und Erwachsenen herausfinden können, was ihnen gut tut und wie sie ihr Leben gestalten möchten, so Gerald Hüther am Ende des Films. Gerald Hüther und Petra Jäger plädieren dafür, dass Kinder so oft es geht die Möglichkeit bekommen, in der Natur beziehungsweise draußen zu sein. Für Gerald Hüther sind es die Eltern, die ihren Kindern diese Möglichkeit eröffnen, damit die Kinder die Lebendigkeit erfahren können. Petra Jäger ermutigt pädagogische Fachkräfte, „den grünen Busch vor der Tür“ zu nutzen. Es sind die kleinen Schritte, da braucht es nicht gleich einen Wald- oder Naturkindergarten oder das Stück Wald, sondern die Natur vor der Tür. „Jeder Gedanke, jeder Schritt nach draußen ist ein Anfang“, erklärt Petra Jäger. Am Ende gibt sie den Tipp mit, sich mit anderen zu vernetzen, um zu erfahren, wie es andere machen, sich Tipps zu holen und um sich auszutauschen. Wenn Kinder sich in der Kita wohlfühlen, gerne kommen, sie das Spiel vom Vortag aufnehmen, dann, so Reinhild Eggenwirth, sind Kinder in der Kita angekommen, verortet.
Diskussion
Dieser Film ist ein Plädoyer für Waldkindergärten, für mehr Naturerfahrungen in der Kita, für den Naturraum. Er wirft einen Blick darauf, was und wie Kinder im Waldkindergarten lernen und worin sich der Waldkindergarten von Regeleinrichtungen unterscheidet.
AV1-Pädagogik ist es mit diesem Film gelungen, einen guten Einblick in die pädagogische Arbeit und Praxis von Wald- und Naturkindergärten zu geben. Ihre Interviewpartnerinnen erzählen offen, ehrlich und authentisch aus ihrer langjährigen Praxis und von ihren Erfahrungen. Der Film zeigt authentisch, wie Kinder den Wald und die Natur für sich nutzen. Es sind beeindruckende Filmausschnitte, die die Lebendigkeit, das Leben der Kinder in und mit der Natur zeigen. Wie achtsam, wertschätzend und gleichwürdig die pädagogischen Fachkräfte mit den Kindern umgehen. Der Naturraum bietet Kindern, wenn ihnen ihr Recht auf Abenteuer und Risiko zugestanden wird, viele Bildungsmöglichkeiten, die sie in einem Regelkindergarten nicht haben.
Manch Szene dürfte mancher pädagogischen Fachkraft das Herz in die Hose rutschen lassen, wenn sie die Kinder in den Bäumen klettern sehen, wie Kinder auf Ästen wippen, mit Stöcken hantieren, Feuer machen. Doch gerade dieses Erfahren, was möglich ist, sich selbst zu vertrauen, den eigenen Körper kennenzulernen, zu wissen, welche Schritte notwendig sind, um zu klettern, sich frei zu bewegen, den Raum zu erobern und sich dabei als selbstwirksam zu erfahren, ist es, was Kinder wachsen lässt.
Der Film vermittelt fundiert und direkt aus der Praxis, welche Bildungsmöglichkeiten der Naturraum Kindern bietet, wie Selbstbildung und Ko-Konstruktion geschehen, wie Kinder lernen, mit Herausforderungen umzugehen. Im Kapitel zur Rolle der Fachkraft spricht Petra Jäger die Ausgeglichenheit und Entspanntheit pädagogischer Fachkräfte an, die der Wald beziehungsweise der Naturraum bei ihnen bewirkt. Der Film transportiert diese Ruhe und Ausgeglichenheit der Kinder und Pädagog:innen von der ersten Minute bis zur letzten Minute auf den Bildschirm.
Sehr beeindruckend ist auch die Haltung der Pädagog:innen den Kindern gegenüber, die Kinder sein lässt, die sich auf die Kinder einlässt, auf ihre Interessen, ihren Forschergeist. Petra Jäger drückt diese Haltung gleich in der Einführung des Films aus: „Letztendlich bin ich die Leiterin einer Forschungsgruppe“. Kinder sind Abenteurer:innen, Forscher:innen, Entdecker:innen, die im Wald, in der Natur den Freiraum haben, all dies zu leben, die Natur und sich selbst zu erforschen.
Der Film zeigt, dass Kindheit nicht reglementiert, durchorganisiert sein muss und an Konzepten hängt, sondern dass Kindheit dort stattfindet, wo Kinder Kinder sein dürfen, wo sie forschen, entdecken, im Matsch und mit Stöcken spielen, in Bäume klettern, im Gras liegen, in Laubhaufen krabbeln, wo sie ihre eigenen kleinen Abenteuer erleben und träumen können. Gleichzeitig lernen die Kinder die Natur als ihren Lebensraum kennen, als ihr „Wohnzimmer“, wie es Petra Jäger ausdrückt, das es zu schützen und zu erhalten gilt.
Fazit
Der Film „Wo Kindheit Wurzeln schlägt“ ist nicht nur ein Film für pädagogische Fachkräfte, die sich für die pädagogische Arbeit und Bedeutung von Naturerfahrungen interessieren, sondern für alle Menschen, die mit Kindern leben. Er zeigt eindrucksvoll, was Kinder wirklich brauchen, damit sie in ihrem Tempo wachsen, lernen, die Welt erobern und erfahren können.
Rezension von
Alexandra Großer
Fortbildnerin, päd. Prozessbegleiterin, systemische Beraterin
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