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Barbara Leitner, Heike Reuter: Wege zu mehr Gewaltfreiheit

Rezensiert von Alexandra Großer, 17.09.2026

Cover Barbara Leitner, Heike Reuter: Wege zu mehr Gewaltfreiheit ISBN 978-3-7495-0693-4

Barbara Leitner, Heike Reuter: Wege zu mehr Gewaltfreiheit. Anregungen für die pädagogische Praxis in Kita und Schule. Junfermann Verlag GmbH (Paderborn) 2025. 250 Seiten. ISBN 978-3-7495-0693-4. D: 30,00 EUR, A: 30,90 EUR.

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Thema

Pädagogische Fachkräfte, Leitungen und Teams brauchen Kraft für die vielen täglichen Aufgaben und Herausforderungen des pädagogischen Alltags. Die Autorin, Barbara Leitner, lädt Leser:innen auf eine Reise zu mehr Gewaltfreiheit, Selbstfürsorge, Selbstmitgefühl und Mitgefühl ein. Eine Reise mit vielen Wegweisern zu mehr Selbstfürsorge im Alltag, Verbundenheit mit sich, Kindern und Kolleg:innen. Mit Übungen und Impulsen für die Selbstregulation und die Wiederentdeckung der inneren Kraft. Die Autorin verbindet die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg mit neurobiologischen Erkenntnisse, dem Ansatz der Somatic Experiencing und der Achtsamkeitspraxis nach Thich Nhat Hanh.

Autor:in oder Herausgeber:in

Barbara Leitner ist Prozessbegleiterin, Coach, Autorin und ist CNVC-zertifizierte GFK-Trainerin. Sie arbeitete über 40 Jahre als Journalistin zu Themen aus Bildung und Pädagogik. Neben der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg arbeitet sie seit 2025 nach dem Ansatz von Peter Levine, Somatic Experiencing (SE), der in ihre Seminare, Coachings und Texte einfließt, sowie ihre buddhistische Praxis in der Tradition von Thich Nhat Hanh.

Aufbau

Das Buch gliedert sich in Einstimmung und Teil I und Teil II. Teil I umfasst insgesamt neun Kapitel mit Unterkapiteln und beschäftigt sich zunächst mit der Selbstfürsorge und Selbstreflexion der einzelnen pädagogischen Fachkraft. Im zweiten Teil beschäftigen sich drei Kapitel mit dem pädagogischen Team, der Beziehungsgestaltung und Verhinderung grenzverletzenden Verhaltens. Ergänzt wird das Buch durch Arbeitsmaterialien zum Download.

Inhalt

Einstimmung

Statt eines Vorworts stimmt die Autorin in das Buch ein. Sie zeichnet zum einen die Grundgedanken der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) nach Marshall Rosenberg nach als auch auf die Herausforderungen, die Kita und Schule derzeit zu meistern haben. Sie weist darauf hin, welches Potenzial in der Gewaltfreien Kommunikation liegt und führt damit auf die Inhalte des Buchs ein.

Teil I: Durch Selbstregulation zu mehr Präsenz und Selbstmitgefühl

1. Sich stoppen

Sich stoppen bedeutet, die „unangenehmen Gefühle“ und eigenen Bedürfnisse (S. 38) wahrzunehmen und aus „Automatismen und Gewohnheiten“ (ebd.) auszusteigen. Zu oft gehen wir über diese Signale hinweg. Es geht darum, die eigenen Muster zu erkennen, sie zu durchbrechen. Dies bedeutet jedoch auch, sich mit den eigenen unerfüllten Bedürfnissen und Erfahrungen aus der Kindheit zu beschäftigen. Die Autorin erklärt, wie unser Gehirn mit unserem Nervensystem zusammenhängt, warum es wichtig ist, die eigenen Empfindungen, Körperreaktionen, Gefühle und Gedanken wahrzunehmen, innezuhalten, wie beim Stoppschild im Straßenverkehr und damit Abstand zu gewinnen. In der GFK gilt, wer nicht mit sich selbst verbunden ist, kann sich auch nicht mit anderen Menschen verbinden. In Erregungszuständen greifen wir auf Machtmechanismen zurück, auf die Wolfsmuster. Es geht darum, zu erspüren, was die eigenen Auslöser sind, welche „unbewältigte Kleinheitsgefühle aus der Kindheit“ angesprochen werden. Zudem beantwortet Barbara Leitner, wann wir uns stoppen, also regulieren sollten. Wenn wir uns selbst regulieren können, können wir auch andere regulieren. Wichtig dabei ist, sich selbst wahrzunehmen, bei sich zu sein. Dafür braucht es im „im pädagogische[n] Alltag […] Momente des Innehaltens“ (S. 51). Am Ende des Kapitels zeigt sie ein paar Übungen dazu.

2. Die eigenen körperlichen Empfindungen wahrnehmen und Gefühle fühlen

Zunächst definiert die Autorin die Begriffe Selbst‑ und Co-Regulation. Menschen lernen, sich zu regulieren und ihre Gefühle kennen durch Co-Regulation. Neben dem Wahrnehmen und Fühlen von Gefühlen nimmt die Autorin auch die fünf Grundgefühle und ihre Botschaften in den Blick. Diese Botschaften gilt es zu verstehen und in Worte zu fassen. Im pädagogischen Bereich arbeiten pädagogische Fachkräfte, die als Kriegsenkel:innen noch mit dem Erbe der nationalsozialistischen Erziehung belastet sind. Hier durften Gefühle nicht sein. Dies führt zu Menschen, deren Gefühle weder gehalten noch gesehen wurden. Gefühle entstehen durch die Bewertung von Situationen und „gehen mit bestimmten körperlichen Reaktionen einher“ (S. 60). Diese Bewertungen hängen mit früheren Erfahrungen zusammen, daher haben Menschen „in ähnlichen Situationen in der Regel auch unterschiedliche Gefühle“ (ebd.). Die Autorin lädt ein, sich mit den unterschiedlichen Situationen zu beschäftigen, mit deren Bewertungen und damit den Gefühlen, die wir durch unsere Bewertungen erzeugen. Gefühle und Bewegung gehören bei Kinder zusammen, ebenso wird dies in unserer Sprache deutlich. Gefühle, Körperreaktionen und Sprache gehören zusammen. Oft spüren wir zuerst im Körper, dass etwas „aus dem Lot gerät“ (S. 66). Dies wahrzunehmen, innezuhalten, zu prüfen, Pausen einzulegen, für Entspannung zu sorgen, ist eine wichtige Aufgabe in der Selbst‑ und Co-Regulation.

3. Sich in den Bedürfnissen verankern

Für pädagogische Fachkräfte und Lehrkräfte ist es essenziell, sich der eigenen Bedürfnisse und Gefühle bewusst zu sein, um professionell handeln zu können. Wer seine Bedürfnisse kennt, ist in Verbindung mit sich selbst, übernimmt für sich Verantwortung, weiß um den eigenen Schmerz und ist veränderungsbereit. Sie erklärt, wie Bedürfnisse und das Nervensystem zusammenhängen, mit welchen Belastungen und Anforderungen pädagogische Fachkräfte kämpfen, was dieser permanente Stress für die pädagogische Beziehungen als auch die Beziehung zu sich selbst bedeutet. Es gilt herauszufinden, welche Bedürfnisse nicht erfüllt wurden, wann wir als Kinder nicht gesehen wurden, und darum die Verbindung mit dem inneren Kind herzustellen und zu heilen.

4. Mitfühlend auf sich selbst schauen

Wir sind von Geburt an empathische Wesen. Die Fähigkeit zur Empathie „leben Menschen […] in unterschiedlichem Ausmaß“ (S. 101). Sie ist wie ein Muskel, „der trainiert werden muss“ (ebd.). Durch die Spiegelneuronen in unserem Hirn können uns Gefühle anderer Menschen völlig überwältigen, da unsere Spiegelneuronen nicht zwischen den eigenen Gefühlen und den Empfindungen eines anderen unterscheiden. Erleben wir einen Menschen, der vor Freude springt oder sich vor Schmerzen krümmt, können wir das genauso empfinden, als ob wir selbst diese Freude bzw. den Schmerz erleben. Die tagtäglichen Herausforderungen im pädagogischen Alltag können schnell zu Überlastung, Belastung und Burnout führen. Menschen Mitgefühl zu zeigen, heißt jedoch, „ich sehe und ich halte dich“ (S. 105). Dies ist nur nicht möglich, wenn die Über‑ und Belastung zu groß ist. Barbara Leitner zeigt nicht nur, wie wir uns selbst gegenüber wieder mitfühlend begegnen können, sondern auch, wie wir im Nachhinein von erlebten schwierigen Situation ein Stopp setzen können, um für ähnliche Situationen andere Verhaltensweisen zu entwickeln. Dies setzt voraus, sich selbst zu reflektieren, die alten Muster und Glaubenssätze zu hinterfragen. Die Autorin gibt Impulse, wie wir es schaffen können, uns selbst ein guter Freund, eine gute Freundin zu sein.

5. Sich mit seinem inneren Kind verbünden und es heilen – uns selbst nachträglich bemuttern und bevatern

Für die Arbeit mit dem inneren Kind weist die Autorin zunächst auf Signale in bestimmten Situationen hin, die darauf deuten, dass das innere Kind betroffen ist. Wenn wir anfangen, uns um unser inneres Kind zu kümmern, kann es sein, dass dieses erstmal testet, ob wir es ernst meinen. Es geht um den fürsorglichen Umgang im Hier und Jetzt mit dem inneren Kind, denn dieses Kind hat Rechte. Zugleich führt der fürsorgliche Umgang und die Heilung des eigenen inneren Kindes dazu, den Kindern vor uns bedürfnisorientiert zu begegnen, deren Würde und Integrität zu wahren.

6. Für das eigene innere Klima sorgen – Wege zu innerer Präsenz finden

Der Begriff Achtsamkeit, definiert nach der buddhistischen Tradition, heißt, „ganz im gegenwärtigen Moment mit Herz und Geist sein. – Mit Herzensgeist alles annehmen, was ist“ (S. 142). Das Angenehme wie das Unangenehme. Mit Fragen zum selbst prüfen, verdeutlicht die Autorin, was mit Achtsamkeit und Präsenz im Hier und Jetzt gemeint ist. Sie zeigt, wie pädagogische Fachkräfte es auch im Alltag schaffen, achtsam und präsent zu sein als auch mit sich selbst verbunden. Denn wir können nur uns selbst beeinflussen, nicht die anderen. Gleich zu Beginn des Kapitels macht sie auf die verschiedenen Perspektiven und Sichtweisen aufmerksam. Ebenso sind die Rahmenbedingungen, unter denen pädagogische Fachkräfte arbeiten, oft nicht optimal, eher herausfordernd. Deshalb ist es besonders wichtig, für die eigene Präsenz zu sorgen. Dazu hält die Autorin einige Übungen bereit, auch welche, die man mit Kindern machen kann.

7. Den inneren Beobachter entdecken und Gewahrsein trainieren

In diesem Abschnitt nimmt die Autorin das Vier-Schritte-Modell der GFK in den Blick. Der Fokus liegt hier auf der Beobachtung. Sie zeigt auf, wie es gelingt, einen inneren Beobachter zu installieren, der neutral von außen auf das Geschehen, in dem wir uns befinden, schaut. Der nicht bewertet. Durch diese Instanz gelingt es, gelassener zu bleiben, für sich selbst gut zu sorgen, Abstand zu wahren, die eigenen Gedanken zu prüfen, die eigenen Gefühle wahrzunehmen, das eigene „innere Betriebssystem“ (S. 161) zu erforschen.

8. Verbunden mit sich selbst deutliche Grenzen setzen

Grenzen zu setzen, die eigenen Grenzen kennen, wahrzunehmen, fällt vielen schwer. Ein Beispiel von Kindern im Sandkasten zeigt auf, wie schnell wir, das Kind, welches seine Grenze wahrt, verurteilen und sanktionieren, weil wir vorschnell urteilen. Als Kinder haben auch wir erfahren, dass unsere Grenzen, die wir zeigten, nicht gewahrt wurden. Wir haben damit gelernt, die eigenen Grenzen zu verletzen, über sie hinwegzugehen. Dies kann beim Nervensystem dazu führen, dass wir in ständiger Alarmbereitschaft leben, vielleicht grenzenlos werden. Bewahren wir unsere Grenzen und spüren die Grenze des anderen, sind wir im Kontakt mit uns selbst und dem Gegenüber.

9. Eine tägliche Praxis etablieren

In diesem Abschnitt befinden sich Übungen zur täglichen Praxis, um die „beschriebenen Fähigkeiten“ (S. 177) zu entwickeln, und dabei die Übungen zu wählen, die einem wirklich gut tun und zu einem passt.

Teil II: Zusammenarbeit im Team, Beziehungsgestaltung mit den Kindern

10. Das Team als lebendiger Organismus und sicherer Hafen für alle

Die Autorin arbeitet in diesem Abschnitt mit der Metapher eines Organismus, eines Körpers, um die Potenziale eines Teams und damit jeden einzelnen Teammitglieds sichtbar zu machen. Dazu gehört es, Rituale der Wertschätzung zu schaffen als auch täglich auf verschiedenste Weise den Kolleg:innen gegenüber Wertschätzung auszudrücken. Ein weiterer Fokus liegt auf der Kultur des Teams, wie reguliert oder dysreguliert es ist, ob die Menschen wertschätzend zusammenarbeiten oder das Miteinander durch Unsicherheiten und Missgunst geprägt ist (vgl. S. 191). In einer Atmosphäre, in der es Wertschätzung fehlt, können sich Muster gegenseitig verstärken. Zugleich kann dies zu Kampf‑ und Fluchttendenzen führen und wenn auch dies keinen Erfolg zeigt, zu einer „Egal-Stimmung“ (S. 198). Fachkräfte funktionieren nur noch und die Kinder erleben Menschen, „mit wenig oder ohne Resonanz“ (ebd.). Dies führt dazu, dass auch die Kinder frustrierter werden und herausfordernder. Barbara Leitner weist darauf hin, dass es in Kitas um Beziehungsgestaltung geht und führt aus, wie dies, auch unter schwierigen und herausfordernden Umständen gelingen kann, wie pädagogische Fachkräfte ihre Gefühle und Bedürfnisse spüren, sich wieder miteinander verbinden, wie Leitungen dabei unterstützen können.

11. Ohne meckern, strafen, Auszeit und Co: Auch in schwierigen Momenten professionell handeln und den Kindern Orientierung geben

Zunächst klärt die Autorin, welche Bedürfnisse Kinder haben. Es liegt an uns Erwachsenen, wie diese Bedürfnisse von Kindern erfüllt sind. Es liegt auch an uns Erwachsenen, ob Kinder sich als wertvoll und geliebt erfahren, oder ob sie sich als „Hort von Anstrengung, Ärgernis, Traurigkeit oder Scham“ (S. 236) spüren. Manche Kinder kommen bereits mit einem angespannten Nervensystem in die Kita. Sie sind dann auf Flucht oder Kampf eingestellt oder verharren in der Erstarrung. Kinder brauchen fürsorgliche und regulierte Erwachsene, die deren Bedürfnisse und Gefühle wahrnehmen und den Kindern spiegeln, als Vermutungen anbieten, ohne bereits Lösungsvorschläge zu machen, sondern stille Präsenz zeigen, den Rahmen halten. Kinder, die wütend sind, brauchen pädagogische Fachkräfte, die sie in ihrer Wut begleiten. Da das Denkhirn jedoch nicht erreichbar ist, bringt es nicht viel, dem Kind mitzuteilen, dass man seine Wut sieht. Vielmehr geht es darum, mit dem Kind Wege zu finden, wie es mit seiner Wut umgehen lernt. Dies kann über spielerischen Körperkontakt geschehen oder später über das Malen eines Bildes, welches die Wut zeigt. Barbara Leitner nimmt die drei Zustände, Kampf, Flucht, Erstarren, auf und erklärt anhand von Beispielen, wie pädagogische Fachkräfte Kinder in diesen Zuständen begleiten können. Sie ermutigt dazu, klare Grenzen zu setzen. Grenzen geben Orientierung. Zugleich gilt es, Kindern zu vermitteln, dass ihr Verhalten nicht in Ordnung ist, es nicht um ihre Person geht. Ich bin ok, du bist ok. Wichtig ist es, während der Grenzsetzung in Kontakt zu bleiben. Präsenz zu zeigen. Abzuwarten.

12. Ein Dilemma: Gewalt von Fachkräften gegen Kinder gewaltfrei verhindern…

Im letzten Abschnitt des Buchs geht die Autorin auf den Begriff Gewalt und Gewaltfreiheit ein und erklärt, was Mahatma Gandhi als auch Martin Luther King darunter verstanden. Es geht darum, sich für Gewaltfreiheit einzusetzen, gegen Unrecht aufzustehen und mit „Geduld und Mitgefühl“ (S. 274) auf „das Gegenüber einzuwirken“ (S. 277). Oft folgt auf Gewalt von Fachkräften Gegengewalt. Dabei wird oft übersehen, der Gewalt sofort eine Grenze zu setzen als auch den guten Grund hinter dem Verhalten, also die Gefühle und Bedürfnisse, zu sehen. Oft entsteht Gewalt gegen Kinder aufgrund einer Notlage, Stress und Hilflosigkeit. Dies soll verletzende Verhaltensweisen weder entschuldigen noch gutheißen, es geht darum, genauer hinzuschauen, auf das, was ist, auf die Situationen, die gewaltvolles Verhalten provozieren und im Team zu überlegen, welche Lösungsmöglichkeiten es gibt. Mit dem Praxisbeispiel, welches sich durch das letzte Kapitel zieht, erleben die Leser:innen, dass hinter verletzenden Verhaltensweisen alte Verletzungen und Muster aus der Kindheit stehen können, für die wir selbst oft blind sind. Im Team geht es darum, „Grenzen für verletzendes Verhalten“ (S. 288) zu setzen und gleichzeitig gemeinsam auf die eigenen Biografie und Muster zu blicken, damit gemeinsam Schritte entwickelt werden können sowie eine Fehlerkultur.

Diskussion

Im ersten Teil des Buchs geht es zunächst darum, die gewaltfreie Kommunikation, deren Hintergründe und auch Entstehung zu erläutern und für die einzelne pädagogische Fachkraft zugänglich zu machen. Besonders deutlich wird dies im Abschnitt über die Bedürfnisse. Sie will das Buch als Wegweiser verstanden wissen. Als Wegweiser, der dabei hilft, sich selbst besser zu verstehen, mit sich selbst wieder mehr in Verbindung zu kommen und mit anderen Menschen. Mit sich selbst Selbstmitgefühl zu empfinden. Zugleich ist der erste Teil des Buchs der Selbstfürsorge gewidmet. Barbara Leitner führt mit zahlreichen Übungen in die verschiedenen Themen wie Achtsamkeit, Präsenz, Heilung des inneren Kindes ein. Zunächst geht es um jede einzelne pädagogische Fachkraft, die den Unterschied macht. Erst im zweiten Teil des Buchs geht es um das gesamte Team und Entwicklung zu einer gewaltfreien Kita.

Barbara Leitner spricht in ihrem Buch oft von „Triggern“, also Reizauslösern. In einem Infokasten erklärt sie diesen Begriff ausführlicher. Ich hätte mir gewünscht, dass die Autorin mit diesem Begriff vorsichtiger umgeht, da er in der Psychologie auf traumatische Erfahrungen hinweist. Hier wäre es gut gewesen, statt von Triggern von Reizen oder Auslösern zu sprechen.

Die Autorin lädt ein, die eigenen Gefühle und deren Botschaften zu entschlüsseln, als auch die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen. Verbunden sind ihre Einladungen mit Übungen und Impulsen sowie Beispielen aus der eigenen Seminar‑ und Coachingpraxis sowie Erfahrungen der Autorin. In ihren Ausführungen bezieht sich Barbara Leitner immer wieder auf Thich Nhat Hanh, den Zenmeister und praktizierenden Buddhisten, und auf Peter Levine mit seinem Konzept Somatic Experiencing (SE)®. Ein weiteres Augenmerk liegt auf den Vorgängen im Nervensystem und die neurobiologischen Verbindungen. Indem sie die gewaltfreie Kommunikation, neben anderen Ansätzen und Konzepten, mit der buddhistischen Lehre und Praxis verbindet, mag der Text manchmal sehr spirituell daherkommen und manchen Leser:innen zu esoterisch klingen. Barbara Leitner weiß darum und spricht dies auch an. Besonders im ersten Teil sind viele Atemübungen dabei, die helfen, bei sich selbst anzukommen. Der Atem ist das Instrument, welches wir immer bei uns haben und der ausgleichend auf Körper und Seele wirkt.

Barbara Leitner räumt mit dem Begriff Achtsamkeit auf, der inzwischen ebenso inflationär verwendet wird wie Resilienz oder Trigger, ohne die gesamte Bedeutung beziehungsweise Definition dahinter zu berücksichtigen. Achtsamkeit geht wesentlich tiefer. Der buddhistischen Tradition folgend, zeigt sie, was Präsenz heißt und wie es pädagogischen Fachkräften gelingt, sich auf diesen Prozess einzulassen. Wie alle Übungen und Themen in diesem Buch sind Achtsamkeit und Präsenz ein Teil des Prozesses zu mehr Gewaltfreiheit, zu mehr echter Selbstfürsorge, Verbundenheit und Mitgefühl. Denn oft wird Selbstfürsorge ebenso wie Achtsamkeit als Selbstoptimierung verstanden. Barbara Leitner macht deutlich, dass es genau darum nicht geht. Es geht um ein tiefes Verständnis von Gewaltfreiheit. Gewaltfrei mit sich selbst und anderen umzugehen. Die eigenen Bedürfnisse, Gefühle und Grenzen wahrzunehmen sowie die Bedürfnisse, Gefühle und Grenzen der Kinder und Kolleg:innen.

Die Autorin begleitet mit Übungen, mit eigenen Erfahrungen, Impulsen und Praxisbeispielen auf den Weg zu einem gewaltfreien Miteinander. Gerade die eigenen Erfahrungen und Praxisbeispielen sind es, die das Buch als Wegweiser so wertvoll machen. Das Buch führt durch einen Prozess der Selbstreflexion und Veränderung.

Fazit

Barbara Leitner bietet mit ihrem Buch Wege zu Selbstreflexion und Selbstfürsorge an. Sie führt und begleitet pädagogische Fachkräfte, Teams und Leitungen zu mehr Gewaltfreiheit in Kitas, zu mehr Fürsorge und Mitgefühl, für sich, Kinder und Kolleg:innen.

Rezension von
Alexandra Großer
Fortbildnerin, päd. Prozessbegleiterin, systemische Beraterin
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Es gibt 109 Rezensionen von Alexandra Großer.

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ISSN 2190-9245