Suche nach Titel, Autor:in, Rezensent:in, Verlag, ISBN/EAN, Schlagwort
socialnet Logo

Stefan Bukacek: Sag es achtsam

Rezensiert von Ute Laß, 06.08.2026

Cover Stefan Bukacek: Sag es achtsam ISBN 978-3-7495-0696-5

Stefan Bukacek: Sag es achtsam. Wie Gewaltfreie Kommunikation dein Denken und deine Beziehungen verbessert. Junfermann Verlag GmbH (Paderborn) 2025. 176 Seiten. ISBN 978-3-7495-0696-5. D: 25,00 EUR, A: 25,70 EUR.

Weitere Informationen bei DNB KVK GVK.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB.

Kaufen beim socialnet Buchversand

Thema

Gerade in der heutigen Welt ist das Thema Achtsamkeit von großer Bedeutung. Dieses Buch vermittelt die nachhaltige Wirkung bewusster Kommunikation auf der Basis der gewaltfreien Kommunikation (GFK) nach Marshall Rosenberg. In diesem Buch wird Theorie und praktische Übungen verknüpft, um den Lesenden somit eine Einführung in die GFK, ergänzt um Achtsamkeits‑ und Resilienzkonzepte, anzubieten.

Autor:in oder Herausgeber:in

Stefan Bukacek ist Trainer für Gewaltfreie Kommunikation in Düsseldorf und arbeitet zudem als Unternehmensberater für Tech-Unternehmen. In seinen Workshops und Coachings legt er den Schwerpunkt darauf, Körper und Kopf zu verbinden.

Entstehungshintergrund

Der Autor schreibt im Vorwort, dass er in diesem Buch seine Erfahrungen in Bezug auf Kommunikation und Beziehungen mit GFK den Lesenden näherbringen möchte und ihnen somit einen Weg zeigen möchte, entspannter mit eskalierenden Gesprächen umzugehen, die ja dann nicht mehr zur Eskalation führen.

Aufbau

Das Buch besteht neben einem Vorwort, einer Einleitung, einem Dank und einem Anhang (u.a. bestehend aus Gefühls-/Bedürfnisliste, Dos & Don'ts sowie Experimente im Überblick) aus 5 Kapiteln mit diversen Unterpunkten, die im nächsten Abschnitt näher vorgestellt werden. In jedem Kapitel befinden sich sogenannte Experimente, mit denen der Autor die Lesenden auffordert, das Gelesene zu reflektieren bzw. aktiv auszuprobieren, um somit eine achtsame Haltung einzunehmen und sich mit der GFK mehr auseinanderzusetzen.

Inhalt

Nach dem Vorwort wird im Rahmen einer „Anleitung“ erklärt, warum bestimmte Teile im Buch farblich markiert sind.

  1. Wahrnehmungen (Was tatsächlich passiert, ohne deinen Drama-Filter)
  2. Gefühle (Was in deinem emotionalen Innenleben abgeht)
  3. Bedürfnisse (Was du eigentlich brauchst, statt was du glaubst zu wollen)
  4. Bitten (Wie du konkret werden kannst, ohne zu fordern)

In der Einleitung des Buchs wird die Grundidee achtsamer, verbindender Kommunikation vorgestellt. Der Autor stellt folgende Grundannahmen auf:

Menschen handeln mit positiver Absicht — auch vermeintlich verletzende oder unvernünftige Handlungen dienen dem Versuch, eigene Bedürfnisse zu erfüllen.

Konflikte laufen oft gleich ab: Auslöser → automatische Reaktion (Autopilot) → Eskalation → beide Parteien fühlen sich schlecht. Entscheidend ist der kurze Moment, in dem eine Partei reagieren kann — hier lässt sich lt. dem Autor die Weiche in Richtung Achtsamkeit stellen.

Achtsamkeit bedeutet lt. dem Autor, Gefühle und Bedürfnisse in diesem Moment wahrzunehmen und die Reaktion bewusst so zu wählen, dass weder man selber noch das Gegenüber verletzt werden. Dadurch lässt sich die Eskalationsspirale vermeiden.

Das Buch arbeitet im Folgenden mit dem vierstufigen Modell der GFK (Wahrnehmung (ohne Bewertung), Gefühl, Bedürfnis und Bitte).

Viele Menschen kennen keine Strategien, den Autopiloten zu verlassen, speziell wenn Emotionen hochkochen. Ziel des Buches ist es, zunächst die Gründe für wiederkehrende Missverständnisse zu erläutern, dann Sprach‑ und Denk-Muster zu zeigen, die in Konflikte führen, und schließlich praktikable Muster und Tools zu geben, mit denen achtsame Kommunikation gelingt.

Das erste Kapitel ist überschrieben mit dem Titel „Was Menschen wirklich wollen“ und besteht aus 6 Unterkapiteln, an deren Ende immer kurze Übungsangebote zur Verfügung stehen.

Dieses Kapitel führt in die GFK ein und betont, dass alle Menschen Gefühle und Bedürfnisse haben. Ziel der GFK ist eine verständnisorientierte Haltung: ehrlich sagen, was man wahrnimmt, fühlt und braucht, und anderen empathisch zuhören. Im Folgenden werden die vier Schritte der GFK beschrieben:

o Wahrnehmung ohne Bewertung (konkrete Beobachtung) o Gefühl benennen o Bedürfnis klären o Konkrete, machbare Bitte formulieren (keine Forderung)

Konflikte entstehen oft, weil Strategien und Bedürfnisse verwechselt werden; Bedürfnisse selbst sind nicht negativ, nur manche Strategien sind unpassend. In Konfliktsituationen hilft die Frage, welche Bedürfnisse hinter den Positionen von mir und der anderen Person stehen. Achtsamkeit bedeutet, die eigene innere Lage zu bemerken (z.B. wenn es schwerfällt, in Verständnishaltung zu bleiben) und bewusst die Aufmerksamkeit auf Gefühle und Bedürfnisse zu richten. Durch diese Haltung lassen sich Vorwürfe und Schuldzuweisungen vermeiden, Verbindung stärken und Gespräche konstruktiver führen.

Das Kapitel 2 leitet mit der Überschrift „Zutaten zum Zoffen“ ein und benennt vier häufige Gründe für Konflikte:

  1. Die Schuldbrille
  2. Die vier Standard-Fallstricke
  3. Die Kommunikationssperren
  4. Das Opfer-Täter-Retter-Spiel

Kapitel 2.1: Die Schuldbrille: Wenn der Fokus darauf liegt, wer schuld ist, landet man im Reich des Rechthabens. Der Autor empfiehlt stattdessen, die „Bedürfnisbrille“ aufzusetzen — also zu sagen, wie es einem geht, welches Bedürfnis betroffen ist und was man sich wünscht, statt jemanden zu beschuldigen. Die Suche nach Schuld raubt Energie, vermindert Handlungsfähigkeit und verengt die Perspektive; die Suche nach Ursache ist etwas anderes und nützlich für Lösungen.

Kapitel 2.2: Vier Fallstricke werden als typische Kommunikationsmuster beschrieben, die Streit provozieren: Interpretation, Pseudogefühle, das Beklagen „falscher“ Strategien, statt von Bedürfnissen zu sprechen, und das Fordern statt Bitten.

Die GFK-Schritte (Beobachtung — Gefühl — Bedürfnis — Bitte) sind bewusst so gestaltet, dass sie genau diese Fallstricke vermeiden.

In den folgenden vier Unterkapiteln werden die oben genannten Fallstricke näher betrachtet. Am Ende eines jeden Unterkapitels bietet der Autor den Lesenden sogenannte Experimente an, in denen sie das Gelesene individuell rekapitulieren können.

Fallstrick 1: Interpretationen statt Beobachtungen

o Statt nüchterner Fakten neigen wir dazu, anderen schnell Absichten zuzuschreiben, wodurch die Realität in ein Urteil verwandelt wird.

Fallstrick 2: Verwechselte Gefühle (Pseudogefühle)

o Oft werden Bewertungen oder Wünsche als Gefühle präsentiert, sodass ehrliche Innenerfahrungen in Vorwürfe übergehen.

Fallstrick 3: Fokus auf Lösungen/​Strategien statt auf Bedürfnisse

o Gespräche verharren häufig bei konkreten Lösungsvorschlägen, ohne die zugrundeliegenden Bedürfnisse offenzulegen, die erst echte Verständigung ermöglichen.

Fallstrick 4: Forderungen und Schuldzuweisungen statt einladender Bitten

o Wenn Sprache in Forderungen oder Schuldzuweisungen erstarrt, verschließt sie Türen zur Zusammenarbeit; eine wohlformulierte Bitte öffnet sie wieder.

Das Kapitel 2.3 benennt verschiedene Kommunikationssperren, die Gespräche blockieren und Konflikte verschärfen. Zu den beschriebenen Sperren gehören vor allem: wertende Urteile, Interpretationen über Absichten, Generalisierungen und vorwurfsvolle Formulierungen. Der Text erklärt, dass solche Sperren meist unbewusst eingesetzt werden und bei Gesprächspartner:innen Abwehr, Schuldzuweisungen oder Rückzug auslösen. Statt in Bewertungen oder Diagnosen zu verfallen, empfiehlt der Autor gemäß GFK konkrete Alternativen: neutrale Beobachtungen formulieren, echte Gefühle benennen, die dahinterliegenden Bedürfnisse aussprechen und konkrete, machbare Bitten stellen.

In diesem Kapitel werden folgende praktische Hinweise formuliert: Zuhören (Präsenz) statt sofort Ratschläge geben; Spiegeln und empathische Vermutungen nutzen, um das Verständnis zu vertiefen; W-Fragen (Wer/Was/Wann/Warum) vermeiden, da sie leicht wie Vorwürfe klingen; stattdessen gezielt nach Gefühlen oder Bedürfnissen fragen.

Ziel des Kapitels ist, Lesende dafür zu sensibilisieren, wie Kommunikationssperren entstehen und welche konkret anwendbaren sprachlichen Alternativen helfen, Eskalationen zu verhindern und Verbindung zu fördern.

Kapitel 2.4 trägt die Überschrift zum Drama-Dreieck (Opfer — Täter/Ankläger — Retter) und beginnt mit einem Zitat von Marshall B. Rosenberg zur Entstehung von Gewalt aus Schuldvorstellungen: „Gewalt entsteht aus dem Glauben, dass andere Menschen unsere Schmerzen verursachen und dafür Strafe verdienen.“

Es wird die Frage aufgeworfen, ob man bei Konflikten automatisch jemanden als Ursache des eigenen Ärgers sieht und wie man zu diesem Gedanken gelangt. Der Text beschreibt Schritt für Schritt, wie man unbewusst selbst das Drama eröffnet: ein mieses Gefühl finden → das Verhalten eines anderen interpretieren → diesen als Verursacher sehen → sich als Opfer fühlen → die Schuld zuweisen → Retter suchen → Rollenwechsel und Eskalation. Das Drama-Dreieck wird als verbreitetes, beziehungsgefährdendes Muster bezeichnet; seine Rollen sind kulturell und medial verankert und daher vertraut. Es entsteht automatisch komplementäres Verhalten bei Beteiligten (Bösewicht verteidigt sich, Opfer erwartet Entschuldigung, Retter übernimmt). Als vierter, unbewusster Mitspieler wird der „Schatten“ oder die „Drama Queen“ benannt: ein innerer Mechanismus, der verwundbare Punkte des Gegenübers erkennt und das Drama verstärkt; er verweist zugleich auf vernachlässigte eigene Bedürfnisse und alte Trigger. Das Kapitel betont, dass Bewusstheit über das Drama-Dreieck Ausstieg ermöglicht: die Erkenntnis, dass nicht eine einzelne Person Verursacher:in ist, sondern alle gemeinsam das schmerzhafte Spiel spielen. Es erinnert daran, dass alle Beteiligten ähnliche Grundbedürfnisse haben (Respekt, Geborgenheit, Sicherheit, Wertschätzung). Zur Veranschaulichung enthält das Kapitel eine Tabelle (2.3) mit Alltagsszenen (Familie, Kinderzimmer, Elternbeirat, Sportplatz), die das Funktionieren des Drama-Dreiecks in konkreten Dialogen zeigen.

Das 2. Kapitel endet mit dem Unterkapitel 2.5, das die Lesenden mit Hilfe von Reflexionsfragen dazu überprüft, was sie von dem Gelesenen mitnehmen.

Das 3. Kapitel beginnt mit einer kurzen Einführung, in der der Autor erklärt, dass nach den Grundlagen aus den Kapiteln 1 und 2 nun die Denk‑ und Sprachmuster im Fokus stehen, die wirklich funktionieren. Er nennt drei zentrale Elemente, die den Umgang mit Menschen und Worten achtsamer und herzlicher machen: die Haltung, die Klarheit, was in einem los ist, und die Worte. Auf Basis dieser Elemente werden im Folgenden konkrete Techniken dargestellt, die erklären, wie Empathie gegeben und empfangen wird. Wie also gewaltfrei kommuniziert werden kann.

Das Kapitel 3.1 beginnt mit der Einführung der vier Schritte der gewaltfreien Kommunikation: Wahrnehmung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte. Diese Schritte helfen, Missverständnisse zu vermeiden und eine klare, respektvolle Kommunikation zu fördern. In den weiteren Unterkapiteln werden die Schritte weiter erklärt bzw. vertieft betrachtet. Mit Hilfe von sogenannten „Experimenten“ können die Lesenden sich individuell mit dem Gelesenen auseinandersetzen bzw. sich selber ausprobieren. Es wird weiterhin betont, dass Interpretationen oft zu Missverständnissen führen, während eine klare Wahrnehmung der Realität hilft, die Kommunikation zu verbessern.

Im folgenden Unterkapitel zeigt der Autor auf, dass Gefühle als Messinstrument für unerfüllte Bedürfnisse dienen, wie man die vier Grundgefühle erkennt und körperlich spürt und wie man insbesondere Wut als sekundäres Signal nutzt, um zu den wahren Bedürfnissen vorzudringen. Durch konkrete Methoden (Bedürfnis-Rutsche, Umdreh-Filter, Bedürfnislisten) erhalten Leser:innen handlungsfähige Werkzeuge, um achtsamer zu kommunizieren und Konflikte konstruktiv zu lösen.

Zu Beginn des Kapitels 3.1.2 wird erklärt, dass Gefühle Signalgeber dafür sind, ob unsere Grundbedürfnisse gerade erfüllt sind. Unangenehme Gefühle zeigen an, dass ein Bedürfnis nicht befriedigt ist; angenehme Gefühle deuten auf erfüllte Bedürfnisse hin. Die „Bedürfnis-Rutsche“ (Abb. 3.3) visualisiert den Ablauf: Gefühl → Frage nach dem zugrundeliegenden Bedürfnis. Im Anschluss werden die vier Grundgefühle eingeführt: Freude, Angst, Wut und Traurigkeit. Es wird betont, dass häufig Pseudogefühle (Gedanken, die als Gefühle getarnt werden) mit echten Gefühlen verwechselt werden.

Im Rahmen dieses Kapitels wird auf die finnische Studie „Bodily maps of emotions“ verwiesen: Menschen lokalisieren ähnliche Emotionen an vergleichbaren Körperregionen (z.B. Wut → Hitze im Bauch, Angst → Kälte am Solarplexus). Trotz dieses körperlichen „Landkarten-Wissens“ fällt es vielen schwer, Gefühle präzise zu benennen. Aus diesem Grund stellt der Autor in diesem Zusammenhang die Umdreh-Methode vor: Statt die Wut zu bewerten, wird sie als Hinweis auf ein dahinterliegendes Bedürfnis (z.B. Respekt, Gerechtigkeit) genutzt. Durch das Benennen der Wut (Ich fühle … Wut) und das Aufspüren des Bedürfnisses kann man Verantwortung übernehmen, ohne in Schuldzuweisungen zu verfallen.

Wut ist häufig ein Sekundärgefühl, das ein unangenehmeres Primärgefühl (z.B. Angst oder Traurigkeit) verdeckt (Abb. 3.7). Das Erkennen dieser Schichten hilft, die eigentlichen Bedürfnisse zu identifizieren und nicht nur das „Schutzschild“ der Wut zu bedienen.

6. Bedürfnisse klar formulieren

Das Kapitel 3.1.3 befasst sich mit den Bedürfnissen:

Bedürfnisse sind abstrakte Werte (z.B. Freiheit, Respekt, Wertschätzung) und keine konkreten Handlungen oder Gegenstände.

Drei praktische Werkzeuge werden vorgestellt, um Bedürfnisse zu entdecken:

• Bedürfnisliste – Sammlung von Schlüsselwörtern, die als Orientierungshilfe dient. • Umdreh-Filter (Tool A) – Umwandeln von Bewertungen/​Urteilen in das zugrundeliegende Bedürfnis. • Un-ungewünscht-Methode (Tool B) – Von unerwünschten Verhaltensweisen zum gewünschten Bedürfnis schließen.

Zusätzlich wird eine Gefühle-Bedürfnisse-Tabelle (Tabelle 3.4) angeboten, die typische Zuordnungen (z.B. Wut → Respekt, Angst → Sicherheit) liefert.

Bitten will gelernt sein. Und getan. Das Unterkapitel 3.1.4 behandelt die Kunst des Bittens und wie man effektiv um Unterstützung oder Erfüllung von Wünschen bittet. Der Autor benennt in diesem Zusammenhang folgende Aspekte:

Klarheit und Mut beim Bitten: Oft erwarten Menschen, dass andere ihre Wünsche von den Augen ablesen können, was zu Missverständnissen führt. Es ist wichtig, klar und konkret zu formulieren, was man möchte, anstatt nur zu sagen, was man nicht will.

Die SMARTO-Formel ist angelehnt an die SMART-Zielformulierung und stellt eine Methode dar, um Bitten effektiv zu formulieren:

Spezifisch: Klar und konkret sein. Machbar: Positive Formulierung und realistische Erwartungen. Aktuell: Fokus auf die Gegenwart. Relevant: Das Bedürfnis benennen, das erfüllt werden soll. Terminiert: Einen klaren Zeitrahmen setzen. Offen: Bereitschaft, ein „Nein“ zu akzeptieren.

Diese Offenheit stellt für den Autor einen entscheidenden Aspekt dar: Eine Bitte ist nur dann eine echte Bitte, wenn man bereit ist, ein „Nein“ zu akzeptieren. Diese Offenheit für ein „Nein“ zeigt Respekt für die Entscheidungsfreiheit des Gegenübers.

Dieses Kapitel bietet diverse Übungen an, wie man durch achtsames Bitten die Kommunikation verbessert und die Erfüllung von eigenen Bedürfnissen wahrscheinlicher macht.

Empathie ist ein aktiver, achtsamer Perspektivwechsel, der das Verstehen der Gefühle und Bedürfnisse des Gegenübers in den Vordergrund stellt, ohne dabei eigene Bewertungen aufzuzwingen. Empathie bedeutet, wirklich gehört und ernst genommen zu werden. Sie ist kein Schulfach, wird aber in vielen Kulturen (z.B. das australische Wort Dadirri) bewusst praktiziert. Das Kapitel 3.2 betont, dass echte Empathie erst möglich ist, wenn wir uns selbst genug Ressourcen (Selbstempathie) geben und klare, offene Fragen stellen. Praktische Übungen wie das „Walking in your shoes“-Experiment (in die Schuhe einer anderen Person schlüpfen, um deren Perspektive körperlich und emotional nachzuvollziehen) und die Selbst-Klärung nach dem 4-Schritte-Modell der GFK bieten konkrete Werkzeuge, um Empathie im Alltag zu trainieren.

Dieses Kapitel bietet eine umfassende Anleitung und viele „Experimente“ (Übungen) zur Verbesserung der Kommunikation durch Achtsamkeit und Empathie, was zu erfüllenden und konfliktfreieren Beziehungen sowie zur Festigung der GFK-Haltung führen kann.

Das Kapitel 4 liefert ein praxisnahes Werkzeugset, um die innere Haltung bewusst zu steuern.

Das Vier-Ohren-Modell zeigt, wie unterschiedliche Hörfilter (Schuld‑ vs. Verständnis-Ohren, nach außen/innen) die Interpretation von Aussagen prägen und wie man durch gezielte Wahl empathischer Filter die Wahrnehmung und damit die Reaktion auf Konflikte steuern kann. Durch bewusste und vorrangige Selbstklärung (nach innen hören) und klare Ausdrucksweise (nach außen sprechen) wird ein stabiler Kommunikationsgrundstein gelegt.

Die Power der Verletzlichkeit wird als Schlüssel zu echter Verbindung präsentiert: Wer seine wahren Gefühle und Bedürfnisse offenlegt, schafft den „magischen Moment“ der gegenseitigen Empathie. Verletzlichkeit wird als Quelle von Stärke und Verbindung dargestellt. Konkrete Handlungslisten geben dem Leser:innen sofort umsetzbare Beispiele.

Schließlich wird das Wort „Nein“ neu definiert: Es ist kein reines Ablehnen, sondern ein Ja zum eigenen Bedürfnis, das gleichzeitig das Bedürfnis des Gegenübers anerkennt. Man erkennt gleichzeitig das Bedürfnis des Gegenübers und formuliert ein alternatives Angebot. Das Wort „Nein“ wird als Werkzeug zur Bedürfnis-Erfüllung verstanden – sowohl beim Hören als auch beim Sagen. Praktische Dialogbeispiele zeigen, wie man Nein konstruktiv formuliert.

Insgesamt kombiniert das Kapitel theoretische Modelle mit vielen Übungen (Chat-Analyse, Experimente, Listen), sodass Lesende sofort an ihrer inneren Haltung arbeiten können – ein zentraler Baustein für achtsame, authentische Kommunikation.

Das letzte Kapitel „Zutaten für ein zufriedenes Leben“ bietet eine umfassende Anleitung, wie man durch Achtsamkeit und Selbstverantwortung ein erfüllteres Leben führen kann.

Es beginnt mit der provokanten These, dass alles, was man im Leben erlebt, bereits das ist, was man haben will. Diese Perspektive fordert dazu auf, die eigenen „Ich muss“-Geschichten zu hinterfragen und die dahinterliegenden Bedürfnisse zu erkennen. Ein Experiment lädt dazu ein, zehn Dinge aufzuschreiben, die man tun muss, und die Gründe sowie die erfüllten Bedürfnisse zu identifizieren. Dies hilft, den inneren Widerstand abzubauen und die eigene Motivation zu überprüfen.

Ein weiterer Schwerpunkt des Kapitels ist die Bedeutung von Dankbarkeit und Wertschätzung. Es wird erklärt, wie präzise Dankbarkeit in der alltäglichen Kommunikation Vertrauen und Verbindung stärken kann. Anstatt allgemeine Lobesworte zu verwenden, wird empfohlen, genau zu benennen, was die andere Person getan hat und welche Bedürfnisse dadurch erfüllt wurden. Dies schafft eine Grundlage für echte Wertschätzung und stärkt die Beziehungen.

Im Weiteren wird die Verantwortung für das eigene Leben betont. Es wird erläutert, dass man für die fünf Aspekte der GFK Verantwortung übernehmen kann: Gefühle, Bedürfnisse, Gedanken, Reaktionen und Zufriedenheit. Diese Verantwortung bedeutet, dass man nicht Opfer der Umstände ist, sondern die Freiheit hat, das eigene Leben zu gestalten. Es wird darauf hingewiesen, dass Verantwortung nicht mit Schuld verwechselt werden sollte, sondern eine Chance darstellt, die eigene Führungsstärke gegenüber sich selbst zu entwickeln.

Abschließend wird die Verbindung zwischen achtsamer Kommunikation und Verantwortung hervorgehoben. Durch die Gewaltfreie Kommunikation lernt man, die Macht der Sprache bewusst und fair zu nutzen, um die eigenen Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche zu ordnen. Dies führt zu einer neuen Welt voller Möglichkeiten und einer neuen Kraft, die das eigene Leben positiv beeinflussen kann. Der Autor ermutigt dazu, Verantwortung für alles zu übernehmen, was vor dem Aussprechen der Worte passiert, und die Intention hinter den Worten zu erkennen. Dies ist der Schlüssel zu einem zufriedenen Leben, das durch Achtsamkeit und Selbstverantwortung geprägt ist.

Diskussion

Den theoretischen Input des Buches habe ich bereits in diversen anderen Büchern zur GFK oder Kommunikationsbüchern, z.B. die Bücher von Schulz von Thun, gelesen. Somit brachten mir diese Abschnitte nicht unbedingt einen Mehrwert, sondern dienten eher der Wiederholung bzw. des Wiedererinnerns.

Was aber positiv ist: Das Buch enthält zahlreiche Experimente und konkrete Handlungslisten (z.B. das „Vier-Ohren-Modell“ (bei dem ich immer an Schulz von Thun denken musste, der aber nicht zitiert wurde), die „SMARTO-Formel“ für Bitten, das „Walking in your shoes“-Experiment), die sofort im Alltag anwendbar sind, sowie einen QR-Code, der zu weiterführenden Impulsen und Podcasts führt. Die Lesenden müssen sich „nur“ darauf einlassen.

Der Autor schildert seine persönliche Erfahrung, wie missglückte Kommunikationssituationen ihn dazu brachten, die vier Schritte von Marshall Rosenberg (Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis, Bitte) zu vertiefen und gleichzeitig die innere Haltung zu hinterfragen. Er betont, dass er die Prinzipien selbst erprobt hat.

Fazit

„Sag es achtsam – Wie Gewaltfreie Kommunikation dein Denken und deine Beziehungen verbessert“ ist für jemanden, der sich bereits viel mit GFK beschäftigt hat, ein Wiederholungswerk. Aber einen Mehrwert hat dieses Buch: Es ist ein praxisorientiertes Buch, das die klassischen GFK-Prinzipien mit Achtsamkeit, Selbst-Empathie und einer klaren Verantwortungshaltung verknüpft, die Lesenden zum Üben und Reflektieren ihrer eigenen Haltung und Kommunikation auffordert, um diese ggf. zu verändern.

Rezension von
Ute Laß
Mailformular

Es gibt 7 Rezensionen von Ute Laß.

Zitiervorschlag anzeigen Besprochenes Werk kaufen

Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Sponsoren

Wir danken unseren Sponsoren. Sie ermöglichen dieses umfassende Angebot.

Über die socialnet Rezensionen
Hinweise für Rezensent:innen | Verlage | Autor:innen | Leser:innen sowie zur Verlinkung

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245