30 Jahre BdB
Rezensiert von Prof. Dr. Annegret Lorenz-Ruffini, 06.03.2026
30 Jahre BdB. Viel erreicht, vieles noch offen!
Psychiatrie Verlag GmbH
(Köln) 2025.
221 Seiten.
ISBN 978-3-86739-364-5.
Reihe: Jahrbuch des BdB ... - 2025.
Thema
Das Jahrbuch des BdB 2025 enthält eine Reihe von Beiträgen rund um aktuelle Fragen der Betreuung.
Autor:innen
Dominic Bauer ist Vorstandsmitglied der BdB-Landesgruppe NRW und Berufsbetreuer:innen. Thorsten Becker ist Vorsitzender des Bundesverbandes des BdB und Berufsbetreuer:innen. Peter Berger ist Vorstandsmitglied des BdB und Berufsbetreuer:innen. Dirk Brakenhoff ist Referent für Grundsatzfragen im BdB. Mandy Catic ist Vorstandsmitglied Betreuungsgerichtstag und BdB-Landesgruppe NRW, Berufsbetreuerin und Fortbildungsreferentin Betreuungsrecht. Claus Diegel ist Psychologe. Harald Freter ist Geschäftsführer des BdB. Katja Göde ist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. Anne Heitmann ist mit der Öffentlichkeitsarbeit u. A. des BdB befasst. Alexander Laviziano ist Projektleiter Qualitätsentwicklung beim BdB. Andreas Lob-Hüdepohl ist Professor für Theologische Ethik an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen in Berlin. Giovanni Maio ist Professor für Bioethik/​Medizinethik an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Martin Ohlmeier ist Direktor und Chefarzt mehrerer Kliniken für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin. Katharina Rinne ist Verbandsjuristin beim BdB.
Aufbau
Das Buch ist in 5 Abschnitte untergliedert, die sich an das Editorial anschließen. Es endet mit einem Autor:innenverzeichnis.
I. Einleitung
II. Wissenschaftliche Grundlagen und Fachlichkeit
III. Politik und Gesellschaft
IV. Recht
V. Betreuungspraxis
Inhalt
I. Einleitung
Die Einleitung enthält eine Standortbestimmung des BdB. Heitmann positioniert sich in ihrem Beitrag „Vergütungsreform zum Verbandsjubliäum? Ampel-Aus macht einen Strich durch die Rechnung“ zu den maßgeblichen Forderungen des BdB in Sachen Betreuer:innenvergütung und betont die Notwendigkeit verbandlicher Tätigkeit. Sodann gibt sie einen Ausblick auf die folgenden Beiträge.
II. Wissenschaftliche Grundlagen und Fachlichkeit
Die insgesamt 4 Beiträge des ersten Teils beleuchten aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven ethische Aspekte rund um das Themenfeld „Autonomie“. Der Einstiegsaufsatz „Betreuung als ethischer Auftrag“ unternimmt zunächst den Versuch einer Verortung des das neue Betreuungsrecht tragenden Konzepts der Autonomie, Maio versteht dieses weniger als Prämisse denn als Handlungsauftrag einer jeden Betreuung. Davon ausgehend stellt er unterschiedliche Konzepte von Autonomie vor und leitet daraus konkrete Konzepte für notwendige Praxen der Sorge ab. Daran anschließend reflektiert Lob-Hüdepohl in seinem Beitrag „Betreuung als Lebensführungsassistenz – eine Skizze professionsethischer Grundhaltungen“ die ethischen Grunddilemmata betreuerischen Handelns in Bezug auf Menschen mit eingeschränkter Selbstfürsorge und skizziert notwendige ethische Grundhaltungen für eine respektvolle Arbeit. Dies aufgreifend befasst sich Laviziano in seinem Aufsatz „Unterstützte Entscheidungsfindung als beruflicher Kernprozess“ mit der unterstützten Entscheidungsfindung als neuem Leitkonzept und stellt die qualitativen Anforderungen aus Sicht des BdB vor. Der abschließende Beitrag von Göde „Der freie Wille des:der Klient:in beleuchtet aus medizinischer Sicht“ setzt sich mit den typischen Auswirkungen spezifischer Erkrankungen auf die Fähigkeit zur selbstbestimmten Entscheidungsfindung der Betroffenen auseinander und thematisiert den Rahmen einer etwa notwendigen Unterbringung und Zwangsbehandlung.
III. Politik und Gesellschaft
Die Beiträge dieses Abschnitts drehen sich in der ein oder anderen Weise um das Institut der Betreuung und deren Entwicklung. Der 3. Abschnitt wird eingeleitet durch ein Interview zum 30-jährigen Bestehen des BdB, das Heitmann mit Becker unter der Überschrift „30 Jahre BdB: Viel erreicht, vieles noch offen“ führt. Im Mittelpunkt des Austausches steht ein selbstreflektierender Rückblick auf die Verbandsarbeit, die Qualitätsentwicklung im Betreuungswesen der letzten Jahre, vor allem aber die (schlechten) finanziellen Rahmenbedingungen für Betreuer:innen. Die verbandliche Sicht auf die politischen Diskussionen der letzten Jahre ist Gegenstand des Beitrags „Die Politik des BdB im Lichte 2024“ von Brakenhoff. Neben inhaltlichen Forderungen, etwa nach der Einrichtung einer Fachstelle zur unterstützten Entscheidungsfindung und Alternativen zur stationären Zwangsbehandlung, stehen im Vordergrund von Brakenhoffs Überlegungen vor allem die Notwendigkeit einer angemessenen und leistungsgerechten Vergütung als Voraussetzung einer qualitativ hochwertigen Betreuung. In seinem Beitrag „Eine kurze Geschichte der Vormundschaft und Betreuung von der Antike bis zur Gegenwart“ richtet Freter den Blick in die historischen Vorläufer der heutigen Betreuungsstruktur und deren Entwicklungen. Abgerundet wird der Abschnitt durch einen Blick nach nebenan. Brakenhoff stellt in seinem Beitrag „Erwachsenenschutzrecht im internationalen Vergleich: Schweiz“ das schweizer Modell vor.
IV. Recht
Einen Überblick über die Rechtsentwicklung im Jahre 2024 enthält der Beitrag von Rinne „Rechtliche Entwicklung in der Betreuungsarbeit“. Die ausgewählten Entscheidungen drehen sich um die höchstrichterliche Rechtsprechung im Bereich der Betreuer:innenvergütung, Entscheidungen zur Betreuer:innenregistrierung und natürlich die verfassungsgerichtliche Entscheidung zur stationsäquivalenten Zwangsbehandlung. Abschließend wirft Rinne einen Blick auf sozialrechtliche Entscheidungen.
V. Betreuungspraxis
Der letzte Abschnitt fokussiert die Betreuungspraxis aus unterschiedlichen Perspektiven. In ihrem Beitrag „Bürogemeinschaft oder lieber nicht? Eine Erörterung aus verschiedenen Blickwinkeln“ teilen Catic und Bauer ihre Erfahrungen und geben viele Informationen zum Thema „berufliche Zusammenschlüsse“. Der medizinische Blick auf herausfordernde Situationen in der Betreuer:innenpraxis ist Gegenstand der folgenden beiden Beiträge. Diegel gibt in seinem Beitrag „Aspekte herausfordernden Verhaltens bei Menschen mit kognitiven Einschränkungen“ Einblicke in die Entstehung, den Sinn, aber auch die Diagnostik herausfordernden Verhaltens und gibt wertvolle Impulse für den Umgang mit davon betroffenen Personen. Ohlmeier hingegen nimmt zwei verbreitete Diagnosen in den Blick, die er in seinem Beitrag „Selbstbestimmung bei Patientinnen mit affektiven Störungen: Depression – Manie – bipolare Störungen“ in ihrer Symptomatik und deren Auswirkungen auf den „freien“ Willen der Betroffenen erläutert, aber auch gelungene Interventionen aufzeigt. Der abschließende Beitrag von Berger „Die neue Vermögenssorge: Selbstverwaltung und Betreuer:innenaufgaben“ befasst sich mit der Abgrenzung zwischen der Selbstverwaltung durch die Klienti:nnen und den Aufgaben der Betreuer:innen im Bereich der Vermögensverwaltung und zeigt die Auswirkungen der Stärkung der Autonomie der Klienti:nnen auf den Aufgabenbereich der Vermögensverwaltung auf.
Diskussion
Der Jahresband enthält einen bunten Strauß verschiedener Themenfelder, die für den Alltag der Betreuungspraxis von Bedeutung sind: Die Beiträge aus der Warte verschiedener Disziplinen enthalten relevantes Hintergrund‑ und Reflexionswissen, informieren über neue rechtliche und aktuelle fachpolitische Entwicklungen und reflektieren nicht zuletzt die Verbandstätigkeit, dessen Aktivitäten und verbandspolitischen Forderungen. Sich auf diesen Gebieten permanent fortzubilden, ist im oft stressigen Berufsalltag von Betreuer:innen ebenso herausfordernd wie notwendig. Der Jahresband greift dieses Bedürfnis auf, indem er fachlich relevante Entwicklungen aufgreift und diese fundiert reflektiert.
Fazit
Von Betreuer:innen für Betreuer:innen geschrieben, ist der Jahresband durchaus eine Fundgrube, was die aktuellen fachlichen Entwicklungen, vor allem die fachpolitischen Diskussionen angeht. Alles in allem für Berufsbetreuer:innen ein empfehlenswertes Werk.
Rezension von
Prof. Dr. Annegret Lorenz-Ruffini
Professorin für Recht mit Schwerpunkt Familien- und Ausländerrecht am Fachbereich Gesundheits- und Sozialwesen der Hochschule Ludwigshafen am Rhein
Ältere Lexikonartikel siehe unter Annegret Lorenz.
Ältere Rezensionen siehe unter Annegret Lorenz.
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