Roger E. Money-Kyrle, Heinz Weiß et al.: Beiträge zum Verhältnis von Psychoanalyse und Philosophie
Rezensiert von Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer, 23.06.2026
Roger E. Money-Kyrle, Heinz Weiß, Claudia Frank, Antje Vaihinger:Beiträge zum Verhältnis von Psychoanalyse und Philosophie. Ausgewählte Schriften Band IV. Brandes & Apsel (Frankfurt) 2025. 200 Seiten. ISBN 978-3-95558-303-3. D: 29,90 EUR, A: 30,80 EUR.
Reihe: Roger Money-Kyrle: Ausgewählte Schriften - 4.
Thema
Es gibt vielfältige, anthropologische, ethische, fachliche, politische und alltägliche Zugänge zum Wissen der Welt. Bildhaft und anschaulich werden sie dargestellt etwa in der „Philosophenstiege“ der Universität Wien, im Treppenhaus der Würzburger Residenz: Direkte und verzweigte Wege und Aufgänge: Wissen ist Ganzheit!
Entstehungshintergrund und Autor
„Ich denke, also bin ich“ – und die existentiellen, ganzheitlichen Fragen: „Wer bin ich?“ und „Wie bin ich geworden, was ich bin?“ – sind intellektuelle, alltägliche Auseinandersetzungen, die den anthrôpos zum Menschen machen. Im wissenschaftlichen Diskurs ist es die Vielfalt des Bewusstseins, das den Verstand bewegt. Es ist die Fähigkeit, Allgemeinurteile zu bilden, Gutes vom Bösen unterscheiden zu können und bewusst und aktiv zu sein. Der britische Philosoph und Psychoanalytiker Roger Money-Kyrle (1898 – 1980) hat theoretische und praktische Zugänge entwickelt, in denen die Zusammenhänge und Unterschiede des philosophischen und psychologischen Denkens und Handelns deutlich werden. Der Psychoanalytiker Heinz Weiß und die Lehranalytikerin Claudia Frank, Stuttgart, setzen sich mit Kyrles Fragen auseinander und legen in mehreren Bänden (u.a.: Die Psychologie von Krieg und Propaganda, Bd. 1, 2022, www.socialnet.de/rezensionen/​29307.php) ausgewählte Schriften vor. Die Frage, welche Einflüsse die Philosophie auf die Psychoanalyse und welche Wirkungen sie ausübe, wird von Money-Kyrle dadurch beantwortet, dass er nach dem kindlichen Fragen fragt: „Kinder sind Metaphysiker“.
Aufbau und Inhalt
Das Herausgeberteam wählt Schriften aus, die Kyrles Denken zum Ausdruck bringen: Es ist die Zusammenfassung seiner Dissertation von 1927: Belief and Representation. Es sind verifizier‑ und falsifizierbare Analysen zur Welt‑ und Wirklichkeitslage, die sich in „Glaube und Darstellung“ artikulieren, sich lapidar darstellen als „Es ist, was es ist!“, wie auch als „Universales“ zeigen. „Seelen hängen von ihrer eigenen Vergangenheit ab und von anderen Seelen“. Schuld und Wiedergutmachung, Moral, Ethik und Macht als Normen, Wirklichkeiten und Konvergenzen als vergangenheitsbewusstes, gegenwartsbestimmtes und zukunftsorientiertes Dasein. Wissen und Gewissen, Gefühl und Fakt, Schuld und Rationalität sind Elemente von rationalen und irrationalen Einstellungen. In den Texten „Psycho-Analysis and the Social Sciences“ (1953) und „Das anthropologische und das psychoanalytische Konzept der Norm“ (1955) untersucht Money-Kyrle die unterschiedlichen Vorgehensweisen, sich in Andere einfühlen und unerträglichen Umständen ausweichen zu können. Psychoanalytische Praktiken unterliegen somit rationalen oder relationalen Methoden. Die 1952 erschienene Arbeit „Psychoanalyse und Ethik“ nimmt die Fragen auf: „Was ist ein guter Mensch?“ und „Was ist eine gute Gesellschaft und ein guter Staat?“. Autoritäre, egozentristische und populistische Einstellungen werden abgelöst durch humanes, empathisches Verhalten. In „Psychoanalyse und Philosophie“ (1956) betrachtet der Autor das philosophische Denken und Tun als kreatives, neugieriges, ganzheitliches Bewusstsein: Die Suche nach der Wahrheit und kritisches Denken! Mit dem Text „Die Welt des Unbewussten und die Welt des gesunden Menschenverstandes“ (1956) werden die Kompetenzen benannt, wie sie sich evolutionär entwickelt haben und das alltägliche, aktive und menschenwürdige, individuelle, lokale, globale, erdhafte und kosmische Dasein bestimmen.
Diskussion
Die Fragen, was können wir lernen, erfahren, annehmen oder ablehnen, sind existentielle lebenslange Herausforderungen und Verpflichtungen. Roger Money-Kyrle hat herausgearbeitet, wie intellektuelles, fachliches und allgemeines Wissen entsteht und sich entwickelt. Es sind Fakten und Vermutungen, theoretische und praktische Reflexionen über die Zusammenhänge von Psychoanalyse und Philosophie.
Fazit
Die Stuttgarter Psychoanalytiker Heinz Weiß und Claudia Frank analysieren die wissenschaftlichen Arbeiten von Roger Money-Kyrle und suchen nach der Bedeutung seines Werkes für Hier und Heute!
Rezension von
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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