Marie Colot, Ian (Künstler) De Haes: Und das gibt´s noch nicht?
Rezensiert von Ulrike Ziemer, 26.03.2026
Marie Colot, Ian (Künstler) De Haes: Und das gibt´s noch nicht?
Carl-Auer Verlag GmbH
(Heidelberg) 2023.
ISBN 978-3-96843-048-5.
D: 19,95 EUR,
A: 20,60 EUR.
Reihe: Carl-Auer Kids.
Thema
Das Bilderbuch „Und das gibt's noch nicht?“ erzählt von den Geschwistern Salomé und Achille. Die beiden betrachten ihr Umfeld unter dem Aspekt, was sie später einmal werden möchten. Hierbei entwickeln sie Berufsideen, die es wahrscheinlich so noch nicht gibt.
Autorin und Illustrator
Marie Colot kommt aus Belgin und erfindet seit ihrer Kindheit Geschichten. Sie schreibt als Kinder‑ und Jugendbuchautorin und beobachtet Menschen in ihrem Umfeld. Ian de Haes lebt in Brüssel und studierte Illustration und Computergrafik. Er arbeitet als Buchhändler mit dem Schwerpunkt Kinderliteratur und konzentriert sich mittlerweile auf das Illustrieren von Büchern.
Entstehungshintergrund
Das Bilderbuch wurde von Jenny Schröder aus dem Französischen übersetzt.
Aufbau und Inhalt
Das farbig illustrierte Buch besteht aus 40 Papierseiten. Das Werk hat einen stabilen, farbig bedruckten Einband. Das Format ist 220 mm Breite, 270 mm Höhe und 10 mm Dicke. Die Illustrationen sind als Doppelseiten gestaltet. Auf jeweils einer Seite steht ein kurzer Text. Achille spaziert mit seiner großen Schwester Salomé durch eine Stadt. Sie führen dabei ein Gespräch und beziehen ihre Umweltbeobachtungen in ihre Überlegungen mit ein. Die Texte geben überwiegend den Dialog der Geschwister wieder. Salomé hat bereits klare Vorstellungen darüber, was sie einmal werden möchte, Tierärztin. Sie fordert ihren Bruder auf, darüber nachzudenken, was sein Berufswunsch ist. Achille findet, dass das „Später“ noch sehr weit weg ist. Doch seine Schwester gibt sich damit nicht zufrieden. Schließlich hat sie die Erfahrung gemacht, dass Achille für Entscheidungen viel Zeit benötigt. Er überlegt und schlägt vor, dass er „Sorgenheiler“ werden könnte. Salomé jedoch findet, dass das kein richtiger Beruf ist. Achille beobachtet die Menschen und entwickelt viele Berufsideen wie zum Beispiel: „Münzausteiler, Außenweltverschönerer oder Gehirnmechaniker“. Salomé ist damit nicht einverstanden und fordert ihren kleinen Bruder auf, sich einen richtigen Beruf zu überlegen. Gleichzeitig beginnt sie über die kreativen Vorschläge zu staunen, schaut sich die Menschen an und beginnt schließlich eigene Vorschläge zu entwickeln. Die Geschwister übertrumpfen sich mit neuen Berufen und überlegen „Und das gibt's noch nicht?“. Sie haben eine Menge Spaß und die Berufe, die es noch nicht gibt, scheinen unendlich. Ob „Mückendompteurin, Birnenteilerin oder Türzuknallerin“. Die Geschwister haben viel Freude und erkennen „Später‑ das ist noch weit weg.“ Vielleicht werden sie „Berufeerfinder und Berufeerfinderin“.
Diskussion
Das Bilderbuch „Und das gibt's noch nicht?“ erzählt von zwei Geschwistern, dem älteren Mädchen Salomé und ihrem Bruder Achille. Das Original erschien in Belgien in französischer Sprache und wurde von Jenny Schröder ins Deutsche übersetzt. Die Illustrationen von Ian de Haes sind mehrfarbig und doppelseitig. Sie erzählen die Geschichte mit der außergewöhnlichen Sprache der Bilder. Emotionen werden durch die Bildgestaltung, die Farben und besonders durch die intensive Mimik der Geschwister ausgedrückt. Die Zeichnungen laden ein, genau zu schauen und enthalten viele Details. Die kurzen Texte der Autorin Marie Colot erzählen, wie sich die Kinder über ihre Zukunft unterhalten. Dies knüpft an Erfahrungen von Kindern an, denn Menschen fragen gerne „Was möchtest du einmal werden?“ Salomé hat anfangs eine klare Vorstellung von ihrer Zukunft. Sie möchte Tierärztin werden, ein anerkannter Beruf. Doch ihr kleiner Bruder will sich noch nicht festlegen. Er beobachtet seine Umwelt und entwickelt neuartige Ideen. Vielleicht möchte er einmal „Sorgenheiler“ werden. Seine Schwester findet all seine kreativen Ideen unpassend und wehrt sie ab. Doch plötzlich findet sie Freude an den Wortschöpfungen und macht mit. Die beiden haben viel Spaß, gehen durch die Stadt und entdecken immer neue Berufe. Schließlich haben sie eine Idee, vielleicht werden sie „Berufeerfinderin und Berufeerfinder“. Die Bilderbuchautorin nähert sich dem Thema Zukunft mit viel Humor und einem Augenzwinkern. Wer bestimmt eigentlich, was ein Beruf ist, und gibt es im Leben nicht noch viel mehr Möglichkeiten. Der anfangs etwas sorgenvolle Blick auf die Zukunft, in der man etwas werden muss, verwandelt sich in Kreativität und Freude. Kinder und Erwachsene werden durch Wort und Bild zum Dialog eingeladen. Vielleicht erzählen Eltern Kindern von ihrem Berufen und ihren Träumen, von den Ideen, davon, was sie einmal werden wollten. Beim Betrachten und Vorlesen des Bilderbuches werden die Kinder angeregt, eigene Berufe zu erfinden und über ihre Wünsche und Träume zu sprechen. Der Autorin und dem Illustrator ist es gelungen, ein Buch zu gestalten, dass das Potenzial hat, einen Dialog anzustoßen. Das Bilderbuch eignet sich für Kinder ab 4 Jahren. Die ansprechende Gestaltung regt zum Malen und Fantasieren an.
Fazit
„Und das gibt's noch nicht?“ ist ein Bilderbuch für Kinder und Erwachsene. Es lebt vom Dialog und bietet viel Gesprächsstoff. Die Geschwister Salomé und Achille betrachten die Umwelt unter dem Gesichtspunkt, welchen Beruf sie einmal ausüben möchten, und entwickeln neuartige und lustige Berufsbilder.
Rezension von
Ulrike Ziemer
Dipl. Heilpädagogin (FH)
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