Sherrie Campbell: Mit der Familie brechen
Rezensiert von Prof. Dr. habil. Gisela Thiele, 22.12.2025
Sherrie Campbell: Mit der Familie brechen. Toxische Beziehungen beenden - unbeschwert leben und lieben. Junfermann Verlag GmbH (Paderborn) 2025. 192 Seiten. ISBN 978-3-7495-0650-7. D: 24,00 EUR, A: 24,70 EUR.
Aufbau und Inhalt
Das Buch ist neben einem Vorwort in sechzehn Kapitel mit Unterkapiteln in unterschiedlicher Länge gegliedert.
Im „Vorwort“ wird betont, dass Sherrie uns, einen unverfälschten Eindruck, in die Herausforderungen, mit denen sie selbst konfrontiert war und in ihrem berührenden Kampf, ihre Entschlossenheit und Stärke.
„Einleitung, Sie haben die Erlaubnis“. Es wird herausgearbeitet, dass die Grenzen die emotionale und mentale Sicherheit sei. Diese Grenzen bringen die langersehnte Entlastung von dem Druck und den Zwängen, die die Familien ihnen auferlegt haben. Sie ermöglichen, ihr Leben frei von den ständigen Manipulationen, der Kontrolle, der Dramatik und den manipulativen Spielchen ihres toxischen Familiensystems zu leben
Es folgt Teil I „Frieden mit ihrer Entscheidung schließen“. Es beginnt mit dem ersten Kapitel „Der Kontaktabbruch dient dem Selbstschutz“ Es ist grausame Realität, dass uns unsere Familienangehörigen nicht wirklich geliebt haben. Nicht weil mit uns, als wir klein waren, etwas nicht stimmte, sondern weil Liebe in den Augen dieser Eltern nichts zählt. Das Einzige, was bei ihnen zählt, ist MACHT: Um sich aus solchen toxischen Beziehungen zu lösen, sie müssen stolz sein, auf die Entscheidungen, die sie getroffen haben, um sich vor Familienangehörigen, die Ihrer psychischen Gesundheit und Ihrem Wohlergehen, schaden, zu schützen.
Das zweite Kapitel ist dem Thema gewidmet „Warum es noch immer weh tut“. Es ist normal, zwischen der Erleichterung über der neu gefundenen Freiheit zu schwanken, die unweigerlich mit der Entscheidung einhergehen. Die Brücken hinter sich abzubrechen kann bedeuten, dass sie sich ungeschützt und unsicher fühlen. Ihr familiales Umfeld war zwar kein sicherer Hafen, aber ihre Familie war bedeutsam und wichtig für sie. Schließlich war sie alles, was sie je gekannt haben. Dass Täter auch gute Tage haben können, ändert nichts, dass sie Täter sind. Je aufmerksamer sie auf ihre Gefühle hören und je geschärfter ihre Selbstwahrnehmung wird, desto besser können sie gesunden. Im dritten Kapitel „Es ist gut, Grenzen zu haben“ wird darüber debattiert, dass Sie Grenzen setzen müssen, weil ihnen Werte wie Gerechtigkeit und die Bedeutung aufrichtiger Liebe am Herzen liegen.
Das dritte Kapitel „Es ist gut, Grenzen zu haben“ beginnt mit Ausführungen zu persönlichen Grenzen, die einfache Leitlinien seien. Grenzen sind Ausdruck ihrer Selbstachtung.
Im vierten Kapitel geht es um die Frage „Das entscheidende Bedürfnis zu trauern“. Die Schönheit eines solchen Beziehungsabbruchs besteht darin, dass sie endlich entdecken können, wer sie wirklich sind. Ihre Eltern haben ihnen nicht die Liebe geschenkt, die sie gebraucht und verdient haben. Sie haben deshalb das Recht, wütend auf ihre Familie zu sein. In den folgenden Ausführungen werden die Schritte zur gesunden Trauer aufgezeigt. Die Trauer richtet ihre Seele wieder auf, reinigt ihren Gefühlshaushalt und schenkt ihnen eine neue Perspektive auf sich selbst, ihr Leben und ihre Beziehungen.
Mit dem Titel „Die soziale Leere, die der Verlust der Familienbande hinterlässt“ ist Kapitel fünf überschrieben. Sie haben das Recht, ihre Geschichte zu schützen. Wer ihre Erfahrungen nicht am eigenen Leib erfahren hat, kann sie nicht nachempfinden. Es ist aber auch ihr Recht, dafür zu sorgen, dass ihre Wunden nicht erneut aufbrechen, und zu verhindern, dass ihr Schmerz sie überwältigt. Heilung ist der Mut, gegen alte Widerstände zu sich selbst zu stehen.
Das sechste Kapitel widmet sich den „Tiefen Wunden des Selbstzweifels und der Wertlosigkeit“. Ihre Eltern haben ihnen nicht die Liebe geschenkt, die sie gebraucht und verdient haben. Sie haben deshalb jedes Recht der Welt, dies zu verarbeiten und zu betrauern. In den folgenden Ausführungen geht es um die verschiedenen Bindungstypen beschrieben, damit sie wissen, welche Bindung sie erfahren haben.
Das siebente Kapitel ist mit der Überschrift versehen „Wie sich toxische Schamgefühle entwickeln“. Es werden die Bindungstypen herausgearbeitet und welchen Einfluss diese auf ihre Entwicklung hatten.
Kapitel sieben ist mit dem Titel überschrieben „Wie sich toxische Schamgefühle entwickeln“ Es werden die Phasen der psychosozialen Entwicklung nach Erikson vorgestellt. Familiäre Dysfunktionen werden von einer Generation auf die nächste übertragen. Sie pflanzt sich fort bis ein Mensch sagt, so kann es nicht weitergehen und den Mut findet, dem emotionalen und körperlichen Missbrauch ein Ende zu setzen.
Die „Toxischen Schamgefühlen überwinden“ ist Kapitel acht gewidmet. Toxische Scham ist eine giftige Mischung aus emotionalem Schmerz. Bedauern, überwältigende Ängste und ein Gefühl völliger Wertlosigkeit sind charakteristisch dafür. Ganzheit bedeutet über sämtliche Teile zu verfügen. Aus der Ganzheit zu leben, bedeutet, nicht nur die guten, sondern auch die schwierigen und traurigen Anteile ihrer selbst anzuerkennen. Ganzheit ist Ausdruck ihrer nackten Menschlichkeit. Es folgt eine Liste ihrer persönlichen Rechte als Mensch wahrzunehmen und von toxischer Scham zu genesen. Danach werden gesunde weibliche mütterliche Energien und gesunde männliche, väterliche Energien gegenüber gestellt.
„Emotionale Einsamkeit und Nichtzugehörigkeit“ werden im nächsten Kapitel debattiert. Durch emotionales Verlassenwerden verlieren sie jemanden, den sie zutiefst lieben und brauchen. Sie verlieren aber auch ihre innere 'Überzeugung, ein wichtiger und wertvoller Mensch zu sein. Sie verlassen demgegenüber aber niemanden, wenn sie ihre toxische Familie aus dem Weg gehen. Wie emotional stärkende Beziehungen aufgebaut werden, verraten ihnen die nächsten Ausführungen. Fassen sie den Mut, sich mit ihren zerbrochenen Anteilen zu konfrontieren.
„Der Wert einer therapeutischen Beziehung“ ist das Thema von Kapitel zehn. Sie können zu der liebevollen Präsenz in ihrem Leben werden, wenn sie sich selbst bewusst wahrnehmen und bereit sind, zu lernen und sich selbst zu lieben. Die Therapie ist ein Ort, an dem sie sich ohne jedes Risiko frei von Scham aussprechen können. Ein Ort, sie an dem sie das Feedback und die Unterstützung erhalten, die ihnen helfen. Es ist eine Beziehung, die ihnen hilft, vulnerabel als auch mutig zu sein.
Über „Auf dem Weg, zu Empathie und Selbstliebe“ wird in Kapitel elf diskutiert. Eine der effektivsten und hilfreichsten Methode, empathische und bedeutsame Verbindungen zu anderen herzustellen, ist das Erzählen der eigenen Geschichte. Je häufiger sie ihre Geschichte erzählen und je häufiger sie von anderen Menschen gesehen werden, desto weiter schreitet ihre Genesung voran. Im nächsten Schritt werden Ratschläge unterbreitet, welche ihnen die Selbstfürsorge erleichtern.
Teil III „Praktische Tipps zum Umgang mit den Folgen“ wird fortgesetzt mit Kapitel zwölf „Rachsüchtige Familienangelegenheiten“. Im Umgang mit psychisch missbräuchlichen Familien ist Wissen Macht. Sich gründlich zu informieren, ist ein wichtiger Bestandteil ihrer Weiterentwicklung. Danach wir der sekundäre Missbrauch in ihren verschiedenen Varianten herausgearbeitet.
Im fünfzehnten Kapitel spielt „Die schmutzige Arbeit, Meenschen, Feiertage, soziale Medien und wichtige Ereignisse zu instrumentalisieren“ eine wichtige Rolle. Die Art und Weise, wie ihre Angehörigen Missbrauch nach der Trennung praktizieren, wird hier erläutert. Psychisch missbräuchliche Familien haben eine Vorliebe, sich bei ihnen einzumischen, Feiertage, Geburtstage usw. zu nutzen, um sich aufzudrängen. Wenn sie ein Geschenk behalten, ist es nicht nötig, sich zu bedanken.
Das letzte und damit das sechzehnte Kapitel befasst sich mit der „Wertvolle Beziehungen zu nichttoxischen Familienmitgliedern schützen“ Wenn sie die Beziehung zu gesünderen Angehörigen aufrechterhalten wollen, ist ihre emotionale Sicherheit entscheidend und das Thema Familie wird nicht behandelt. Effektive Methode, die Beziehungen zu gesünderen Familienangehörigen zu schützen besteht darin, ihre nicht verhandelbaren Punkte zu definieren.
Zuletzt erfolgt ein Dank an das Team, was sie ermuntert hat, dieses Buch zu schreiben und ein Literaturverzeichnis.
Diskussion
Es ist eine zutiefst furchtlose und anpackende Publikation, doch endlich den Mut aufzubringen, sich von seiner missbräuchlichen Familie zu lösen, um zu einer eigenen Genesung zu finden. Es ist zudem eine Publikation, die Mut macht, diesen wichtigen Schritt zu gehen. Und sie ist zudem eine authentische Publikation, weil die Autorin über ihr eigenes Schicksal erzählt, sich von ihrer Herkunftsfamilie getrennt zu haben, und die vielen wirren Gefühle, die bei einem solchen Schritt eine Rolle spielen, sehr glaubhaft beschreibt. Der große Gewinn dieser Publikation liegt in der Vielseitigkeit der einzelnen Kapitel, die sehr differenzierte Sichtweisen zu den vielfältigen Problemen aufgreifen und bearbeiten, wodurch die Komplexität der Loslösung von seiner Familie sehr gut eingefangen wurde. Die Art und Weise der Darstellung ist inspirierend, die eigene Geschichte selbst in die Hand zu nehmen. So werden in allen Kapiteln wichtige Merksätze grau unterlegt dargestellt und auf die Bedeutung hingewiesen wird „Gönnen Sie sich einen Moment der Ruhe“ und überlegen sie, wie lange sie die eine oder andere Situation schon ausgehalten haben, ehe sie wirklich den Schritt getan haben, der für sie so wichtig war.
Fazit
Es ist eine Publikation, die die akademische Sprache weitgehend vermeidet, sodass eine breite Leserschaft davon profitieren kann. Dieses Buch hilft all jenen, die mit ihren familiären Verhältnissen hadern und macht Mut den Schritt zur Loslösung von der Familie zu gehen.
Rezension von
Prof. Dr. habil. Gisela Thiele
Hochschule Zittau/Görlitz (FH)
Berufungsgebiete Soziologie, Empirische
Sozialforschung und Gerontologie
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