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Dagmar Kumbier: Das Innere Team in der Psychotherapie

Rezensiert von Astrid Konter, 12.03.2026

Cover Dagmar Kumbier: Das Innere Team in der Psychotherapie ISBN 978-3-608-89331-1

Dagmar Kumbier: Das Innere Team in der Psychotherapie. Das Methoden- und Praxisbuch. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2026. 8., vollständig überarbeitete Auflage. 260 Seiten. ISBN 978-3-608-89331-1.
(Leben Lernen, Bd. 355).

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Thema

Das Modell des Inneren Teams wird in dieser Veröffentlichung dargestellt und ist mit zahlreichen praktischen Übungen versehen. Es als Methode für die Persönlichkeitsentwicklung auch für psychologische Laien verständlich und gut für die Selbsthilfe umsetzbar zu erläutern, ist Thema des Buches.

Autorin

Dagmar Kumbier, u.a. ausgebildet in psychodynamischer Psychotherapie, Traumatherapie und systemischer Therapie mit der inneren Familie, ist Psychotherapeutin und Coach. Sie gründete und leitet das Institut für integrative Teilearbeit in Hamburg. Am Schultz-von-Thun-Institut ist sie Lehrtrainerin. Sie verfasste zahlreiche Publikationen zu den Themenkreisen Kommunikation, Inneres Team und Beratung/​Psychotherapie.

Entstehungshintergrund

Nach zahlreichen Veröffentlichungen für Fachpublikum griff Dagmar Kumbier die Anregung einer Kollegin auf, das Innere Team für einen größeren Interessiertenkreis zugänglich zu machen und damit gleichzeitig einen Ratgeber für die Selbsthilfe zu entwickeln.

Aufbau

Eingeteilt in sieben Kapitel geht es zunächst darum, das Innere Team als Modell zu verstehen (1. Kapitel), um dann praktisch eine Bestandsaufnahme des eigenen Inneren Team erstellen zu können (2. Kapitel). Eine genauere Differenzierung erfolgt durch die Charakterisierung der Arten der Teammitglieder (3. Kapitel). Daran knüpft die Beschreibung des Selbst an, das als übergeordnete Instanz fähig ist, das Innere Team zu leiten (4. Kapitel). Sich der inneren Anteile bewusst zu werden, mit ihnen zu rechnen und ihnen mit den Potenzialen des Selbst zu begegnen, ist Thema des 5. Kapitels. Auf dieser Basis ist es möglich, die eigene Persönlichkeit, verstanden als Teamarbeit der einzelnen Mitglieder, weiter zu entwickeln (6. Kapitel). Den Abschluss bildet die Frage, wie die Möglichkeiten und Grenzen des eigenständigen Umgangs mit dem Modell eingeschätzt werden können und in welchen Fällen Unterstützung durch ein Gegenüber notwendig ist (7. Kapitel).

Inhalt

Im ersten Kapitel ist eine Erläuterung des Modells des Inneren Teams vorangestellt. Die Analogie der inneren Stimmen und Rollen zum Verhalten von Team‑ oder Familienmitgliedern wird erklärt. Die verschiedenen Stimmen gewinnen im Laufe des Lebens an Bedeutung, sie haben unterschiedliche Gewichtung und reagieren mit‑ und gegeneinander. In diesem Zusammenhang verortet sich Dagmar Kumbier innerhalb der Coach‑ und Psychotherapie-Landschaft: Sie verbindet die Konzepte des integrativen Teilemodells, der Transaktionsanalyse, psychodynamische Konzepte und die Positive Psychologie miteinander. Das Modell des Inneren Teams erweiterte sie, um es für Menschen mit Trauma-Erfahrung nutzbar zu machen.

Kapitel zwei erläutert, wie eine Bestandsaufnahme des eigenen Inneren Teams vorgenommen werden kann. Als Anlass dafür dient ihr an dieser Stelle die Frage, wie eine gute Entscheidung getroffen werden kann. Welche Stimmen tauchen dabei auf? Wie können Stimmen gekennzeichnet und ihnen Aussagen und Haltungen zugewiesen werden? Entscheidend ist, allen in Ruhe zuzuhören, mit ihnen quasi zu sprechen und zu erfahren, was jeder einzelnen Stimme wichtig ist. Gut ist eine Entscheidung, wenn mit ihr alle Stimmen zur Ruhe kommen.

Im dritten Kapitel werden die verschiedenen Arten von Teammitgliedern beschrieben, die es gilt, herauszufinden. Sie sind mit unterschiedlichen Energien belegt, sodass manche sehr deutlich zutage treten, andere in den Hintergrund gedrängt werden. Es gibt „verletzte Kinder“ – also verletzte innere Anteile, mit denen auch umgegangen werden sollte wie mit Kindern, denn diese Stimmen sind bedürftig. Andere sind „Bodyguards, Airbags & Co“: Wächter im Inneren Team, die darauf achten, dass Stimmen, die als Bedrohung empfunden werden, nicht zu Wort kommen. Sie gewährleisten Anpassung nach außen und haben die Funktion, wichtige Beziehungen zu schützen und vor Gewalt und existenzieller Bedrohung abzuschirmen. Dafür wenden sie effektive Strategien an. Diese Wächter können ins Boot geholt werden, indem man sie auf der Ebene erreicht, in der sie verwurzelt sind. Es hilft, ihre Stärke anerkennen, weil sie notwendig sind. Dann gibt es die „erwachsenen Anteile“, und zwar solche, die in der Vergangenheit feststecken und solche, die nicht in der Vergangenheit leben. Erwachsene Anteile hören sich gegenseitig zu und verhandeln. „Kindliche versteckte Anteile“ hingegen sind oft stark energetisch aufgeladen und oft nicht bewusst. Sie agieren oft im Vordergrund. Es gibt auch die Stimmen der „freien Kinder“ als Quellen von Lebendigkeit und Lebensfreude. Ihnen Spielraum geben, gerade angesichts von inneren Anteilen, die Scham‑ und Schuldgefühle oder mit Wut belastet sind, verändert die Teamkonstellation grundlegend.

Das Selbst als Leitung der verschiedenen Stimmen im Inneren Team wird im vierten Kapitel aufgegriffen. Im Modell wird davon ausgegangen, dass eine Instanz existiert, die in der Lage ist, das Innere Team zu leiten. Sie kann die verschiedenen Anteile wahrnehmen und beobachten, aber auch steuern. Sie ist vergleichbar mit Eltern, die Gefühle der Kinder ernst nehmen, sie sich jedoch nicht zu eigen machen. Kumbier beschreibt in diesem Zusammenhang, was geschieht, wenn Teammitglieder durch das Selbst nicht beachtet werden: Wächter entstehen, die Fürsorge übernehmen, die die vom Selbst Nichtbeachteten aber brauchen. In der Folge geht der Kontakt zur Selbstenergie verloren. Dies hat auch Auswirkungen auf die Begegnung mit anderen Menschen, die ebenfalls mit ihrer eigenen Teamkonstellation auftreten. Das Selbst kann durch Fürsorge allen Stimmen gegenüber gestärkt werden, was wiederum zu größerer Resilienz führt. Aus dem bewussten Selbst heraus ist es möglich, anderen authentisch zu begegnen.

Fokus des fünften Kapitels ist Vertiefung des Kontakts mit der Selbstenergie und den Teammitgliedern, die das Selbst einschränken. Dies bedeutet, mit Wächtern in Kontakt zu kommen, verletzte Anteile zu versorgen und zu entlasten, Bedürfnisse zu verstehen. Es muss auch damit gerechnet werden, dass es Wächter gibt, die sich als Selbst verkleiden. Es gilt zudem, freie Kinder einzuladen, erwachsene Anteile zu erkennen, zu würdigen und zu stärken und Scheinerwachsene zu identifizieren. So ist es möglich, immer mehr zu verstehen, warum sich Anteile auf ihre Art verhalten.

Wie kann das Innere Team entwickelt werden? Damit befasst sich das sechste Kapitel. Dabei geht es darum, eine gute innere Aufstellung zu finden. Das Selbst kennt wie ein Trainer sein Team und weiß, wann er welche Mitspielende braucht. Es kann sogar eine vakante Stelle ausschreiben: vielleicht wird ein Anteil benötigt, der derzeit nicht vorhanden ist und er kann eingeladen werden.

Schließlich, im siebten Kapitel, wird die Frage behandelt: Was kann man ändern – und was nicht? Grenzen können nicht erweitert werden, wenn man nicht an diese Möglichkeit glaubt. Grenzen müssen jedoch auch anerkannt werden. Kumbier bezeichnet es als Wachstumspendel, die Herausforderungen anzunehmen und Ressourcen zu stärken. Was sich nicht verändern lassen kann, kann ins Leben integriert und als Aufgabe verstanden werden. Insbesondere um die „Wächter“ anzuschauen, kann es notwendig sein, Unterstützung zu suchen. Auch wenn es nicht möglich ist, weiterzukommen, wenn stark verletzte Teile vorhanden sind und/oder wenn einzelne Teile eine hohe Ladung haben, ist ein Gegenüber hilfreich.

Diskussion

Das Buch gehört zu den Fachratgebern zur Selbstanwendung. Im Hinblick auf das Modell des Inneren Teams ist es derzeit das einzige, das sich explizit an Laien richtet. Dazu gibt es zahlreiche praktische Übungen und Visualisierungen, die gut anwendbar sind, um in Kontakt mit den einzelnen Stimmen und mit der Selbstinstanz zu kommen. Gleichzeitig ist es kein Manual, kein „How To“. Es fehlt dankenswerterweise jede Form von schnellen Versprechungen. Es werden keine augenblicklichen Wunder versprochen, vielmehr zunehmende Klarheit bei inneren Konflikten, die einem Prozess unterliegt. Auch wird deutlich, dass eigene Reflexionsbereitschaft notwendig ist. Dagmar Kumbier erläutert die Facetten des Modells und nimmt die Leser:innen mit auf eine innere Reise, dies in einem sehr erfahrenen Ton. Der freundliche Duktus ihres Stils begleitet die Reise ermutigend, aber auch begrenzend dort, wo es sinnvoll ist, sich Unterstützung zu suchen. Das Buch eignet sich für die eigene Persönlichkeitsentwicklung und dient auch als Einführung in das Persönlichkeitsmodell des Inneren Teams.

Fazit

Das Modell des Inneren Teams ist überzeugend und anschaulich beschrieben. Es eignet sich daher sehr gut für interessierte Laien und für diejenigen, die sich selbst auf die Suche und den Umgang mit dem Inneren Team machen wollen.

Rezension von
Astrid Konter
Dipl.-Sozialarbeiterin (FH)
Musikwissenschaft, Pädagogik und Psychologie (M.A.)
Seminare in professionsbezogener Selbstreflexion und prekäre Lebenslagen
Traumaberaterin
TZI-Coach (Themenzentrierte Interaktion)
Langjährig tätig in der sozialen Arbeit mit Menschen in prekären Lebenslagen
Leiterin einer Einrichtung für Menschen mit seelischer Behinderung
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Es gibt 4 Rezensionen von Astrid Konter.

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ISSN 2190-9245