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Kai Wendt: Suchtmedizin für Nicht-Mediziner

Rezensiert von Wolfgang Schneider, 24.06.2026

Cover Kai Wendt: Suchtmedizin für Nicht-Mediziner ISBN 978-3-608-40208-7

Kai Wendt:Suchtmedizin für Nicht-Mediziner. Das Handbuch für die Suchthilfe. Schattauer (Stuttgart) 2025. 466 Seiten. ISBN 978-3-608-40208-7. D: 58,00 EUR, A: 59,70 EUR.

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Thema

Dieser Titel widmet sich der Suchtmedizin mit speziellem Fokus auf Berufsgruppen ohne medizinischen Hintergrund. Denn in der multiprofessionellen Arbeit im Bereich Sucht sind medizinische Grundkenntnisse für alle Beteiligten unabdingbar. Das Buch orientiert sich dabei an den neuen ICD-11-Richtlinien. Kai Wendt als erfahrener Suchtmediziner bietet so eine Einführung in Themenbereiche. Dazu gehören zum Beispiel Maßnahmen in Akutsituationen, Grundlagen und Auslöser der Suchtentstehung, Alkohol-, Drogen‑ und Medikamentenabhängigkeit, somatische und psychiatrische Krankheitsbilder, medikamentöse Behandlung und Substitutionstherapie. Zudem enthält das Buch ein Drogenlexikon und auch Filmtipps zum Thema. Es behandelt aktuelle Trends im Drogenbereich wie Neuroenhancement und Doping.

Autor

Dr. Kai Wendt ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Zusatzbezeichnung Suchtmedizinische Grundversorgung. Er ist Chefarzt der Abteilung für Abhängigkeitserkrankungen am AMEOS Klinikum Heiligenhafen.

Aufbau und Inhalt

Das Buch besteht aus insgesamt sieben Teilen mit über 30 Kapiteln.

  • I. Grundlagen

Hier wird unter Zuhilfenahme der gängigen Diagnosemanuale – wobei die ICD sowohl in alter als auch neuer Fassung Berücksichtigung findet – erläutert, was überhaupt Sucht ist. Weitere Schwerpunkte liegen auf einer kurzen Darstellung der Entstehung von Sucht sowie einer Beschreibung der Suchttherapie. Abgerundet wird die grundlegende Einführung durch eine Darstellung des in Deutschland verfügbaren Suchthilfesystems sowie einen Blick auf die Finanzierung der Suchtbehandlung. Was einfach klingt, offenbart. Es folgt eine kurze Beschreibung substanzgebundener Süchte und die Abgrenzung zu Verhaltenssüchten wie Glücks‑ oder Computerspielsucht.

  • II. Substanzen

Dieser umfangreiche Teil des Buches gliedert sich in die Unterkapitel Alkohol, Opiate (Heroin), Cannabis, Kokain, Amphetamine, Halluzinogene, Tabak/​Nikotin und Neue psychotrope Substanzen (so genannte „Legal Highs“). Alle Kapitel folgen dabei einer gleichbleibenden Struktur, die sich Grundlagen, medizinischen Fakten, Folgeschäden, Diagnostik, dem Entzugssyndrom und der Akutbehandlung widmet. Auch mögliche Komplikationen im Entzug werden jeweils erläutert. Nach einem kurzen Überblick zur Polytoxikomanie, also der Abhängigkeit von mehreren Substanzen, erfolgt eine kurze Einführung in das Thema Medikamentenabhängigkeit anhand gängiger Substanzen wie zum Beispiel Propofol, aber auch Pregabalin oder von Opioiden.

  • III. Komorbiditäten

Der Teil untergliedert sich in zwei Hauptkapitel. Zunächst wird anhand konkreter Diagnosen der Zusammenhang zwischen Abhängigkeit und psychiatrischen Krankheitsbildern erläutert. Betrachtet werden zum Beispiel Schizophrenie, Angststörungen oder auch Traumafolgestörungen. Somatische Krankheitsbilder im Zusammenhang mit Abhängigkeit werden im zweiten Unterkapitel betrachtet. Hier geht es zum Beispiel um Infektionskrankheiten wie Hepatitis, aber auch um Lungenerkrankungen oder Polyneuropathie.

  • IV. Behandlungsstrategien

Kai Wendt stellt hier Ansätze von medikamentösen Behandlungen sowohl für eine Langfristigkeit als auch für Akutsituationen dar sowie die Möglichkeiten psychotherapeutischer Behandlungsstrategien.

  • V. Spezielle Themen

In diesem übergreifenden Kapitel werden Grundlagen der opioidgestützten Substitutionsbehandlung vorgestellt, bevor grundlegende Informationen zum Nachweis von Substanzen beispielsweise in Urin oder Schweiß gegeben werden. Einen Blick wirft der Autor auch auf mögliche Methoden zur Verfälschung. Weitere Themenblöcke in diesem Teil sind Abhängigkeit und Schlaf, juristische Aspekte beispielsweise im Zusammenhang mit Freiheitsentziehung, geschlechtsspezifische Aspekte von Sucht, Schwangerschaft und Sucht, Konsum und Abhängigkeit bei Kindern und Jugendlichen, Sucht im Alter sowie Schmerz und Sucht. Den Abschluss bildet ein Blick auf mögliche Notfallsituationen.

  • VI. Blick über den Tellerrand

Hier werden die Themenblöcke Co-Abhängigkeit nahestehender Personen, Fahrtauglichkeit sowie Neuroenhancement und Doping beleuchtet. Bei Letzterem Aspekt geht es um die Optimierung der individuellen Leistungsfähigkeit mittels Substanzen.

  • VII. Zum Nachschlagen

Zunächst wartet auf die Leser:innen ein Suchtlexikon von A wie Alkohol bis Z wie Z-Drugs, bevor – wichtig für eine an der Lebenswelt der Betroffenen orientierte Arbeit – die Grundlagen der Drogensprache vermittelt werden. Abgerundet wird dieser abschließende Teil durch eine Auflistung sehenswerter Filme zur Thematik und Literaturempfehlungen.

Ein Anhang mit Abkürzungen sowie einem Literatur‑ und Sachverzeichnis beenden das Buch nach rund 460 Seiten.

Diskussion

Die Medizin hat eine ganz eigene Sprache, die Laien häufig nicht oder nur mit Mühe verstehen. Und so ist die bange Frage, die sich bei der ersten Inaugenscheinnahme dieses Buches stellt, ob das hier auch so sein wird. Die gute Nachricht: Nein, definitiv nicht. Denn Kai Wendt schreibt in einem erfrischenden Duktus, der es auch medizinischen Laien leicht macht, die Inhalte zu verstehen und Erkenntnisse für die eigene Praxis daraus zu erzielen. Gepaart mit einer klaren Struktur, die es leicht macht, sich als Leser:in die Information zu besorgen, die gerade benötigt wird, ist so ein Handbuch entstanden, das praxisorientiert und fundiert sehr gute Orientierung für all jene Fachkräfte bietet, die in der Suchthilfe arbeiten und keine medizinische Ausbildung haben.

Fazit

Ein praxisorientiertes Handbuch mit einer klaren und vor allem verständlichen Sprache, das einen breiten Fundus grundlegender Informationen zur Suchtmedizin bietet.

Rezension von
Wolfgang Schneider
Sozialarbeiter
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Es gibt 239 Rezensionen von Wolfgang Schneider.

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ISSN 2190-9245