Elli Kutscha: Embodiment entdecken – körperliche Ressourcen nutzen
Rezensiert von Dipl.-Päd. Petra Steinborn, 20.02.2026
Elli Kutscha: Embodiment entdecken – körperliche Ressourcen nutzen. Mit über 100 praktischen Übungen und Selbstexperimenten.
Psychosozial-Verlag GmbH & Co. KG
(Gießen) 2025.
260 Seiten.
ISBN 978-3-8379-3449-6.
D: 24,90 EUR,
A: 25,60 EUR.
Reihe: verstehen lernen.
Thema
Ohne den Körper kann die Psyche nicht verstanden werden und umgekehrt. Denken und Fühlen sind auf einen Körper angewiesen, der seine Umwelt und sich selbst wahrnehmen kann. Diese Wechselwirkungen zwischen Körper, Psyche und Umwelt können als vielseitige Ressourcen zur Bewältigung des Alltags genutzt werden.
Autor:in
Elli Kutscha arbeitet als Freiberuflerin als Trainerin für Body & Mind Kurse sowie für ein ressourcenorientiertes Selbstmanagement. Sie ist als Dozentin in Präsenz in ganz Deutschland und online für verschiedene Organisationen und Verbände tätig. Nebenbei hat sie ihr berufsbegleitendes Bachelorstudium der Angewandten Psychologie abgeschlossen und ist nun im Master mit Schwerpunkt Klinische Psychologie und Empowerment.
Entstehungshintergrund
Das Buch ist in der Reihe „Verstehen lernen“ des Psychosozial-Verlag erschienen, in dieser Reihe werden in erster Linie Ratgeber veröffentlicht, die psychotherapeutische Erkenntnisse für Laien verständlich und nutzbar machen.
Aufbau und Inhalt
Das vollständige Inhaltsverzeichnis findet sich auf der Homepage der Deutschen Nationalbibliothek.
Das Buch ist im DIN A5-Softcoverformat erschienen und hat einen Umfang von 236 Seiten, die sich neben Vorwort und Einleitung in zwei Teile und insgesamt 9 Kapitel gliedern. Am linken oberen Seitenrand findet sich die jeweilige Kapitelüberschrift, am rechten oberen Seitenrand der Titel des jeweiligen Abschnitts.
Der Fließtext ist gut strukturiert, 58 Abbildungen verdeutlichen Inhalte, Übungsanleitungen heben sich durch grau hinterlegte Textboxen ab, Zitate sind eingeschoben.
Das Buch beginnt mit einem Theorieteil im Umfang von zwei Unterkapiteln, die sich in verschiedene Abschnitte gliedern. Zuerst eine Einführung dazu, was Embodiment ist. Übersetzen lässt sich der Begriff mit „Verkörperung“. Im Folgenden wird erläutert, dass Körper, Geist und Umwelt ein starkes Team sind. Sie stehen in wechselseitiger Beziehung zueinander. Die Verbindung zwischen den drei Systemen Worte, Bilder und Körper wird als referenzieller Prozess bezeichnet. Den Bildern kommt eine besondere Rolle zu, sie dienen als Übersetzungshilfen.
Der Embodiment-Begriff ist in den letzten Jahren zum Trendthema geworden. In der Embodiment-Forschung gibt es verschiedene Strömungen, wie z.B. die sog. „Embodied Mind“ (verkörperter Geist) oder das sog. „Embedded Mind“, was mit eingebettetem Geist übersetzt werden kann (S. 35–36). Das Wissen um die Wechselwirkung von Körper, Geist und Umwelt findet unter anderem Niederschlag in den Themen Emotionsregulation und Selbstmanagement oder im mentalen Wohlbefinden und der Stressbewältigung. Auch die Psychotherapie beschäftigt sich wieder zunehmend mit diesem Konzept – das Wissen darum ist allerdings nicht neu. Aus Sicht der Autorin ist der Zusammenhang von Körpergeschehen und Emotionen vielversprechend. Hier weist sie auf die Gruppe um Lauri Nummenmaa hin, die erstmals zeigt, dass bestimmte Emotionen in bestimmten Körperregionen spürbar sind. Aus den Forschungsergebnissen wurde eine Art Körperkarte für 13 Gefühlszustände erstellt. Besonders spannend ist, dass diese Zustände über verschiedene Kulturen hinweg gleich sind. Es kann davon ausgegangen werden, dass bestimmte Embodiment-Übungen bei vielen Menschen ähnliche Wirkungen haben. Aktuelle Forschungen gehen der Frage nach, wie Embodiment-Techniken in Bezug auf Depressionen und Angststörungen hilfreich sein könnten. Auf den Seiten 39–47 werden verschiedene Forschungsergebnisse vertieft. Das zweite Unterkapitel des ersten Teils befasst sich dann damit, was Embodiment nicht ist. Es ist nicht universell einsetzbar, es ist auch kein schnelles Allheilmittel und es ist auch kein „Kasperletheater“.
Der zweite Teil, der Praxisteil, beschreibt den Nutzen von Embodiment aus verschiedenen Aspekten, wie z. B. Embodiment im Alltag genutzt werden kann. Neben kurzen einführenden Erklärungen sind in Textboxen Übungen vorbereitet. Diese sind in Du-Form angelegt. Diese Art der Ansprache hat einen hohen Aufforderungscharakter. Embodiment kann zur Stärkung der (mentalen) Gesundheit genutzt werden z.B. durch die Kraft des Atems, durch Laufen und Ausdauersport oder eine passende Umgebung. Embodiment ist nutzbar für das Selbstmanagement, indem der Kompass ausgerichtet wird. Der Körper hat als Ausdrucksmittel einen Nutzen, auch kann Embodiment für das Denken genutzt werden, indem Konzentration und Fokus gefunden werden und auch die Umgebung ist zum Lernen nutzbar, indem Kreativität und Perspektivwechsel angeregt werden.
Embodiment ist im Umgang mit dem Selbst und mit anderen Menschen nutzbar, indem Verbundenheit gespürt wird. Auch kann Embodiment für herausfordernde Situationen genutzt werden, Entscheidungen erleichtern und Soforthilfe bei Stress dienen.
Im Sinne des Konstruktivismus hat jede und jeder einen ganz eigenen Embodiment-Weg, es geht nicht um richtig oder falsch, sondern darum, Kontakt zum eigenen Körper zu bekommen. Kutscha regt am Ende des Buches an, einen eigenen Ressourcenkoffer zusammenzupacken, auf der Seite 224 helfen fünf Schritte dabei. Im Schlusswort weist sie nochmals eindringlich darauf hin, dass der in diesem Buch vorgestellte Ansatz nichts mit Esoterik zu tun hat.
Diskussion
Die Forschung belegt die Bedeutung und Wirkung von Embodiment. Wichtig zu wissen ist auch, was Embodiment nicht ist. Es ist nicht universell einsetzbar, es ist auch kein schnelles Allheilmittel und es ist auch kein „Kasperletheater“. Besonders hervorgehoben wird die Abgrenzung zur Esoterik, denn diese sollte nicht mit wissenschaftlich erprobten Methoden verwechselt werden. Auf der Seite 227 hat die Autorin einen Fragenkatalog zusammengestellt, mit dessen Hilfe Angebote für Workshops und Coaching kritisch hinterfragt werden können, um nicht auf Heilsversprechen und die Behauptung, man kenne den einen Weg, hineinzufallen.
Im Praxisteil wird der Nutzen von Embodiment aus verschiedenen Aspekten beschrieben, wie z.B. wie Embodiment im Alltag genutzt werden kann. Neben kurzen einführenden Erklärungen sind in Textboxen Übungen vorbereitet, die in Du-Form angelegt sind. Diese Art der Ansprache hat einen hohen Aufforderungscharakter für Lesende.
Embodiment kann zur Stärkung der (mentalen) Gesundheit genutzt werden, z. B. durch die Kraft des Atems, durchs Laufen und Ausdauersport oder durch eine passende Umgebung.
Fazit
Auf der Grundlage der Einführung in den Embodiment-Begriff, dessen Entstehung und wissenschaftlichem Hintergrund (in Teil 1) werden zahlreiche praktische Übungen (in Teil 2) vorgestellt. Ziel ist es, Inspiration zur Entdeckung und Nutzung vielfältiger Ressourcen zu geben. Angestrebt wird die Stärkung der eigenen Selbstwirksamkeit und des Wohlbefindens. Elli Kutscha lädt ein zum Ausprobieren, Experimentieren und zur Entwicklung individueller Verkörperungen.
Rezension von
Dipl.-Päd. Petra Steinborn
Tätig im Personal- und Qualitätsmanagement in einer großen Ev. Stiftung in Hamburg-Horn. Freiberuflich in eigener Praxis (Heilpraktikerin für Psychotherapie). Leitung von ABC Autismus (Akademie-Beratung-Coaching), Schwerpunkte: Autismus, TEACCH, herausforderndes Verhalten, Strategien der Deeskalation (systemisch), erworbene Hirnschädigungen
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