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Eike Rösch, Niels Brüggen (Hrsg.): Praxishandbuch (Post-)Digitale Kinder- und Jugendarbeit

Rezensiert von Till Wagner, 27.01.2026

Cover Eike Rösch, Niels Brüggen (Hrsg.): Praxishandbuch (Post-)Digitale Kinder- und Jugendarbeit ISBN 978-3-7799-7748-3

Eike Rösch, Niels Brüggen (Hrsg.): Praxishandbuch (Post-)Digitale Kinder- und Jugendarbeit. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2025. 255 Seiten. ISBN 978-3-7799-7748-3. D: 35,00 EUR, A: 36,00 EUR.

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Thema

Das Praxishandbuch (Post-)Digitale Kinder- und Jugendarbeit behandelt ein zentrales Zukunftsthema der außerschulischen Bildung: die Frage, wie Kinder- und Jugendarbeit unter den Bedingungen der fortschreitenden Digitalisierung und der sogenannten Post-Digitalität gestaltet werden kann. Der Band versteht sich als praxisorientierte, zugleich theoretisch fundierte Handreichung für Fachkräfte, Träger und Forschende, die die digitale Transformation der Jugendarbeit reflektiert, ordnet und mit konkreten Handlungsperspektiven versieht.

Herausgeber:innen

Die Herausgeber Eike Rösch und Niels Brüggen gehören zu den Experten der deutschsprachigen Medienpädagogik und Jugendarbeitsforschung. Rösch lehrt und forscht zur mediatisierten Jugendarbeit und digitalen Sozialräumlichkeit, Brüggen ist am JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis tätig. Beide verfügen über langjährige Erfahrung in Forschung, Konzeptentwicklung und Fortbildung im Bereich digitaler Kinder- und Jugendarbeit. Ihre gemeinsame Herausgeberschaft steht damit für eine fundierte Verbindung von Theorie, Forschung und Praxis.

Entstehungshintergrund

Das Handbuch ist 2025 bei Beltz Juventa erschienen und wurde als Open-Access-Publikation in Kooperation mit dem DOJ – Dachverband Offene Kinder- und Jugendarbeit Schweiz sowie dem JFF veröffentlicht. Es spiegelt den Stand der Debatte über Digitalität in der Kinder- und Jugendarbeit im deutschsprachigen Raum wider, die sich insbesondere seit den Pandemiejahren 2020–2022 stark beschleunigt hat. Ziel ist, die vielfältigen Erfahrungen, theoretischen Ansätze und konzeptionellen Überlegungen der letzten Jahre zu bündeln und für Praxis und Forschung nutzbar zu machen.

Aufbau

Das Werk umfasst 252 Seiten und ist in drei Teile gegliedert: 1. Grundlegende konzeptionelle Perspektiven 2. Handlungsfelder der Kinder- und Jugendarbeit 3. Querschnittsthemen, Professionalität und fachliche Standards

Das einleitende Editorial skizziert die Zielsetzung: praxisnahe Orientierung, konzeptionelle Fundierung und Impulse für die Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendarbeit in der Post-Digitalität. Darauf folgen 15 Beiträge von insgesamt 20 Autor:innen aus Wissenschaft und Praxis. Jeder Beitrag verbindet theoretische Reflexion mit Beispielen aus der pädagogischen Arbeit.

Inhalt

Die Beiträge decken ein breites Spektrum ab, das sowohl grundlegende Begriffsarbeit als auch praktische Handlungsfelder umfasst. Im Eröffnungsbeitrag „Konzeptionelle Perspektiven auf das Handlungsfeld Kinder- und Jugendarbeit unter den Bedingungen der (Post-)Digitalität“ definieren Brüggen und Rösch den Schlüsselbegriff Post-Digitalität als Zustand, in dem digitale Technologien nicht mehr als Besonderheit, sondern als selbstverständlicher Bestandteil aller Lebensbereiche gelten. Sie identifizieren drei zentrale konzeptionelle Stränge postdigitaler Jugendarbeit:

  • Medienpädagogische Ansätze, die auf aktive Teilhabe, Kritikfähigkeit und Selbstschutz zielen,
  • Mediendidaktisch inspirierte Ansätze, die digitale Medien als Werkzeuge pädagogischer Ziele begreifen, 
  • Sozialraumorientierte Ansätze, die digitale Räume als Teil der Lebenswelt und Sozialraumbildung verstehen.

Dieser Dreiklang bildet das theoretische Fundament des Bandes und zieht sich als roter Faden durch die weiteren Beiträge.

Der Sammelband verfolgt das Ziel, (post-)digitale Kinder- und Jugendarbeit nicht als isoliertes Spezialthema, sondern als grundlegende Weiterentwicklung bestehender fachlicher Konzepte zu verstehen. Über alle Beiträge hinweg zeigt sich ein gemeinsames Verständnis von Post-Digitalität als Zustand, in dem digitale und analoge Lebenswelten junger Menschen untrennbar miteinander verwoben sind. Entsprechend wird Digitalität im Band weniger als technische Innovation denn als gesellschaftliche, kulturelle und sozialräumliche Realität und Rahmenbedingung pädagogischen Handelns gefasst. Ein zentraler argumentativer Strang besteht in der Erweiterung etablierter Konzepte der Kinder- und Jugendarbeit unter digitalen Vorzeichen. Mehrere Beiträge greifen sozialräumliche, medienpädagogische und professionsbezogene Ansätze auf und entwickeln diese weiter, ohne mit bisherigen fachlichen Prinzipien zu brechen. Deutlich wird dabei, dass Themen wie Partizipation, Anerkennung, Lebensweltorientierung und politische Bildung auch – und gerade – in postdigitalen Kontexten leitend bleiben.

Exemplarisch verdeutlicht der Beitrag von Annkathrin Schwerthelm zur Sozialraumorientierung diese konzeptionelle Weiterentwicklung. Sie überträgt raumtheoretische Überlegungen auf mediatisierte Lebenswelten und plädiert für ein erweitertes Sozialraumverständnis, das hybride physisch-digitale Aneignungsräume systematisch einbezieht. Sozialräume werden dabei nicht als feste Orte, sondern als relationale Gefüge verstanden, die durch Handeln, Kommunikation und mediale Praktiken kontinuierlich hergestellt werden. Für die Kinder- und Jugendarbeit ergeben sich daraus neue Anforderungen an Analyse, Planung und Begleitung jugendlicher Aneignungsprozesse. Nachhaltigkeitsfragen, sowie die Positionierung von Fachkräften und Organisationen auf der medienpädagogischen Ebene werden im Beitrag ebenfalls thematisiert und dabei werden Herausforderungen und Chancen für die Zukunft herausgestellt.

Einen zweiten zentralen Akzent setzt der Beitrag von Valentin Dander, der postdigitale Jugendarbeit in größere gesellschaftliche Macht- und Herrschaftsverhältnisse einbettet. Er macht deutlich, dass digitale Ungleichheiten, rechtsextreme Diskursstrategien in Online-Räumen sowie ökonomische Plattformlogiken nicht als Randphänomene, sondern als strukturelle Herausforderungen für die Praxis zu verstehen sind. Kinder- und Jugendarbeit wird hier als politisch positioniertes Handlungsfeld sichtbar, das sich kritisch mit Fragen von Teilhabe, Ausschluss und Nachhaltigkeit auseinandersetzen muss.

Die weiteren Beiträge des Bandes entfalten diese Grundlinien entlang unterschiedlicher Handlungsfelder und Querschnittsthemen. So werden digitale Transformationsprozesse in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, im Streetwork, in der Jugendverbandsarbeit, der internationalen Jugendarbeit sowie in der Kulturellen Bildung aufgegriffen und jeweils feldspezifisch konkretisiert. Ergänzend dazu widmen sich mehrere Kapitel der Professionalisierung und strukturellen Rahmung postdigitaler Jugendarbeit, etwa durch die Entwicklung medienpädagogischer Kompetenzmodelle, fachlicher Standards oder organisationaler Unterstützungsstrukturen. Insgesamt entsteht so ein konsistentes Gesamtbild, das postdigitale Kinder- und Jugendarbeit als Querschnittsaufgabe versteht. Der Band zeigt auf, wie unterschiedliche theoretische Zugänge und Praxisfelder miteinander verschränkt werden können, ohne den Anspruch auf konzeptionelle Klarheit oder fachliche Orientierung aufzugeben.

Diskussion

Das Handbuch überzeugt durch die Verbindung von theoretischer Reflexion und praktischer Anwendbarkeit. Die Herausgeber schaffen es, unterschiedliche disziplinäre Perspektiven – Medienpädagogik, Sozialarbeit, Bildungswissenschaft und Praxisforschung – in ein konsistentes Gesamtbild zu integrieren. Besonders hervorzuheben ist die klare Struktur: Die Beiträge bauen systematisch aufeinander auf und bieten sowohl Grundlagentexte für Studierende als auch praxisrelevante Konzepte für Fachkräfte. Stilistisch zeichnen sich die Texte durch eine hohe Verständlichkeit aus, ohne an wissenschaftlicher Präzision einzubüßen. Der Band vermittelt deutlich, dass Digitalität nicht nur als technisches, sondern als gesellschaftliches und kulturelles Phänomen begriffen werden muss. Dabei wird der Begriff Post-Digitalität produktiv genutzt, um die Entgrenzung zwischen analoger und digitaler Lebenswelt theoretisch zu fassen. Anzumerken ist, dass die empirische Fundierung einzelner Beiträge unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Während etwa Schwerthelm und Dander theoretisch anspruchsvolle Analysen liefern, bleiben manche Praxisberichte stärker deskriptiv. Gleichwohl wird der Anspruch eines „Praxishandbuchs“ eingelöst, indem reflektierte Handlungsorientierungen für verschiedene Arbeitsfelder angeboten werden. Hervorzuheben ist auch die didaktische Lesbarkeit des Bandes: Zusammenfassungen, klare Begrifflichkeiten und die Einbettung in den aktuellen Fachdiskurs machen ihn zu einer wertvollen Ressource. Die Beiträge regen zur Reflexion eigener Konzepte und Organisationsstrukturen an und leisten damit einen Beitrag zur Professionalisierung der Kinder- und Jugendarbeit im digitalen Wandel.

Fazit

Das Praxishandbuch (Post-)Digitale Kinder- und Jugendarbeit bietet einen umfassenden, interdisziplinär fundierten Überblick über Theorie, Praxis und Strukturfragen der digitalen Transformation und Realität in der Kinder- und Jugendarbeit. Es ist gleichermaßen wissenschaftlich solide wie praxisorientiert und damit ein zentrales Referenzwerk für Fachkräfte, Studierende und Forschende.

Rezension von
Till Wagner
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Es gibt 1 Rezension von Till Wagner.

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ISSN 2190-9245