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Barbara Reisach: Ein Pflegebedürftiger - drei Gutachten

Cover Barbara Reisach: Ein Pflegebedürftiger - drei Gutachten. Eine Analyse von Sachverständigengutachten zur Einschätzung der Pflegebedürftigkeit: Differenzen, Konsequenzen, Forderungen für die Praxis. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (Hannover) 2002. 99 Seiten. ISBN 978-3-87706-691-1. 15,90 EUR.

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Begutachtung der Pflegebedürftigkeit

Seit Einführung der Pflegeversicherung wird immer wieder über die Begutachtung zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit durch die Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) kontrovers diskutiert. Die Autorin nimmt sich der Problematik aus wissenschaftlicher Sicht an und versucht, Schwachstellen aufzudecken, um daraus Möglichkeiten zur Verbesserung ableiten zu können - eine interessante Aufgabenstellung.

Die Autorin

Pflegewissenschaftlerin Barbara Reisach leitet das Wittener Instituts für angewandte Pflegewissenschaft. Die Lehrerin für Pflegeberufe arbeitet darüber hinaus seit Jahren als unabhängige Pflegesachverständige u. a. für Sozialgerichte und Gesundheitseinrichtungen.

Zur Zielgruppe

Zur Zielgruppe gehören einerseits alle Pflegekräfte und Mediziner, die Pflegebedürftigkeit begutachten und zwar unabhängig davon, ob sie für den MDK arbeiten oder z. B. als unabhängige Sachverständige im Auftrag von Privatpersonen oder Sozialgerichten. Ferner sind diejenigen angesprochen, die Entscheidungen aufgrund von Gutachten bei den Pflegekassen und Gerichten zu treffen haben. In besonderem Maße ist das Buch jedoch für die Personen von Interesse, die sich z. B. beim Medizinischen Dienst der Spitzenverbände und bei den Spitzenverbänden der Pflegekassen konzeptionell mit den Inhalten der Gutachten und Begutachtungs-Richtlinien beschäftigen.

Die Gliederung

Nach einer kurzen Danksagung und einleitenden Worten zum Hintergrund der Arbeit gliedert sich das Buch in 5 Abschnitte. Den Einstieg bildet eine Literaturstudie, der Ausführungen zu den angewandten wissenschaftlichen Methoden und dem Forschungsdesign folgen. Im dritten Abschnitt werden die Ergebnisse der Untersuchung dargestellt, in dem Merkmale der Differenzen in den Einschätzungen und Gründe für Differenzierungen aufgegriffen und über 28 Seiten detailliert dargestellt werden. Abschnitt 4 widmet die Autorin der Diskussion möglicher Konsequenzen aus den gewonnenen Erkenntnissen, um im letzten Abschnitt "Evaluation" u. a. auch die Grenzen der Untersuchung aufzuzeigen. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis und ein kurzes Register runden die Untersuchung ab.

Zum Inhalt

Die Darstellung der Gliederung lässt bereits einen recht sprechenden Einblick in die zu erwartenden Inhalte der Arbeit zu. Und diese Erwartungen trügen nicht. Um an dieser Stelle nicht die Ergebnisse der Autorin aufzugreifen, ist hervorzuheben, dass sie aus pflegewissenschaftlicher Perspektive ihre Erkenntnisse präzise darstellt. Sich daraus ergebende Fragen werden aufgeworfen und Schlussfolgerungen gezogen. Aus offenen Fragen ergeben sich ebenso Ansätze zur Optimierung, wie die entwickelten Lösungsansätze Zündstoff für Diskussionen bieten. Natürlich gibt es auch Punkte, die einem Kritiker Ansatzpunkte liefern. So liegen der Analyse z. B. nur 30 Pflegesituationen zu Grunde. Sie wurden aus insgesamt 230 Verfahren vor Sozialgerichten ausgewählt, in denen das Ausmaß der Pflegebedürftigkeit strittig war. Dies ist bei Würdigung der Ergebnisse ebenso zu berücksichtigen, wie die große Zeitspanne, aus dem die einzelnen Situationen stammen und die bis in die Anfangszeit der Pflegeversicherung reichen. Dies – und das soll ausdrücklich hervorgehoben werden – schmälert den Wert der Analyse aus meiner Sicht in keinem Punkt. Schließlich können zwischenzeitliche Entwicklungen berücksichtigt, im Zweifel erneut untersucht werden. Deshalb möchte ich es bewenden lassen mit folgendem

Fazit

Eine lesenswerte, informative und lehrreiche Lektüre. Dem Buch sollte unbedingt Beachtung geschenkt werden.


Rezensent
Georg Vogel
Rentenberater für die Bereiche SGB XI/SGB V
Herausgeber eines Onlineportals zur Altenhilfe


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Zitiervorschlag
Georg Vogel. Rezension vom 19.11.2002 zu: Barbara Reisach: Ein Pflegebedürftiger - drei Gutachten. Eine Analyse von Sachverständigengutachten zur Einschätzung der Pflegebedürftigkeit: Differenzen, Konsequenzen, Forderungen für die Praxis. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (Hannover) 2002. ISBN 978-3-87706-691-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/339.php, Datum des Zugriffs 09.12.2019.


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