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Jeanette Pohl, Wolfgang Klug et al.: Sozialarbeiterische Beziehungsgestaltung

Rezensiert von Prof. (i.R.) Dr. Gudrun Ehlert, 13.02.2026

Cover Jeanette Pohl, Wolfgang Klug et al.: Sozialarbeiterische Beziehungsgestaltung ISBN 978-3-7560-1094-3

Jeanette Pohl, Wolfgang Klug, Daniel Niebauer: Sozialarbeiterische Beziehungsgestaltung. Einblicke in Theorie, Praxis und Forschung. edition sigma im Nomos-Verlag (Baden-Baden) 2025. 259 Seiten. ISBN 978-3-7560-1094-3. D: 25,00 EUR, A: 25,70 EUR.
Reihe: Studienkurs Soziale Arbeit.

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Herausgeber:innen

Prof. Dr. Jeanette Pohl, Professorin für den Bachelor Soziale Arbeit im dualen Studium der IU Internationale Hochschule Stuttgart

Prof. Dr. Wolfgang Klug, Professor für Methoden der Sozialen Arbeit an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt

Prof. Dr. Daniel Niebauer, Professor für professionstheoretische Grundlagen der Sozialen Arbeit an der Technischen Hochschule Augsburg

Thema

Im Zentrum des Sammelbandes, der in der Reihe „Studienkurs Soziale Arbeit“ des Nomos-Verlags erschienen ist, steht die (Arbeits-)Beziehung zwischen Adressat:innen und Fachkräften in der Sozialen Arbeit. Mit der Publikation sollen theoretische, forschungsbezogene und praktische Ansätze der sozialarbeiterischen Beziehungsgestaltung – insbesondere für Studierende der Sozialen Arbeit – vermittelt werden.

Aufbau

Das Buch enthält insgesamt 14 Beiträge. Nach einer Einleitung der Herausgeber:innen werden 12 Beiträge in drei thematischen Blöcken präsentiert und in einer abschließenden Zusammenfassung, als „Fazit und Ausblick“, wiederum von den Herausgeber:innen, gebündelt. Die drei Hauptteile sind wie folgt überschrieben:

  • I. Theoretischer Diskurs
  • II. Handlungsfelder
  • III. Forschungsprojekte.

Jedem dieser drei Blöcke ist ein Kasten vorangestellt, in dem in einer Auflistung skizziert wird, „was Studierende aus dem Kapitel mitnehmen können“. Am Ende des jeweiligen Blocks werden, auch in einem Kasten gerahmt, Diskussions‑ und Reflexionsfragen gestellt.

Inhalt

Im ersten Beitrag „Beziehungsgestaltung in der Sozialen Arbeit – Ein Ordnungsversuch“ fragt Wolfgang Klug was mit „Beziehung“ und „Beziehungsarbeit“ gemeint ist. Er stellt Konzepte und Konstruktionen von „Beziehung“ in der Sozialen Arbeit, der Sozialpädagogik, der Psychologie und der Psychotherapie vor und macht deutlich, dass es unterschiedliche Konzeptionen von Beziehungsgestaltung in der Sozialen Arbeit gibt. Darüber hinaus werden in dem Beitrag Themen benannt und erläutert, die quer zu den unterschiedlichen Ansätzen von Beziehungsarbeit bedeutsam sind: Vertrauen, Rollen und persönliche Beziehung, Verstehen, Motivationsarbeit. Der Beitrag wird mit Fragen beendet, die dabei helfen können, die unterschiedlichen Perspektiven und Diskussionsthemen zu systematisieren:

  1. Beziehung: naturwüchsig oder gestaltbar?
  2. Beziehungsgestaltung: operationalisierbar oder nicht?
  3. Individualisierte Beziehungsgestaltung; sinnvoll oder überflüssig?
  4. Beziehungsqualität: messbar oder nicht?
  5. Einsatz von Diagnoseinstrumenten: möglich oder nicht möglich?
  6. Beziehungsgestaltung: zielgruppenbereichsspezifisch oder nicht?
  7. Expert:innenstatus: ja oder nein?“ (Klug 2025, S. 49, Hervorhebungen im Original).

Diesen sieben Fragen widmen sich im nächsten Beitrag im Rahmen des „Theoretischen Diskurses“ die drei Herausgeber:innen, Jeanette Pohl, Daniel Niebauer und Wolfgang Klug. Unter der Überschrift „Sozialarbeiterische Beziehungsgestaltung – Skizze eines professionstheoretischen Grundverständnisses“ diskutieren sie die Fragen und bündeln ihre Position jeweils abschließend in einem kurzen Zwischenfazit. Die erste Frage, ob die sozialarbeiterische Beziehung naturwüchsig ist oder bewusst gestaltbar ist, verweist beispielsweise auf grundlegende Fragen professionellen Handelns in der Sozialen Arbeit:

„Ein zentrales Strukturmerkmal sozialarbeiterischen Handelns ist die >Involviertheit der Professionellen als ganze Person< (vgl. Hochuli Freund/​Stotz 2021: 60 ff.). Es geht also in personenbezogenen sozialen Dienstleistungen nicht nur um die technische Anwendung von Methoden, sondern immer auch um die diese Methoden anwendende Person des:der Professionellen. (…) das Beziehungsgeschehen [ist] immer auch durch die Persönlichkeit der Sozialarbeitenden geprägt, d.h. durch die jeweils persönlichen und sozialisationsbedingten Charakteristika, Attribute, Werte‑ und Normenvorstellungen“ (Pohl/Niebauer/Klug 2025, S. 58). Die Verfasser:innen plädieren für eine wissenschaftlich und ethisch fundierte sozialarbeiterische Beziehungsarbeit und formulieren dementsprechend ihr erstes Zwischenfazit: „Wir gehen davon aus, dass für die Soziale Arbeit als Profession neben einer persönlichen Beziehungskompetenz (intuitiv-erfahrungsbasiertes Wissen) auch wissenschaftliches Wissen für eine professionelle Beziehungsgestaltung von Bedeutung sein muss. Demnach ist eine professionelle Beziehung – zumindest zum Teil – auch bewusst und wissenschaftlich fundiert gestaltbar (Pohl/Niebauer/Klug 2025, S. 59).

Der dritte und letzte Beitrag des ersten Teils „Beziehungsarbeit als Professionscharakteristikum Sozialer Arbeit“ ist von Silke Birgitta Gahleitner. Sie arbeitet heraus, dass sich Soziale Arbeit sowohl theoretisch begründet als auch empirisch als Beziehungsprofession bezeichnen lässt. Insbesondere Adressat:innen, die mehrfach Beziehungsabbrüche und Vertrauensverluste erlebt haben, sind auf eine professionelle Beziehungsgestaltung angewiesen. Auch wenn Beziehung zu ermöglichen und Beziehungsarbeit zu gestalten nicht der einzige Fokus Sozialer Arbeit sei, solle hier einer der zentralen Schwerpunkte von empirisch begründeter Theoriebildung und Kompetenzvermittlung liegen.

Unter der Überschrift „Handlungsfelder“ werden im zweiten Teil der Publikation Beziehungsgestaltungen in vier Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit thematisiert: in der Bewährungshilfe, der ambulanten Suchthilfe, in der Wohnungslosenhilfe sowie in der Fachberatung für Kindertagesstätten. In einem weiteren Beitrag steht die Gestaltung professioneller Beziehungen im Studium der Sozialen Arbeit im Zentrum. Im Beitrag von Ralf Kammerer „Beziehungsgestaltung in der Bewährungshilfe“ stehen Arbeitsbeziehungen im Zentrum, die die Klient:innen nicht freiwillig eingehen. Im Gegenteil, die Verweigerung der Kontakte zur Bewährungshilfe kann zu (erneutem) Freiheitsentzug führen, die Anweisung von Bewährungshilfe ist im Strafgesetzbuch und im Jugendgerichtsgesetz verankert. Die entsprechenden Herausforderungen für die Beziehungsgestaltung werden von Ralf Kammerer, der als Bewährungshelfer bei der Bewährungs‑ und Gerichtshilfe Baden-Württemberg arbeitet, kenntnisreich und anschaulich dargestellt. Der Beitrag endet mit einem kurzen Leitfaden für die strukturierte Beziehungsgestaltung in Beratungsgesprächen der Bewährungshilfe.

Im darauffolgenden Beitrag „Professionelle Beziehungen im Studium gestalten lernen“ betonen Sabrina Amanda Hancken und Christian Paulick in ihrer Einleitung, dass Beziehungsarbeit weitestgehend lehr‑ und lernbar ist und deshalb im Studium der Sozialen Arbeit bereits wesentliche Grundkompetenzen dafür vermittelt werden sollten. In dem Beitrag werden sowohl die Herausforderungen der Beziehungsgestaltung in der Hochschullehre im Kontext von Lehr-Lern-Settings thematisiert als auch mit vielen Praxisbeispielen aus der Hochschullehre Einblicke und methodische Anregungen für die Lehre gegeben.

Die Herausforderungen in der Beziehungsgestaltung mit abhängigkeitserkrankten Menschen stehen im Zentrum des Beitrags von Sabine Becker „Veränderungsmotivation stärken – Beziehungsgestaltung in der ambulanten Suchthilfe“. Die Grundlage für die Beratung und den Aufbau einer Arbeitsbeziehung bildet Motivational Interviewing (MI), die motivierende Gesprächsführung, die auch in die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie e.V. aufgenommen wurde. Die Verfasserin erläutert die Prämissen des Konzepts und zeigt, flankiert von einem Fallbeispiel, die verschiedenen Phasen des Beratungsprozesses. Maßgeblich sind dabei eine personenzentrierte Haltung der Beratenden und entsprechende Beratungskompetenzen: offene Fragen stellen, würdigen und bestätigen, aktiv zuhören, reflektieren, zusammenfassen.

Im Beitrag von Heidrun Martinez „Professionelle Beziehungsgestaltung in der Beratung wohnungsloser Menschen – Einblicke aus der Praxis“ werden einleitend anhand von fünf unterschiedlichen Fallbeispielen Ursachen und Auswirkungen von Wohnungslosigkeit deutlich. Dabei ist der Verfasserin wichtig, dass wohnungslose Menschen nicht als eine homogene Gruppe wahrgenommen werden, sie aber gleichwohl alle eine andauernde und krisenhafte Unterversorgung ihrer Grundbedürfnisse erfahren. Nach der Skizzierung der Grundlagen der Wohnungsnotfallhilfe sowie der strukturellen und institutionellen Hürden, die neben den komplexen Lebenslagen der Adressat:innen einen großen Einfluss auf die Beziehungsgestaltung haben, wird auch in diesem Beitrag Motivational Interviewing als Ansatz der Gesprächsführung vorgestellt. Dabei steht die Beziehungsgestaltung im Zentrum, die von einer humanistischen Grundhaltung der Fachkraft geprägt sein soll. Aufgrund der komplexen Problemlagen wohnungsloser Menschen sei es wichtig, „dass Fachkräfte den Betroffenen in erster Linie eine professionelle und tragfähige Beziehung anbieten, um sie mit Vertrauen, Hoffnung und Zuversicht auf ihrem Weg zu neuen Schritten, Weichenstellung und Zielen begleiten zu können“ (Martinez 2025, S. 148).

Jennifer Brall und Hannah Werner behandeln in ihrem Beitrag die „Beziehungsgestaltung in der Fachberatung für Kindertagesstätten unter digitalen Bedingungen“. Die Zielgruppen der Fachberatung für Kindertagesstätten sind Einrichtungsleiter:innen, Leitungsteams, Teams der Kitas, Eltern/​Sorgeberechtigte und Kita-Träger. „Die jeweiligen Zielgruppen sind durch verschiedene Beziehungskonstellationen geprägt, wie beispielsweise im Dreieck zwischen der Fachberatung, den Eltern/​Sorgeberechtigten und den Fachkräften der Einrichtung“ (Brall/​Werner 2025, S. 151). Thematisch deckt die Fachberatung ein großes Spektrum kitarelevanter Fragen und Probleme ab, die räumliche Zuständigkeit umfasst häufig große Gebiete, sodass viele Fachberatungen mit Hilfe von digitalen Medien stattfinden. Die Verfasser:innen thematisieren grundsätzliche Herausforderungen der Beziehungsgestaltung im Kontext der Fachberatung und sie zeigen, dass der Einsatz von digitalen Medien unter Abwägung themenspezifischer, zeitlicher und technischer Anforderungen erfolgen sollte. Die Aspekte der Beziehungsgestaltung sollten beachtet und einbezogen werden, wenn es beispielsweise in festgefahrenen Konflikten sinnvoll wäre, dass sich alle in Präsenz treffen.

Auch im ersten Beitrag des dritten Teils „Forschungsprojekte“ stehen digitale Beratungsformate im Zentrum: Laura Best stellt ihre Studie zur „Beziehungsgestaltung im digitalen (Beratungs-)Raum“ vor. Die Ergebnisse einer 2023 durchgeführten schriftlichen Online-Befragung von 55 Fachkräften sowie einer Interviewstudie mit acht Beratenden und drei Ratsuchenden werden ausführlich vorgestellt. Die zentrale Fragestellung der Studie richtet sich darauf, „inwiefern Veränderungen in der Beziehungsgestaltung zwischen Fachkraft und Klient:in innerhalb der Videoberatung im Vergleich zur Face-to-Face-Beratung auftreten und wie mit den Besonderheiten in der Onlineberatung umgegangen wird“ (Best 2025, S. 168). Laura Best betont, dass in videobasierten Beratungsformaten grundsätzlich eine „vertrauensvolle Beratungsbeziehung“ ermöglicht werden kann, „wenn sowohl Beratendeals Ratsuchende sich in dem Format wohl und sicher fühlen und dadurch Niedrigschwelligkeit und ein sicherer digitaler Beratungsraum geschaffen werden“ (Best 2025, S. 183).

Eine weitere Interviewstudie steht im Zentrum des folgenden Beitrags „Wie reflektieren Fachkräfte der Sozialen Arbeit ihre Arbeitsbeziehungen mit Klient:innen? Einblicke in die Reflexionsgestaltung der Praxis“ von Wolfgang Klug und Georg Mirus. 2023 haben Studierende im Rahmen eines Forschungsseminars leitfadengestützte Expert:inneninterviews geführt, eine Auswertung der Interviews nehmen die Verfasser in diesem Beitrag vor. Die Forschenden fragen, ob im professionellen Handeln der Fachkräfte „eine Reflexion der Beziehungsdimension“ (Klug/Mirus 2025, S. 188) stattfindet und welche Faktoren der Beziehungsgestaltung reflektiert werden. Darüber hinaus wurden in den Interviews Fragen nach möglichen Unterstützungen für die Reflexion der Beziehung zu den Klient:innen gestellt und ein Vorschlag einer Reflexionshilfe in Form eines Kurzfragebogens an die Interviewpartner:innen überreicht. Die Autoren betonen in ihrer Darstellung der Ergebnisse die hohe Bereitschaft der Fachkräfte zur Reflexion, die gleichzeitig von vielen Interviewten an ermöglichende Bedingungen geknüpft wird, wie Teamsitzungen, Supervision und Fallbesprechungen. Zudem zeige sich in den Antworten, dass Reflexion häufig spontan und anlassbezogen in Tür-und-Angel-Gesprächen stattfinde. Was genau im Hinblick auf die Beziehungsgestaltung reflektiert wird, bliebe in den Antworten der Interviewten eher vage. Die Verfasser plädieren für eine Weiterführung der empirischen Forschung, auch um den möglichen Einsatz von Reflexionshilfen weiter zu untersuchen.

Mehmet Kart, Eike Bösing, Yannick von Lautz und Margit Stein präsentieren in ihrem Beitrag „Professionelle Beziehungsgestaltung in der Präventions‑ und Deradikalisierungsarbeit im Kontext islamistischer Radikalisierung“ Ergebnisse einer Sekundäranalyse aus zwei qualitativen Interviewstudien mit Berater:innen aus dem Handlungsfeld der Radikalisierungsprävention. „Ziel ist es, ein Verständnis der Rolle und der Dynamiken der Beziehungsgestaltung in diesem komplexen Arbeitsfeld zu entwickeln und die Faktoren zu identifizieren, die den Beziehungsaufbau beeinflussen“ (Kart et al. 2025, S. 203). Die Autor:innen stellen ihre Ergebnisse unter Einbezug von Interviewausschnitten zu folgenden Themen vor: Vertrauensbildung, Rollenverständnisse, Organisationale Logiken, Beratungssetting. Sie betonen, dass Präventionsarbeit ganzheitlich an den Bedürfnissen und Interessen der Adressat:innen ansetzen und „über die reine Wissensvermittlung bzw. ideologische Konfrontation hinausgehen [muss]“ (Kart et al. 2025, S. 218).

Die Ergebnisse eines Forschungsprojekts zu „Machtdynamiken in Arbeitsbeziehungen in der Sozialen Arbeit im Zwangskontext der Jugendstraffälligenhilfe“ in der Schweiz stehen im abschließenden Beitragvon Patrick Zobrist im Zentrum. Im Gegensatz zur Forschung zu Macht in Arbeitsbeziehungen in der Jugendhilfe, im Strafvollzug und in der (Jugend-)Straffälligenhilfe, in der häufig die soziale Kontrolle durch die Fachkräfte und die Institution im Fokus steht, versteht Zobrist in seiner Untersuchung „das Machtgeschehen als interaktionelles, in und durch die Arbeitsbeziehung hervorgebrachtes, Phänomen der sozialen Ordnungsbildung und [er legt] den Fokus auf das (beobachtbare) interaktional verwobene, machtdynamische Handeln der Akteure“ (Zobrist 2025, S. 223). Mit teilnehmender Beobachtung wurden 12 Besprechungen zwischen Fachkräften und Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen untersucht, die Gespräche wurden aufgezeichnet und die Beobachtungen in Protokollen dokumentiert. An die Gespräche anschließend fanden jeweils Einzelinterviews mit den Beteiligten statt. Das heißt, hier wird die Perspektive der Adressat:innen als Teil des Interaktionsgeschehens ausdrücklich mitaufgenommen. Darüber hinaus wurden fünf weitere, ausführliche Interviews mit Fachkräften in das Sample aufgenommen. Die Ergebnisse werden im Hinblick auf die sozialarbeiterische Beziehungsgestaltung und die Machtbeziehungen in diesem Handlungsfeld gebündelt und diskutiert: „Als wichtige Erkenntnis zeigt sich, dass sich die Machtdynamiken als interdependente Phänomene rekonstruieren lassen und die Wahrnehmung und Zuschreibung der jeweiligen Dynamiken wie ein Moderator für die jeweils gewählten Handlungslinien der Akteure wirken können, die bei den Fachkräften zwischen sanfter Macht und offensiven Durchsetzungen oszillieren und auf der Seite der Jugendlichen durch verschiedene Formen von Anpassungen charakterisiert sind“ (Zobrist 2025, S. 233).

In einem kurzen, abschließendem Kapitel „Fazit und Ausblick“ plädieren die Herausgeber:innen dafür, die professionelle Beziehungsgestaltung in der Sozialen Arbeit praktisch, empirisch und theoretisch weiter zu fundieren. Sie gehen davon aus, dass eine empirisch begründete Theoriebildung handlungs‑ und zielgruppenspezifischer Beziehungsarbeit in der Sozialen Arbeit unabdingbar ist.

Diskussion

Ein Verdienst dieser Veröffentlichung liegt in der Hervorhebung der Bedeutung der professionellen Beziehungsgestaltung in der Sozialen Arbeit. So bieten die unterschiedlichen Beiträge zahlreiche Anstöße für eine vertiefende Lektüre und Ansatzpunkte für mögliche weitere Untersuchungsperspektiven. Die Publikation regt dazu an, den dargestellten Stand zur sozialarbeiterischen Beziehungsarbeit zu erweitern, beispielsweise durch den Einbezug von Studien zur Interaktionsarbeit, zur Emotionsarbeit, Bezügen zur Beratungswissenschaft und der Arbeitssoziologie sowie zur Supervisionsforschung und der Geschlechterforschung. In der Geschichte der Sozialen Arbeit im Zusammenhang mit sozialen Bewegungen ist beispielsweise an eine Debatte über Beziehungsarbeit und Zuschreibungen von Weiblichkeit im Kontext feministischer Diskurse zur Sozialen Arbeit zu erinnern, die bis heute in den Debatten um Care-Arbeit als Beziehungs‑ und Sorgearbeit kritisch aufgegriffen wird.

In allen Beiträgen der Veröffentlichung bleibt die Bedeutung von Geschlecht und anderen Kategorien sozialer Ungleichheit im Kontext der Gestaltung professioneller Arbeitsbeziehungen verdeckt. Die „Involviertheit der ganzen Person“ der Sozialarbeitenden und der Adressat:innen kann jedoch die mögliche Konflikthaftigkeit der sozialarbeiterischen Beziehungsgestaltung erhöhen. Hier bietet es sich an, an aktuelle Forschungen und Debatten einer diskriminierungssensiblen und inklusiven Sozialen Arbeit anzuknüpfen. Darüber hinaus können Forschungen zur Perspektive von Nutzer:innen sozialer Dienste den Blick auf die Bedeutung der sozialarbeiterischen Beziehungsgestaltung erweitern.

Fazit

Die Veröffentlichung ermöglicht insbesondere Studierenden der Sozialen Arbeit einen strukturierten Einblick in die Relevanz der fachlichen Auseinandersetzung mit der sozialarbeiterischen Beziehungsgestaltung. In der Anlage als Lehrbuch in der Reihe „Studienkurs Soziale Arbeit“ bietet sie gleichzeitig Reflexionshilfen und Anregungen für weitere Fragestellungen und Untersuchungen.

Rezension von
Prof. (i.R.) Dr. Gudrun Ehlert
Hochschule Mittweida, Fakultät Soziale Arbeit
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Es gibt 34 Rezensionen von Gudrun Ehlert.

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ISSN 2190-9245