Eva Steinherr: Konflikte in Schulen verstehen und lösen
Rezensiert von Dipl. Päd. Martin Zauner, 05.03.2026
Eva Steinherr: Konflikte in Schulen verstehen und lösen. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2025. 184 Seiten. ISBN 978-3-8252-6555-7. D: 24,90 EUR, A: 25,60 EUR, CH: 32,50 sFr.
Thema
Schule ist ein sehr komplexer Sozialraum, in dem Lernen, Beziehungen und Dynamiken kontinuierlich ineinandergreifen. Dabei ist wenig strittig, dass es die vornehme Aufgabe von Lehrkräften ist, anspruchsvollen Unterricht mit fachlicher Tiefe, methodischer Vielfalt und unbedingt viel pädagogischem Gespür zu gestalten. Diese professionelle Unterrichtsarbeit bildet das Herzstück der schulischen Praxis.
Aber gleichzeitig ist Schule eben ein Ort, an dem viele Menschen mit sehr unterschiedlichen Bedürfnissen, Erwartungen und Emotionen aufeinandertreffen. Natürlich gibt es dort Konflikte. Sie gehören zur alltäglichen Realität: kleinere und größere Befindlichkeiten, Missverständnisse, Drohungen, Statuskämpfe, Mobbing und vieles andere mehr. Dieses konflikthafte Grundrauschen ist kein Störfaktor, der von außen in den Unterricht einbricht, sondern Teil der sozialen Bedingungen, unter denen Unterricht und das gesamte Schulleben stattfinden.
Wer Schule verstehen will, muss diese Gleichzeitigkeit ernst nehmen: Lehrkräfte unterrichten nicht trotz der Konflikte, sondern mitten in ihnen. Sie erfüllen einen ganzheitlichen Bildungsauftrag, der fachliches Lernen, soziale Orientierung, emotionale Entwicklung und schulische Autonomieförderung miteinander verbindet. Genau hier setzt „Konflikte in Schulen verstehen und lösen“ von Eva Steinherr an, indem es zeigt, wie Konflikte professionell gedeutet, gestaltet und für pädagogisches Handeln fruchtbar gemacht werden können.
Autorin
Dr. Eva Steinherr ist Akademische Oberrätin am Lehrstuhl für Schulpädagogik der LMU München. Sie studierte Philosophie sowie Lehramt für Grundschulen und war fünfzehn Jahre als Grundschullehrerin tätig, bevor sie in die universitäre Lehrerbildung wechselte. Weitere Informationen finden sich auf der Homepage der Ludwig‑Maximilians‑Universität München.
Aufbau
12 authentische Fallbeispiele aus dem Schulalltag fordern vornehmlich, aber nicht ausschließlich Lehramtsstudierende heraus. Thematisch handelt es sich um Konflikte auf Schul‑ und Klassenebene, um Konflikte mit auffälligen Schülerinnen und Schülern und um Mobbingfälle.
Diese Konfliktfälle werden jeweils entlang eines einheitlichen Schemas aufbereitet:
- Fallvorstellung
- Formulierung von Leitfragen
- Analyse des Grundproblems
- Identifikation von bekannten Fakten und blinden Flecken
- Interpretation der Herausforderungen – zunächst allgemein und dann aus verschiedenen Perspektiven heraus
- Beurteilung des Falls bzw. dessen Herausforderungen im Sinne einer Diskussion
- Erarbeitung differenzierter Lösungsmöglichkeiten
Inhalt
Zu Beginn klärt die Autorin darüber auf, was vom Buch zu erwarten ist: Im Zentrum steht die Arbeit mit authentischen schulischen Konfliktfällen, die mithilfe theoretischer Modelle analysiert und zu praxistauglichen Lösungen weiterentwickelt werden. Mit dieser Aufgabe betraut sie ihre meist studentischen Seminarteilnehmer*innen. Zwölf reale Fälle dienen als Lernanlässe, um zu zeigen, wie Theorie konkrete Problemsituationen erhellen und professionelles Handeln orientieren kann. Die jeweilige Fallbearbeitung folgt einer klaren Struktur, vom Erfassen des Grundproblems über Interpretation und Beurteilung bis zur Entwicklung tragfähiger Lösungswege.
Die Autorin sieht in der theoriebasierten Fallarbeit ein besonderes Potenzial, angehenden Lehrkräften „… im Schonraum eines Seminars professionelle Handlungskompetenz zur Autonomieförderung von Schülerinnen und Schülern zu vermitteln.“ (8) Diese Autonomieförderung definiert sie als Hauptanliegen des Buches und präzisiert vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Polarisierung und populistischer Verkürzung den Autonomiebegriff als Selbständigkeit in Verantwortung.
Es schließen sich zwölf Konfliktfälle an, die das Herzstück des Buches bilden. Sie werden jeweils als kurze Fallgeschichte eingeführt und entlang der beschriebenen einheitlichen Struktur (vgl. Aufbau) entfaltet. Für die Rezension sollen hier nur die thematischen Konturen sichtbar werden. Die ausführlichen Fallbearbeitungen bleiben dem Buch selbst vorbehalten.
Konflikte auf Schulebene
Fridays for Future
Im ersten Fall geht es um eine Schulleiterin, deren Schülerinnen und Schüler während der Unterrichtszeit an einer Fridays‑for‑Future‑Demonstration teilnehmen. Obwohl die Schulleitung entsprechend der kultusministeriellen Vorgaben auf die Pflicht zum Schulbesuch hinweist, bleiben viele dem Unterricht fern. Die Situation bringt Schulleiterin und Kollegium in einen Konflikt: Wie lässt sich die rechtliche Vorgabe wahren und zugleich die politische Selbstbestimmung der Jugendlichen ernst nehmen? Leitfragen betreffen daher das Spannungsfeld zwischen ministeriellen Regelungen und einer autonomiefördernden Haltung des Kollegiums.
Ukrainischer Schüler mit Waffe
Im zweiten Fall geht es um einen ukrainischen Schüler der Klasse 4a, der eine täuschend echt aussehende Spielzeug‑Pumpgun mit in die Schule bringt. Während seine eigene Klasse die Situation relativ gelassen aufnimmt, fühlen sich Schülerinnen und Schüler der Parallelklasse 4b bedroht und informieren ihre Klassenlehrerin. Die Schulleitung greift ein, kommuniziert jedoch nur knapp per Rundmail, was zu Irritationen und Elternreaktionen führt. Der Fall wirft Fragen nach einem kultursensiblen Umgang mit Regelverstößen, nach unausgesprochenen kulturellen Selbstverständlichkeiten und nach Chancen eines interkulturellen Austauschs auf, der Ausgrenzung verhindert und gegenseitiges Verständnis stärkt.
Abi-Wochen-Motto: „Prostituierte und Zuhälter“
Im dritten Fall planen Abiturientinnen im Rahmen traditioneller Mottowochen ein Thema, das sie selbst als humorvoll verstehen, das von der Schulleitung aber als problematisch eingestuft wird: „Prostituierte und Zuhälter“. Der Direktor weist die Oberstufensprecher*innen auf die Opferperspektive von Prostitution hin und fordert Sensibilität ein. Die Jugendlichen empfinden dies als Bevormundung, bezeichnen ihn unter sich als „Spießer“ und beschließen, dennoch das Motto indirekt umzusetzen. Der Fall thematisiert das Spannungsfeld zwischen pädagogischer Grenzsetzung und jugendlicher Autonomie sowie die Frage, wie Lehrkräfte problematische Ideen hinterfragen können, ohne dass Jugendliche dies als Angriff auf ihre Selbstbestimmung erleben.
Konflikte auf Klassenebene
Die Hausaufgabenpolizei
Im vierten Fall bittet eine Lehrerin ältere Schülerinnen und Schüler darum, im Zug oder Schulbus zu beobachten, welche Fünftklässler*innen ihre Hausaufgaben abschreiben oder nicht erledigen. Die älteren Jugendlichen melden ihre Beobachtungen zurück, woraufhin die Lehrerin die betroffenen Kinder vor der gesamten Klasse maßregelt. Der Fall wirft Fragen nach der Art der aufgebauten Motivation, nach der pädagogischen Angemessenheit solcher Kontrollmaßnahmen und nach dem Erziehungsstil der Lehrerin auf, ebenso wie nach möglichen Reaktionen der älteren Schülerinnen und Schüler.
Mäppchenwurf auf Lehrer
Im fünften Fall hat es ein Chemielehrer mit einer Vierergruppe zu tun, die den Unterricht regelmäßig stört. Als ein Mäppchen in seine Richtung geworfen wird, kann er den Verursacher nicht identifizieren und belässt es bei einer Ermahnung. Ein Mitschüler fordert daraufhin eine kollektive Bestrafung der Vierergruppe, was der Lehrer aus rechtlichen und pädagogischen Gründen ablehnt. Die Situation verunsichert ihn jedoch hinsichtlich seiner Wirkung in der Klasse. Der Fall thematisiert den Umgang mit Unterrichtsstörungen, die Frage nach angemessenen Reaktionsmöglichkeiten und den Erziehungsstil, der das Handeln des Lehrers prägt.
Kaja klaut
Im sechsten Fall geht es um wiederholte Diebstähle in einer siebten Klasse, bei denen der Verdacht schließlich auf die Schülerin Kaja fällt. Nachdem sie die entwendeten Gegenstände zurückgegeben und sich entschuldigt hat, wird sie von vielen Mitschüler*innen gemieden. Die Klassenlehrerin bittet einige Mädchen, sich mit Kaja anzufreunden, da diese familiär belastet sei und aus Sorge um ihren jüngeren Bruder gestohlen habe. Der Versuch gelingt nur teilweise und Misstrauen bleibt bestehen. Am Schuljahresende verlässt Kaja die Klasse. Der Fall wirft Fragen nach möglichen Motiven, nach Verantwortung und nach angemessenen pädagogischen Reaktionen und Wegen auf.
Konflikte mit auffälligen Schülerinnen und Schülern
Tina schreibt Tagebuch in Physik
Im siebten Fall geht es um die Neuntklässlerin Tina, die im Physikunterricht Schwierigkeiten hat. Die Lehrerin versucht, sie durch gezielte Beteiligung zu unterstützen und ihr so bessere Mitarbeitsnoten zu ermöglichen. Dennoch wird Tina wiederholt dabei entdeckt, wie sie während des Unterrichts in ihr Tagebuch schreibt. Als die Lehrerin die Herausgabe verlangt und Tina dies verweigert, stellt diese sie vor die Wahl zwischen Abgabe oder Verweis, woraufhin Tina den Verweis in Kauf nimmt. Am nächsten Tag bittet Tina um dessen Rücknahme, da sie sonst von ihrer Mutter aus nicht an einem Sommercamp für kreatives Schreiben teilnehmen darf. Der Fall thematisiert den Umgang mit Fremdbeschäftigung, die Angemessenheit von Maßnahmen wie Einziehung oder Verweis und die Frage, wie Lernmotivation trotz fachlicher Schwierigkeiten gefördert werden kann.
Diane nimmt mit Diabetes am Sport teil
Im achten Fall unterrichtet eine junge Sportlehrkraft eine zweite Klasse, in der die siebenjährige Diane mit Diabetes Typ 1 Schülerin ist. Diane bemerkt in der Sporthalle, dass sie ihr Messgerät im Klassenzimmer vergessen hat und ihren Blutzucker an diesem Tag noch nicht kontrolliert hat. Die Lehrkraft lässt sie dennoch ganz normal am Unterricht teilnehmen und bittet sie lediglich, Bescheid zu geben, falls es ihr schlechter gehe. Am Ende der Stunde fordert sie Diane auf, Apfelsaft zu trinken, ohne den aktuellen Blutzuckerwert zu kennen. Weder Klassenlehrerin noch Schulleitung werden informiert. Der Fall thematisiert die Spannung zwischen Aufsichtspflicht und Autonomieförderung sowie die Frage, wie Lehrkräfte verantwortungsvoll mit gesundheitlichen Risiken und eigenständigen Entscheidungen von Kindern umgehen können.
Dunja durchbricht den Dresscode
Im neunten Fall verändert die Sechstklässlerin Dunja plötzlich ihren Kleidungsstil und erscheint deutlich freizügiger als zuvor. Die Klassenleiterin spricht sie nicht darauf an und die Religionslehrerin bittet lediglich, im Unterricht eine Jacke überzuziehen. Ein Biologielehrer berichtet, dass er sich unwohl fühle, Dunja aber aus Sorge vor möglichen Unterstellungen nicht direkt anspreche. Der Fall thematisiert die Frage, wie Schulen mit auffällig freizügiger Kleidung umgehen können, ob ein expliziter Dresscode sinnvoll ist und wie Lehrkräfte zwischen Autonomieförderung, pädagogischer Verantwortung und eigenen Unsicherheiten navigieren können.
Mobbingvorfälle
Lisa lädt Videos auf YouTube hoch
Im zehnten Fall veröffentlicht die Achtklässlerin Lisa eigene Videos und Lieder auf YouTube, die von Mitschüler*innen mit abwertenden Kommentaren versehen werden. Obwohl sie die Videos löscht, verbreitet Lennart, Mitschüler und eine Art Rädelsführer, eines davon weiter über Instagram. Auch in einer WhatsApp‑Gruppe wird über Lisa gelästert. Ihr Vater wendet sich schließlich an die Klassenlehrerin. Der Fall zeigt typische Dynamiken von Ausgrenzung und thematisiert die Frage, wie Lehrkräfte Mobbing erkennen, präventiv handeln und in akuten Situationen auf individueller, auf Klassen‑ und Schulebene intervenieren können.
Lehrerin mag Max nicht
Im elften Fall gerät der zunächst gut integrierte Max in der 8. Klasse zunehmend in eine Außenseiterrolle. Verhaltensänderungen führen dazu, dass er von Mitschüler*innen und Klassenleiterin überwiegend negative Rückmeldungen erhält, während ein weiterer Störer, Paul, eher wohlwollend behandelt wird. Max steht in den Pausen allein, wird von ehemaligen Freunden geschlagen, und die Klassenleiterin reagiert auf Hinweise der Mutter nur ausweichend. Erst nach einem Sitzplatzwechsel in eine Mädchengruppe beruhigt sich die Situation etwas. Der Fall macht die Bedeutung des Lehrkraftverhaltens in Mobbingdynamiken sichtbar.
Mobbingbesprechung im Stuhlkreis
Im zwölften Fall meldet eine Schülerin zu Unterrichtsbeginn, seit eineinhalb Jahren von elf Mitschüler*innen gemobbt zu werden. Die Deutschlehrerin spricht das Thema sofort im ohnehin geplanten Stuhlkreis an und bittet die Schülerin, ihre Erfahrungen zu schildern. Während die das tut, reagieren die beteiligten Täter*innen mit Kichern und Abwertung. Auf Nachfrage äußern sie, dass das Mobbing verdient sei. Eine unbeteiligte Schülerin schlägt vor, die Klasse solle alles vergessen und ohne Mobbing von vorn anfangen. Diesen Vorschlag findet die Lehrerin gut und geht anschließend zum Unterricht über. Im Nachhinein ist festzustellen, dass das Mobbing etwa eine Woche unterbrochen wurde, dann aber wieder fortgesetzt wurde. Der Fall zeigt, wie schwer Mobbing ohne klare Struktur, professionelle Intervention und konsequentes Handeln zu stoppen ist.
Diskussion
Konflikte mag kein Mensch, auch keine Lehrerin, auch kein Lehrer! Soll man reagieren? Wenn nein, warum doch, oder vielleicht, und weshalb so, wie genau oder doch ganz anders? Fragen, Situationen, Herausforderungen, die unangenehm sind, nerven, belasten, manchmal an Grenzen führen oder auch darüber hinaus. Allerdings gehören Konflikte zum schulischen Alltag. Und auch wenn niemand sie mag, sollten Lehrkräfte professionell und reflektiert mit ihnen umgehen, weil sie auch darin ihre Schülerinnen und Schüler bilden. Darum geht es der Autorin mit ihrem Buch. Sie möchte dazu beitragen, angehende Lehrkräfte zu empowern, damit sie ihre Schülerinnen und Schüler zu autonomen, verantwortungs‑ wie selbstbewussten Menschen erziehen. Ihr spezifischer Fokus ist dabei: Konflikte in Schulen, die es zu verstehen und zu lösen gilt.
Zwölf authentische Fälle präsentieren sich vornehmlich Lehramtsstudierenden als herausfordernde Lernräume. Diese stammen aus realen Erfahrungen, sind somit weder idealtypisch noch konstruiert, sondern spiegeln die Ambivalenzen, Unsicherheiten und Dilemmata wider, die den schulischen Alltag prägen. Genau darin liegt ihre Stärke: Sie zeigen nicht, wie Schule „sein sollte“, sondern wie sie ist, mit all ihren Brüchen, Unschärfen und Zumutungen.
Die Fallarbeit, hier eindeutig auch in der Lesart von Case Studies, folgt dabei einem klaren didaktischen Konzept. Sie schafft eine Art Idealpause zwischen Erleben und Handeln: einen Raum, in dem Studierende zunächst das Grundproblem bestimmen, dann Fakten und blinde Flecken identifizieren, Hypothesen bilden und schließlich tragfähige Handlungsmöglichkeiten entwickeln. Das Ganze geschieht, und das macht das Konzept rund, immer in enger Verbindung mit Theorie. So wird ermöglicht, dass Konflikte nicht vorschnell bewertet, sondern systematisch durchdrungen werden.
Denn die zwölf Fälle zeigen, warum Konflikte in Schulen immer wieder unprofessionell bearbeitet werden. Lehrkräfte scheitern häufig an Mustern, die sich durch viele beschriebene Situationen ziehen: Sie deuten Konflikte unzureichend, reagieren isoliert statt strukturiert, unterschätzen die Bedeutung von Beziehungsarbeit oder setzen Grenzen entweder zu hart oder zu weich. Hinzu kommt die Schwierigkeit, Nähe und professionelle Distanz auszubalancieren – ein Thema, das in mehreren Fällen sichtbar wird. Fallarbeit macht diese Stolperstellen nicht nur sichtbar, sondern bearbeitbar: Sie zwingt dazu, Wahrnehmung, Deutung und Handlung zu entflechten und neu zu ordnen.
Theoretisch bewegt sich das Buch in einem offenen Rahmen. Es verweist einerseits auf relevante Modelle und Konzepte, erwähnt gleichzeitig andere einschlägige nicht. Doch gerade diese Offenheit scheint gewollt: Sie erlaubt es, die Fälle als Ausgangspunkt für eigene theoretische Vertiefungen zu nutzen, ohne Studierende vorschnell in ein Raster zu zwingen. Das eröffnet einem anschließenden reflektierten und spannenden Austausch im Seminar viele Türen.
Die Auswahl der Fälle deckt ein breites Spektrum schulischer Konflikte ab. Es zeigt sich dabei, wie eng Autonomieförderung, Schutzpflicht und pädagogische Verantwortung miteinander verwoben sind. Immer wieder wird deutlich, dass professionelles Lehrerhandeln weniger in der perfekten Reaktion liegt als in der Fähigkeit, Situationen präzise zu deuten, Beziehungen tragfähig zu gestalten und Verantwortung nicht zu delegieren, sondern strukturiert wahrzunehmen. Die Fälle regen dazu an, eigene Deutungsmuster zu hinterfragen, Alternativen zu entwickeln und die eigene Haltung zu schärfen.
Insgesamt überzeugt das Buch durch seine klare Struktur, seine konsequente Praxisorientierung und seine Anschlussfähigkeit an die Lehrerbildung. Es eignet sich für Seminare, aber auch Workshops und kollegiale Fallberatung. Das Buch versteht sich dabei nicht als Theoriekompendium, sondern als Trainingsraum für professionelles Denken und Handeln. In diesem Sinne ist es ein Reflexions‑ und Haltungstraining für angehende wie erfahrene Lehrpersonen, ein Buch, das nicht Rezepte liefert, sondern die Fähigkeit stärkt, in herausfordernden Situationen klug, verantwortungsvoll und autonom zu handeln.
Fazit
Eva Steinherrs „Konflikte in Schulen verstehen und lösen“ verbindet einen realistischen Blick auf schulische Konflikte mit einer didaktisch überzeugenden Struktur. Die zwölf authentischen Fälle eröffnen Studierenden anspruchsvolle Lernräume und bieten zugleich Dozentinnen und Dozenten der Lehrerbildung ein praxisnahes Medium, um professionelles Handeln reflektiert zu vermitteln. Ein Fallbuch, das nicht auf Rezepte setzt, sondern auf die Entwicklung einer souveränen, verantwortungsbewussten pädagogischen Haltung.
Rezension von
Dipl. Päd. Martin Zauner
Dipl.Päd.(univ), Dipl.Sozialpäd.(FH), Mediator (BM), AkadOR an der Fakultät Sozial- und Gesundheitswissenschaften an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (Lehrgebiete: Gruppenarbeit, Teamführung /-entwicklung, Mediation, Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit, Schulsozialarbeit)
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