Johannes Jungbauer: Entwicklungspsychologie des Kindes- und Jugendalters
Rezensiert von Wolfgang Schneider, 15.12.2025
Johannes Jungbauer: Entwicklungspsychologie des Kindes- und Jugendalters. Ein Lehrbuch für Studium und Praxis sozialer Berufe. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2025. 2. Auflage. 240 Seiten. ISBN 978-3-7799-8953-0. D: 22,00 EUR, A: 22,70 EUR.
Thema
Alle, die beruflich mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, brauchen ein solides entwicklungspsychologisches Grundlagenwissen – sei es in der Jugendhilfe, in Bildungseinrichtungen, in der Erziehungsberatung oder in der Familienbildung. Beginnend mit der Entwicklung im Säuglings- und Kleinkindalter werden die vielfältigen Aspekte kognitiver, emotionaler, sprachlicher und sozialer Entwicklungsprozesse bis zum Ende der Adoleszenz dargestellt. In der Neuauflage wurden kleinere textliche Anpassungen vorgenommen sowie die Entwicklung von queeren Jugendlichen, deren sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität von der gesellschaftlichen ‚Heteronormativität‘ abweicht, neu aufgenommen.
Autoren
Prof. Dr. Johannes Jungbauer ist Diplom-Psychologe und Professor für Psychologie an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen in Aachen.
Aufbau und Inhalt
Diese zweite Auflage umfasst 13 Kapitel, jedes rund 15 Seiten lang mit Prüfungsfragen und Denkanstößen sowie Empfehlungen zur vertiefenden Beschäftigung am Ende jedes Kapitels. Jedem Kapitel vorangestellt ist eine kurze Zusammenfassung dessen, was die Leser:innen auf den folgenden Seiten erwartet Folgende thematische Schwerpunkte hat Autor Jungbauer gesetzt:
- Grundlagen der Entwicklungspsychologie
- Entwicklungspsychologische Theorien und Modelle
- Entwicklung von Wahrnehmung und Motorik
- Die Bindung zwischen Kindern und Eltern
- Lernen als Grundlage von Entwicklung
- Kognitive Entwicklung
- Spracherwerb und Sprachentwicklung
- Die Entwicklung des Selbst in der Kindheit
- Die Entwicklung von moralischem denken und Verhalten
- Erziehung und Entwicklung
- Körperliche und psychosexuelle Entwicklung in der Pubertät
- Identitätsentwicklung im Jugendalter
- Problemverhalten im Jugendalter
Die Kapitel haben immer wieder einen Querbezug zueinander, können auch separat gelesen werden. Zuerst werden wichtige theoretische Grundlagen und Konzepte der Entwicklungspsychologie vorgestellt, die im weiteren Verlauf des Buches immer wieder Bedeutung haben werden. Während die Folgekapitel ihren Ursprung überwiegend in der Kindheit haben, steht dann in den letzten drei Kapiteln die Jugend im Fokus – neben den entsprechenden entwicklungspsychologischen Ansätzen auch im Hinblick auf Risiken im Rahmen dieser Zeitspanne. Letzteres Kapitel soll an dieser Stelle näher betrachtet werden. Dass Jugendliche sich unangepasst und gerade für Erwachsene ‚auffällig‘ verhalten ist ein wichtiger Teil der Entwicklung, was aber durchaus problematisch werden kann. Das verdeutlicht Jungbauer an den drei Beispielen Drogenkonsum, illegalem Graffitisprayen und Jugendgewalt. Zunächst ist es dafür wichtig, zwischen Devianz und Delinquenz zu unterscheiden. Während unter Devianz Verhaltensweisen zu verstehen sind, die „gesellschaftlichen Normen widersprechen oder von ihnen abweichen“ (S. 209), ist Delinquenz ein eigener Unterbereich der Devianz und meint (schwere) Kriminalität als Ausdruck von Devianz. Während eine gewisse Grundform der Devianz in der Pubertät Sinn macht, gibt es aber durchaus Verhaltensweisen, denen ein hohes Risiko für die weitere Entwicklung innewohnt. Der Autor nennt hier Schulabsentismus, S-Bahn-Surfen, Konsum von Partydrogen aber auch die durch soziale Medien angestachelten Mutproben.
Delinquenz unterscheidet sich in zwei Arten. Während die Jugenddelinquenz ausschließlich auf die Jugendphase beschränkt ist und Straftaten im Erwachsenenleben keine Rolle mehr spielen, kann es aber auch die persistente Delinquenz geben. Was in der Jugend begann, bleibt auch im Erwachsenenalter bestehen: „Diese Jugendlichen waren häufig schon in ihrer Kindheit auffällig (…) In Wechselwirkung mit einer ungünstigen Entwicklungsumwelt (…) kann es zu einer negativen Entwicklungsdynamik kommen, in der die Jugendlichen antisoziale Persönlichkeitsstrukturen ausbilden“ (S. 212). Dabei kann Problemverhalten durchaus als Antwort auf Entwicklungsprobleme benannt werden. Jungbauer nennt hier ein Übermaß an Fremdbestimmung, Identitäts- und Selbstwertprobleme, Misserfolge und Rückschläge aber auch Zukunftssorgen und Sinnverlust.
Diskussion
Dank der komprimierten und übersichtlichen Darstellung vermittelt dieses Buch sowohl Studierenden als auch Fachkräften aus verschiedensten Bereichen der Sozialen Arbeit ein Grundlagenwissen bezüglich der Entwicklungspsychologie des Kindes- und Jugendalters. Das ist an mancher Stelle sicher nicht nur ein Überblick, mehr muss aber auch ein solches Lehrbuch gar nicht leisten. Mit verständlichen Texten und vielen Beispielen aus der Praxis ist dieses Buch ein empfehlenswerter Begleiter.
Fazit
Nachvollziehbar strukturiert, verständlich geschrieben – absolut tauglich für Studium und auch Berufseinsteiger:innen, die ein fundiertes Basiswissen zur Thematik haben wollen.
Rezension von
Wolfgang Schneider
Sozialarbeiter
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Es gibt 201 Rezensionen von Wolfgang Schneider.





