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Caterina Gawrilow: Lehrbuch ADHS

Rezensiert von Prof. Stefan Müller-Teusler, 19.12.2025

Cover Caterina Gawrilow: Lehrbuch ADHS ISBN 978-3-8252-6547-2

Caterina Gawrilow: Lehrbuch ADHS. Modelle, Ursachen, Diagnose, Therapie. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2025. 4. aktualisierte Auflage. 194 Seiten. ISBN 978-3-8252-6547-2. D: 27,00 EUR, A: 27,80 EUR, CH: 34,70 sFr.
Reihe: UTB - 3684. Psychologie, Pädagogik.

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Anlass des Buches

Das Buch liegt aktuell in der 4. Auflage vor, ein deutlicher Hinweis, dass es sich um ein sehr etabliertes Fachbuch handelt. Die Erstausgabe erschien 2012 und ist hier auch besprochen worden (https://www.socialnet.de/rezensionen/13553.php) wie auch die dritte Auflage (https://www.socialnet.de/rezensionen/30372.php) von 2023. „Diese [vierte] Neuauflage integriert aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und versucht, diese in praxisnahe Empfehlungen für Diagnostik und Intervention zu übersetzen. Ein besonderer Fokus liegt auf der interdisziplinären Betrachtung und auf geschlechtsspezifischen Aspekten von ADHS“ (aus dem Vorwort zur 4. Auflage).

Autorin

Caterina Gawrilow, Prof. Dr., ist Professorin für Schulpsychologie am Fachbereich Psychologie der Eberhard Karls Universität Tübingen

Aufbau des Buches

Das Buch unterteilt sich in 3 Abschnitte mit diversen Kapiteln, insofern dürfte sich der Aufbau im Vergleich zu den vorherigen Ausgaben nicht wesentlich unterscheiden.

Der erste Abschnitt ist mit Geschichte, Symptome, Abgrenzung überschrieben und beginnt mit einer kurzen Geschichte von ADHS und greift auch die Frage auf, ob ADHS eine Modediagnose ist, was hier ausdrücklich verneint wird: „In der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Thematik ADHS spielt die Frage nach dem Vorhandensein beziehungsweise nicht-Vorhandensein der ADHS keine Rolle mehr – die Forschung kommt konzentriert sich aktuell vielmehr auf Fragen im Zusammenhang mit ADHS Ideologie, Prävention und Intervention“ (S. 20). Im 2. Kapitel geht es um Kernsymptome Stärken und Subtypen des ADHS (mit einer Bemerkung zu Emotionserkennung), bevor es dann im 3. Kapitel mit komorbiden Störungen weitergeht, differenziert nach externalisierenden und internalisierenden Störungen. Im Hinblick auf die Diagnostik ist relevant: „Erfolgt die ADHS-Diagnose beispielsweise nicht frühzeitig und wird die ADHS nicht behandelt, können Anpassungs- und Kompensationsprozesse an die ADHS zu einer Ausprägung weiterer Störungen führen“ (S. 36). Im 4. Kapitel geht es um die Abgrenzung von ADHS zu anderen Störungen und zu alterstypischen Entwicklungen. Dabei zeigt sich insbesondere im Hinblick auf den schulischen Kontext die Schwierigkeit der Unterscheidung von Entwicklungsverläufen oder ADHS-Beeinträchtigung, denn nicht jede schulische Auffälligkeit ist mit ADHS gleichzusetzen. Die Frage der Prävalenz von ADHS spielt natürlich auch eine Rolle, was im 5. Kapitel aufgegriffen wird, wobei auch betont wird, dass trotz vieler amerikanischer Studien ADHS in allen Kulturen vorkommt. Der erste Abschnitt schließt mit dem 6. Kapitel, in dem es um die Geschlechtsunterschiede geht, was auch im Hinblick auf die Diagnostik von großer Bedeutung ist.

Der zweite Abschnitt hat schwerpunktmäßig Ursachen und Entwicklung zum Inhalt. Er beginnt mit dem 7. Kapitel über die Ursachen der ADHS (vermutlich eine Interaktion biologischer und psychosozialer Faktoren, S. 61), was im 8. Kapitel mit exekutiven Funktionen und Selbstregulationsfähigkeiten bei der ADHS fortgeführt wird. Dabei gibt es erste Interventionshinweise mit Wenn-Dann-Plänen. Im 9. Kapitel geht es um die Entwicklung von ADHS in verschiedenen Kinder- und Jugendphasen, während sich das 10. Kapitel ausdrücklich dem Thema ADHS im Erwachsenenalter widmet, was im Berufsleben auch positive Momente hinsichtlich „Hyperfokussierung und kreative Lösungsvorschläge“ (S. 113) haben kann.

Der dritte und letzte Abschnitt widmet sich dem Themenspektrum Diagnostik, Intervention und Förderung. Das 11. Kapitel hat die Diagnostik von ADHS zum Inhalt, wobei es hier auch noch einmal um die Spezifika in den verschiedenen Lebensaltersstufen geht. Wie bei allen Besonderheiten gilt auch hier, dass die frühzeitige Diagnostik vielfältige Folgeprobleme vermeiden kann. Mit der diagnostischen Verordnung von ADHS ist auch die Frage verbunden, wie mit dieser Thematik umgegangen werden muss, was im 12. Kapitel mit psychologischen und medizinischen Interventionen für Kinder und Jugendliche mit ADHS aufgegriffen wird. Neben dem therapeutischen Rahmen stellt sich auch die Frage, wie der Umgang im Alltag geschehen kann. Dazu gibt das 13. Kapitel Hinweise gibt für Interventionen im Alltag von Kindern und Jugendlichen, was hier noch einmal differenziert wird zwischen Eltern und Schule und verbunden wird mit Elementen wie Sport und Natur, aber auch dem Training von Selbstregulation oder spezifischen Trainingsprogrammen. Das 14. Kapitel geht auf Vergleichsstudien zu Therapien von ADHS im Kindesalter ein, während das 15. Kapitel sich noch einmal der besonderen Thematik ADHS im Erwachsenenalter und Interventionen dazu widmet. Dazu wird das Kölner Training vorgestellt, was ausdrücklich dazu entwickelt worden ist.

Diskussion

Das Buch ist als Lehrbuch betitelt, und genau das bietet es auch in Kurzform. Es ist sehr übersichtlich gestaltet und hat am Rand diverse Hinweise und Schlagworte, die bestimmte Dinge noch einmal betonen oder besonders herausheben. Dazu gibt es am Ende eines jeden Kapitels Vertiefungsfragen, so dass man das eigene Verständnis hier gut überprüfen kann. Die Kurzform macht das Buch sehr handhabbar, was aber auch dazu führt, dass manche Dinge sehr knapp dargestellt sind. Das ist allerdings für den Einstieg in die Thematik völlig ausreichend.

Am Ende des Buches gibt es ein Glossar, in dem relevante Begriffe erklärt werden. Wie schon in der vorherigen Rezension angesprochen, gibt es keine Diskussionen zu gesellschaftlichen Kontexten. So fehlt auch in dem Buch gänzlich der Hinweis auf Neurodiversität und auch die Sichtweise und Erlebnisweise von betroffenen Personen.

Fazit

Das Buch bietet einen sehr guten Einblick in die Thematik ADHS an sich sowie noch einmal kurz differenziert nach verschiedenen Lebensaltersstufen. Für Studierende in den Bereichen Soziale Arbeit, Kindheitspädagogik, Lehramt, Heilpädagogik etc. und Auszubildende in vergleichbaren Berufen wie Ergotherapie, Erzieher:innen und Logopädie ist hier eine gute und verständliche Grundlage gelegt.

Rezension von
Prof. Stefan Müller-Teusler
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Es gibt 102 Rezensionen von Stefan Müller-Teusler.

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ISSN 2190-9245